Shoshana Duizend-Jensen
österreichische Historikerin und Autorin
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Angelika Shoshana Duizend-Jensen, geboren als Angelika Jensen (* 1961 in Wien), ist eine österreichische Historikerin und Autorin.
Leben
Duizend-Jensen ist die Tochter des Internisten Bernhard Jerusalem (später Jensen, 1915–1961) und dessen dritter Ehefrau Hedwig. Sie hat zwei ältere Halbschwestern. Ihr Vater emigrierte aufgrund der Judenverfolgung aus Österreich nach dem Anschluss an das nationalsozialistische Deutsche Reich in die USA. Dort war er in erster Ehe kurzzeitig mit der Historikerin Gerda Kronstein (später Lerner) verheiratet. Nach der Befreiung vom Nationalsozialismus kehrte er nach Österreich zurück. Er starb 1961 an einem Herzinfarkt. Sein älterer Halbbruder war der Schriftsteller, Arzt und Kommunist Fritz Jensen (geborener Jerusalem).[1]
Duizend-Jensen wurde mehrere Monate nach dem Tod ihres Vaters mit einer Contergan-Schädigung geboren. Sie wurde katholisch getauft und von ihren Großeltern mütterlicherseits religiös erzogen. Erst als Jugendliche erhielt sie durch ihre Halbschwester Informationen über ihre jüdische Familiengeschichte und begann sich daraufhin intensiv mit dem Judentum zu beschäftigen. Nach der Matura absolvierte sie ein Studium der Geschichtswissenschaft und Judaistik. Sie konvertierte zum Judentum und nahm den Vornamen Shoshana an. Sie bezeichnet sich als „modern-orthodoxe“ und „zionistisch“ gesonnene Jüdin.[2] Sie ist seit 2002 verheiratet und lebt mit ihrer Familie in Wien.[2]
Duizend-Jensen wirkt als freie Wissenschaftlerin und Autorin in Wien. Sie forscht und publiziert zur jüdischen Geschichte in Österreich/Wien, insbesondere dem jüdischen Vereinsleben, der jüdischen Jugendbewegung und den Judenverfolgungen in Österreich in der Zeit des Nationalsozialismus (Novemberpogrom, Opfer- und Tätergeschichten sowie Nachkriegsjustiz). Seit 1992 arbeitet sie für das Wiener Stadt- und Landesarchiv. Von 1998 bis 2002 gehörte sie der Österreichischen Historikerkommission an.[2] Ihr 2024 erschienenes Buch Pepek – ein Kind überlebt den Holocaust behandelt die Biografie ihres Schwagers Josef Salomonovic, genannt Pepek.[3][4]
Neben ihren Forschungen zur jüdischen Geschichte in Wien engagiert sie sich gesellschaftlich und politisch. Als Betroffene gründete sie 2008 die „Selbsthilfegruppe der Contergan- und Thalidomid-Geschädigten Österreichs“, deren Sprecherin sie ist. Durch das beharrliche und medienwirksame Engagement konnte die Gruppe für die Betroffenen Entschädigungen erstreiten.[2][5][6] Sie setzt sich gegen den Rechtsruck ein und engagierte sich in der Flüchtlingshilfe. Sie ist Vorstandsmitglied im Wiener Stadttempel.[2]
Auszeichnungen
- Leon-Zelman-Preis für Dialog und Verständigung (2019)[7][8]
Schriften (Auswahl)
- Pepek – ein Kind überlebt den Holocaust, Löcker Verlag, Wien 2024, ISBN 978-3-99098-207-5.
- Geplündert, verbrannt, geräumt, demoliert: verschwundene Zentren jüdischen Lebens in Wien, Wiener Stadt- und Landesarchiv, Wien 2018 (= Wiener Geschichtsblätter / Beiheft, 2018, 2, Wiener Stadt- und Landesarchiv: Veröffentlichungen des Wiener Stadt- und Landesarchivs / Reihe B / Ausstellungskatalog / Reihe B / Ausstellungskataloge; Heft 99)
- Jüdische Gemeinden, Vereine, Stiftungen und Fonds: „Arisierung“ und Restitution, [Österreichische Historikerkommission], Oldenbourg, Wien und München 2004, ISBN 978-3-486-56787-8. (= Vereine, Stiftungen und Fonds im Nationalsozialismus, Teil 2: Vermögensentzug während der NS-Zeit sowie Rückstellungen und Entschädigungen seit 1945 in Österreich, Band 21)
Weblinks
- Literatur von und über Shoshana Duizend-Jensen im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Manuela Tomic: Ein Meer, in das ich eintauche. In Das Jüdische Echo online vom Juni 2019