Sophie von der Tann

deutsche Journalistin From Wikipedia, the free encyclopedia

Sophie von der Tann (eigentlich Sophie Henny Elinor Freiin von und zu der Tann-Rathsamhausen;[1] * 29. April 1991 in Kassel[2][3]) ist eine deutsche Journalistin. Seit August 2021 arbeitet sie als Korrespondentin der ARD in Tel Aviv und berichtet aus Israel und Palästina.

Portraitaufnahme von Sophie von der Tann auf der Re:publica 2026
Sophie von der Tann (2026)

Biographie

Familie

Sophie von der Tann wuchs in Tann (Rhön) auf.[4] Sie entstammt dem Adelsgeschlecht von der Tann, das seinen Familiensitz im Schloss Tann hat. Ihre Mutter, Christiane Freifrau von und zu der Tann-Rathsamhausen, geborene Bohnekamp, ist Rechtsanwältin und Fachanwältin für Medizinrecht. Ihr Vater, Michael von der Tann, ist Diplom-Agraringenieur und war bis Juni 2022 Präsident des Hessischen Waldbesitzerverbandes.[5] Der Journalist Hartmann von der Tann ist ein entfernter Verwandter.[6] Ihre Familie ist seit der Reformation mit der evangelischen Landeskirche in Hessen-Kassel (heutige EKKW) verbunden.[7]

Beruflicher Werdegang

Ausbildung und Anfänge

Sophie von der Tann absolvierte mit 16 Jahren ein Praktikum beim ZDF in Washington, D.C. Ihr Abitur legte sie am Domgymnasium Fulda ab und studierte im Anschluss an der Ludwig-Maximilians-Universität München. An der Oxford University (2011–2014) erlangte sie einen Bachelor in Theologie und Orientalistik. Anschließend absolvierte sie einen von der Columbia University in New York und der London School of Economics and Political Science gemeinsam angebotenen Masterstudiengang in Internationaler Geschichte (International and World History); Thema ihrer Abschlussarbeit war die „Entwicklung und Verbreitung des Begriffs ‚jüdisch-christliche Tradition‘ im Deutschland der Nachkriegszeit“.[8] An der Columbia University gehörte Lisa Pollak zu ihren Lehrerinnen. Von 2010 bis 2016 wurde sie von der Studienstiftung des deutschen Volkes gefördert. Sie beherrscht Hebräisch, Arabisch, Englisch und Französisch. Ihr Volontariat machte sie von 2016 bis 2018 beim Bayerischen Rundfunk (BR). Einen Teil absolvierte sie in Tel Aviv.

Im August 2018 gründete sie mit Kollegen den Instagram-Nachrichtenkanal News-WG, für den sie 2019 vom Medium Magazin zu den Top-30-Nachwuchsjournalisten unter 30 Jahren gewählt wurde und den Axel-Springer-Preis für junge Journalisten erhielt. Ab November 2018 arbeitete sie als Journalistin im BR-Hauptstadtstudio. Sie trat als Mitinitiatorin des Tagesschau-Zukunfts-Podcasts Mal angenommen in Erscheinung.

ARD-Korrespondentin in Tel Aviv

Seit August 2021 ist sie ARD-Korrespondentin in Tel Aviv und berichtet aus Israel und Palästina.[9][10] In einem Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung erläuterte von der Tann, dass Kriegsberichterstattung im Umfeld von Gaza und dem Westjordanland technisch und emotional sehr herausfordernd sei. Sie betont die Unmöglichkeit unabhängiger Verifikation in Kriegsgebieten und beschreibt den Zwiespalt zwischen der Berichterstattung über humanitäres Leid und einem Leben in relativer Sicherheit in Tel Aviv.[11]

Für ihre Berichterstattung über die Terrorangriffe vom 7. Oktober und den Krieg in Gaza wurde sie im Jahr 2024 unter anderem mit dem Förderpreis des Deutschen Fernsehpreises ausgezeichnet.[3] Thomas Hinrichs, Informationsdirektor des Bayerischen Rundfunks, lobte in diesem Zusammenhang ihre „Gabe, komplexe Zusammenhänge in klugen, verständlichen Sätzen zu transportieren“.[12]

Das Medium Magazin äußerte anlässlich einer Preisverleihung, von der Tann habe es geschafft, in einem der „anspruchsvollsten Berichterstattungsfelder (…) komplexe und emotional aufgeladene Themen differenziert und ausgewogen zu vermitteln“.[13] Dahingegen kritisierte der israelische Botschafter in Deutschland Ron Prosor ihre Berichte als einseitig.[14]

Im Jahr 2025 wurde ihr der Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis verliehen,[15] was eine kontroverse Debatte auslöste. Während die Jüdische Allgemeine[16] und israelische Offizielle[17] die Auszeichnung scharf kritisierten – Ron Prosor warf ihr eine „Dämonisierung Israels“ vor[18] – verteidigten 72 Nahost-Korrespondenten in einem offenen Brief die Journalistin gegen eine „Diffamierungskampagne“.[19][20] Laut dem israelischen Journalisten David Issacharoff sahen die deutschen Kollegen darin eine bekannte Taktik zur Ausübung von Druck auf Journalisten im Kontext des Nahostkonflikts, die häufig von der israelischen Botschaft in Berlin angeführt und von Medien wie der Jüdischen Allgemeinen und der Welt unterstützt würde.[21] Auch Götz Hamann (Zeit),[22] Christoph Reuter (Spiegel)[23] und René Martens (Übermedien)[24] sowie der frühere Verfassungsgerichtspräsident Andreas Voßkuhle[25] bezeichneten die Vorwürfe gegen von der Tann als substanzlos und überzogen. Der Historiker Meron Mendel erklärte, dass Nahost-Berichterstatter aufgrund der polarisierten Wahrnehmung des Konflikts niemals alle Seiten zufriedenstellen könnten.[19]

Am 14. Juli 2026 gab der für das Studio Tel Aviv verantwortliche Bayerische Rundfunk bekannt, dass von der Tann turnusgemäß Ende Juli 2026 aus Tel Aviv abberufen werde; Nachfolgerin werde zum 1. September 2026 Pia-Marie Steckelbach.[26][27]

Auszeichnungen

Commons: Sophie von der Tann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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