Siegfried Kaden

deutscher Maler, Grafiker und Hochschullehrer From Wikipedia, the free encyclopedia

Siegfried Kaden (* 29. März 1944 in Dresden; † 20. November 2021 in München) war ein deutscher Maler, Grafiker und Hochschullehrer. Er lebte und arbeitete abwechselnd in Deutschland, Österreich, Spanien und Kuba. Ab 2019 war er Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.[1]

Leben

Kaden überlebte als Kleinkind gemeinsam mit seiner Mutter Charlotte Kaden die Luftangriffe auf Dresden im Februar 1945. Die ersten Kindheitsjahre verbrachte er in der Sowjetischen Besatzungszone in Leipzig und ab 1949 in der DDR. Sein Vater Arthur Herbert Kaden war Druckereibesitzer und wurde von den Behörden verfolgt. 1957 gelang der Familie die Ausreise in die Bundesrepublik Deutschland.[2]

Nach dem Besuch mehrerer Internate legte Kaden 1967 am Gymnasium Tutzing das Abitur ab und begann anschließend an der Universität Bochum ein Studium der Wirtschaftswissenschaften, wandte sich jedoch bald der Kunst zu. Von 1968 bis 1974 studierte er Kunstgeschichte an der Universität Stuttgart sowie Malerei, Grafik und Kunstpädagogik an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. 1971 bis 1973 setzte er sein Studium an der Akademie der bildenden Künste Wien fort. Zu seinen Lehrern gehörten Rudolph Hoflehner in Stuttgart und Rudolf Hausner in Wien.[2]

Seine Lebensstationen nach dem Studium führten ihn nach Wien, Pähl in Oberbayern, Heidelberg, Palma de Mallorca sowie für einen längeren Lebensabschnitt nach München. Von 1995 bis 2020 lebte und arbeitete er überwiegend in Havanna, Kuba.[3]

Wirken

Kaden war von 1993 bis 1994 Lehrer an der Freien Kunstakademie Mannheim. In den Jahren 1996 bis 1998 war er Vizepräsident der Gesellschaft für Kunst und Kirche e. V. (Artheon) und lehrte 1997 an der Internationalen Sommerakademie in Wismar. 1998 wurde er Gastprofessor an der staatlichen Kunstakademie ISA in Havanna und 1999 unterrichtete er an der Sommerakademie der Schönen Künste in Irsee. Von 2000 bis 2013 war er Professor an der staatlichen Akademie der Bildenden Künste „San Alejandro“ in Havanna und hielt in den Jahren 2006 bis 2007 Vorlesungen an der Internationale Sommerakademie für Bildende Kunst in Salzburg.

Kaden fungierte zudem als Kurator für die Ausstellungen Las Revoluciones del Mundo / Die Revolutionen der Welt (2005–2007, u. a. Berlin, München, Havanna, Mexico D.F.) sowie gemeinsam mit Ulises Morales Lamadrid Los Desastres de la Guerra (2010/2011, Havanna) und Junge Szene Kuba (2011, München). Er erhielt mehrere Preise und Stipendien, so unter anderem 1970 und 1998 ein Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdiensts (DaaD) und 1995 von der Erwin und Gisela von Steiner-Stiftung (München). Er wurde 1981 mit dem Förderpreis der Stadt München, 1882 mit dem Preis der Biennale Mulhouse (Schweiz), 1984 mit dem Staatlichen Förderpreis des Freistaates Bayern und 1985 mit dem Preis des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet.

Künstlerisches Werk und Stil

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Ente
Siegfried Kaden, 1990
Acryl auf Leinwand
170,5× 100,5cm
Städtische Galerie im Lenbachhaus

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Kadens Werk umfasst zahlreiche Gemälde, Zeichnungen, Aquarelle, Graphiken, Objekte und Installationen. Er schuf großformatige Leinwände ebenso wie sensible und gleichermaßen expressive Illustrationen und Wandarbeiten. Charakteristisch ist zudem die Verbindung von Bild und Text, etwa in seinen Buchprojekten und Zeitungsserien, in denen sich die Tradition der Bilderbögen mit den Mitteln des modernen Comic verbindet. Von besonderer Bedeutung ist der von 1998 bis 1999 im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung erschienene Bildroman Stille Tage in Havanna mit einem Text von Johannes Willms.[4]

In der Rezeption wird er als kultureller „Brückenbauer“ zwischen Deutschland und Kuba bezeichnet.[1] Seine Arbeiten wurden in zahlreichen Ausstellungskatalogen und Monografien publiziert. Sie wurden international ausgestellt und sind in bedeutenden Sammlungen vertreten, darunter die Pinakothek der Moderne in München, die Albertina in Wien und das Israel Museum in Jerusalem.

Autobiografischer Comic

Im Jahr 2025 erschien posthum Kadens autobiografisches Buch Mit dem Pferd nach Havanna. Autobiografie in Zeichnungen und Text, herausgegeben von Verena Nolte im Steidl Verlag.[5] Das Werk ist als gezeichneter Comic mit begleitenden Texten gestaltet und verbindet autobiografische Erinnerungen, Reiseerlebnisse und künstlerische Reflexionen. Kaden schildert darin prägende Stationen seines Lebens – von seiner Kindheit in Dresden über Studienjahre in Stuttgart und Wien bis hin zu seinen langjährigen Aufenthalten in Spanien und Kuba. Inhaltlich thematisiert der Comic Kriegserfahrungen, Exilerlebnisse, Begegnungen mit Künstlerkollegen und die kulturellen Kontraste zwischen Europa und Lateinamerika. In der Rezeption wird das Buch als eindrucksvolles Spätwerk gewürdigt.[1]

Ausstellungen (Auswahl)

Werke von Kaden befinden sich in öffentlichen Sammlungen wie der Pinakothek der Moderne, der Städtischen Galerie im Lenbachhaus, in der Staatlichen Graphischen Sammlung und in der „Sammlung Herzog Franz von Bayern“ des Wittelsbacher Ausgleichsfonds in München, im Israel Museum in Jerusalem, in der Deutschen Bank in Frankfurt am Main sowie in der Albertina in Wien.

  • 1981: Wandzeichnungen, Kunstforum der Städtischen Galerie im Lenbachhaus, München[6]
  • 1995: Kriegsspiele, Kunstverein Mannheim[7]
  • 2007: Entre los padres/Between the Fathers, Celda Contemporánea Universidad del Claustro de Sor Juana, Mexiko-Stadt
  • 2012: Inventario, Stiftung Ludwig, Havanna, Kuba
  • 2018: Stille Tage in Havanna, Bayerische Akademie der Schönen Künste, München
  • 2019: El Hombre de Muchas Casas / The Man of Many Houses, La Habana, Kuba
  • 2021: Cuba – mi amor. Zeichnungen, Galerie Margret Biedermann, München[8]

Veröffentlichungen (Auswahl)

Illustrierte Bücher und Künstlerbücher

  • Engel. Vexer-Verlag, St. Gallen 1988, ISBN 3-909090-12-5.
  • Hannibal. Rainer Verlag, Berlin 1988 (ausgezeichnet von der Stiftung Buchkunst).
  • Kriegsspiele. Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg 1995.
  • Kleine Hippologie. Steidl Verlag, Göttingen 1996, ISBN 3-88243-423-6.
  • Stille Tage in Havanna. Edition Minerva Hermann Farnung, Wolfratshausen 1999, ISBN 3-932353-34-X.
  • Afro-Cuban Myths: Yemayá and Other Orishas. Ian Randle Publishers, Kingston, Jamaika 2003 (Illustrationen).
  • Cuban Legends. Markus Wiener Publishers, Princeton 2005.
  • Amigos, Enemigos, Prójimos/Freunde, Feinde, Nachbarn. Dibujos/Zeichnungen. Vexer-Verlag, St. Gallen 2018.
  • Thomas Mann: Der kleine Herr Friedemann. Novellen. Faber & Faber, Leipzig 2022, ISBN 978-3-86730-212-8 (Zeichnungen und Lithografien).
  • Verena Nolte (Hrsg.): Mit dem Pferd nach Havanna. Autobiografie in Zeichnungen und Texten. Steidl Verlag, Göttingen 2025, ISBN 978-3-96999-274-6.

Literatur

  • Siegfried Kaden, Johannes Willms (Hrsg.): Stille Tage in Havanna. Edition Minerva Hermann Farnung, Wolfratshausen 1999.
  • Barbara Wally (Hrsg.): Siegfried Kaden. Werke – Obras 1973–2007. Hirmer Verlag, München 2007.
  • Andreas Kühne: Nachruf auf Siegfried Kaden (1944–2021) – Nachtstücke und Spiegelbilder. In: Bayerische Akademie der Schönen Künste (Hrsg.): Jahrbuch. Band 35 (2021). Wallstein, Göttingen 2022, S. 221–223.
  • Verena Nolte (Hrsg.): Mit dem Pferd nach Havanna. Autobiografie in Zeichnungen und Text. Steidl Verlag, Göttingen 2025.

Einzelnachweise

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