Silent Friend
Film von Ildikó Enyedi aus dem Jahr 2025
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Silent Friend (englisch für „Stiller Freund“ oder „Stille Freundin“) ist ein Film von Ildikó Enyedi mit Tony Leung Chiu-wai, Luna Wedler und Enzo Brumm in den Hauptrollen. Die drei Geschichten, die am Beginn des 20. Jahrhunderts, in den 1970er und den 2020er Jahren spielen, kreisen um den 1832 gepflanzten Ginkgobaum im botanischen Garten von Marburg. Der Film feierte Anfang September 2025 bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig seine Premiere, wo er im Hauptwettbewerb um den Goldenen Löwen gezeigt wurde. Im September 2025 hatte Silent Friend beim Toronto International Film Festival eine Special Presentation. Der Kinostart in Deutschland war Mitte Januar 2026, in Österreich im Februar 2026.
| Film | |
| Titel | Silent Friend |
|---|---|
| Produktionsland | Deutschland, Frankreich, Ungarn |
| Originalsprache | Deutsch |
| Erscheinungsjahr | 2025 |
| Länge | 145 Minuten |
| Altersfreigabe |
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| Stab | |
| Regie | Ildikó Enyedi |
| Drehbuch | Ildikó Enyedi |
| Produktion | Reinhard Brundig, Mónika Mécs, Nicolas Elghozi, Morgane Olivier, Meng Xie |
| Musik | Gábor Keresztes, Kristóf Kelemen |
| Kamera | Gergely Pálos |
| Schnitt | Károly Szalai |
| Besetzung | |
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Handlung
Der Film spielt fast ausschließlich rund um den Alten Botanischen Garten der Universitätsstadt Marburg, kurze Szenen spielen in Paris und Hongkong. Im Zentrum dreier Geschichten, die sich über ein Jahrhundert erstrecken, steht ein Ginkgo, der über diesen Zeitraum hinweg die leisen Rhythmen der Transformation in drei Menschenleben beobachtet hat.
Im Jahr 2020 stellt ein Neurowissenschaftler aus Hongkong, der in Marburg eine Gastprofessur hat und das Gehirn von Babys erforscht, ein Experiment mit dem alten Baum an. Im Jahr 1972 erfährt der Student Hannes durch den einfachen Akt des Beobachtens und der Verbindung mit einer Geranie eine tiefgreifende Veränderung. Im Jahr 1908 entdeckt Grete, die erste Biologiestudentin der Universität, ihre Leidenschaft für die Fotografie. Insbesondere Pflanzen nimmt sie mit ihrer Linse genauer unter die Lupe und entdeckt dabei Erstaunliches, nämlich „heilige Muster des Universums“, verborgen in der bescheidensten aller Pflanzen.[1][2][3]
Produktion
Filmstab und Besetzung

Regie führte Ildikó Enyedi, die auch das Drehbuch schrieb.[4] Es handelt sich bei Silent Friend um den achten Langfilm der ungarischen Filmregisseurin und Drehbuchautorin, die für den Filmschnitt, wie bei Körper und Seele, mit der Rumänin Károly Szalai zusammenarbeitete, die in der Vergangenheit für Filme wie Die Geschichte meiner Frau und Márta sucht János tätig war. Als Produzenten fungierten Reinhard Brundig, Nicolas Elghozi und Mónika Mécs. Letztere war in dieser Funktion ebenfalls bereits für Enyedis Film Körper und Seele tätig.
Zu dem botanischen Garten der Universität, in der der Ginkgobaum steht, erklärte die Regisseurin, ein Ort wie dieser, eine „universitas“, sei schon immer Zentrum freier und grenzenloser menschlicher Neugier und der Wissenschaft gewesen. Sie will mit ihrem Film auch auf die Schönheit und die naive, kühne Kraft wissenschaftlicher Forschung aufmerksam machen.[2]
Der Hongkong-Chinese Tony Leung Chiu-wai spielt den Neurowissenschaftler Tony Wong, die Französin Léa Séydoux die Biologin Alice, der Nachwuchsschauspieler Enzo Brumm den Studenten Hannes, Marlene Burow dessen Love-Interest Gundula und die Schweizerin Luna Wedler die erste Studentin der Universität namens Grete.[5][3][4] Seydoux und Wedler waren bereits in Enyedis letztem Film Die Geschichte meiner Frau zu sehen.[1] In weiteren Rollen sind die deutschen Schauspieler Yun Huang, Sylvester Groth und Felix Burose zu sehen. Im Film wird Deutsch, Englisch und Kantonesisch gesprochen.[5] Das Casting übernahm Nina Haun.
Filmförderung und Dreharbeiten


Der Film erhielt Produktionsförderungen von der Film- und Medienstiftung NRW in Höhe von 1,6 Millionen Euro, vom Deutschen Filmförderfonds in Höhe von 1,4 Millionen Euro, vom BKM in Höhe von 650.000 Euro, von der Deutsch-Französischen Förderkommission in Höhe von 450.000 Euro, von der Filmförderungsanstalt in Höhe von 500.000 Euro, von HessenFilm und Medien in Höhe von 550.000 Euro und von der MOIN Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein in Höhe von 100.000 Euro.
Die Dreharbeiten fanden ab Anfang April 2024 überwiegend in Marburg statt, wo der Film spielt, unter anderem im Alten Botanischen Garten der Philipps-Universität.[6][7] Für die Aufnahmen des im Zentrum des Films stehenden Ginkgobaums über ein Jahrhundert hinweg nutzte man drei verschiedene Bäume.[3] Weitere Aufnahmen entstanden in Köln, Bonn, Düsseldorf, Budapest und Paris. Die Dreharbeiten wurden im Juni 2024 nach 43 Drehtagen beendet. Der Film wurde von Kameramann Gergely Pálos auf 35 mm schwarz-weiß, 16 mm Farbfilm und digital gedreht.[8] Der Ungar war in der Vergangenheit für mehrere Filme von Roy Andersson tätig.
Veröffentlichung
Die Premiere des Films fand am 5. September 2025 bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig statt, wo er im Hauptwettbewerb um den Goldenen Löwen gezeigt wird.[9] Im September 2025 wurde Silent Friend beim Toronto International Film Festival gezeigt[10] und Anfang Oktober 2025 beim Vancouver International Film Festival.[11] In dieser Zeit wurde er auch beim Zurich Film Festival gezeigt.[12] Hiernach erfolgten Vorstellungen beim AFI Fest.[13] Am 15. Januar 2026 kam der Film in die deutschen Kinos.[14] Ebenfalls im Januar 2026 wurde Silent Friend beim Palm Springs International Film Festival vorgestellt.[15] Der Kinostart in Österreich war am 20. Februar 2026.[16] Im April 2026 wird der Film beim Hong Kong International Film Festival und beim Miami Film Festival gezeigt.[17][18]
Rezeption
Kritiken
Gerhard Midding beschreibt Silent Friend in epd Film als eine poetisch-philosophische Studie über Wahrnehmung. Der Film nehme sich Zeit für genaue Beobachtungen; seine Dramaturgie folge weniger der Hektik menschlicher Handlung als den langen Rhythmen von Natur und Erkenntnis. Sinnbildlich dafür steht der sehr alte Ginkgobaum im Botanischen Garten der Universität Marburg, der über die Epochen hinweg das Vorüberziehen der Zeit beobachtet. Enyedi verbinde wissenschaftliche Neugier mit einer traumhaften Bildsprache und nutze Forschung, um Metaphern für die Welt und ihre Zerbrechlichkeit zu entwickeln. Die Figuren durchlaufen dabei jeweils ihre eigene „Schule des Sehens“. Trotz seiner Länge ziehe Silent Friend das Publikum in einen ruhigen Prozess des aufmerksamen Sehens und Hörens hinein, wobei Midding auch das Sounddesign als exzellent beschreibt.[19]
Lida Bach erklärt in ihrer Kritik für moviebreak.de, die Personen würden über mehr als ein Jahrhundert bei ihren Begegnungen mit den Pflanzen in den drei Episoden alle nicht nur Trost in deren Präsenz finden, sondern entdeckten sie mit wissenschaftlich geschärftem Blick und moderner Technologie als ungeahnt individuelle und sensitive Geschöpfe. Dieser Prozess vollziehe sich visuell und dramaturgisch betont unspektakulär, und Ildikó Enyedi suche nach einer Bildsprache von kontemplativer Ruhe und leiser Poesie, was eine enorme Geduldsprobe sei, die sich dennoch lohne. Die tragikomische Erkenntnis, dass sich die Verschiedenheiten zwischen Menschen und anderen Spezien leichter überbrücken lassen als für Menschen untereinander, habe Enyedi bereits in On Body and Soul vermittelt.[20]
Sonja Fouraté meint in der Hessenschau, dass der Film ein immersives Filmerlebnis schaffe und dabei große Fragen zu Mensch und Natur aufwerfe. Diese Fragen behandle der Film mit Leichtigkeit und auch mit Humor. Zusammenfassend erklärte sie: „Für Filme wie diesen wurde das Kino erfunden.“[21]
Von den bei Rotten Tomatoes aufgeführten Kritiken sind alle positiv.[22]
Auszeichnungen
Stille Freundin gelangte in die Vorauswahl zum Europäischen Filmpreis 2026.[23] Zudem landete Silent Friend in der Liste der 50 besten Filmen des Jahres 2025 des vom British Film Institute herausgegebenen Filmmagazins Sight and Sound auf Platz 36.[24] Weitere Auszeichnungen und Nominierungen im Überblick:
Chicago International Film Festival 2025
- Nominierung im Internationalen Wettbewerb
- Auszeichnung mit dem Silver Hugo – Beste Kamera (Gergely Pálos)[25][26]
Filmfestival Oostende 2026
- Auszeichnung als Bester Film (Ildikó Enyedi)[27]
Internationale Filmfestspiele von Venedig 2025

- Nominierung für den Goldenen Löwen
- Auszeichnung mit dem Marcello-Mastroianni-Preis als Beste Nachwuchsdarstellerin (Luna Wedler)
- Auszeichnung mit dem FIPRESCI-Preis als Bester Film
- Auszeichnung mit dem CinemaSarà Award
- Auszeichnung mit dem Green Drop Award
- Auszeichnung mit dem Edipo Re Award
- Auszeichnung mit dem Interfilm Award for Promoting Interreligious Dialogue[28]
Les Arcs Film Festival 2025
- Auszeichnung für die Beste Kamera (Gergely Pálos)[29]
Lisboa Film Festival 2025
- Nominierung im Offiziellen Wettbewerb[30]
Miami Film Festival 2026
- Nominierung für den MARIMBAS Award[31]
Valladolid International Film Festival 2025
- Auszeichnung mit der Silbernen Ähre
- Auszeichnung mit dem Green Spike Award[32]
Weblinks
- Silent Friend bei IMDb
- Silent Friend bei crew united
- Silent Friend im Festivalprogramm von Venedig (englisch)