Skybus Metro

From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Skybus Metro ist eine elektrische, vollautomatisch fahrende Großkabinen-Hängebahn, die vom indischen Ingenieur Bojji Rajaram entwickelt wurde und in Zusammenarbeit mit dem Fahrzeughersteller BEML und Konkan Railway erstmals ab 2004 in Margao im indischen Bundesstaat Goa auf einer 1,6 Kilometer langen Teststrecke zum Einsatz kam. Zu einer kommerziellen Anwendung kam es bisher nicht, nachdem das Projekt nach einem tödlichen Unfall im September 2004 im Oktober 2013 abgebrochen wurde.

Schnelle Fakten Streckenverlauf ...
Skybus Metro
Ein neuer Skybus auf der Teststrecke (2006)
Ein neuer Skybus auf der Teststrecke (2006)
Streckenlänge:1,6 km Teststrecke Margao
einst geplant: Mapusa–Panaji 10,5 km
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
Stromsystem:400–1500 Volt =
Maximale Neigung: 1,75 
Minimaler Radius:100 m
Streckengeschwindigkeit:100 km/h
Zweigleisigkeit:durchgehend
Streckenverlauf
U-Bahn-Kopfbahnhof Anfang Hochstrecke (Strecke außer Betrieb)
0,0 Mapusa
U-Bahn-Haltepunkt / Haltestelle (Strecke außer Betrieb)
U-Bahn-Haltepunkt / Haltestelle (Strecke außer Betrieb)
U-Bahn-Strecke unter Wasserlauf (Strecke außer Betrieb)
9,7 Mandovi (ca. 590 m)
U-Bahn-Kopfbahnhof Ende Hochstrecke (Strecke außer Betrieb)
10,5 Panaji
Schließen

Geschichte

Premierminister Atal Bihari Vajpayee kündigte 2003 als Neujahrsgeschenk das Skybus Metro-Projekt für Goa an, die geplanten Kosten dafür in Höhe von Rs 100 Crore, umgerechnet rund 20 Millionen Euro, wollte die Bundesregierung übernehmen.[1] Schon Anfang April des Jahres wurde das Prototp-Fahrzeug für die Skybus Metro von BEML vorgestellt[2] und kurz danach begannen in Margao die Bauarbeiten an einer Teststrecke über 1,6 Kilometer nahe dem Bahnhof Madgaon Junction (15° 15′ 53,7″ N, 73° 58′ 32,5″ O). Dort sollte die Tauglichkeit des Systems nachgewiesen werden, um später als erste Phase eine 10,5 Kilometer langen Verbindung zwischen der Stadt Mapusa und Goas Hauptstadt Panaji zu bauen.[3] Bereits im April 2004 waren die Rohbauarbeiten abgeschlossen, nach Installation der Stromversorgung und weiteren Technik begannen in Juli erste Testfahrten mit dem Prototypen mit einem Wagenkasten aus GFK. Am 15. September des Jahres fand die erste öffentliche Testfahrt mit einer Höchstgeschwindigkeit von 40 Kilometern je Stunde über eine Strecke von rund einem Kilometer statt.[4]

Allerdings kam es wenige Tage später am 25. zu einem tödlichen Unfall, als der Prototyp in einer Kurve beim Ausschwingen mit einem Streckenpfeiler kollidierte. Ein Mitarbeiter der Konkan Railway Corporation Limited's (KRCL) wurde getötet, drei weitere Personen verletzt. Die Testfahrten wurden umgehend ausgesetzt und nach Reparatur des schwer beschädigten Prototypen wurde dieser in der zweiten Dezemberwoche wieder aufgegleist. Am 21. Dezember fand im Beisein von acht Offiziellen der KRCL die erste Testfahrt mit 10 Kilometern je Stunde statt, nachdem die Teststrecke zuvor als „out of bounds for public“ abgesperrt worden war.[5] Trotz Wiederaufnahme des Testbetriebes mit Geschwindigkeiten bis 70 Kilometern pro Stunde wurden im März 2005 von einer Regierungskommission Zweifel laut, ob die Streckentests und weitere Klarstellungen nicht wenigstens zwei weitere Jahre beanspruchen würden. Außerdem wurden für den Bau der Referenzstrecke Mapusa–Panaji nunmehr Kosten von etwa Rs 5.400 Crore, umgerechnet rund 950 Millionen Euro, kolportiert, weshalb angenommen wurde, die Regierung hätte kalte Füße bekommen.[3] Gleichwohl wurde Anfang 2006 ein zweiter Prototyp ausgeliefert, aber es gelang offenbar nicht, das Ausschwingen durch Schwingungsdämpfer so weit zu reduzieren, dass ein gefahrloser Betrieb möglich war. Daraufhin entschied sich die KRCL im Oktober 2013, das Projekt aufzugeben und die Strecke abzubauen, um wiederkehrende Kosten zu vermeiden.[6]

Es gibt immer wieder Überlegungen, die Skybus Metro doch in die Realität umzusetzen. So schlug 2018 die Regierung des Bundesstaates Goa eine Nord-Süd-Metrolinie im Bundesstaat vor, für die auch das Skybus-System in Erwägung gezogen werden sollte.[7] Im September 2022 schlug der indische Verkehrsminister Nitin Gadkari die Skybus Metro für die verstopften Straßen von Bengaluru vor.[1]

Technik

Patent von Langen aus 1893 für eine zweischienige (oben) und eine einschienige Hängebahn[8]

Das Tragesystem der Skybus Metro aus einer Hohlschiene mit Innenlaufrädern basiert auf der ursprünglichen Bauart einer hängenden Hochbahn von Eugen Langen vom Anfang der 1890er Jahre. Der erste Entwurf war eine zweischienige Bahn, die mit üblichen Spurkranzrädern aus Stahl auf üblichen Vignolschienen in einem unten offenen, kastenförmigen Längsträger in Stahlfachwerkbauweise lief. Rajarams im Jahr 2002 zum Patent angemeldete Entwicklung,[9] sah nunmehr einen Stahlbetonhohlkasten von 8 mal 2 Metern für die Aufnahme zweier normalspuriger gegenläufig befahrbarer Gleiskörper vor. Das Tragesystem wurde auf 10 Meter Betonpfeiler mit einem Meter Durchmesser aufgesetzt, um eine Lichte Höhe von 5,5 Metern für den ebenerdigen Straßenverkehr zu gewährleisten. Als Pfeilerabstand waren 15 bis 20 Meter vorgesehen. Die Trassierung wurde mit einer maximalen Neigung von 1,75 Prozent ausgeführt, als minimaler Kurvenradius waren 100 Meter zwingend, maximal konnten vertikale Kurven mit bis zu 3.375 Meter Radius gebaut werden. Die Stromversorgung erfolgt über eine dritte Schiene und kann wahlweise mit 400 bis 1500 Volt Gleichstrom erfolgen.[10]

Commons: Skybus Metro – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI