Sonderschullehrer
Lehrkraft, die an einer staatlichen oder privaten Förderschule auf der Grundlage der Sonderpädagogik unterrichtet
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Als Sonderschullehrer oder Förderschullehrer wird eine Lehrkraft bezeichnet, die in einem Lehramtsstudiengang mit anschließendem Vorbereitungsdienst für eine Tätigkeit an Förderschulen bzw. Sonderschulen ausgebildet wurde[1] bzw. an einer staatlichen oder privaten Förderschule auf der Grundlage der Sonderpädagogik unterrichtet. Mittlerweile unterrichten auch immer mehr Sonderschullehrer in sogenannten integrativen oder inklusiven Klassen, dort sind sie vor allem für die Kinder mit einem festgestellten sonderpädagogischen Förderbedarf zuständig. Vereinzelt arbeiten Sonderschullehrer bzw. Förderschullehrer auch im außerschulischen Bereich auf Stellen von Diplom-Sonderpädagogen. Da in Deutschland das Bildungswesen in der Verantwortung der Länder liegt (= Kulturhoheit), werden in verschiedenen Bundesländern unterschiedliche Bezeichnungen gebraucht.[2]
Ausbildung (in Deutschland)
Die Ausbildung des Sonderschullehrers umfasst in Deutschland zwei Ausbildungsphasen: Grundlage bildet ein Studium für Lehramt an Sonder- bzw. Förderschulen an einer Universität oder Pädagogischen Hochschule (nur in Baden-Württemberg). Es umfasst allgemeine Erziehungswissenschaften sowie sonderpädagogische und fachdidaktische Inhalte und schließt mit dem ersten Staatsexamen (Bayern) oder Master of Education (M.Ed., andere Bundesländer) ab. Außerdem werden bei Bedarf durch das jeweilige Bundesland Sondermaßnahmen genehmigt, die als Abschluss mit Lehrberechtigung gelten.[3] Die sonderpädagogischen Inhalte werden in zwei Fachrichtungen (in Bayern ist nur eine Fachrichtung vorgeschrieben) belegt, die den Förderschultypen entsprechen. Zur Wahl stehen folgende sonderpädagogische Förderschwerpunkte[4][5][6]:
- Lernbehindertenpädagogik, Pädagogik bei Lernbeeinträchtigungen
- Blindenpädagogik und Sehbehindertenpädagogik
- Gehörlosenpädagogik und Schwerhörigenpädagogik (Hörgeschädigtenpädagogik, Gebärdensprachpädagogik)
- Sprachheilpädagogik
- Körperbehindertenpädagogik
- Geistigbehindertenpädagogik
- Pädagogik bei Verhaltensstörungen (bei emotionalen und sozialen Störungen), Verhaltensgestörtenpädagogik
Die Regelstudienzeit umfasst neun,[7] in Baden-Württemberg zehn Semester;[8] das darauf folgende Referendariat dauert abhängig vom Bundesland eineinhalb oder zwei Jahre und wird an einer oder zwei Förderschulen oder auch in einer integrativen oder inklusiven Schule absolviert. Es endet mit dem zweiten Staatsexamen.[3]
Berufsbild
Zu den wichtigen Aufgaben des Sonderschullehrers gehören z. B. die Vorbereitung und Durchführung des Unterrichts, die Erstellung von sonderpädagogischen Gutachten und die Teilnahme an Konferenzen sowie die Förderplanung[9]. Die tatsächlichen Aufgaben unterscheiden sich stark nach dem Förderschultyp und der konkreten Schule, an der der Sonderschullehrer arbeitet. Während er an einer Schule für Kinder mit einer Lern- oder Sprachbehinderung oft allein eine Klasse unterrichtet, wird an Schulen für Kinder mit einer körperlichen oder geistigen Behinderung oft ein großes Lehrerteam gebildet, das eine Klasse betreut.
In inklusiven Klassen lernen Kinder mit speziellem Bedarf und Kinder zusammen, deren Eltern sich für diesen Weg entschieden haben, da seit 2009 in Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention (= Recht auf inklusive Bildung) in Kraft trat, bei der Eltern die freie Schulwahl für ihr Kind haben.[10] Die Lehrkraft der Klasse, in die ein Kind mit besonderem Förderbedarf kommt, soll sich grundsätzlich allen Kindern nach ihrem Bedarf widmen. Wenn eine Sonder-/ Förderschullehrkraft mit entsprechender Ausbildung zusätzlich budgetiert und verfügbar ist, kümmern sich die Lehrkräfte gemeinsam um die Kinder (= Teamteaching) und unterstützen diese bei ihren jeweiligen Aufgaben, die sich nach Fähigkeiten und Geschwindigkeit sowie angestrebten Zielen unterscheiden.[11]
Die Veränderung der didaktischen Konzepte im Sonderschulbereich von einer speziell an der Schädigung ausgerichteten Pädagogik hin zu einer lern- und entwicklungspsychologischen Sicht brachte eine Veränderung des Berufsbildes mit sich.[12] So werden Sonderschullehrer auch ambulant[13][14] und im gemeinsamen Unterricht an Schulen mit inklusivem Anteil (= spezielle Form des Teamteachings) eingesetzt.[11][15]
Kritik an der Umsetzung des inklusiven Ansatzes an Schulen
Im deutschen Schulportal (Stand 2023) wird die Lage allerdings weniger positiv bezüglich des Ist-Zustands gesehen. So geben in einer Befragung 41 % der Personen an, dass ihre Schule nicht barrierefrei ist. Wegen fehlenden Personals, um auf die Bedürfnisse für Kinder zu reagieren, sehen 72 % in der aktuellen Situation den inklusive Ansatz nicht als machbar an, obwohl 62 % grundsätzlich für Inklusion in der Schule wären. 73 % der Lehrkräfte sehen Kinder mit Förderbedarf besser in Förderschulen aufgehoben.[16]