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Siebel Si 202

ziviles Sport- und Schulflugzeug From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Siebel Si 202 Hummel war ein ziviles Sport- und Schulflugzeug der Siebel Flugzeugwerke.

Schnelle Fakten
Siebel Si 202

Si 202 V3 mit Walter-Mikron-Motor
TypSchul- und Sportflugzeug
Entwurfsland

Deutsches Reich NS Deutsches Reich

Hersteller Siebel Flugzeugwerke
Erstflug 26. April 1938
Produktionszeit

1938–1941

Stückzahl 38-66
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Geschichte und Konstruktion

Die Ursprünge der Siebel Si 202 reichen auf einen Entwicklungsauftrag des Reichsluftfahrtministeriums an die Leichtflugzeugbau Klemm GmbH vom September 1935 für ein einfaches Anfängerschulflugzeug zurück, dessen Entwicklung im Böblinger Klemm-Konstruktionsbüro unter Friedrich Fecher als Klemm Kl 102 vorgesehen war. Der Entwurf der Klemm Kl 102 blieb in Böblingen weitgehend unbearbeitet und wurde auch nach dem Umzug des Klemm-Konstruktionsbüros in das Flugzeugwerk Halle mehrfach zurückgestellt.[1]

Im Januar 1937 ersetzte das Reichsluftfahrtministerium den ursprünglichen Entwicklungsauftrag der Klemm Kl 102 durch einen neuen Entwicklungsauftrag an das Konstruktionsbüro des Flugzeugwerk Halle für ein Trainingsflugzeug zur Anfängerschulung für den Deutschen Luftfahrt Verband DLV, den Friedrich Fecher ab Herbst 1937 unter der Bezeichnung Flugzeugwerk Halle FwH Fh 202 ausführte. Die Ausschreibung des RLM zielte auf eine neue Generation von Anfängerschulflugzeugen ab, bei denen Flugschüler und Fluglehrer nebeneinander mit einer Doppelsteuerung in einer geschlossenen Kabine untergebracht werden sollten. Neben dem eigentlichen Entwicklungsauftrag erteilte das RLM auch einen Bauauftrag für vier Prototypen (FwH WNr. 900-903) mit unterschiedlichen Antriebsauslegungen.[1]

Das Flugzeug wurde 1938 von Friedrich Fecher im Auftrag von Siebel entwickelt, um den Flugsport in Deutschland zu verbreiten. Das Flugzeug wurde deshalb als leicht zu fliegender, robuster, freitragender Tiefdecker in Holzbauweise konstruiert. Rumpf und Flossen des Leitwerks waren sperrholzbeplankt. Die Ruder waren stoffbespannt. Die Höhenruder verfügten über Trimmruder. Der einholmige, zweiteilige Flügel wurde im Bereich der Nase, sowie auf der Flügelunterseite mit Sperrholz beplankt, während die Oberseite stoffbespannt wurde. Zur einfachen Fertigung und Reparatur wurden Leitwerksflächen und Tragflügel in einer einfachen Rechteck- oder Trapezform ausgelegt. Das Fahrwerk war als starres Normalfahrwerk ausgebildet. Hinter dem Brandschott zum Motor befand sich ein 45 Liter fassender Treibstofftank, an den sich die etwa 1 Meter breite Kabine und ein dahinter liegender Gepäckraum anschloss. Als Motorisierung war ein 50 PS starker Zündapp-Reihenmotor 9-092 vorgesehen.[1]

Da die ersten Zündapp-Motoren auf sich warten ließen, wurden die V1, V2 und V4 mit Salmson-Sternmotoren, die V3 mit einem Walter-Mikron-Reihenmotor ausgerüstet. Der Erstflug der D-ESFH erfolgte am 26. April 1938 mit Wolfgang Ziese als Pilot. Nachdem das Flugzeugwerk Halle Anfang 1938 in die Siebel Flugzeugwerke überführt worden waren, erfolgte die Zertifizierung der FwH Fh 202 im Herbst 1938 in Rechlin als Siebel Si 202. Die Maschine war in der Kunstflug-Klasse P3 für Lastvielfache bis zu 5,7 zugelassen. In der Klasse S4 waren mit reduziertem Startgewicht Lastvielfache bis 7,2 erlaubt. Bereits Ende 1937 hatte das RLM einen Vorserienauftrag über zehn Siebel Si 202 (FwH Wnr. 904-913) erteilt.[1] Als Preis waren 6850 Reichsmark vorgesehen.[2] Als Vermarktungsname erhielt die Siebel Si 202 die Bezeichnung "Hummel". Die ersten Siebel Si 202-A kamen im November 1938 zur Auslieferung an die NSFK-Schulen. Spätestens im Dezember 1938 standen die ersten Siebel Si 202-B mit Zündapp-Motoren zur Verfügung, von denen das RLM im Frühjahr 1939 bis zu 200 Maschinen für das NSFK bestellte.

Als weitere Motorisierungsvariante ließ das RLM Anfang 1939 bis zu 25 Siebel Si 202 auf den 60 PS Hirth HM 515 Motor umrüsten. Gleichzeitig änderte Fecher bei diesen Maschinen die Aerodynamik des Flügels und des Leitwerks durch abgerundete Verlängerungen. Für Reiseflüge bis zu 800 km wurde der Treibstofftank auf 75 Liter vergrößert. Da der Hirth-Motor erst 1940 seine endgültige Zulassung erhielt, dienten die Siebel Si 202-C hauptsächlich zur Langzeiterprobung des Motors[1].

Einschließlich der Prototypen und Nullserien-Maschinen wurden bis Ende 1939 in Halle nur 25 Siebel Si 202 gefertigt. Weitere 41 Flugzeuge folgten bis zur Einstellung der Produktion im März 1941.[3][1]

Rekord- und Wettbewerbsflüge

Die Siebel Si 202 wurde von den Siebel Flugzeugwerken und den Verbänden des NSFK seit Herbst 1938 bei zahlreichen Flugtagen und Wettbewerbsflügen eingesetzt. Unter anderem flog Ernst Udet eine Siebel Si 202 am 30. Juli 1938 anlässlich des Luftrennens in Frankfurt.

Der Siebel-Chefpilot Wolfgang Ziese unternahm mit einer Siebel Si 202 im Januar/Februar 1939 mehrere Höhenrekordflüge. Mit der Siebel Si 202-B, D-ECDS erreichte Ziese am 31. Januar 1939 mit einem Passagier eine Höhe von 5.982 Metern und stellte damit einen neuen FAI-Höhenrekord in der Zweiliterklasse auf. Am 3. Februar 1939 flog Ziese die Maschine ohne Passagier bis auf eine Höhe von 7.043 Metern und überbot damit den bestehenden FAI-Weltrekord um 1.200 Meter.[4]

Im Mai 1939 gewann Helmuth Wellershaus mit einer Siebel Si 202-A, D-EDFQ der NSFK-Gruppe Westfalen den zweitägigen Ostlandflug in Danzig. Beim anschließenden Sternflug zum Weltkongress der Aeropresse nach Rom belegte Wellershaus mit 8.457 geflogenen Kilometern erneut den ersten Platz unter 48 teilnehmenden Maschinen, davon vier Siebel Si 202[5]. Beim Mitteldeutschen Rundflug im Juli 1939 erreichte Siebel-Werkspilot Anders mit einer Siebel Si 202 den sechsten Platz bei 50 Teilnehmern. Die letzten Wettbewerbsflüge fanden im August 1939 beim Küstenflug in Hamburg und beim Flugtag in Essen-Mühlheim statt.[1]

Verwendung und Verbleib

Die Siebel Flugzeugwerke nutzten insbesondere die Prototypen der Siebel Si 202 für Langzeitversuche mit verschiedenen Leichtflugzeugmotoren und Leistungsnachweise im Höhenflug. Außerdem diente die Siebel Si 202 als konventionelle Vergleichskonstruktion 1939 für die von Hanns Klemm in Teilschalen-Bauweise entwickelte Klemm Kl 105, die sich im Vergleich zur Si 202 allerdings fertigungsseitig als zu aufwendig erwies.[1]

Bis Ende 1939 kam der überwiegende Teil der etwa 25 fertiggestellten Siebel Si 202 bei den NSFK-Verbänden zum Einsatz. Bei Kriegsausbruch zeigte die Luftwaffe kein Interesse an den NSFK-Flugzeugen, da die Bücker Bu181 als Standard-Ausbildungsflugzeug bei der Luftwaffe bereits im Einsatz stand. Einige Flugzeuge wurde als Verbindungsflugzeuge bei der Luftwaffe verwendet, während der größte Teil im Besitz des NSFK verblieb. Drei Maschinen kamen im Mai 1940 zum Slowakischen Fliegerkorps. Zwei Maschinen wurden im April 1943 nach Ungarn abgegeben. Diese beiden Maschinen waren nach dem Krieg die letzten, noch genutzten Siebel Si 202.[1]

Eine originale Siebel Si 202 existiert heute nicht mehr. Mit der D-EPIK realisierte Josef Kurz allerdings Ende der 90er Jahre einen gelungenen Nachbau einer Siebel Si 202.[1]

Versionen

  • Si 202 A: Basisversion mit unverkleidetem Salmson 7 Ad, einem luftgekühlten Siebenzylinder-Sternmotor mit 45 PS (33 kW).
  • Si 202 B: Wie A-Version, nur mit Zündapp Z 9-092 mit 50 PS (37 kW)
  • Si 202 C: Weiterentwickelte verbesserte Variante mit vergrößerter Reichweite und einem Reihenmotor Hirth HM 515 mit 60 PS (44 kW).

Technische Daten

Weitere Informationen Kenngröße, Si 202 B ...
KenngrößeSi 202 B[6]Si 202 C
Besatzung1
Passagiere1
Länge6,40 m6,5 m
Spannweite10,50 m10,60 m
Höhe1,85 m
Flügelfläche14,00 m²
Flügelstreckung7,98,0
Flächenbelastung39,25 kg/m²
Leermasse290 kg355 kg
Rüstmasse320 kg
max. Startmasse550 kg620 kg
Triebwerkein Zündapp Z 9-092, 50 PS (37 kW)ein Hirth HM 515, 60 PS (44 kW)
Höchstgeschwindigkeit160 km/h180 km/h
Reisegeschwindigkeit140 km/h150 km/h[6]
Landegeschwindigkeit72 km/h
Dienstgipfelhöhe2300 m3300 m
Reichweite500 km800 km
Startstrecke250 m
Landestrecke170 km
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Siehe auch

Literatur

  • Paul Zöller: Siebel- und SIAT-Flugzeuge. Band I, 2025, ISBN 978-3-8192-7401-5.
  • Hans J. Ebert, Udo Mahn, Hans-Dieter Tack: Die Siebel-Flugzeugwerke Halle (1934–1946) (= Schriftenreihe zur Luftfahrtgeschichte. Band 9). 2. Auflage. 2011, S. 59–62.
  • Heinz J. Nowarra: Die deutsche Luftrüstung 1933–1945. Band 4: Flugzeugtypen MIAG – Zeppelin, Flugkörper, Flugmotoren, Bordwaffen, Abwurfwaffen, Funkgeräte, Sonstiges Luftwaffengerät, Flakartillerie. Bernard & Graefe, Koblenz 1993, ISBN 3-7637-5468-7, S. 27–29.
Commons: Siebel Si 202 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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