Sŏn’gun

nordkoreanische „Armee zuerst“-Politik From Wikipedia, the free encyclopedia

Sŏn’gun (von koreanisch sŏn = ‚zuerst‘ und gun = ‚Militär‘; „Militär zuerst!“; vereinfachte Transkription: Songun)[1][2] ist eine politische Doktrin in Nordkorea, die Kim Jong-il etwa ab 1994[3] im Zuge seiner Machtübernahme[4] von Kim Il-sung verfolgte. Sŏn’gun ermöglichte die totale Aufrüstung Nordkoreas. Dies umfasst neben den konventionellen Streitkräften auch die Militarisierung des nordkoreanischen Atomprogramms.

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Koreanische Schreibweise
Koreanisches Alphabet: 선군정치
Hanja: 先軍政治
Revidierte Romanisierung:Seon-gun jeongchi
McCune-Reischauer:Sŏn’gun chŏngch’i
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Nordkoreanisches Propagandaplakat („Lang lebe der große Sieg der Sŏn’gun-Politik!“)

Sŏn’gun räumte den nordkoreanischen Militärstrukturen und der Rüstungsindustrie angesichts einer angenommenen militärischen Bedrohung des Staates durch die „imperialistischen Mächte“ USA und Japan sowie durch deren „MarionettenstaatSüdkorea höchste Priorität ein.

Unter Sŏn’gun wurde die 1972 gegründete Nationale Verteidigungskommission (NDC) ab etwa 1998 zur dominierenden Machtinstanz in Nordkorea und ersetzte in gewisser Weise das Politbüro der Partei der Arbeit Koreas (KWP) als zentrale Entscheidungsinstanz. Zu dieser Zeit war Kim Jong-il der Vorsitzende der NDC und der KWP. Die Koreanische Volksarmee (KVA) und ihre Belange haben entsprechend dieser Politik „absoluten Vorrang“ vor anderen gesellschaftlichen Bereichen.

Entwicklungen

Sŏn’gun wurde im Jahr 2009 zusätzlich zur Chuch’e-Ideologie in die Verfassung Nordkoreas aufgenommen und war die Leitlinie der Politik des Landes.[5][6]

Nach der Machtübernahme durch Kim Jong-un wurde ab etwa 2013 eine Byungjin-Leitlinie (Pyŏngjin) bekannt,[7] welche das Atomprogramm und die wirtschaftliche Entwicklung priorisierte.[8] Experten interpretieren den Byungjin-Gedanken ähnlich wie die frühere Politik Kim Il-sungs, bei der die Wirtschaft und das Militär parallel entwickelt wurden.[9] Fachleute interpretieren die neue Militärpolitik Kim Jong-uns als eine Art Fortführung der Sŏn’gun-Politik, also eine weitere Fokussierung auf Rüstung.[10][11]

Ab 2016 wurde die Nationale Verteidigungskommission aufgelöst und die Aufgaben der Verteidigung und Rüstung dem Komitee für Staatsangelegenheiten übertragen.

In aktuelleren Verfassungen wird die Sŏn’gun-Politik nur noch rückblickend auf Kim Jong-il erwähnt. Seit der Fassung von 2019 wird von der Kimilsungism-Kimjongilism-Doktrin gesprochen. Damit ist eine Kombination der Ideologien von Kim Il-sung und Kim Il-jong gemeint.[12] Fachleute argumentieren, dass der Erfolg oder Misserfolg des aktuellen Regimes von Jong-un davon abhängt, ob es ihm gelingt, ein Gleichgewicht zwischen der Schaffung wirtschaftlicher Reformen und einer Abkehr von der „Militär zuerst“-Politik bei gleichzeitiger Loyalität der Koreanische Volksarmee (KVA) zu finden.[13]

Trivia

Der 25. August wurde zum jährlichen Tag des Sŏn’gun ernannt und ist ein öffentlicher Feiertag in Nordkorea.

Literatur

Primärliteratur (Nordkorea)

  • Kim Chol U: Songun Politics of Kim Jong Il. Foreign Languages Publishing House, Pyongyang, 2002 (deutschsprachige Ausgabe: Kim Chol U: Kim Jong Ils Politik der Bevorzugung des Militärwesens. Verlag für fremdsprachige Literatur, Pyongyang, 2002)
  • Songun, Banner of Victory. Korea Pictorial, Pyongyang, 2003

Sekundärliteratur

Einzelnachweise

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