Sierra Nevada (Spanien)

Gebirge und Skigebiet in Andalusien, Spanien From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Sierra Nevada (spanisch für „schneebedecktes Gebirge“) ist mit 3479 msnm das höchste Gebirge der Iberischen Halbinsel, das in der Regel jährlich von November bis Mai eine Schneehaube trägt. Es liegt im Süden Spaniens in den Provinzen Granada und Almería in der Autonomen Region Andalusien und ist ein 100 km langer Teil der Betischen Kordillere. Seit 1999 ist das Kerngebiet von 86.208 Hektar als Nationalpark Sierra Nevada geschützt. Ein gleichnamiges Gebirge existiert auch in den USA.

Schnelle Fakten
Sierra Nevada
Sierra Nevada
Sierra Nevada
Sierra Nevada
Höchster Gipfel Mulhacén (3479 msnm)
Lage Iberische Halbinsel:; SpanienGranada/Almería
Teil der Betische Kordilleren
Koordinaten 37° N,  W
Typ Faltengebirge
Alter des Gesteins Alpidische Phase (100–50 mya)
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dep2

Lage und Landschaft

Die Sierra Nevada zieht sich in westöstlicher Richtung an einem Teil der südlichen Mittelmeerküste Spaniens entlang. Teilweise reichen die Steilhänge bis direkt ans Mittelmeer heran, wie zum Beispiel in und um Almería.

Die höchste Erhebung ist der Mulhacén (3479 m), gefolgt vom Pico del Veleta (3397 m) und Alcazaba (3392 m).

Das Schmelzwasser der Sierra Nevada versorgt das Umland, unter anderem die Gewächshauskulturen in Almería, die Vega von Granada sowie die Städte Granada und Almería mit Trinkwasser. Auch die bekannteste Mineralwasser-Marke Spaniens, Lanjarón, bezieht ihr Wasser aus einer Quelle im gleichnamigen Ort in den Alpujarras, die die Südseite des Gebirges bilden.

Oberflächenformen

Sierra Nevada von Alquería de Fargue bei Granada

Die Sierra Nevada ist ein Hochgebirge. Die vertikale Erstreckung reicht von 1500 m bis 3479 m (Pico Mulhacen, höchste Erhebung Festlandspaniens/der Iberischen Halbinsel). Die Sierra Nevada weist somit eine für Hochgebirge typische morphologische Prägung auf. Durch die Höhe des Gebirges waren Teile der Sierra Nevada im Weichsel-Glazial vergletschert.

Die wichtigste Erscheinungsform von Hochgebirgen ist die Art der Verwitterung des Oberflächenmaterials. So spricht man von Frostschuttverwitterung. Diese hat ihren Ursprung in den im Hochgebirge herrschenden tiefen Temperaturen. In den gemäßigten bis warmen Sommermonaten kann Wasser in Zerklüftungen von Felsen eintreten, welches im Winter gefriert. Durch die Ausdehnung beim Wechsel des Aggregatzustandes werden die Felsen zersprengt. Die Verwitterung produziert somit ein sehr zerklüftetes Gesteinsmaterial. Durch die letzte Vereisungsphase finden sich in der Sierra Nevada Formen glazialer Überprägung. Zu diesen Formen zählen Talformen (U-Tal), Ausprägung von Hochmooren, Solifluktionen und Moränen.

Geologie

Die höchsten Gipfel der Sierra Nevada[1]
Gipfel (> 3000 m)HöheScharten-
höhe
Mulhacén3479 m3285 m
Pico del Veleta3396 m307 m
Alcazaba3369 m178 m
Cerro de los Machos3327 m29 m
Zacatín3323 m24 m
Puntal de Siete Lagunas3316 m17 m
Peñón del Globo, Westgipfel3296 m27 m
Peñón del Globo, Ostgipfel3289 m27 m
Mulhacén-Nordgrat, P. 32513251 m23 m
Collado de la Carihuela3239 m60 m
Pico del Veleta, Südwestgratdoppelgipfel3226 m25 m
Puntal de la Caldera3222 m103 m
Pico de Elorrieta3198 m37 m
Pico de Loma Pelada3183 m40 m
Cerro Pelado3182 m211 m
Cerro Boto3182 m15 m
Puntal de los Cuartos3154 m66 m
Tozal del Cartujo3152 m57 m
Crestones de Río Seco3152 m33 m
Pico del Cuervo3147 m152 m
Crestones de Río Seco, La Puerta3147 m23 m
Puntal de Vacares3144 m97 m
Puntal de Juntillas3143 m40 m
Pico de la Justicia3141 m40 m
Crestones de Río Seco-Südgrat, Pt. 31413141 mca. 30 m
Cerro del Mojón Alto3117 m19 m
Tajos de Peñón Colorado, Südgipfel3113 m29 m
Tajos de Peñón Colorado, Nordgipfel3113 m25 m
Puntal de Vacares-Südgrat, Pt. 30943094 m33 m
Pico del Tajo de los Machos3086 m84 m
Puntal del Goterón3071 m22 m
Cerrillo Redondo3056 m21 m
Loma de Cañar3024 m35 m
Pico Juego de Bolos3021 m23 m
Cerro del Caballo3011 m110 m
Tajo del Ciervo3003 m34 m

Die Betische Kordillere ist ein Gebirgszug, welcher in der alpidischen Orogenese durch zwei konvergente Plattenränder aufgefaltet wurde. Das Ausgangsmaterial ist variszisch. In der Sierra Nevada lassen sich Hinweise auf beide Bestandteile, alpidisch geprägtes und variszisches Material, finden. Die Betische Kordillere ist gekennzeichnet durch ein großes Vorkommen mariner, jurassischer Sedimentgesteine. Kalke sind vorherrschend sowie das metamorphe Folgegestein Marmor. In den bergigen Regionen Andalusiens finden sich eine Vielzahl von Marmorsteinbrüchen.

Die Betische Kordillere wird in drei Teile eingeteilt, die südlich liegende jurassische Zone, dominiert durch maritime Sedimentgesteine, die paläozoische, kristallin autochthone Zentralzone und die nördlich liegende ebenfalls maritimsediment-geprägte Zone.

In der Sierra Nevada selbst finden sich vorherrschend Glimmerschiefer. Glimmerschiefer ist ein metamorphes, schiefriges Gestein. Das Ausgangsgestein ist Gneis, ein metamorph überprägtes Intrusivgestein mit der gleichen mineralischen Zusammensetzung wie Granit, allerdings einem erhöhten Feldspatanteil von mehr als 20 %.

Durch die Form des Gebirgszuges lässt sich bereits der abrupte Wechsel der verschiedenen Gesteine erahnen. So sind die durch Kalk dominierten Teile schroff und stark durch Abtragung geprägt. Die kristallinen Teile sind rundlich und flach.

Klima

Die Sierra Nevada liegt im mediterranen Raum in einem für diesen Raum typischen warmen und winterfeuchten Klima. Der sich die Küste entlangziehende Gebirgszug der Betischen Kordillere hat eine Funktion als Klimascheide, so wirkt seine Erhebung auf die anströmenden Luftmassen als Barriere.

Das Gebirge weist gebirgstypische Windsysteme auf. So nimmt zum Mittag hin der Bergaufwind deutlich zu und führt bei feuchter Luft durch Kondensation in kühleren Höhenlagen zu Wolken- und Nebelbildung. Die Sierra Nevada ist ein bedeutender Wasserlieferant für die umliegenden Regionen und besonders die Küstengegenden.

Vegetation und Vegetationsstufen

In der Sierra Nevada herrscht die für den mediterranen Raum typische Situation, dass es so gut wie keinen primären Baumbestand gibt. Wenn Flächen aufgeforstet wurden, geschah dies mit schnellwachsenden, anspruchslosen Arten oder die frei gewordenen Flächen werden zum Anbau von Öl- oder Nussbäumen genutzt. Dennoch gibt es einige Stellen, an denen die Vegetation und besonders der Wandel der Vegetation mit der Höhe beobachtet werden kann.

Die Vegetation lässt sich in fünf mediterrane Gebirgsstufen gliedern. Die unterste Stufe, die mediterrane Stufe, reicht etwa bis 1600 m. Typisch sind immergrüne Laubbäume, hier vorherrschend die Steineiche (Quercus ilex). Die folgende Stufe wird beherrscht von laubabwerfenden Bäumen. Die winterlichen Temperaturen sinken in dieser Stufe bereits so weit ab, dass sich eine immergrüne Vegetation nicht ausbilden kann. Ein typischer Vertreter dieser Stufe ist die Pyrenäen-Eiche (Quercus pyrenaica). Die Eichenwälder wurden zum Teil in Kastanienhaine umgewandelt. Ab 1800 m etwa bildet sich eine Übergangsstufe aus Nadelhölzern, bis die Baumgrenze erreicht ist. Das Vorkommen der Waldkiefer hier gilt als das südlichste Europas. Die Baumgrenze variiert je nach Exposition des Hanges (und anthropogener Beeinflussung). Die folgende subalpine Stufe ist gekennzeichnet durch Zwergsträucher, vorherrschend Wacholder. Die Windexposition ist hier ein wichtiger Standortfaktor. In der alpinen Stufe bilden alpine Gräser Matten, die den extremen Wetterbedingungen standhalten.

Bergsport

Pradollano

Über die Ortschaft Pradollano (auch Sol y Nieve genannt) erreicht man den Gipfel des Pico del Veleta über die höchstgelegene Landstraße Europas. Mit dem eigenen Wagen kann man diese aber nur noch bis zur Hoya de la Mora (2500 m) befahren. Will man hoch bis zum Veleta, muss man zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit Bussen des Nationalparks[2] weiter.

Eine weitere Wanderroute erschließt den Mulhacén, den höchsten Gipfel der Sierra Nevada. Dieser ist am einfachsten von Capileira in den Alpujarras erreichbar. Mit dem Nationalpark-Kleinbus „Servicio de Interpretación de Altas Cumbres“[2] gelangt man bis zum Ausgangspunkt der Wanderung am Alto del Chorrillo. Von dort bestehen zusätzliche Routen, unter anderem zu den Siete Lagunas oder zum Hochgebirgssee Laguna de la Caldera.[3]

Sol y Nieve ist ein künstlich entstandener Wintersportort, in dem 1995 die Alpinen Skiweltmeisterschaften stattfinden sollten. Da aber ausgerechnet in jenem Jahr in der Sierra Nevada Schneemangel herrschte, wurden sie auf das Jahr 1996 verschoben und als Alpine Skiweltmeisterschaften 1996 ausgetragen. Außerdem fanden hier die Mountainbike-Weltmeisterschaften 2000 statt. Weitere Großveranstaltungen waren die Winter-Universiade 2015 sowie im Jahr 2017 die Weltmeisterschaften im Freestyle-Skiing und Snowboard, für die man 2013 einen der größten Snowparks Europas errichtete.[4] In der Sierra Nevada wird seit 2018 die Spielshow Showdown – Die Wüsten-Challenge gedreht.

Schutzhütten

Literatur

  • Francisco Pérez Raya, Joaquín Molero Mesa, Francisco Valle Tendero: Parque Natural de Sierra Nevada. Paisaje, fauna, flora, itinerarios", Ed. Rueda, Madrid 1992, ISBN 84-7207-067-0
  • Pablo Prieto Fernández: Flora de la Tundra de Sierra Nevada, Ed. Universidad de Granada, ISBN 84-600-1810-5
  • Aurelio del Castillo, Antonio del Castillo: Sierra Nevada: Guía de Montaña, Ed. Penibética, 2003, ISBN 84-932022-3-1
Commons: Sierra Nevada – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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