Hasegawa Haruko

japanische Malerin, Illustratorin und Schriftstellerin From Wikipedia, the free encyclopedia

Haruko Hasegawa (japanisch 長谷川 春子 Hasegawa Haruko; * 28. Februar 1895 in Tokio; † 7. Mai 1967 ebenda) war eine japanische Malerin und Illustratorin. In den 1920er- und 1930er-Jahren spielte sie eine zentrale Rolle bei der Entwicklung und Gestaltung der Frauenzeitschrift Nyonin Geijutsu (japanisch 婦人芸術, „Frauenkunst“).[1] Sie zählt zu den wichtigsten Akteurinnen der japanischen feministischen Kunstbewegung in der Zwischenkriegszeit.[2]

Haruko Hasegawa (1947)

Leben

Haruko Hasegawa wurde 1895 als jüngste Tochter eines Juristen und einer Gastwirtin geboren. Sie studierte zunächst traditionelle japanische Malerei (Nihonga) bei Kiyokata Kaburaki (1878–1972), einem bekannten Vertreter der Bijinga-Malerei. Später wandte sie sich der westlichen Malerei (Yōga) zu und wurde Schülerin des japanischen Impressionisten Ryūzaburō Umehara (1888–1986). Gemeinsam mit ihrer älteren Schwester, der Bühnenautorin Shigure Hasegawa (1879–1941), gründete sie im Jahr 1928 die Zeitschrift Nyonin Geijutsu. Sie war für die künstlerische Gestaltung verantwortlich und baute das Netzwerk von bildenden Künstlerinnen auf, das die Zeitschrift prägte. Nyonin Geijutsu erschien von Juli 1928 bis Juni 1932 in insgesamt 48 Ausgaben. Die Redaktion und die Autorinnen bestanden ausschließlich aus Frauen. In den ersten Jahren umfasste Haruko Hasegawas Tätigkeit die Auswahl und Gestaltung der Titelbilder, auf denen häufig Werke von Künstlerinnen wie Kuwayo Hanihara (1879–1936), Hitoyo Kai (1902–1963) und Fumiko Kametaka (1886–1977) zu sehen waren. Die Motive entsprachen anfangs den zeitgenössischen Vorstellungen „weiblicher“ Themen – darunter Stillleben, Puppen oder Frauenfiguren – und richteten sich an ein bürgerliches, weibliches Publikum. Haruko Hasegawa selbst schuf mehrere Titelbilder und Illustrationen für die Zeitschrift. Zu ihren bekanntesten Arbeiten zählt die Darstellung einer unbekleideten Frau in einer heißen Quelle. Dieses Bild gilt als eines der frühesten Beispiele eines von einer Frau geschaffenen Aktbildes in Japan. Ebenfalls bemerkenswert ist ihre Karikatur Kakarenu Saki ni – Manga, die die Mitarbeiterinnen der Zeitschrift unter einem großen Schirm zeigt und für die Solidarität und das Selbstbewusstsein der beteiligten Künstlerinnen steht. 1929 reiste Haruko Hasegawa nach Frankreich, wo sie in Paris arbeitete und eine Ausstellung in der Galerie Zak vorbereitete. Während dieser Zeit kam sie mit den zeitgenössischen europäischen Kunstströmungen in Kontakt, was ihren Stil und ihre ästhetische Haltung nachhaltig prägte. Nach ihrer Rückkehr nach Japan im Jahr 1931 wirkte sie weiterhin an der Zeitschrift Nyonin Geijutsu mit.[1]

Vordere Reihe, von links: Fumiko Hayashi, Tsuyako Miyake, Nobuko Hara, Fumiko Enchi, Shigure Hasegawa. Hintere Reihe, von links: Haruko Hasegawa, Kazue Tomimoto, Sadako Okada, Fusae Matsuyama, Mitsue Matsuyama (1934)

Unter ihrem Einfluss öffnete sich die Zeitschrift zunehmend politischen und gesellschaftskritischen Themen. So veröffentlichte Nyonin Geijutsu nun Beiträge über das Leben arbeitender Frauen, die Sowjetunion und sozialistische Ideen. Parallel dazu wandelte sich das visuelle Erscheinungsbild: Die Titelbilder zeigten nun geometrische Kompositionen und fotomontageartige Darstellungen arbeitender Frauen, die unter anderem von Yuko Atsuta (1906–1983) entworfen wurden. Die Behörden verboten die Zeitschrift mehrfach, bevor sie 1932 aus finanziellen Gründen eingestellt wurde.[1]

In den 1930er- und 1940er-Jahren reiste sie als Kriegsberichterstatterin zu verschiedenen Kriegsschauplätzen in Nordchina, der Inneren Mongolei, Südchina, auf Hainan und in Französisch-Indochina.[3] 1939 war sie das einzige weibliche Gründungsmitglied der Armee-Kunstvereinigung Rikugun Bijutsu Kyōkai. 1943 gründete sie die Frauen-Künstler-Diensttruppe Jōryū Bijutsuka Hōkōtai. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie aufgrund ihres Engagements während des Krieges in der japanischen Kunstwelt ausgegrenzt.[4] Kurz vor ihrem Tod illustrierte sie das klassische Werk Die Erzählung von Genji. Haruko Hasegawa verstarb 1967 im Tokioter Stadtbezirk Ota.

Literatur

  • Haruko Hasegawa: Hokushi mōkyō sensen: E to Bun [Die Schlachtlinien in Nordchina und der Inneren Mongolei: Zeichnungen und Texte], Akatsuki Shobō, Tokio, 1939
  • Haruko Hasegawa: Manchiukū [Mandschurei], Mikasa Shobō, Tokio, 1935
  • Haruko Hasegawa: Minami no Shojochi [Unberührter Süden], Kōa Nippon Sha, Tokio, 1940

Einzelnachweise

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