Sietas Typ 166
RoRo-Schiffstyp
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Der Typ 166 ist ein RoRo-Schiffstyp, der primär zum Transport von Trailern ausgelegt ist. Am 29. Dezember 2000 lieferte die Sietas-Werft in Hamburg-Neuenfelde mit der Louise Russ das einzige Schiff dieses Typs ab.
Die Louise Russ im Nord-Ostsee-Kanal | ||||||||||||||||||||
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Geschichte

Der Bau der Louise Russ wurde Ende der 1990er Jahre von der Hamburger Ernst Russ Reederei in Auftrag gegeben, die zuvor bereits vier StoRo-Schiffe des Typs 163 bei Sietas bestellt hatte. Das Schiff war für eine mehrjährige Anfangscharter bei der Reederei RoRo Express eingeplant worden.[2] Die Fertigung der Sektionen für den Neubau, der die Sietas-Baunummer 1145 erhielt, begann im Jahr 1999. Das Deckshaus entstand in Polen und wurde per Ponton nach Hamburg transportiert. Die Louise Russ schwamm am 17. Dezember 2000 im Dock auf und wurde am 29. Dezember 2000 mit dem Charternamen Porto Express an die Ernst Russ Reederei abgeliefert, die das Schiff am 27. Januar 2001 in Southampton an die Reederei RoRo Express überstellte. Die mit Heimathafen Gibraltar registrierte Porto Express kam ab dem 29. Januar 2001 auf einem von Southampton ausgehenden Rundkurs zum Einsatz, wobei sie wöchentlich Porto und Tanger anlief. Im Herbst 2001 beendete RoRo Express den Chartervertrag vorzeitig, woraufhin das Schiff am 5. November 2001 wieder den Namen Louise Russ bekam und bis Januar 2002 an die Reederei Grimaldi Germany und danach im Februar 2002 an die US-Streitkräfte verchartert wurde, um militärische Ausrüstung für ein NATO-Manöver von Bremerhaven nach Norwegen zu verlegen. Ab März 2002 fuhr die Louise Russ im Langzeitcharter für die belgische CLdN RoRo & Cobelfret Ferries und ab März 2011 für die niederländische Transfennica-Tochtergesellschaft Transfennica Nederland BV, die sie 2011 zeitweise an die niederländische RMR Shipping sowie im Januar 2013 für die Opération Serval an das französische Verteidigungsministerium untervercharterte.[3] Die italienische Moby Lines charterte das Schiff ab September 2013 langfristig von der Reederei Russ und setzte es danach auf der Strecke Livorno-Olbia ein. Im August 2014 wurde Madeira zum neuen Heimathafen.
Im Januar 2016 verkaufte Reederei Russ die Louise Russ an die Peter Döhle Schiffahrts-KG, die den Chartervertrag mit Moby Lines langfristig verlängerte. Parallel dazu wurde das Schiff am 28. Januar 2016 mit Heimathafen Neapel registriert und erhielt den neuen Namen Eliana Marino, benannt nach einer Mitarbeiterin der italienischen Reederei. Moby Lines setzte das Schiff anschließend auf der Route Genua-Sizilien-Malta ein. Ab Oktober 2021 fuhr es für sechs Monate im Subcharter für die dänische DFDS auf der Strecke Triest-Mersin. Anschließend wurde die Eliana Marino an die schwedische Rederi AB Gotland unterverchartert, deren Tochtergesellschaft Hansa Destinations sie vom 25. April 2022 bis zum 18. Dezember 2022 im Liniendienst zwischen Rostock und Nynäshamn einsetzte.[4] Nachdem Moby Lines das Schiff im Februar 2023 von der Peter Döhle Schiffahrts-KG erworben hatte, wurde es Anfang März 2023 für 12,5 Millionen Euro an die Reederei Pontoporeia Oceanway in Limassol weiterverkauft, die zur MSC-Gruppe gehört.[5] Durch den Verkauf erhielt das Schiff den Namen Mayar und erneut den Heimathafen Madeira. Eingesetzt wird die Mayar auf der Route Gioia Tauro-Valletta-Annaba (Stand Dezember 2025).
Technik
Die Sietas-Werft entwickelte den Typ 166 nach Vorgaben der Reederei Russ. Die Louise Russ hat eine Gesamtlänge von 174,00 m (160,65 m Lpp, 166,17 m registrierte Länge) und eine registrierte Breite von 25,00 m (25,47 m maximale Breite einschließlich Nock). Die Höhe bis zum Oberdeck bzw. Wetterdeck beträgt 16,80 m, der maximale Tiefgang 6,84 m. Das ursprünglich vom Germanischen Lloyd klassifizierte Schiff ist mit 18.265 BRZ, 5.479 NRZ und 8.800 dwt vermessen. Es wurde in Sektionsbauweise gefertigt und besitzt einen verstärkten Rumpf, der die Anforderungen der deutschen Eisklasse E3 erfüllt. Die Nock ist in die Brücke integriert.[1][2][6]
Das Schiff besitzt eine 20 m × 14 m große Heckrampe, über die das Hauptdeck beladen wird. Das 7,20 m hohe Hauptdeck verfügt über eine Fläche von 2813 m² mit 970 Spurmetern. Von Hauptdeck führt steuerbordseitig eine 4,00 m breite Rampe in den unteren Laderaum, der 4,80 m hoch ist und eine Fläche von 1389 m² mit 479 Spurmetern hat. Die beiden geschlossenen Ladedecks besitzen einen Rauminhalt von insgesamt 27.000 m³ und sind mit Lufttrocknungsanlagen ausgerüstet. Backbordseitig hinter der Heckrampe liegt die 4,00 m breite Auffahrt zum offen ausgelegten Wetterdeck (Oberdeck), das eine Fläche von 3047 m² mit 1051 Spurmetern besitzt. Um Trailer im heckseitigen Bereich des Wetterdecks stauen zu können, hat das Deckshaus eine 4,80 m hohe Aussparung, die als Durchfahrt genutzt wird. Insgesamt verfügen das Hauptdeck, der untere Laderaum und das Wetterdeck über 2500 Spurmeter mit einer Spurbreite von 2,90 m, wodurch bis zu 170 Trailer transportiert werden können. Im hinteren Teil des Deckshauses befinden sich sechs Doppelkabinen für Fernfahrer.[1][2][6]
Der Typ 166 hat eine nominelle Containerkapazität von 426 TEU beziehungsweise 198 FEU plus 30 TEU. Er ist ebenso zum Transport von Containern mit Sondermaßen (30- und 45-Fuß), Binnencontainern und Gefahrgutcontainern geeignet. Eine Stauung von Containern ist nur auf dem Wetterdeck vorgesehen. Auf dem Hauptdeck und dem Wetterdeck befinden sich Anschlüsse für bis zu 84 Kühltrailer bzw. Kühlcontainer. Das Schiff wird von zwei Neunzylinder-Viertakt-Dieselmotoren des Typs MaK 9M43 angetrieben, die zusammen 16.800 kW (22.842 PS) leisten und auf einen Verstellpropeller wirken. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 22,5 Knoten. Für An- und Ablegemanöver stehen ein elektrisch angetriebenes Bugstrahlruder mit 1200 kW Leistung sowie ein elektrisch angetriebenes Heckstrahlruder mit 720 kW Leistung zur Verfügung. Die Stromerzeugung an Bord erfolgt durch zwei Wellengeneratoren und zwei Dieselgeneratoren, zudem ist ein Notgenerator vorhanden.[1][2][6]
Die Sietas-Werft nutzte den Typ 166 als Entwurfsgrundlage für den kleineren Typ 175, von dem die finnische Reederei Godby Shipping im Jahr 2005 zwei Schiffe bestellt hatte.
Weblinks
Literatur
- Gert Uwe Detlefsen: Die Typschiffe der Sietas-Werft. Verlag H.M. Hauschild, Bremen, 2010, ISBN 978-3-89757-494-6.