Silvester Trenelle
From Wikipedia, the free encyclopedia
Silvester Trenelle, Vorname auch in den Schreibweisen Sylvester, Sylvestre und Silvestre, Taufname Samuel (* 14. August 1776 in Paris; † 28. Juni 1845 in Düsseldorf), war ein wallonisch-rheinischer Fabrikant von Gewehren. Er war Gründer der Königlich Preußischen Gewehrfabrik Saarn, die von 1815 bis 1862 in den Gebäuden des säkularisierten Zisterzienserinnenklosters Saarn untergebracht war.
Leben
Trenelle, Sohn eines jüdischen Edelsteinhändlers in Paris, war ein aus Lüttich nach Deutschland eingewanderter, vormals für Frankreich und das Königreich Westphalen, im Zuge der Befreiungskriege dann für Preußen tätiger Rüstungslieferant, als ihm durch Vertrag vom 23. Dezember 1814 das preußische Kriegsministerium die Abnahme von jährlich 25.000 Infanterie-Gewehren zusicherte, von denen er mindestens 5000 jährlich zu liefern hatte. Hierzu wurde am 6. Januar 1815 per Kabinettsorder das 1808 säkularisierte Zisterzienserinnenkloster Saarn zur Einrichtung der Königlich Preußischen Gewehrfabrik Saarn bestimmt. Das Unternehmen startete im April 1815. Ende 1815 begann die Herstellung von Läufen, Bajonetten und Ladestöcken zunächst noch in der Pelletier’schen Gewehrfabrik in Essen, die Trenelle im Mai 1815 übernommen hatte. Schrittweise wurde der Betrieb sodann nach Saarn verlegt.[1] Der Schmiedehammer und die Bohrwerke zur Herstellung der Gewehrläufe wurden ruhraufwärts in Hattingen errichtet, da dort das Wassergefälle günstiger war. Die vorgefertigten Einzelteile wurden auf der Ruhr transportiert und in Saarn zusammengebaut. In Dahlhausen baute er ein privates Unternehmen auf, welches Teile für die Waffenproduktion zulieferte. Um die Anwerbung von Büchsenmachern zu fördern, bestimmte eine Kabinettsorder vom 24. Oktober 1834, dass sich preußische Militärpflichtige durch eine 6-wöchige Ausbildung in einer Artillerie-Handwerkskompanie und eine anschließende 9-jährige Beschäftigung in der Fabrik Trenelles dem Dienst im stehenden Heer entziehen konnten.[2]
1815 beschränkte sich die Produktion auf die Herstellung von 800 Infanterie-Musketen des Typs M1809/12 sowie die Reparatur von 4254 Waffen, die in den Befreiungskriegen erbeutet worden waren. Zwischen 1815 und 1820 wurden 41.079 Gewehre des Typs M1809/12 hergestellt und 11.166 erbeutete französische Musketen repariert. Auch wurden 2403 Pistolen gefertigt. Das Ziel, jährlich rund 20.000 Musketen zu produzieren, wurde nie erreicht, so lag etwa die Zahl hergestellter Musketen im Jahr 1838 bei nur 5000. Die Situation änderte sich, als 1839 der neue Typ M1839 eingeführt wurde. 1839 betrug die Produktionszahl dieser Musketen etwa 18.000, 1840 etwa 25.000 und 1841 etwa 30.000. 1841 führte Preußen das Dreyse-Zündnadelgewehr ein. Zur gleichen Zeit hatte die Saarn-Hattinger Produktion mit zunehmenden Problemen im Betrieb ihrer Schmiedehämmer zu kämpfen.[3]
Trenelle war Mitglied im Verein zur Beförderung des Gewerbefleißes in Preußen. 1839 verlieh ihm Preußen den Roten Adlerorden 4. Klasse.[4] Er lebte mit seiner Familie bis in die 1840er Jahre in Saarn und Düsseldorf. In Saarn war im Sommer 1834 der Komponist und Dirigent Felix Mendelssohn Bartholdy sein Gast.
Per Kabinettsorder vom 2. Dezember 1840 wurde Trenelles Fabrik verstaatlicht. Am 14. Oktober 1841 ging sie in staatliche Leitung über. Sie produzierte noch bis 1862, ehe ihr Betrieb nach Erfurt verlagert wurde. 1842 schied Trenelle, der als Entschädigung eine preußische Leibrente in Höhe von 200 Reichstalern erhielt, aus dem Unternehmen aus. Es beschäftigte damals 552 Arbeiter, von denen ein Großteil aus Frankreich und Belgien stammte.[5] Seinen Lebensabend verbrachte Trenelle in Düsseldorf, wo er nach längerer Krankheit verstarb. Bei seinem Tod lebte der angehende Maler Anselm Feuerbach als Gast in seinem Haus. Dieser schuf posthum (1846) ein Bildnis von ihm, das heute zur Sammlung des Feuerbachhauses Speyer gehört.[6]
Trenelle war verheiratet mit Maria Anna Draube aus Erfurt. Ihr einziges Kind, die Tochter Sophie, heiratete am 28. Januar 1826 in Saarn den Regierungsassessor Anton Wilhelm von Woringen (1802–1849), einen Sohn des Düsseldorfer Appellationsrichters Otto von Woringen, der Trenelle als Schwiegersohn in der Unternehmensleitung unterstützte.[7] Schwester Trenelles war die Schwiegermutter des Seesener Hofrats Benedict Schott. Dessen Sohn, somit Großneffe Trenelles und auch sein Patenkind, war der Metallurg Eduard Schott, der Vater des Berliner Bildhauers Walter Schott.
Literatur
- Dirk Ziesing: S. Trenelle – Ein Franzose in Deutschland. Geschichte der Königlich Preußischen Gewehrfabrik in Saarn. Agenda Verlag, Münster 2019, ISBN 978-3-89688-648-4 (Auszug, PDF).
- Richard Forgeur: Le coin de chercheurs. Un Liégeois en Rhénanie. In: Bulletin de Société Royale Le Vieux-Liège. Band 6 (1961), Heft 135, S. 108–110 (PDF).
- Ilse Barleben: Ein Industriebetrieb in Klostermauern. In: Rheinische Vierteljahrsblätter. Band 25 (1960), S. 114–120.
Weblinks
- Trenelle, Sylvester, Datenblatt im Portal leo-bw.de