Sophia von Rom

frühchristliche Märtyrin und Heilige (sog. Eisheilige) From Wikipedia, the free encyclopedia

Sophia von Rom gilt als frühchristliche Märtyrin des 4. Jahrhunderts, die um 304 während der Diokletianischen Christenverfolgung, nach einer anderen Überlieferung unter Kaiser Hadrian, gestorben sein soll. Als Ort ihrer Bestattung wird in der lateinischen Tradition teils der Friedhof der Heiligen Gordianus und Epimachus an der Via Latina angenommen, teils vermutet man ihr Grab an der Via Appia. Nach der griechischen Tradition soll es an der Via Aurelia liegen. So weit driften bereits die älteren Heiligenviten oder -legenden zur heiligen Sophia auseinander.

Offenkundig wurde im Laufe der Zeit die Vita der hl. Sophia von Rom teilweise mit jener der hl. Sophia von Mailand, eine historisch noch schwerer fassbare frühchristliche Märtyrin, vermischt. Ebenso ist möglicherweise eine Vermischung mit der Person, zumindest aber mit (Teilen) der Vita der Sophia von Minden geschehen. Insgesamt ist die Quellenlage zu diesen drei heiligen Frauen dermaßen dünn, dass eine Klärung im historischen Sinn nicht mehr möglich ist.[1] Tendenziell scheint Sophia von Rom unter den drei genannten noch die Person mit der meisten historischen Substanz zu sein.[2] Eine Ausgestaltung der vier christlichen Tugenden als historische Martyrer, nämlich Sophia als die göttliche Weisheit mit ihren drei Töchtern, die Fides (Glaube), Spes (Hoffnung) und Charitas (Liebe) versinnbildlichen, liegt jedenfalls nahe.

Verehrung

Papst Sergius II. ließ um 845 einen Teil der Reliquien unter dem Hochaltar der Kirche San Martino ai Monti beisetzen, während Bischof Remigius von Straßburg andere Reliquien ins Kloster Eschau brachte. Die Attribute der heiligen Sophia sind Palme und Buch, aber auch Trog und Schwert. Ihr Gedenktag ist im lateinischen Westen der 15. Mai, in den Ostkirchen der 30. September.

Eine Darstellung aus dem 15. Jahrhundert findet sich im Wiener Stephansdom. Im Reliquienschatz des Prager Veitsdoms wird eine Rippe aufbewahrt, die von der heiligen Sophia romana stammen soll. Fälschlich wird zuweilen berichtet, es handle sich um eine Armreliquie. Zu Minden werden im Domschatz die Gebeine der Sophia von Minden als Reliquien gehütet.

Namenspatronin und Namensgeberin

Die hl. Sophia ist Namenspatronin von Sophia und den Abwandlungen Sofia, Sophie und Sofi. Diese Vornamen belegen in jüngerer Zeit vorderste Plätze in der von der Gesellschaft für deutsche Sprache geführten Liste der beliebtesten Vornamen in Deutschland. 2022 stand Sophia/Sofia an zweiter Stelle der weiblichen Vornamen.[3]

Die Sophienrauke (Descurainia sophia), eine Pflanzenart, ist nach ihr benannt.

Brauchtum

Die hl. Sophia wird gegen Spätfröste und für das Gedeihen der Feldfrüchte angerufen, da man sie zu den Eisheiligen zählt („Kalte Sophie“ oder in Österreich „Koids Sophal“). Sie ist die letzte in der Reihe der fünf Eisheiligen, die in Mitteleuropa zu den meteorologischen Singularitäten zählen. Laut Bauernregel wird das milde Frühlingswetter erst mit Ablauf der „Kalten Sophie“ stabil. Bedingt durch die gregorianische Kalenderreform ist der tatsächliche Bezugstag der Bauernregel erst einige Tage später.

Sophienkirchen

Die heilige Sophia von Rom ist nicht mit der in der Ostkirche verehrten und gelegentlich auch auf Ikonen dargestellten Ἁγία Σοφία (Hagia Sophia) zu verwechseln. Dieser Ausdruck bezeichnet in aller Regel ausdrücklich keine konkrete Heilige, sondern die „göttliche Weisheit“ als Wesens- und Wirkungsbestandteil des Heiligen Geistes. Sie geht auf das Vorbild der ehemaligen Kaiser- und Hauptkirche Hagia Sophia in Konstantinopel zurück, die der göttlichen Weisheit geweiht war. Nach dieser und nicht nach Sophia von Rom oder einer anderen Heiligen mit Namen Sophia sind zahlreiche weitere Kirchen und – davon abgeleitet – Orte im orthodoxen Kulturkreis benannt.

Die im Westen gebräuchliche Bezeichnung „Sophienkirche“ für die der „Agia Sophia“ (Ἁγία Σοφία) gewidmeten Kirchenbauten beruht auf einem während der Kreuzzüge verfestigten und heute noch immer verbreiteten Missverständnis. Unkenntnis ostkirchlicher Theologie sowie westkirchliche Gepflogenheiten führten dabei zu der Fehlannahme, dass die der „Agia Sophia“ geweihte Hauptkirche Konstantinopels, die Hagia Sophia, nicht der göttlichen Weisheit, sondern einer konkreten Heiligen bzw. der hl. Sophia von Rom geweiht sei.

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

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