Sitt Ward

arabisches Volksmärchen (AT 425 A, 425 D) From Wikipedia, the free encyclopedia

Sitt Ward ist ein arabisches Volksmärchen (AT 425 A, 425 D).[1]

Handlung

Einst erwarb ein König ein blauschwarzes Füllen von Beduinen, das sich in dessen jüngste Tochter Ward, die Rose, verliebte. Als Ward sich dem bewusst wurde, zog sie in den Stall des Füllens, wo sich das Füllen, eines Nachts, in einen Jüngling verwandelte, der ihr offenbarte, dass er Maimun, der Sohn eines Königs der Dschinnen auf der Insel Waq-Waq sei und dass er sich in das blauschwarze Füllen verwandelt hatte, weil er sich in sie verliebt hatte und er so heimlich bei ihr sein konnte.

Als ein fremder König Krieg gegen Wards Vater erklärte, versprach Maimun Ward für ihren Vater zu kämpfen, wenn sie ihn denn nicht verrate und so stürmte er erst in einem blauen Gewand auf einem blauen Pferd, dann in einem roten Gewand auf einem roten Pferd und schließlich in einem weißen Gewand auf einem weißen Pferd gegen die Feinde, sodass sie in die Flucht geschlagen wurden. Wards beiden verlobten Schwestern prahlten daraufhin mit den Taten ihrer zukünftigen Ehegatten und scherzten mit ihr, deren Verlobter doch in einem Stall lebe, sodass Ward in Zorn geriet und, entgegen Maimuns Warnung, die Wahrheit über ihn verriet, sodass er verschwand.

Ward reiste daraufhin durch die Welt, um Maimun zu suchen, doch da sie ihn nicht fand, ließ sie sich nieder und ein Schloss bauen, in dem sie allerlei Fremde empfing, die ihr Geschichten erzählen sollten und so hoffte sie etwas über den Verbleib von Maimun zu erfahren. Eines Tages sprachen eine arme alte Frau und ihr Enkel bei ihr vor, die von einem seltsamen Erlebnis berichteten, bei dem sie sahen, wie sich die Erde zerteilte und daraus ein großer Teich entsprang. Daraufhin entstiegen zweiundvierzig schwarze Sklaven dem Untergrund, von denen zwei einen großen edelsteinbesetzten Stuhl trugen, den sie in die Mitte des Teiches platzierten, während die anderen jeweils einen schönen Stuhl trugen, die um den Teich herum aufgestellt wurden. Es folgten viele Sklaven und Mägde mit allerlei Gerichten und Getränken und dann warteten sie alle, bis plötzlich vierzig weiße Tauben am Horizont erschienen, sich in den Teich fallen ließen und als Jungfrauen daraus hervor stiegen, um ihre Plätze auf den schönen Stühlen einzunehmen. Zuletzt kam ein großer goldener Vogel herbeigeflogen, der sich in einen schönen aber traurigen Jüngling verwandelte, woraufhin dieser mit seinen Gefährtinnen zu speisen begann. Nach Beendigung des Mahls nahm der Jüngling einen Apfel und teilte ihn in vier Teile. Einen warf er nach Osten, einen nach Westen und einen aß er. Den Letzten aber warf er in den Teich und widmete ihn dem Mädchen, das sein Herz verbrannt hatte. Danach löste sich die Gesellschaft auf.

Ward suchte sogleich den Ort auf, an dem sich das Geschehen ereignet hatte, beobachtete alles und folgte, als Beduinenmädchen verkleidet, Maimun in den Untergrund, um sich in dessen Dienste zu begeben. Maimuns Mutter aber war ein menschenfressendes Ghulweib, das Gefallen an der Dienerin fand und sie zu verspeisen wünschte. Nachdem Ward ihr jedoch dreimal entkommen konnte, konnte ihr das Ghulweib nichts mehr antun. Zudem begab es sich, das Maimun etwas bekannt am Gang und an der Gestalt seiner Dienerin vorkam, sodass er es unterließ, den Schlaftrunk einzunehmen, den ihm seine Mutter aufgrund seiner Traurigkeit verabreichte, und sich schlafend stellte, als Ward ihn des Nachts besuchte. Diese redete zu dem vermeintlich Schlafenden und bat um Verzeihung für ihren Geheimnisverrat, bis dieser gestand wach zu sein und ihr vergab. Um jedoch beisammen sein zu können, so trug Maimun ihr auf, müsse Ward den vierzig Basen, den weißen Tauben, das Haar verbrennen, da sich im Haar einer von ihnen ein Talisman verbirgt, an den Maimun gebunden ist, sodass er diejenige bald heiraten müsse. Also verbrannte Ward das Haar der Basen, woraufhin die beiden Liebenden aus Maimuns Heimatland flohen und sich im Königreich von Wards Vater vermählten.[1]

Hintergrund

Das Märchen erhielt in Samia al Azharia Jahns Arabische Volksmärchen (Berlin 1970) den Titel Sitt Ward und bekam nach Wolfram Eberhards und Pertev Naili Boratavs Typen türkischer Volksmärchen den Typ 98. Es stammt aus der Umgebung von Dār al-Qamar im Libanon und wurde von Karam al-Bustānī in dessen Werk Libanesische Erzählungen (Beirut 1961, S. 84) veröffentlicht. Zur Verbreitung nennt Samia al Azharia Jahn Marokko mit Françoise Legeys Contes et légendes populaires du Maroc, recueillis à Marrakech (Paris 1926, S. 94, Nr. 21); Tunesien (jüdische Tradition) mit Alice Fermés Contes recueillis à Tunis in Revue des Traditions populaires 8 (Paris, 1893, S. 28–31, 80–88, 276–280); Ägypten (Kairo) mit Artin Pachas Cont. inéd. (S. 87, Nr. 5); Ägypten (Gizeh) mit Enno Littmanns Arabische Märchen und Schwänke aus Ägypten (Wiesbaden 1955, S. 61, Nr. 8); Palästina (Bīr-Zēt) mit Hans Schmidts und Paul Kahles Volkserzählungen aus Palästina gesammelt bei den Bauern von Bīr-Zēt und in Verbindung mit Dschirius Jusif in Jerusalem (Göttingen 1918, Band 1, S. 179, Nr. 47); Palästina mit Charles Grimshaw Campbells Told in the Market place (London 1954, S. 105); Irak (Bagdad) mit E. S. Stevens’ Folk-Tales of Iraq (Oxford 1931, S. 45, Nr. 11) und die Türkei mit Pertev Naili Boratavs Türkische Volksmärchen (Berlin 1967, S. 60, Nr. 8 und S. 67, Nr. 9).[1]

Der Bräutigam kann auch ein Kamel und Vogel (Palästina), erst Kürbis, dann Sperling und Jüngling (Irak), ein Pferd (Marokko, Ägypten, Türkei), ein Eselskopf (Tunesien, Türkei), ein Bock (Ägypten) oder ein goldener Hahn (Palästina) sein. Sitt ist die Anrede für Frau oder Fräulein.[1]

Literatur

  • Samia al Azharia Jahn (Hrsg. und Übers.): Arabische Volksmärchen. Akademie-Verlag. Berlin 1970, S. 81–99, 509–510.

Einzelnachweise

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