Sietas Typ 56

Schiffstyp der Hamburger Sietas-Werft From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Typ 56 ist ein Containerschiffstyp der Sietas-Werft in Hamburg-Neuenfelde. Von 1967 bis 1968 entstanden drei Einheiten dieser Baureihe.

Schnelle Fakten Schiffsdaten, Schiffsmaße und Besatzung ...
Sietas Typ 56
Die Teesland
Die Teesland
Schiffsdaten
Schiffsart Containerschiff
Bauwerft Schiffswerft J.J. Sietas, Hamburg-Neuenfelde
Bauzeitraum 1967 bis 1968
Gebaute Einheiten 3
Schiffsmaße und Besatzung
Länge 74,55 m (Lüa)
67,00 m (Lpp)
Breite 13,02 m
Seitenhöhe 6,05 m
Tiefgang (max.) 3,71 m
Vermessung 499 BRT, 328 NRT
Maschinenanlage
Maschine 1 × KHD-Dieselmotor
Maschinen­leistung 1.500 PS (1.103 kW)
Höchst­geschwindigkeit 13,5 kn (25 km/h)
Propeller 1
Transportkapazitäten
Tragfähigkeit 1.160 tdw
Container 80 (120) TEU
Rauminhalt 2571 m³
Sonstiges
Klassifizierungen Germanischer Lloyd
Anmerkungen
Daten

Jonny Ritscher[1][2]

Daten in Klammern

Ragna mit zwei Containerlagen an Deck[3]

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Geschichte

Das Typschiff der Serie wurde von der Reederei Gerd Ritscher aus Moorende bestellt und war für eine langfristige Vercharterung an die irische Bell Lines vorgesehen worden. Es lief am 1. November 1967 mit dem Namen Jonny Ritscher vom Stapel und wurde am 12. Dezember 1967 mit dem Namen Bell Victor von der Werft abgeliefert. Nach Ende der Bell-Lines-Charter erhielt das Schiff im Jahr 1978 seinen ursprünglichen Namen zurück. Nach mehreren Eignerwechseln ging es am 20. Mai 1987 an einen US-amerikanischen Käufer, der es in die Karibik überführte und dort anschließend als Cavalier Clipper auf die Kormoran Shipowners Ltd. in Nassau (Bahamas) registrieren ließ. Das Schiff wurde danach mehrfach weiterverkauft und umbenannt.[1] Ab 2014 trug es den Namen Niky und fuhr unter der Flagge von Kamerun.[4] Die Niky wurde 2023 in Panama aufgelegt und sendete im Dezember 2023 letztmals ein AIS-Signal. Ihr weiterer Verbleib ist unklar.

Als zweites Typ-56-Schiff wurde am 30. Dezember 1967 die von der Hamburger Reederei Aug. Bolten Wm. Miller’s Nachfolger bestellte Teesland abgeliefert, die während einer Bell-Lines-Charter von Frühjahr 1971 bis Mai 1972 als Bell Volunteer fuhr. Im Oktober 1993 wurde die Teesland an die argentinische Reederei Lineas Feeder SA verkauft, die sie zunächst mit dem Namen Paraguay Feeder auf den Flüssen Río Paraná und Río Paraguay zwischen Buenos Aires (Argentinien) und Asunción (Paraguay) einsetzte.[1] Ab 2002 fuhr das Schiff mit dem geänderten Namen Paraguay Line auf dieser Route.[5] Am 31. März 2016 kollidierte die Paraguay Line auf dem Río Paraná mit zwei Leichtern und lief auf Grund.[6] Bei der Reparatur rüstete man das Schiff mit einem zusätzlichen Steuerhaus oberhalb der Brücke aus. Die Paraguay Line sendete letztmals am 22. Dezember 2023 ein AIS-Signal und wurde am selben Tag aus dem Verzeichnis der Klassifizierungsgesellschaft Dromon Bureau of Shipping gestrichen. Der Verbleib des Schiffs ist unklar.[7]

Das dritte Schiff der Baureihe war die Ragna, die am 12. Oktober 1968 an die Hamburger Reederei Osterwisch & Sohn abgeliefert wurde. Im Jahr 1981 ging das Schiff an die Hamburger Reederei Harry Maciej, die es in Eurotainer umbenannte. Nach einem weiteren Eignerwechsel wurde die Eurotainer im Juni 1988 an einen US-amerikanischen Reeder verkauft, der sie mit dem Namen Cavalier Trader auf die Eurotainer Shipowners Ltd. in Nassau eintragen ließ. Das Schiff wurde 2007 als Arawak Trader in Jacksonville (Florida) verschrottet.[8][9]

Technik

Der Typ 56 wurde in Sektionsbauweise gefertigt und basiert weitgehend auf dem Anfang 1967 entstandenen Typ 54. Die drei gebauten Schiffe hatten eine Gesamtlänge von 74,55 m (67,00 m Lpp, 70,81 m registrierte Länge) und eine Breite von 13,02 m. Die Höhe bis zum Hauptdeck betrug 6,05 m, der maximale Tiefgang 3,71 m. Die ursprünglich vom Germanischer Lloyd klassifizierten Schiffe waren bei Ablieferung mit 499 BRT und 1.160 dwt (Jonny Ritscher und Teesland) beziehungsweise 1.165 dwt (Ragna) vermessen. Im Jahr 1995 erfolgte eine Neuvermessung der Arawak Clipper (ehemals Jonny Ritscher) mit 1.278 BRZ und der Arawak Trader (ehemals Ragna) mit 1.265 BRZ.

Der Typ 56 besaß einen einzelnen Laderaum mit einem Rauminhalt von 2.571 m³ (2.313 m³ Ballenraum), der mit Lukendeckeln des Herstellers MacGregor ausgerüstet war. Der Laderaum verfügte über ein Zwischendeck in 3,74 m Höhe und über einen durchgehenden Doppelboden mit ebener Tankdecke. Die Laderaumluke war 44,20 m lang und 7,60 m breit. Die Schiffe wurden von je einem 1.500 PS leistenden Achtzylinder-Viertakt-Dieselmotor des Herstellers Klöckner-Humboldt-Deutz (KHD) angetrieben, der über ein Untersetzungsgetriebe auf einen Festpropeller wirkte.

Der Typ 56 war für den Transport von maximal 80 20-Fuß-Standardcontainer (TEU) konzipiert worden. Weil der ursprüngliche Entwurf die Stauung von nur einer Containerlage an Deck vorsah, besaßen die Schiffe ein relativ niedriges Deckshaus. Um eine zweite Containerlage an Deck stauen und damit die Kapazität auf maximal 120 TEU erhöhen zu können, rüstete man die Ragna vor Ablieferung mit einem zusätzlichen Ruderhaus aus, das oberhalb der Brücke in die Vorderseite des Schornsteins integriert war. Obwohl die Jonny Ritscher sowie die Teesland nicht entsprechend nachgerüstet wurden und der Sichtstrahl von der Brücke somit eingeschränkter war, kamen auch sie später auf Fahrten mit zwei TEU- oder FEU-Lagen an Deck zum Einsatz.[1] Die Paraguay Line (ehemals Jonny Ritscher) erhielt 2016 ein zweites Ruderhaus, um zwei Deckslagen High-Cube-Container (2,90 m statt 2,59 m hoch) stauen zu können.

Die Schiffe

Weitere Informationen Bauname, Bau- nummer ...
Sietas Typ 56
BaunameBau-
nummer
IMO-
Nummer
Stapellauf
Ablieferung
AuftraggeberUmbenennungen
und Verbleib
Jonny Ritscher596680516501.11.1967
12.12.1967
Gerd Ritscher, Moorendeabgeliefert als Bell Victor → 1978 Jonny Ritscher → 1982 Jonny H. → 1985 Gritt Clipper → 1986 Fokion → 1987 Cavalier Clipper → 1994 Arawak Clipper → 1998 Pioneer Star → 2005 Pioneer Star I → 2010 Bryan Joseph I → 2014 Niky, bis 2023 in Fahrt, Verbleib unklar
Teesland600680528218.11.1967
30.12.1967
Aug. Bolten Wm. Miller’s Nachfolger, Hamburg1971 Bell Volunteer → 1972 Teesland → 1993 Paraguay Feeder → 2002 Paraguay Line, am 22. Dezember 2023 aus dem Verzeichnis der Klassifizierungsgesellschaft gestrichen, Verbleib unklar
Ragna633682771121.09.1968
12.10.1968
Osterwisch & Sohn, Hamburg1981 Eurotainer → 1988 Cavalier Trader → 1993 Arawa Trader → 1994 Arawak Trader, 2007 in Jacksonville verschrottet
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Literatur

  • Gert Uwe Detlefsen: Die Typschiffe der Sietas-Werft. Verlag H.M. Hauschild, Bremen 2010, ISBN 978-3-89757-494-6.

Einzelnachweise

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