Silikatmagerrasen

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Silikatmagerrasen, unter Einschluss der Sandmagerrasen, sind meist artenreiche, nährstoffarme Grasland-Biotope auf sauren Rohböden. Sie sind gekennzeichnet durch Vegetation, die durch geringe Nährstoffgehalte im Boden gekennzeichnet ist (Magerrasen) und die außerdem geringe Wasserverfügbarkeit aufweist (Trockenrasen). Da beide Faktoren sehr oft miteinander gekoppelt sind, fasst man sie zusammen zu „xerotherm“ (nach xeros, griechisch Ξερός trocken, öde und thermos griechisch θερμός warm). Im pflanzensoziologischen System bilden die Silikatmagerrasen die Klasse Koelerio-Corynopheretea, benannt nach den Schillergräsern der Gattung Koeleria und dem Silbergras (Corynephorus canescens). Dieser Name, 1941 eingeführt durch Jaromír Klika, ersetzt (aus nomenklatorischen Gründen, Prioritätsprinzip) den in älterer Literatur zu findenden Namen Sedo-Scleranthetea, den Josias Braun-Blanquet prägte.

Die typischen Standorte sind einerseits Sandböden, andererseits flachgründige Böden auf verwitterten Felsstandorten (Felsgrus).

Die Vegetation[1] besteht entweder aus kurzrasigem, oft sehr lückigem Grünland aus Gräsern und ausdauernden Kräutern oder aus einjährigen Pflanzen (Annuellen), oft mit hohem Anteil von Moosen und Flechten, auf bodenkundlichen Extremstandorten. Sie sind stark besonnt. Die Böden sind oft flachgründige Rohböden. Wenn tiefgründige Böden wie Sandböden Standort sind, fließt das Bodenwasser wegen der Grobkörnigkeit oft schnell ab, so dass trotzdem oft Wassermangel herrscht. Der vor allem aus Quarzkörnern bestehende Sand bietet auch nur wenige Austauschplätze, an denen Nährstoffe festgehalten werden können. Durch die extremen, stark wechselnden Standortbedingungen werden, neben genügsamen Grasarten, etwa Einjährige begünstigt, die zum Zeitpunkt der Sommerdürre schon ihren Lebenszyklus vollendet haben. Auch Sukkulente wie die Mauerpfeffer-Arten können hervortreten. In den Lücken zwischen den Blütenpflanzen kommen Moose und Flechten auf. Sowohl Sand- wie Felstrockenrasen sind oft reich an auffallenden Bodenflechten wie den Rentierflechten. Die Gräser bilden oft lange Ausläufer, was etwa auf vom Wind umgelagerten Dünensand die Besiedlung ermöglicht.

In Mitteleuropa gibt es nur wenige natürliche Silikatmagerrasen.[2] Neben wenigen Standorten auf natürlicherweise waldfreien Felsbändern, in Wildflusslandschaften oder auf Dünensanden kommen Bestände sehr ähnlicher Artenzusammensetzung auch auf vom Menschen geschaffenen Ersatzstandorten vor. Dazu gehören etwa Brachen auf Sand, Kanten in Steinbrüchen, Kies- oder Sandgruben, Mauerkronen, Lücken und Ränder von sandig-kiesigen Schafweiden, Rasen an Wegrändern, Sportplätzen oder auf Friedhöfen, selbst auf Bahnschotter oder selten benutzten Abstell- oder Parkplätzen.[3]

Zu den Klassencharakterarten gehören Hornkräuter (Cerastium glutinosum, pumilum, semidecandrum), Rentierflechten (zum Beispiel Cetraria-Arten wie Islandmoos (Cetraria islandica), Cladonia-Arten wie Cladonia foliacea und Cladonia furcata, die Schildflechte Peltigera rufescens), die Dolden-Spurre (Holosteum umbellatum), Dreifinger-Steinbrech (Saxifraga tridactylites), Ausdauernder Knäuel (Scleranthus perennis) und Einjähriger Knäuel (Scleranthus annuus, in der Unterart polycarpos), Scharfer Mauerpfeffer (Sedum acre) und Felsen-Fetthenne (Sedum rupestre), Hasen-Klee (Trifolium arvense), Frühlings-Ehrenpreis (Veronica verna).[4]

Sandtrockenrasen

Für nährstoffarme Sandböden typisch sind Silbergrasrasen (oft vorherrschend das Silbergras Corynephorus canescens), danach benannt ist die Ordnung Corynephoretalia canescentis. Diese sind im Vergleich zu den anderen Trockenrasen eher artenarme Gesellschaften mit etwa 8 bis 12 Pflanzenarten auf Standard-Aufnahmeflächen von etwa vier Quadratmeter (während einige Felsgrusgesellschaften, oder Kalktrockenrasen, hier über 35 Arten aufweisen können).[5] Typische Arten, neben dem Silbergras selbst, sind etwa Sand-Segge (Carex arenaria), Französische Segge (Carex ligerica), Sand-Straußgras (Agrostis vinealis).[2] Für Österreich werden zusätzlich angegeben Sand-Thymian (Thymus serpyllum), Wildes Stiefmütterchen in der Unterart tricolor und der Unterart Sand-Stiefmütterchen (Viola tricolor subsp. curtisii).[1]

Sandtrockenrasen sind für ihre Erhaltung auf natürliche oder vom Menschen verursachte (anthropogene) Störungen angewiesen. Das kann, in Dünen der Wind sein. Im Binnenland kommen sie deshalb, neben sehr wenigen Binnendünengebieten, vor allem auf Truppenübungsplätzen vor. Bleibt der Boden längere Zeit ungestört, gehen sie durch natürliche Sukzession in Zwergstrauchheiden (früher bei Beweidung auch in Borstgrasrasen) über.[6] Im angewandten Bereich, vor allem dem Naturschutz, werden Borstgrasrasen und andere kurzrasige grünlandartige Bestände auf saurem Untergrund manchmal den Silikatmagerrasen (oder bodensauren Magerrasen) zugerechnet, der Begriff also in einem weiteren Sinne verwendet.[7]

Typische, oft bestandsbedrohte Heuschreckenarten der Sandtrockenrasen Nordostdeutschlands sind etwa Heidegrashüpfer (Stenobothrus lineatus), Westliche Beißschrecke (Platycleis albopunctata), Zweifarbige Beißschrecke (Bicolorana bicolor), Steppengrashüpfer (Chorthippus vagans), Rotleibiger Grashüpfer (Omocestus haemorrhoidalis). Ein auf den Lebensraumtyp spezialisierter seltener Schmetterling ist Eisenfarbiger Samtfalter (oder Kleine Rostbinde, Hipparchia statilinus).[4]

Einzelnachweise

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