Skid Row (Los Angeles)

Stadtviertel in Los Angeles, USA From Wikipedia, the free encyclopedia

Skid Row ist der inoffizielle Name für ein Viertel in der Downtown von Los Angeles, das offiziell als Central City East bekannt ist. Ein großer Teil der Bewohner von Skid Row leidet seit langem unter Problemen wie Armut, Drogenabhängigkeit, Obdachlosigkeit und psychischen Erkrankungen. Laut der Obdachlosenzählung 2022 für den Großraum Los Angeles leben in diesem Stadtteil 4.402 obdachlose Menschen, von denen mehr als die Hälfte auf der Straße übernachten muss.[1]

Skid Row (Los Angeles) (Los Angeles Metropolitan Area)
Skid Row (Los Angeles) (Los Angeles Metropolitan Area)
Lage in Los Angeles

Lage

Skid Row liegt in Los Angeles und grenzt direkt an den gentrifizierten Arts District und properierende Hochhausviertel.[2] Skid Row erstreckt sich über 50 Häuserblocks unmittelbar östlich der Innenstadt von Los Angeles und wird im Norden von der Third Street, im Süden von der Seventh Street, im Osten von der Alameda Street und im Westen von der Main Street begrenzt.[3]

Der Begriff „Skid Row“ oder „Skid Road“, der sich auf einen Stadtteil bezieht, in dem Menschen leben, die „am Boden“ sind, leitet sich von einem Begriff aus der Holzfällerei ab. Im weiteren Sinne begann man, den Begriff für Orte zu verwenden, an denen sich Menschen ohne Geld oder Arbeit versammelten, und so wurde er in Nordamerika zum Oberbegriff für eine heruntergekommene Straße in einer Stadt.

Geschichte

Eisenbahnstation an der Ecke 5th Street und San Pedro Street im Jahr 1875

Als am Rande der Innenstadt Eisenbahnstrecken gebaut wurden, wichen die landwirtschaftlichen Flächen im Osten Industriegebieten. Diese Industriegebiete zogen vorwiegend männliche Arbeitskräfte an, die nur vorübergehend dort lebten; viele von ihnen reisten mit dem Zug an, um Arbeit in der Eisenbahnindustrie oder Saisonarbeit in der Landwirtschaft zu finden. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstanden in der Gegend zahlreiche Wohnheime, da sich dort eine vorübergehend ansässige Bevölkerung von Saisonarbeitern niederließ. Die große männliche prekäre Bevölkerung führte auch zur Ansiedelung von Kneipen und Bordellen. Bereits um 1900 war der Ort als Hobo Corner bekannt.[4][5][6] In den 1930er Jahren lebten in Skid Row bis zu 10.000 Obdachlose.[7] Hier gab es Kneipen, Wohnheime und private soziale Einrichtungen, die Menschen aus den von ihnen betreuten Bevölkerungsgruppen anzogen, sich in diesem Viertel zu versammeln.[8]

Bereits 1947 ließ das Los Angeles Police Department in dem Gebiet Massenverhaftungen durchführen, da bis zur Hälfte der Straftaten in der Stadt von dem Gebiet ausgingen.[9] In den 1950er Jahren wurden zahlreiche Gebäude abgerissen, um das Viertel zu „sanieren“, was den Wohnungsmangel aber nur verschlimmerte. Angesichts der verschärften Bauvorschriften in den 1960er Jahren kamen die Eigentümer von Wohnheimen zu dem Schluss, dass ein Abriss kostengünstiger sei als die Durchführung von Reparaturen. Schätzungen zufolge sank die Gesamtzahl dieser Einheiten im Laufe des folgenden Jahrzehnts von 15.000 auf 7.500. Viele Anwohner der Gegend verloren ihr Zuhause, da die Hälfte der von den Wohnheimen und billigen Hotels bereitgestellten bezahlbaren Wohnungen wegfiel.[6]

Straße in Skid Row

In den 1960er und 1970er Jahren fühlten sich viele Vietnam-Veteranen von Skid Row angezogen, da es dort bereits Hilfsangebote und Seelsorgeeinrichtungen gab und sie sich in anderen Gegenden ausgegrenzt fühlten. Wie schon nach dem Zweiten Weltkrieg landeten viele von ihnen auf der Straße und wurden drogenabhängig. Etwa zu dieser Zeit veränderte sich die Bevölkerungsstruktur von Skid Row, die zuvor überwiegend von Weißen und älteren Menschen geprägt war.[6] Skid Row wurde 1976 von der Stadtverwaltung als inoffizielle „Eingrenzungszone“ (containment zone) geduldet, in der Notunterkünfte und Hilfsangebote für Obdachlose konzentriert wurden, damit Obdachlose und Drogenabhängige sich nicht in anderen Stadtvierteln ansiedeln.[10]

Die Crack-Epidemie der 1980er Jahre verschärfte die sozialen Problem weiter. Die Zahl der Obdachlosen in Skid Row stieg so stark an, dass weder die Notunterkünfte noch die Straßen ausreichend Platz für sie boten.[10] Im Februar 1987 kündigte der Chef des LAPD, Daryl Gates, mit Unterstützung des damaligen Bürgermeisters Tom Bradley Pläne für Razzien gegen Obdachlose in Skid Row an. Gegen den Plan, Obdachlose zu kriminalisieren und zu inhaftieren, regte sich allerdings großer Widerstand, weshalb der Plan aufgegeben wurde.[11] 2006 wurde die Safer Cities Initiative von dem LAPD verabschiedet, welche verschärfte Polizeitkontrollen beinhalteten. Eine Studie des LAPD ergab, dass die Kriminalitätsrate vier Jahre nach der Einführung um etwa 46 % zurückgegangen war, während die Zahl der Todesfälle um etwa 34 % sank.[12] Allein in den ersten zwei Jahren der Initiative wurden 18.000 Verhaftungen durchgeführt.[13]

Durch die Finanzkrise 2007/08, die allgemein steigenden Wohnungspreise in der Stadt und die COVID-19-Pandemie ist die Anzahl der Wohnungslosen weiter gestiegen. 2021 waren im Los Angeles County laut Schätzungen von Obdachlosenhilfsorganisationen über 60.000 Menschen wohnungslos.[14] Das Stadtbild von Skid Row war Mitte der 2020er Jahre weiterhin von Zelten und Notunterkünften auf der Straße sowie sozialem Elend geprägt.

Bevölkerung

Typische Obdachlosenzelte in Skid Row

Die Einwohnerzahl lag 2010 bei etwa 11.000 Personen auf einer Fläche von 0,4 Quadratmeilen, allerdings gibt es aufgrund begrenzter Daten derzeit keine aktuelle Schätzung. Im Jahr 2023 schätzte der „Los Angeles Longitudinal Enumeration and Demographic Survey“, dass die Einwohnerzahl nach der COVID-19-Pandemie um 13 % gestiegen sei, wobei jedoch keine genaue Bevölkerungszahl genannt wurde.[15] Über zwei Drittel der Bevölkerung sind männlich. Etwa 60 % sind Afroamerikaner, 14 % Weiße und 11 % Hispanics (Stand 2010). Das mittlere Haushaltseinkommen liegt bei knapp über 11.000 Dollar (2011). Etwa ein Drittel der Bevölkerung ist obdachlos, wobei über 3.500 Menschen in Notunterkünften oder auf der Straße leben (2014), was Skid Row zum Ort mit der höchsten Konzentration an Obdachlosen in den Vereinigten Staaten macht.[16]

Zu den bekanntesten Bewohnern von Skid Row gehörten der Schriftsteller Charles Bukowski und der Rapper Lil Peep.

Soziale Probleme

Skid Row gilt in den Vereinigten Staaten als ein Synonym für Probleme wie Obdachlosigkeit, Drogenabhängigkeit und Kriminalität. Allein zwischen Juli und Oktober 2019 wurden über 1000 Straftaten im Umkreis von 0,5 Meilen um das Zentrum von Skid Row gemeldet, darunter zahlreiche Autoeinbrüche, Überfälle, Gewalttaten und mehrere Morde.[17] Zahlreiche Bewohnerinnen von Skid Row werden Opfer sexueller Übergriffe und 90 Prozent haben in ihrem Leben sexuelle Gewalt erfahren.[18]

Sehenswürdigkeiten

Wandgemälde Skid Row City Limits

Zu den Sehenswürdigkeiten von Skid Row, einer weitgehend von sozialen Einrichtungen und Lagerhäusern geprägten Gegend, gehören:

  • Star Apartments, ein 2014 errichteter Wohnkomplex für Obdachlose mit interessanter architektonischer Gestaltung
  • Indian Alley, ist der inoffizielle Name für einen Abschnitt einer Gasse, der auf die Bedeutung verweist, die dieses Gebiet für mittellose Indianer in den 1970er bis 1990er Jahren hatte
  • Skid Row City Limits ist ein 5,5 mal 15 Meter großes Wandgemälde an der San Julian Street, das 2014 entstanden ist. Es zeigt eine Karte, auf der die offiziell anerkannten Grenzen von Skid Row eingezeichnet sind
  • Cecil Hotel, berüchtiges Hotel, welches zeitweise Unterkunft der beiden Serienmörder Richard Ramírez und Jack Unterweger war und mit den ungeklärten Todesfällen von Elizabeth Short und Elisa Lam verbunden ist

Kultur

Skid Row ist die Heimat vieler Künstler. Aufgrund seiner Lage an der Grenze zu Stadtteilen wie dem Historic Core und dem Arts District finden in Skid Row häufig Veranstaltungen statt, die über die Grenzen der einzelnen Stadtteile hinausreichen.[19] Überregional bekannt wurde das 1985 gegründete Los Angeles Poverty Department, eine Künstlergruppe die aus aktuellen und ehemaligen Obdachlosen besteht.[20]

Skid Row taucht in zahlreichen Hollywood-Filmen, Büchern und Dokumentation als Standort oder Thema auf. Skid Row diente auch als Drehort für die Musikvideos zu den Michael-Jackson-Songs „Beat It“ und „The Way You Make Me Feel“.

Commons: Skid Row, Los Angeles – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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