Siraf
Kulturgut im Iran
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Siraf (persisch سیراف, DMG Sīrāf) war ein Hafen und bedeutendes frühislamisches Handelszentrum an der Küste des Persischen Golfs in der heutigen iranischen Provinz Buschehr. Die Ruinen des Ortes befinden sich ca. 220 km südlich der Stadt Buschehr und 380 km westlich von Bandar Abbas in der Nähe der modernen Kleinstadt Bandar Siraf (auch Bandar-e Sirāf, Bandar-e Taheri, Bandar-i Tahiri, Tāhiri, Tāheri und Tābiri).[1]
Geschichte



Der erste Kontakt zwischen Siraf und China erfolgte zur Zeit der Parther um 185 n. Chr. Im 4. Jahrhundert war die Stadt bereits ein lebendiger Hafen und zwischen dem 8. Jahrhundert und dem Ende des 10. Jahrhunderts gehörte sie wohl zu den florierendsten Städten der Welt.[2] Vermutlich aus sassanidischer Zeit (zwischen 224 und 651) stammen Beinhäuser, die entfernt mit den Grabtürmen von Palmyra in Verbindung stehen, jedoch nicht mit den Grabbauten der späteren islamischen Zeit.[3]
Gemäß David Whitehouse, der die Ruinen der Hafenstadt von 1966 bis 1973 freilegte, blühte der Seehandel zwischen dem Persischen Golf und den östlich gelegenen Ländern auf Grund der starken Zunahme des Handels von Konsum- und Luxusgütern.[4] Der Persische Golf diente als Seeweg zwischen der Arabischen Halbinsel und Indien über das Arabische Meer. Kleine Schiffe, wie die Dhau, konnten die lange Strecke bewältigen, indem sie sich in Sichtweite zum Festland an der Küste hielten.[5] Östlicher Endpunkt der Seeschifffahrt war ein in arabischen Quellen Kalah genannter Hafenort, der an der Westküste des malaysischen Bundesstaates Kedah gelegen haben könnte und vermutlich mit dem Geluo der chinesischen Quellen identisch ist.[6]
Mit der Zeit verlor der Hafen an Bedeutung und die Handelswege verlegten sich an das Rote Meer.[7] Der Hafen wurde gegen 970 n. Chr. zerstört.[8]
Funde
Zu den archäologischen Funden der Hafenstadt zählen neben zahlreichen Tonscherben und Glasschalen Elfenbein-Objekte aus Ostafrika, Steine aus Indien und Lapislazuli aus Afghanistan.[9]
Nach Whitehouse stammt die älteste Moschee Sirafs aus dem 9. Jahrhundert. Er fand Ruinen einer Gemeindemoschee, die von mehreren weiteren umgeben war.[10][11] Andere Ruinen stammen von Häusern außerordentlich reicher Händler,[12] die mit einer internationalen Klientel verkehrten. Besonders einflussreich waren jene aus Südindien, die während ihrer Besuche ausgiebig verköstigt wurden. Aufzeichnungen über Speiseplatten, die für sie bereitgestellt wurden, berichten davon.[13]
Literatur
- S. M. Stern: Rāmisht of Sīrāf. A Merchant Millionaire o the Twelfth Century. In: Journal of the Royal Asiatic Society. Band 99, 1967, S. 10–14.
- David Whitehouse: Excavations at Sīrāf. First Interim Report – Sixth Interim Report. In: Iran. Journal of the British Institute of Persian Studies. Band 6, 1968, S. 1–22, Band 7, 1969, S. 39–62, Band 8, 1970, S. 1–18, Band 9, 1971, S. 1–17, Band 10, 1972, S. 63–87, und Band 12, 1974, S. 1–30.
- David Whitehouse: Siraf: A Medieval Port on the Persian Gulf. In: World Archaeology. Band 2, Nr. 2 (Urban Archaeology) Oktober 1970, S. 141–158.
- David Whitehouse: Siraf III. The Congregational Mosque and other Mosques from the Ninth to the Twelfth Centuries. The British Institute of Persian Studies, London 1980, ISBN 0-901477-02-8.
- Nicholas M. Lowick: Siraf XV. The Coins and Monumental Inscriptions. The British Institute of Persian Studies, Londin 1985, ISBN 0-901477-04-4.
- Moira Tampoe: Maritime Trade between China and the West: An Archaeological Study of the Ceramics from Siraf (Persian Gulf), 8th to 15th Centuries A.D. (= BAR International Series. Band 555). Oxford 1989, ISBN 0-86054-702-7.
- David Whitehouse: Siraf. History, topography and environment. Oxbow Books, Oxford 2009, ISBN 978-1-84217-394-7.