Sophie von der Tann
deutsche Journalistin
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Sophie von der Tann (eigentlich Sophie Henny Elinor Freiin von und zu der Tann-Rathsamhausen;[1] * 29. April 1991 in Kassel[2][3]) ist eine deutsche Journalistin. Seit August 2021 arbeitet sie als Korrespondentin der ARD in Tel Aviv und berichtet aus Israel und Palästina.

Leben und Wirken
Sophie von der Tann wuchs in Tann (Rhön) auf.[4] Sie entstammt dem Adelsgeschlecht von der Tann, das seinen Familiensitz im Schloss Tann hat. Ihre Mutter, Christiane Freifrau von und zu der Tann-Rathsamhausen, geborene Bohnekamp, ist Rechtsanwältin und Fachanwältin für Medizinrecht. Ihr Vater, Michael von der Tann, ist Diplom-Agraringenieur und war bis Juni 2022 Präsident des Hessischen Waldbesitzerverbandes.[5] Der Journalist Hartmann von der Tann ist ein entfernter Verwandter.[6] Ihre Familie ist seit der Reformation mit der evangelischen Landeskirche in Hessen-Kassel (heutige EKKW) verbunden.[7]
Sophie von der Tann absolvierte mit 16 Jahren ein Praktikum beim ZDF in Washington, D.C. Ihr Abitur legte sie am Domgymnasium Fulda ab und studierte im Anschluss an der Ludwig-Maximilians-Universität München. An der Oxford University (2011–2014) erlangte sie einen Bachelor in Theologie und Orientalistik. Anschließend besuchte sie die Columbia University in New York, wo Lisa Pollak zu ihren Lehrerinnen gehörte. Danach absolvierte sie an der London School of Economics and Political Science ein Masterstudium, das sie als Master in Internationaler Geschichte (International and World History) abschloss; Thema ihrer Abschlussarbeit war die „Entwicklung und Verbreitung des Begriffs ‚jüdisch-christliche Tradition‘ im Deutschland der Nachkriegszeit“. Von 2010 bis 2016 wurde sie von der Studienstiftung des deutschen Volkes gefördert. Sie beherrscht Hebräisch, Arabisch, Englisch und Französisch. Ihr Volontariat machte sie von 2016 bis 2018 beim Bayerischen Rundfunk (BR). Einen Teil absolvierte sie in Tel Aviv.
Im August 2018 gründete sie mit Kollegen den Instagram-Nachrichtenkanal News-WG, für den sie 2019 vom Medium Magazin zu den Top-30-Nachwuchsjournalisten unter 30 Jahren gewählt wurde und den Axel-Springer-Preis für junge Journalisten erhielt. Ab November 2018 arbeitete sie als Journalistin im BR-Hauptstadtstudio. Sie trat als Mitinitiatorin des Tagesschau-Zukunfts-Podcasts Mal angenommen in Erscheinung.
ARD-Korrespondentin in Tel Aviv
Seit August 2021 ist sie ARD-Korrespondentin in Tel Aviv und berichtet aus Israel und Palästina.[8][9] In einem Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung erläuterte von der Tann, dass Kriegsberichterstattung im Umfeld von Gaza und dem Westjordanland technisch und emotional sehr herausfordernd sei. Sie betont die Unmöglichkeit unabhängiger Verifikation in Kriegsgebieten und beschreibt den Zwiespalt zwischen der Berichterstattung über humanitäres Leid und einem Leben in relativer Sicherheit in Tel Aviv.[10]
Für ihre Berichterstattung über die Terrorangriffe vom 7. Oktober und den Krieg in Gaza wurde sie im Jahr 2024 unter anderem mit dem Förderpreis des Deutschen Fernsehpreises ausgezeichnet.[3] Thomas Hinrichs, Informationsdirektor des Bayerischen Rundfunks, lobte in diesem Zusammenhang ihre „Gabe, komplexe Zusammenhänge in klugen, verständlichen Sätzen zu transportieren“.[11]
Das Medium Magazin äußerte anlässlich einer Preisverleihung, von der Tann habe es geschafft, in einem der „anspruchsvollsten Berichterstattungsfelder (…) komplexe und emotional aufgeladene Themen differenziert und ausgewogen zu vermitteln“.[12] Dahingegen kritisierte der israelische Botschafter in Deutschland Ron Prosor ihre Berichte als einseitig.[13]
Kampagne nach Verleihung des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises
Die Verleihung des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises 2025 an Sophie von der Tann[14] löste eine kontroverse Debatte aus. Während die Jüdische Allgemeine[15] und israelische Offizielle[16] die Auszeichnung scharf kritisierten und von der Tann Antisemitismus vorwarfen, verteidigten 72 Nahost-Korrespondenten in einem offenen Brief die Journalistin gegen eine „Diffamierungskampagne“.[17][18] Laut dem israelischen Journalisten David Issacharoff sahen deutsche Kollegen darin eine bekannte Taktik zur Ausübung von Druck auf Journalisten im Kontext des Nahostkonflikts, die noch häufiger von der israelischen Botschaft in Berlin angeführt und von Medien wie der Jüdischen Allgemeinen und der Welt unterstützt würden.[19] Weitere Journalisten wie Götz Hamann (Zeit),[20] Christoph Reuter (Spiegel)[21] und René Martens (Übermedien)[22] sowie der frühere Verfassungsgerichtspräsident Andreas Voßkuhle[23] bezeichneten die Vorwürfe als substanzlos und überzogen. Der Historiker Meron Mendel erklärte, dass Nahost-Berichterstatter aufgrund der polarisierten Wahrnehmung des Konflikts niemals alle Seiten zufriedenstellen könnten.[17]
Auszeichnungen
- 2024: Förderpreis des Deutschen Fernsehpreises[3][24]
- 2024: Journalistin des Jahres in der Kategorie „Reportage national“ des Medium Magazins[12]
- 2024: Blauer Panther – TV & Streaming Award für ihre Berichterstattung aus Nahost in der Kategorie Information / Journalismus[25]
- 2025: Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis[14]
Weblinks
- Sophie von der Tann bei Fernsehserien.de
- Für die ARD aus Tel Aviv – Sophie von der Tann. Die neuesten Inhalte von Sophie von der Tann. In: tagesschau.de.