Siciny (Niechlów)
Siedlung in Polen
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Siciny (deutsch Seitsch) ist ein Ort in der Landgemeinde Niechlów (Nechlau) im Powiat Górowski der Woiwodschaft Niederschlesien in Polen.
| Siciny | ||
|---|---|---|
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| Basisdaten | ||
| Staat: | ||
| Woiwodschaft: | Niederschlesien | |
| Powiat: | Góra | |
| Gmina: | Gmina Niechlów | |
| Geographische Lage: | 51° 43′ N, 16° 25′ O | |
| Höhe: | 102 m n.p.m. | |
| Einwohner: | 550 | |
| Postleitzahl: | 56-203 | |
| Telefonvorwahl: | (+48) 65 | |
| Kfz-Kennzeichen: | DGR | |
| Wirtschaft und Verkehr | ||
| Straße: | Wschowa–Góra | |
| Nächster int. Flughafen: | Posen | |
Geographische Lage
Geschichte





Erstmals urkundlich erwähnt wurde „Sezesco“ im Jahre 1155 im päpstlichen Schutzbrief für das Bistum Breslau. Für das Jahr 1213 ist der Ortsname „Sychem“ überliefert.[1] Nach der Teilung des Herzogtums Schlesien gelangte Seitsch 1251 an das Herzogtum Glogau. Für das Jahr 1289 ist ein Pfarrer in Seitsch belegt. In einer Urkunde vom 5. Dezember 1309 schenkt Herzog Heinrich III. sein Gut Seitsch (Sydcz, Sychicz) mit allem Zubehör dem Abt Ulrich des Klosters Leubus; in einer anderen Urkunde, ausgefertigt zu Steinau unter demselben Datum, ergänzt Herzog Heinrich auf Rat seiner Gemahlin, der Herzogin Mechthilde († 1323), und mit Einwilligung seiner Erben die Urkunde dahin, dass die Übereignung das Kirchenpatronat über die Kirche zu Seitsch mit allem Zubehör, frei von Steuern und Diensten, mit einschließen soll.[2][3] Abt Ulrich war damit 1309 das Recht übertragen worden, in Seitsch eine Propstei zu gründen und das Gut Seitsch in ein Kirchenlehen umzuwandeln.[4] Seit diesem Jahr bestand im Ort wahrscheinlich eine Schule. Das Kloster Leubus erwarb um diese Zeit mehrere Dörfer in der Nähe der polnischen Grenze.[5] Heinrichs III. Sohn, Herzog Johann von Steinau bestätigte 1326 dem Kloster Leubus den Besitz von Seitsch sowie der benachbarten Dörfer Braunau, Weschkau, Seifersdorf und Langenau[6] (im späteren Landkreis Guhrau) und errichtete in Seitsch eine Propstei. 1329 unterstellten Herzog Heinrich IV. „der Treue“ und dessen Brüder das Herzogtum Glogau freiwillig als ein Lehen an die Krone Böhmen, was 1335 mit dem Vertrag von Trentschin bestätigt wurde. Der böhmische König, Kaiser Karl IV. verlieh 1349 Seitsch Deutsches Recht und bestätigte dem Kloster Leubus den Besitz von Seitsch.[7] 1350 befreite er es von allen Abgaben an die weltliche Macht.
- Schloss Seitsch
- Gabäude aus Richtung Südwesten (2018)
- Fassade aus Richtung Osten (2016)
- Eingang über Freitreppe (2016)
- Wappen-Reliefs, rechts: Kloster Leubus, links: Leubuser Abt Tobias (1747–1757)
Nach dem Ersten Schlesischen Krieg 1742 fiel Seitsch zusammen mit dem größten Teil Schlesiens an Preußen. Um 1791 gab es in Seitsch eine zum Kloster Leubus gehörige Propstei, ein Hospital, eine katholische Kirche, eine Schule, ein Pfarrhaus, ein Schloss, ein Vorwerk, ein Freigut, 66 Gärtner, 27 Häusler, 33 Nebenhäuser (Angerhäuser) und sieben Windmühlen.[8][9] Schloss und Hospital waren auch noch um 1806 vorhanden.[10] Mit der Säkularisation 1810 endete die 700-jährige Herrschaft des Klosters Leubus in Seitsch.
Die umfangreichen Ländereien des Klosters[11] wurden im Rahmen der Säkularisation an verschiedene neue Besitzer veräußert. Die Propstei Seitsch mit den zughörigen sechs Dörfern wurde von Wilhelm I. der Niederlande aufgekauft und in eine Gutsherrschaft umgewandelt.[12] 1825 wird Wilhelmine von Preußen (1774–1837), durch Heirat 1791 des oranischen Erbprinzen Wilhelm I. der Niederlande seit 1815 Königin der Niederlande, als Besitzerin genannt, deren Familie sich nach Karl Friedrich Rauer schon seit 1809 im Besitz der Herrschaft Seitsch mit Braunau, Langenau, Neudorf, Seiffersdorf und Weschkau befunden hatte.[13] Nach ihrem Tod wird ihr zweiter Sohn, Prinz Friedrich der Niederlande, als Besitzer der Herrschaft Seitsch genannt.[1][13] Von ihm erbte das Rittergut Seitsch seine zweite Tochter, Maria Fürstin zu Wied (1841–1910), Prinzessin der Niederlande, die 1894 als Besitzerin genannt wird und ihren Wohnsitz im Schloss Neuwied in der Stadt Neuwied am Rhein hatte.[14][15] Sie ließ den eine Fläche von 2226 ha umfassenden Gutsbezirk, wovon 485 ha Ackerland, 893 ha Wiesen, 788 ha Holzungen und 62 ha Hofraum etc. waren, von einem Bevollmächtigten verwalten.
Am 1. Dezember 1913 wurden in dem 641,8 ha umfassenden Gemeindebezirk Seitsch 106 viehhaltende Haushaltungen gezählt, die zusammen 68 Pferde, 336 Stück Rindvieh, 416 Stück Borstenvieh und 74 Ziegen hielten. Am 1. Dezember 1913 standen im Gemeindebezirk 330 Apfelbäume, 280 Birnbäume, 1858 Pflaumen- und Zwetschgenbäume, 107 Kirschbäume, ein Aprikosenbaum, 19 Pfirsichbäume und 51 Walnussbäume. Zu den gleichen Zeiten wurden im 2226,8 ha umfassenden Gutsbezirk Seitsch 30 viehhaltende Haushaltungen gezählt, die zusammen 42 Pferde, 237 Stück Rindvieh, 841 Schafe, 69 Stück Borstenvieh und sechs Ziegen hielten. Im Gutsbezirk standen 228 Apfelbäume, 79 Birnbäume, 186 Pflaumen und Zwetschgenbäume, 54 Kirschbäume, drei Aprikosenbäume, drei Pfirsichbäume und sieben Walnussbäume.[16]
Am 1. April 1927 hatte der Gutsbezirk Seitsch laut Katasteramt einen Flächeninhalt von 2225 ha und 73 ar, und am 16. Juni 1925 wurden im Gutsbezirk 201 Einwohner gezählt.[17]
Durch die Perußischen Reformen wurde Seitsch 1816 dem Landkreis Guhrau eingegliedert, mit dem es bis 1945 verbunden blieb. 1874 wurde der Amtsbezirk Seitsch gebildet, der aus den Landgemeinden Langenau, Lanken, Seitsch und Tarpen bestand.[18] Für die über 80 im Ersten Weltkrieg gefallenen Gemeindemitglieder wurde 1927 ein Kriegerdenkmal errichtet.
Um 1935 hatte Seitsch unter anderem zwei Gasthöfe, eine Spar- und Darlehnskasse, zwei Baugeschäfte, drei Gemischtwarenläden, eine Molkerei, zwei Mühlen, zwei Sattler, eine Schmiede, einen Stellmacher und zwei Tischler.[19]
Im Jahr 1945 gehörte das Dorf Seitsch zum Kreis Guhrau im Regierungsbezirk Breslau der preußischen Provinz Niederschlesien im Deutschen Reich.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs versuchte ein Teil der Bewohner zu fliehen, um sich vor der von Osten her nähernden Kriegsfront in Schutz zu bringen. Im Frühjahr 1945 besetzte die Rote Armee die Region. Bald darauf wurde Seitsch zusammen mit fast ganz Schlesien von der Sowjetunion der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Nachfolgend wurde Seitsch in Siciny umbenannt. 1945/46 wurden die verbliebenen einheimischen Bewohner von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde aus Seitsch vertrieben. Die neu angesiedelten Bewohner waren teilweise Zwangsumgesiedelte aus Ostpolen, das an die Sowjetunion gefallen war.
1975 wurde Siciny Teil der Woiwodschaft Leszno und 1999 der Woiwodschaft Niederschlesien.
Einwohnerentwicklung
| Jahr | Einwohner | Anmerkungen |
|---|---|---|
| 1791 | 733 | großes Dorf, mit einer zum Stift Leubus gehörigen Probstei, einer katholischen Mutterkirche, einem Hospital, einem herrschaftlichen Schloss, einem Vorwerk, einem Freigut, sieben Windmühlen und 134 Feuerstellen (Haushaltungen).[8] |
| 1818 | 641 | Dorf, adlige Besitzung, mit 105 Häusern und einer Mutterkirche[20][21] |
| 1825 | 772 | darunter 46 Evangelische; Dorf mit 136 Häusern, Gut im Besitz der Königin der Niederlande, mit einem Patrimonialgericht, einem Vorwerk, einer katholischen Mutterkirche, einer katholischen Schule, einer Ziegelei, sieben Windmühlen, einer Bierbrauerei und einer Branntweinbrennerei[22] |
| 1840 | 841 | darunter 121 Evangelische; Dorf mit 134 Häusern, Gut im Besitz des Prinzen Friedrich der Niederlande, mit einem Patrimonialgericht, einem Vorwerk, einer katholischen Mutterkirche, einer katholischen Schule, sioeben Windmühlen und einer Ziegelei.[1] |
| 1852 | 945 | Pfarrdorf mit einer Ziegelei und einem Rittergut, das zusammen mit den Nebengütern Braunau, Langenei, Neudorf, Seifersdorf und Weschkau sowie dem Rittergut Tarpen (zugleich Dorf mit 324 Einwohnern) die im Besitz des Prinzen Friedrich der Niederlande befindliche Herrschaft Seitsch bildet[23][24] |
| 1864 | 960 | am 1. Dezember, im Gemeindebezirk und Gutsbezirk zusammen[25] |
| 1867 | 969 | am 3. Dezember, davon 823 in der Landgemeinde und 146 im Gutsbezirk[26] |
| 1871 | 922 | am 1. Dezember, davon 787 in der Landgemeinde (28 Evangelische, 759 Katholiken) und 135 im Gutsbezirk (53 Evangelische, 92 Katholiken)[26] |
| 1880 | 950 | Dorf und Rittergut, mit einer katholischen Pfarrkirche und einem Schloss.[27] |
| 1885 | 955 | am 1. Dezember, davon 764 in der Landgemeinde (37 Evangelische, 727 Katholiken) und 191 im Gutsbezirk (56 Evangelische. 135 Katholiken)[28] |
| 1890 | 937 | am 1. Dezember, davon 764 in der Landgemeinde und 173 im Gutsbezirk[29] |
| 1895 | 912 | am 2. Dezember, davon 765 in der Landgemeinde (58 Evangelische, 707 Katholiken) und 147 im Gutsbezirk (58 Evangelische, 89 Katoliken).[30] |
| 1905 | 813 | am 1. Dezember, davon 623 in der Landgemeinde (48 Evangelische und 570 Katholiken mit deutscher Muttersprache, fünf Katholiken mit polnischer Muttersprache) und 190 im Gutsbezirk (53 Evangelische und 97 Katholiken mit deutscher Muttersprache, acht Evangelische und 32 Katholiken mit polnischer Muttersprache)[31] |
| 1910 | 827 | am 1. Dezember, Dorf und Rittergut, mit einer katholischen Pfarrkirche und einem Schloss, davon 640 in der Landgemeinde und 187 im Gutsbezirk[32][33] |
| 1925 | 907 | [34] |
| 1933 | 438 | [34] |
| 1939 | 859 | [34] |
Religionen
Eine Kirche muss schon 1289 in Seitsch vorhanden gewesen sein. Zwar waren 1309 das Gut Seitsch und das Patronatsrecht über die Dorfkiche durch die Schenkung Heinrichs III. von Glogau in den Besitz des Zisterzienserklosters Leubus übergegangen, die Pfarrei Seitsch war jedoch selbständig geblieben. Erst durch eine Päpstliche Bulle des Papstes Martin V., erlassen zu Rom am 18. Mai 1424, wurde die Pfarrkirche zu Seitsch in das Stift Leubus eingegliedert; am 13. Juni 1425 bestätigte Papst Martin V. die Vereinigung der Kirche mit dem Kloster und ernannte gleichzeitig Johann Briger zum neuen Ortspfarrer.[35]
Die Bevölkerung blieb nach der Reformation mehrheitlich katholisch.
- Pfarrkirche St. Martin
- Turmseite (2015)
- Ostseite (2016)
- Portal (2018)
- Kirchhofsmauer (2016)
- Kriegerdenkmal für die Opfer 1914/18 (2016)
Die Evangelischen gehörten zur Diözese Guhrau/Herrnstadt und besuchten die evangelische Pfarrkirche zu Heinzendorf.[36]
Nach 1945 wurden die katholische Kirche und das Pfarrgebäude in Seitsch zugunsten der Römisch-katholischen Kirche in Polen zwangsenteignet. Die seit 1945 und Vertreibung der einheimischen Dorfbewohner anwesende polnische Einwohnerschaft ist größtenteils katholischer Konfession.
Sehenswürdigkeiten
- Die St.-Martin-Kirche wurde 1736–1740 nach einem Entwurf des Revaler Architekten Martin Frantz und dessen Sohn Karl Martin Frantz (1712–1755) im Renaissance-Stil neu errichtet. Sie ist mit Trompe-l’œil-Malereien von Ignaz Axter und Johann Anton Felder, Stuckarbeiten von Franz Joseph Mangoldt und Hauptaltargemälden von Christian Philipp Bentum sowie Michael Willmann ausgestattet.
- Die ehemalige Propstei der Leubuser Äbte wurde um 1740 wahrscheinlich nach einem Entwurf des Baumeisters Martin Frantz errichtet. Der zweistöckige Barockbau mit Mansarddach ist durch Pilaster gegliedert. Im ehemaligen Refektorium befindet sich ein Deckenfresko mit der Glorifizierung der Stifter, des Glogauer Herzogs Heinrich III. und dessen Sohn Johann von Steinau. Es wurde vermutlich von den Mangoldt-Schülern Ignaz Axter und Franz Anton Felder († 1782) geschaffen.
Verkehr
Durch Siciny verläuft die Wojewodschaftsstraße 305, die von Wschowa (Fraustadt) nach Góra (Guhrau) verläuft.
Trivia
Im 18. Jahrhundert wurde bei Seitsch Wein angebaut, und der Ort stand in dem Ruf, das schlesische Johannisberg oder Brauneberg zu sein. Davon handelt eine Anekdote von Friedrich II., die in der Literatur in verschiedenen Versionen in Umlauf gebracht worden ist. Einer der Erzählungen zufolge soll Friedrich, als er in der Gegend war, auf den Pater Schaffner getroffen sein, der gerade mit Leuten von der Arbeit auf den Weinfeldern kam, und sich bei diesen interessiert nach dem örtlichen Weinbau erkundigt haben. Auf die Frage des Monarchen, ob die Patres in der Gegend den Wein denn ebenfalls trinken, soll der Pater geantwortet haben: „Oh ja, Majestät, in der Marterwoche!“.[12] In einer anderen Version der Anekdote wird dem Probst der Probstei Seitsch eine solche Antwort in den Mund geschoben, der, als Friedrich ein Jahr nach der Schlacht bei Kunersdorf mit seinem Heer nach Schlesien zurückgekehrt war und in der Probstei Seitsch Quartier nahm, dem Monarchen, mit dem er später befreundet war, statt seines regionalen Weins Rheinwein angeboten haben soll.[37] Belegt ist, dass Friedrich II. sich für den Erwerbszweig Weinbau in Schlesien interessierte, den er für ungenügend ausgeschöpft hielt.[38]
Laut einer amtlichen Bekanntmachung der Königl. Preußischen Regierung zu Breslau vom 27. März 1818 hatte der ehemalige Karmeliter Mathias Bösche in Seitsch in seinem nachgelassenen Testament die Armen der zur Herrschaft Seitsch gehörigen Dörfer Seitsch, Braunau, Seiffersdorf, Weschkau, Langenau und Neudorf zu Universalerben seines Vermögens in der Art eingesetzt, dass aus seinem Nachlass ein Kapital gebildet, solches sicher angelegt und die davon anfallenden Zinsen unter die Armen der genannten Dörfer verteilt werden sollen.[39]
Persönlichkeiten
- Karl Söffner (1773–1837), Vizedirektor beim Fürstentumsgericht in Neisse und Präses der Oberhofspitalkommission
- Friedrich Feodor Georg Gaertig (1835–1890), königlich preußischer Generalmajor
Literatur
- Seitsch Schlesien, Dorf und Rittergut, Kreis Guhrau, Regierungsbezirk Breslau, Provinz Schlesien, in: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Seitsch (meyersgaz.org).
- Colmar Grünhagen und Konrad Wutke: Codex Diplomaticus Silesiae, Band 22: Regesten zur schlesischen Geschichte 1327-1333. E. Wohlfarth's Buchhandlung, Breslau 1903.
- Hugo Weczerka (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten. Band: Schlesien (= Kröners Taschenausgabe. Band 316). Kröner, Stuttgart 1977, ISBN 3-520-31601-3, S. 502.
- Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler in Polen: Schlesien. Deutscher Kunstverlag München, Berlin 2005. ISBN 3-422-03109-X, S. 833 f.
