Sonam Wangchuk
indischer Ingenieur, Erfinder und Umweltschützer
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Leben
Sonam Wangchuk wurde 1966 in Ladakh geboren und wuchs in dieser abgelegenen Bergregion im Norden Indiens auf.[1] Er entstammt der buddhistischen Bevölkerung Ladakhs, die in Indien eine kulturelle und religiöse Minderheit bildet.[2] Erst mit neun Jahren begann er die Schule zu besuchen, wo er als Angehöriger einer ethnischen Minderheit Schwierigkeiten hatte.[1] Mit elf Jahren flüchtete er allein nach Delhi, um seinen Fall der Schulverwaltung vorzutragen.[1] Später studierte er Maschinenbau und Architektur in Frankreich, um sich dem Bauen mit natürlichen Rohstoffen zu widmen.[1]
Im Jahr 1988 gründete Wangchuk im Alter von 22 Jahren seine erste Nichtregierungsorganisation, die Students’ Educational and Cultural Movement of Ladakh (SECMOL).[1] Mit SECMOL gelang ihm der Aufbau einer alternativen, selbstverwalteten und ökologisch ausgerichteten Schule in einem Dorf in Ladakh.[1] Die Organisation baute alternative Schulen auf und ermöglichte Jugendlichen aus abgelegenen Bergdörfern den Zugang zu Bildung.[2]
Später arbeitete er im Dienst der Regionalverwaltung an einer Reform des Bildungssystems der gesamten Region.[1] Er gründete das erste Printmagazin Ladakhs und arbeitete an einem Netzwerk, durch das regionale NGOs besser kooperieren konnten.[1] Später plante er den Aufbau einer Hochschule, die Studierenden die Werkzeuge mitgeben soll, die ökologischen Probleme ihres Landes zu lösen.[1]
Wirken
Sonam Wangchuk ist für seine technischen Erfindungen bekannt, welche das Leben in der Bergwüste Ladakh verbessern sollen. Er entwickelte unter anderem ein solarbeheiztes Zelt, das er gemeinsam mit dem indischen Militär entwarf.[1] Zudem entwarf er ein kostengünstiges Lehmhaus, das eine Temperatur von 15 Grad Celsius auch bei Außentemperaturen von minus 15 Grad Celsius aufrechterhalten kann.[3]
Eine seiner erfolgreichsten Initiativen zielt auf das Wasserproblem in Ladakh ab.[1] Wangchuk entwickelte seit 2013 gemeinsam mit SECMOL-Schülern sogenannte Eis-Stupas, hochhausgroße Eiskegel, die nach buddhistischen Bauwerken benannt sind. Diese künstlichen Gletscher speichern Wasser aus den Bergen, indem sie im Winter Wasser aus höher gelegenen Regionen ins Tal leiten, wo es gefriert. Die Kegelform sorgt dafür, dass das Eis im Frühjahr und Sommer nur langsam abschmilzt.
Der erste sechs Meter hohe Prototyp hielt das Wasser bis Mitte Mai verfügbar und speicherte 150.000 Liter Wasser.[4] Später wurden größere Eis-Stupas gebaut, darunter ein 20 Meter hoher Eiskegel, der eine Plantage von 5000 Bäumen bis in den Juli hinein mit Wasser versorgen konnte.[1] Die Technik nutzt physikalische Gesetze und benötigt keine Pumpen oder Energie.[4]
Für seine Erfindung der Eis-Stupas erhielt Wangchuk 2016 den Rolex Award for Enterprise.[4] Das Preisgeld investierte er in den Bau weiterer künstlicher Gletscher und in Aufforstungsprojekte.[4]
In den letzten Jahren machte Wangchuk Schlagzeilen durch Proteste, in denen er mehr Autonomie für die Menschen in Ladakh forderte.[3] Nachdem Ladakh 2019 zum Unionsterritorium ohne eigene Legislative wurde, setzte er sich für die Aufnahme Ladakhs in den sechsten Verfassungszusatz ein, der besondere Rechte für indigene Völker vorsieht.[3] Die von ihm mitgeprägte Bewegung forderte politische Mitsprache für das seit 2019 direkt von Delhi aus regierte Gebiet sowie entweder die volle Staatlichkeit Ladakhs oder einen verfassungsrechtlichen Schutz seiner Stammesgemeinschaften.[2] Er organisierte Märsche nach Delhi und trat in Hungerstreiks, um auf die Anliegen Ladakhs aufmerksam zu machen.[3] Im Herbst 2025 trat er erneut öffentlichkeitswirksam in den Hungerstreik, um Aufmerksamkeit für die Zukunft seiner Heimatregion zu erzeugen.[2]
Im Oktober 2024 wurde Wangchuk zusammen mit anderen Aktivisten von der Polizei in Delhi festgenommen, als er versuchte, in die Hauptstadt zu marschieren.[5] Die Festnahme löste politische Kontroversen aus und führte zu Solidaritätsbekundungen verschiedener Politiker.[5]
Nachdem die Proteste in Ladakh im September 2025 eskaliert waren, vier Menschen starben und Dutzende weitere verletzt wurden, wurde Wangchuk nach dem Gesetz zur nationalen Sicherheit ohne Anklage inhaftiert.[2] Das Gesetz erlaubt eine Inhaftierung von bis zu zwölf Monaten ohne Anklage.[2] Im März 2026 wurde er nach rund sechs Monaten Haft im Gefängnis von Jodhpur freigelassen, nachdem das indische Innenministerium die Haft aufgehoben hatte.[2] Die Freilassung erfolgte kurz vor einer Anhörung des Obersten Gerichtshofs, nachdem seine Frau Gitanjali J. Angmo eine Petition eingereicht hatte.[2] Nach seiner Entlassung erklärte Wangchuk, sein Engagement für Ladakh sei ungebrochen und auf eine gerechte und nachhaltige Zukunft der Region gerichtet.[2]
Ende Juni 2026 begab sich Sonam Wangchuk in einen öffentlichen Hungerstreik, um auf Missstände in der indischen Bildungspolitik hinzuweisen, die Absetzung des Indischen Bildungsministers Dharmendra Pradhan zu erwirken und seine Unterstützung der Cockroach Janta Party (CJP) zu demonstrieren. Am 18. Juli wurde er gegen seinen Willen und geschwächt in ein Krankenhaus gebracht. Seinen Platz im öffentlichen Hungerstreik übernahm der Gründer der CJP Abhijeet Dipke.[6] Am 25. Juli trat Dharmendra Pradhan zurück.[7]
Rezeption
Sonam Wangchuk wurde auch durch die Bollywood-Verfilmung „3 Idiots“ bekannt, in welcher der Charakter von Aamir Khan von ihm inspiriert wurde.[3] Seine Arbeit und sein Engagement haben ihm nationale und internationale Anerkennung eingebracht.[3] 2018 wurde er mit dem Ramon-Magsaysay-Preis ausgezeichnet, der als Nobelpreis Asiens gilt.
