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Diplodia sapinea

Art der Gattung Diplodia From Wikipedia, the free encyclopedia

Diplodia sapinea (Fr.) Fuckel (Syn.: Sphaeropsis sapinea) ist ein opportunistischer Schwächeparasit aus der Familie der Botryosphaeriaceae (Schlauchpilze, Ascomycota), der als Erreger des Diplodia-Triebsterbens weltweit an Kiefern und anderen Nadelbäumen vorkommt. Der Pilz lebt charakteristischerweise als symptomloser Endophyt in gesunden Bäumen und kann unter abiotischen Stressbedingungen – insbesondere Dürre, Hitze und Hagelschlag – von der endophytischen in die pathogene Lebensweise übergehen. Als wärmeliebender Organismus mit einem Temperaturoptimum von 25 bis 30 °C wird Diplodia sapinea durch fortschreitende Klimaerwärmung begünstigt und breitet sich zunehmend in bisher kühlere Regionen Nordeuropas aus, wo er erhebliche wirtschaftliche Schäden in Kiefernbeständen, Plantagen und Baumschulen verursacht.

Schnelle Fakten Systematik, Wissenschaftlicher Name ...
Diplodia sapinea

Pyknidien von Diplodia sapinea an Zapfenschuppen

Systematik
Klasse: Dothideomycetes
Unterklasse: unsichere Stellung (incertae sedis)
Ordnung: Botryosphaeriales
Familie: Botryosphaeriaceae
Gattung: Diplodia
Art: Diplodia sapinea
Wissenschaftlicher Name
Diplodia sapinea
(Fr.) Fuckel
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Morphologie

Pyknidien an einer Schwarzkiefernnadel (Pinus nigra)
Konidien (asexuelle Sporen) von Diplodia sapinea

Diplodia sapinea ist nur in der asexuellen Form (Nebenfruchtform) bekannt; eine sexuelle Hauptfruchtform wurde bisher nicht beobachtet.[1] Der Pilz bildet als Fruchtkörper schwarze Pyknidien aus, die auf verschiedenen Pflanzenteilen der Wirtsspezies auftreten: auf Nadeln, Nadelscheiden, Triebspitzen, Zapfenschuppen und Rindengewebe. Diese Pyknidien sind charakteristisch einzeln oder gehäuft angeordnet, eingesenkt bis herausragend und von ovaler Form. Die Größe variiert je nach Pflanzenorgan: Pyknidien an Nadelbasen erreichen einen Durchmesser von 0,2 bis 0,25 Millimetern und zeigen kugelige bis birnenförmige Gestalt, während die an Triebspitzen lokalisierten Strukturen üblicherweise kugelig und 0,4 bis 0,5 Millimeter groß sind. Im Längsschnitt enthalten reife Pyknidien eine dunkelbraune bis schwarze Masse aus reifen Konidien. An befallenen Trieben ist häufig Harzfluss erkennbar.[2][3][4][5][6]

Die Konidien von Diplodia sapinea sind dickwandig und durchlaufen während ihrer Entwicklung charakteristische morphologische Veränderungen. Unreife Konidien erscheinen zylindrisch bis langellipsoid, sind durchscheinend (hyalin) und besitzen ein kleines Stielchen. Reife Konidien zeigen eine ellipsoide bis pantoffelförmige Form, sind dunkelbraun gefärbt und weisen eine glatte, dickwandige Oberfläche auf. An einer Seite sind die Konidien charakteristisch abgestutzt, was der Ansatzstelle des Stiels entspricht. Zahlreiche Tröpfchen (kolloidale Lipidvesikel) sind erkennbar.[2][5][7][8]

Die Abmessungen werden in der Literatur unterschiedlich angegeben: Dyko & Sutton geben Länge × Breite von 30 bis 45 × 10 bis 16 Mikrometern an, während detaillierte Messdaten 32 bis 44,3 × 11,2 bis 16,2 Mikrometer zeigen, mit einem mittleren Längen-Breiten-Verhältnis von 2,2 bis 3,4. Freigesetzte Konidien sind zunächst transparent und färben sich später braun. Sie sind typischerweise unseptiert, können jedoch bei der Keimung Septen ausbilden. Die Konidienwand ist außen glatt, während die innere Oberfläche durch Melaninablagerungen eine warzige Struktur aufweist.[9][2][7][10][5]

Die konidiogenen Zellen sind holoblastisch, d. h. die Konidien werden nach der Bildung als Ganzes abgeschnürt, hyalin und dünnwandig. Sie variieren in der Form von langzylindrisch bis kurz flaschenförmig (lageniform) oder ampulliform. Konidien erreichen typischerweise 15 bis 20 Mikrometer Länge und werden durch wiederholte Sporenerzeugung an der gleichen Stelle (Phialidus) produziert, wobei die Zellwand an der Spitze verstärkt wird oder sich seitlich verdickt.[5][7] Das Mycelwachstum auf künstlichen Nährmedien wie Malzextrakt-Agar (MEA) und Kartoffel-Dextrose-Agar (PDA) zeigt wattig-luftiges Aussehen, und Kulturkolonien bedecken eine Petrischale typischerweise innerhalb von sieben Tagen.[11]

Morphotypen und genetische Diversität

Innerhalb von Diplodia sapinea wurden mehrere morphologisch und genetisch unterscheidbare Gruppen identifiziert. Palmer et al. beschrieben 1987 zwei Morphotypen, bezeichnet als A und B.[12] Weitere Untersuchungen führten zur Identifikation zusätzlicher Morphotypen, insbesondere des C-Morphotyps aus Indonesien und des I-Morphotyps aus Kanada.[13][14][15][16] Die Morphotypen unterscheiden sich in konidialen Dimensionen und Kulturmerkmalen und sind durch molekulare Marker wie RAPD, SSR und ITS-Sequenzen differenzierbar. Der B-Morphotyp wurde 2003 von de Wet et al. als eigenständige Art Diplodia scrobiculata klassifiziert.[17][15][18][5][13]

Geographische Analysen zeigen die Dominanz des A-Morphotyps in Europa, Australien, Neuseeland und Südafrika, während der B-Morphotyp in Kalifornien vorherrscht. In europäischen Populationen wurde ein einzelner Haplotyp (MLH29) bei 45,3 Prozent aller untersuchten Isolate aus 13 Ländern gefunden, was auf starke klonale Struktur und niedrige genetische Diversität hindeutet.[19][15] Obwohl Diplodia sapinea sich überwiegend asexuell durch Konidien reproduziert und eine sexuelle Hauptfruchtform bisher nie beobachtet wurde, liefern molekulare Analysen Hinweise auf kryptische Sexualität. Dieser Begriff bezeichnet bei Pilzen das Phänomen, dass ein sexueller Zyklus zwar nicht direkt beobachtbar ist, aber durch molekulare Befunde erschlossen werden kann. Bihon et al. wiesen 2014 in verschiedenen Isolaten des Pilzes die beiden komplementären Paarungstyp-Gene MAT1-1 und MAT1-2 nach.[20] Dies deutet auf ein heterothallisches Paarungssystem hin: Heterothallische Pilze können sich nicht selbst befruchten, sondern benötigen für die geschlechtliche Fortpflanzung einen Partner des entgegengesetzten Paarungstyps. Da beide Paarungstypen in Isolaten aus verschiedenen Regionen in annähernd gleicher Häufigkeit auftreten, ist eine seltene sexuelle Rekombination wahrscheinlich, auch wenn die zugehörigen Fruchtkörper bislang nie gefunden wurden. Die Sexualität bleibt damit kryptisch, d. h. genetisch belegt, aber morphologisch nicht beobachtet.[19][21][22]

Verbreitung und Arealdynamik

Diplodia sapinea zeigt weltweite Verbreitung und wurde in über 65 Ländern auf allen Kontinenten zwischen 30° und 50° nördlicher und südlicher Breite dokumentiert. Die Art besiedelt natürliche Waldbestände ebenso wie Plantagen, Baumschulen und urbane Pflanzungen.[23][24][25][26] Die erste wissenschaftliche Beschreibung datiert auf 1842 in Frankreich mit Fund an der Waldkiefer (Pinus sylvestris). In Mitteleuropa trat die Art zunächst primär als Bläuepilz an Schnittholz sowie an ein- bis dreijährigen Kiefernsämlingen in Erscheinung. Ab den 1980er Jahren wurde verstärktes Auftreten als Pathogen zunächst in Österreich und der Schweiz dokumentiert, mit Fokus auf die Schwarzkiefer (Pinus nigra).[3][24]

In Deutschland wurden entsprechende pathogene Symptome nach dem Hitzesommer 2003 zunächst in Bayern beobachtet, mit Schwerpunkt in Unterfranken. Teilweise erreichten die Schäden an Schwarzkiefernbeständen Ausmaße, die als bestandsbedrohend eingestuft wurden. Die schwerwiegendsten Schäden an Waldkiefern in Deutschland traten 2010 in der Colbitz-Letzlinger Heide in Sachsen-Anhalt nach Fraßschäden durch die Gemeine Kiefernbuschhornblattwespe auf.[27] In Schweden erfolgte der Erstnachweis 2013 mit Nadelschäden an Wald- und Schwarzkiefern, was als Indiz für klimasensitive Aspekte der pathogenen Phase interpretiert wurde. In Nordeuropa, einschließlich Finnland, Estland und Lettland, nahmen die Nachweise in den letzten zwei Jahrzehnten zu. Genetische Analysen nordeuropäischer Populationen zeigen relativ höhere genetische Diversität im Vergleich zu Mitteleuropa.[28][19]

Untersuchungen entlang von Höhengradienten in den französischen Alpen dokumentierten das Fehlen von Diplodia sapinea oberhalb von 800 Metern, was auf abiotische Limitierungen durch niedrige Temperaturen hinweist. Die höchste genetische Diversität wurde in Südafrika beobachtet.[25][26][15][19]

Wirtspflanzen

Die Waldkiefer (Pinus sylvestris) gilt als Primärwirt von Diplodia sapinea

Diplodia sapinea wurde an 48 verschiedenen Kiefernarten (Pinus sp.) nachgewiesen. Der Pilz befällt darüber hinaus zehn weitere Nadelholzgattungen: Tannen (Abies) und Hemlocktannen (Tsuga), Douglasien (Pseudotsuga), Zedern (Cedrus), Zypressen (Cupressus) und Scheinzypressen (Chamaecyparis), Wacholder (Juniperus), Lärchen (Larix), Fichten (Picea) und Lebensbäume (Thuja). Die hauptsächlichen Wirtspflanzen in Mitteleuropa sind Waldkiefer (Pinus sylvestris) und Schwarzkiefer (Pinus nigra). Letztere gilt als besonders anfällig sowie die Monterey-Kiefer (Pinus radiata), die Amerikanische Rot-Kiefer (Pinus resinosa), die Gelb-Kiefer (Pinus ponderosa) und die Bergkiefer (Pinus mugo).[29]

Molekulargestützte Erhebungen in botanischen Gärten ergaben, dass die Waldkiefer die einzige Art war, bei der der Pilz regelmäßig in symptomlosen Nadeln nachgewiesen wurde, was auf einen möglichen primären Wirtsstatus hindeutet.[25][30] Wingfield et al. (2024) stellten zudem fest, dass der Pilz offenbar eine Präferenz für Kiefernarten der Untergattung Pinus zeigt, während Vertreter der Untergattung Strobus seltener besiedelt werden.[1] Versuche zur Anfälligkeit bei verschiedener Kiefernherkunft zeigten signifikante Unterschiede. Kiefern aus warm-trockenen Regionen waren weniger anfällig, während Kiefern aus kühleren Klimazonen mit genetisch bedingtem langsamerem Wachstum und früherem Einstellen des Jahreswachstums höhere Anfälligkeitsraten zeigten.[31]

Biologie und Lebensweise

Diplodia sapinea kommt in drei verschiedenen Lebensweisen vor: saprophytisch, endophytisch und pathogen.[32][33][34] Die Wahrnehmung des Pilzes hat sich dabei grundlegend gewandelt: Galt Diplodia sapinea ursprünglich primär als Wundparasit, wird er heute vor allem als Endophyt gesunder Kiefern verstanden, der unter Stressbedingungen pathogen wird.[1] In saprophytischer Lebensweise besiedelt Diplodia sapinea abgestorbenes Pflanzenmaterial wie Nadeln, Triebe, Zapfen und Nadelscheiden. Auf diesem Material werden Pyknidien ausgebildet, die als Sporenquellen für weitere Infektionsereignisse dienen. Die kontinuierliche saprophytische Präsenz in Beständen gewährleistet permanente Sporenquellenverfügbarkeit.[35]

Als Endophyt besiedelt Diplodia sapinea symptomlos Gewebe vitaler Wirtspflanzen. Großflächige Isolierungsergebnisse in Deutschland zeigten, dass der Pilz aus über 80 Prozent der untersuchten Kiefern isoliert werden konnte, obwohl die Mehrzahl keine Symptome des Diplodia-Triebsterbens aufwies. Der Pilz kann nach erfolgreicher Infektion in vitalen Pflanzen, die Abwehrzonen ausbilden, mehrere Jahre symptomlos persistieren.[33][34][36][37] Endophytische Isolate zeigten in Virulenzversuchen signifikant geringere Nekrosenbildung (durchschnittlich 3,5 Zentimeter) im Vergleich zu Isolaten aus symptomatischem Gewebe (5,2 Zentimeter) oder von Nicht-Kiefernwirten (5,8 Zentimeter). Die endophytische Lebensweise könnte es dem Pilz ermöglichen, neue Areale und Wirte zu besiedeln.[36]

Als opportunistischer Schwächeparasit tritt Diplodia sapinea typischerweise nach Wundinfektion, Insektenschädigung oder abiotischem Stress auf. Nach exogenen Stressereignissen wie Dürreperioden, Hagelschlag oder Insektenfraß kann der Übergang von endophytischer zu pathogener Phase erfolgen. Pathogene Isolate zeigten deutlich höhere Virulenz als endophytische, mit signifikant längeren Nekrosen. Wassermangel erhöht die Aggressivität aller Isolate.[34][38][39]

Symptome und Schadbilder

Diplodia-Triebsterben an einer Waldkiefer (Pinus sylvestris)
Rindennekrosen (Baumkrebs) bei stärkerem Pilzbefall

Die von Diplodia sapinea hervorgerufenen Symptome variieren je nach befallenem Organ und Umweltbedingungen.[5][29][35] Befallene Triebspitzen und Nadeln zeigen zunächst gelbe Verfärbung (Chlorose) durch Chlorophyllabbau, die innerhalb von ein bis drei Wochen in braun bis rotbraun (Nekrose) übergeht. Die Nadeln persistieren häufig länger am Trieb und fallen verzögert ab. Nach wiederholtem mehrjährigem Befall zeigen betroffene Zweige und Äste zunehmend kahle Abschnitte mit nur büschelweise vorhandener Benadelung. Charakteristisch ist die Krümmung befallener Triebe infolge ungleichmäßigen Längenwachstums. An Nadelbasen und auf ganzen Nadeln erscheinen schwarze Pyknidien.[2][3]

Neue Triebe können befallene Knospen (bei früher Infektion) oder mehrfache Triebverkrümmungen (bei später Infektion) aufweisen. An Triebspitzen tritt starker Harzfluss auf, der bei schwerem Befall Kronenteile ergreifen kann. Glänzende Harztropfen an Triebspitzen (Harzexsudation als Abwehrreaktion auf den Pilzbefall) sind oft das erste sichtbare Symptom. Nadeln werden oft nicht länger als die Blattscheide und erscheinen gestaucht.[40][41][31][5]

Zweijährige Zapfen zeigen erhöhte Anfälligkeit gegenüber Diplodia sapinea und fungieren als bedeutende Sporenquellen. Weibliche Zapfen können vor vollständiger Entwicklung abgetötet werden und erscheinen dann dunkel, geschrumpft und deformiert. Zapfenschuppen zeigen spätestens im folgenden Frühjahr zahlreiche Pyknidien. Auch an sonst symptomlosen Kiefern finden sich häufig befallene Zapfen, die effektive Sporenquellen darstellen.[3][5]

Der Pilz kann von abgetöteten Triebspitzen oder erkrankten Zapfen in holzige Triebe vordringen und Baumkrebs verursachen. Die Rinde kann ebenfalls Pyknidien aufweisen. Das darunter liegende Holz ist verbläut, wobei die Holzverfärbung von grün über braun bis blau oder schwarz variiert und mit Harzeinlagerungen verbunden ist. Diese Bläue führt zu holztechnischer Entwertung. Bei starkem Befall zeigen glatte Rinden jüngerer Stämme eingesunkene, dunkelbraun verfärbte Bereiche (Rindennekrosen), die progressiv größer werden können. Ganze Äste oder Astquirle können absterben.[42][35][5] An Baumschulsämlingen dominieren Wurzelfäule und Wurzelhalsfäule als Symptome. Keimlinge können bereits beim Auflaufen (beim erstmaligen Durchbrechen der Bodenoberfläche) bis zum Tod geschädigt werden.[35][5]

Infektionsbiologie und Epidemiologie

Die asexuellen Sporen (Konidien) entstehen in Pyknidien und werden über die gesamte Vegetationsperiode von März oder April bis Oktober freigesetzt. Die Mehrheit der Sporen wird nur während Regenperioden freigesetzt. Bei hohen Niederschlagsmengen im Spätsommer können sich auf infizierten Nadeln und Zapfen zahlreiche Pyknidien zeigen.[43][3] Die Sporenverbreitung erfolgt hauptsächlich durch Regentropfen-Spritzwasser, da Diplodia sapinea große Sporen besitzt. Obwohl Insekten wiederholt als mögliche Vektoren diskutiert wurden, ist ihre tatsächliche Rolle bei der Sporenverbreitung nach aktuellem Forschungsstand fraglich.[1] Die Verbreitung dominiert als Kurzdistanz innerhalb von Beständen.[44][45][43][35]

Eine Infektion erfordert sehr feuchte Bedingungen. Sowohl Konidienkeimung als auch Keimhyphenwachstum benötigen eine hohe relative Luftfeuchte. Die optimale Keimtemperatur liegt bei 24 °C.[28] Die kritische Phase ist die Triebentwicklung von April bis Juni. Kurze Regenperioden bei Temperaturen über 20 °C erhöhen das Infektionsrisiko deutlich. Die Infektionsrate ist jedoch standortabhängig und in Normaljahren gering.[6]

Konidien dringen in junge, noch nicht verholzte Triebe, Knospen, Nadeln und Triebspitzen ein. Bei sich verlängernden Nadeln erfolgt das Eindringen durch Stomata, bei frischen, saftigen Triebspitzen auch direktes Eindringen durch intakte Oberflächen. Zusätzlich erfolgt die Penetration durch Wunden, einschließlich Hagel-, Insektenfraß- und Schnittschäden.[46][39][5][28] Nach erfolgreichem Eindringen werden befallene Pflanzengewebe rasch zerstört. Nadeln verblassen und verbraunen. Befallene Triebe zeigen Nekrosen und Krümmung. Auch männliche und weibliche Blüten können infiziert werden.[47]

Diplodia sapinea wird als wärmeliebender Pilz charakterisiert, wobei die optimale Temperatur für Myzelwachstum bei 25 bis 30 °C liegt. Auf Kartoffel-Dextrose-Agar zeigt der Pilz physiologische Aktivität zwischen 4 und 40 °C, während Wachstum auf Malzextrakt-Agar zwischen 10 und 35 °C begrenzt ist.[48][49][50][11] Bei niedrigen Temperaturen ist das Wachstum deutlich reduziert. Hitzevorstress bei 35 °C erhöhte nachfolgendes Wachstum im optimalen Temperaturbereich. Das Diplodia-Triebsterben profitiert von milden Wintern, feuchtwarmer Frühjahrswitterung und nachfolgend trockenen Sommern.[25][50]

Zusätzlich zu abiotischen Stressereignissen erhöht auch Nährstoffmangel die Anfälligkeit der Bäume gegenüber dem Pilz.[35]

Wirtschaftliche Bedeutung

Diplodia sapinea verursacht weltweit erhebliche wirtschaftliche Verluste in Kiefernplantagen, Baumschulen und Forstbeständen. In amerikanischen Baumschulen wurden Verluste von 35 Prozent berichtet. Bei Stammholz können Triebsterben und Absterben zu Volumenverlusten von bis zu 63 Prozent führen. Infektionen von Terminaltrieben limitieren die nutzbare Stammlänge erheblich.[35][24]

Das Zusammenwirken mit schweren Wetterereignissen kann zu extremen Schäden führen: Nach Hagelstürmen in Südafrika waren nahezu 5.000 Hektar befallen, mit 45-prozentigen Holzverlusten. Nicht vorzeitig geerntete Flächen erlitten durchschnittliche Holzverluste von 11 Prozent.[51] Starker Befall fördert Folgeschadorganismen wie Pracht- und Borkenkäfer. Schwerer Befall kann zum Baumtod binnen eines Jahres führen.[6]

Bekämpfung und Management

Eine direkte chemische Bekämpfung von Diplodia sapinea ist aufgrund kontinuierlicher Sporenfreisetzung über die gesamte Vegetationsperiode schwierig. Maßnahmen konzentrieren sich daher auf Prävention, angepasste Kulturpraktiken sowie die Wahl resistenterer Arten und Herkunft.[45][52]

Forstwirtschaftliche Maßnahmen

Die Entnahme stark befallener Bäume mit einem Schädigungsgrad über 60 Prozent kann Massenvermehrungen sekundärer Schadorganismen wie Pracht- und Borkenkäfer verhindern. Auflichtung bei Dichtstand reduziert die Bestandsfeuchtigkeit und damit das Infektionsrisiko. Regelmäßige Durchforstungen senken die intraspezifische Konkurrenz und erhöhen die Widerstandskraft der verbleibenden Bäume.[52] Die Entfernung abgestorbener Äste, Zapfen und Nadeln reduziert vorhandene Sporenquellen im Bestand. Infiziertes Material sollte möglichst verbrannt werden.[45] Die Wahl standortgerechter Baumarten und Herkunft aus warm-trockenen Regionen trägt zur Reduktion der Anfälligkeit bei und ist für den Aufbau klimastabiler Wälder bedeutsam.[31][6]

Maßnahmen im Einzelbaum- und Baumschulbereich

Bei der Baumpflege sollten Werkzeuge zwischen den Schnitten mit 70-prozentigem Alkohol desinfiziert werden, um eine Verschleppung des Pilzes zu verhindern. Angemessene Bewässerung während Trockenperioden ist wichtig, da Wassermangel die Anfälligkeit der Bäume erhöht. Mulchen des Wurzelbereichs (7–10 Zentimeter Holzhackschnitzel oder Rindenmulch) stabilisiert die Bodenfeuchte und reduziert Konkurrenzvegetation. Fungizide können unterstützend wirken, wobei der Fokus auf dem Schutz neuer Triebe im Frühjahr liegt. Applikationen sollten kurz vor Knospenaufbruch beginnen und alle 10 bis 14 Tage bis zur vollständigen Triebverlängerung fortgesetzt werden. Aufgrund der Kosten und Applikationsschwierigkeiten wird der Fungizideinsatz nur für hochwertige Einzelbäume empfohlen. Spätere Applikationen sind nicht wirksam.[45] Zugelassene Wirkstoffe umfassen Chlorothalonil plus Thiophanat-methyl, Thiophanat-methyl allein, Mancozeb, Kupfer(II)-hydroxid plus Mancozeb und Propiconazol.[53][54]

Klimawandel und Zukunftsprognosen

Mit fortschreitendem Klimawandel wird eine zunehmende Bedeutung des Diplodia-Triebsterbens prognostiziert. Da Diplodia sapinea ein wärmeliebender Pilz ist, der von milden Wintern und feuchtwarmer Frühjahrswitterung profitiert, wird bei weiter fortschreitender Klimaerwärmung eine Zunahme von Schadensfällen erwartet.[55][25][34][52]

Die Ausbreitung nach Norden in bislang weniger betroffene Regionen wie Skandinavien ist wahrscheinlich. Höhere Lagen und eine breitere Palette von Kiefernwirten könnten betroffen sein. Wingfield et al. betonen in einer umfassenden Übersichtsarbeit (2024), dass sich Diplodia sapinea im Laufe eines Jahrhunderts von einem lokalen Problem in südafrikanischen Kiefernplantagen zu einer globalen Bedrohung für natürliche und angepflanzte Wälder entwickelt hat und dass dieser Wandel offenbar stark mit dem Klimawandel zusammenhängt.[1] Die hohe Endophytenprävalenz in gesunden Bäumen sichert ein flächendeckend verfügbares Inokulum (infektiöse Sporen).[37][25][33][34]

Systematik und Nomenklatur

Diplodia sapinea wird in die Abteilung Schlauchpilze (Ascomycota), Klasse Dothideomycetes, Ordnung Botryosphaeriales und Familie Botryosphaeriaceae eingeordnet. Die Art gehört zur Gattung Diplodia, deren sexuelle Hauptfruchtform (Teleomorphe) bisher nicht beobachtet wurde.[1][7]

Das Basionym der Art ist Sphaeria sapinea Fr. 1823. Die Neukombination Diplodia sapinea (Fr.) Fuckel stammt aus dem Jahr 1870. Der Artname wurde in der Folge mehrfach umkombiniert. In der Nomenklaturgeschichte wurden mindestens 23 Synonyme etabliert. Zu den bekanntesten zählen Sphaeropsis sapinea (Fr.) Dyko & B. Sutton aus The Coelomycetes (1980) und Diplodia pinea (Desm.) J. Kickx f..[3][56][27][57][58] In der älteren forstpathologischen Literatur wird häufig der Name Sphaeropsis sapinea verwendet. Dieser Name war lange gebräuchlich, da die Gattungszuordnung zunächst umstritten war.[5][1]

Die phylogenetische Stellung wurde durch molekularphylogenetische Untersuchungen geklärt. Bereits Crous et al. identifizierten 2006 distinkte phylogenetische Linien innerhalb der Botryosphaeriaceae.[59] Phillips et al. zeigten 2008, dass die Gattung Sphaeropsis (Typusart: Sphaeropsis visci) die Anamorphe von Phaeobotryosphaeria ist und sowohl morphologisch – Sphaeropsis bildet Paraphysen in den Pyknidien, Diplodia nicht – als auch genetisch klar von Diplodia getrennt ist.[60] Phillips et al. bestätigten dies 2013 in einer umfassenden Monographie der Botryosphaeriaceae.[7] Zhang et al. bekräftigten 2021 in einer erweiterten multigenen Analyse die Eigenständigkeit beider Gattungen.[61] Die korrekte Gattungszuordnung zu Diplodia ist damit taxonomischer Konsens. Diplodia sapinea wird heute von allen maßgeblichen Datenbanken wie Mycobank, Index Fungorum und EPPO als akzeptierter Name geführt.[62][58][1]

Die erste wissenschaftliche Beschreibung des Pilzes an Nadeln der Waldkiefer (Pinus sylvestris) erfolgte 1842 in Frankreich durch Jean Baptiste Desmazières als Sphaeria pinea, wobei der Pilz zunächst als Saprophyt charakterisiert wurde. Die Benennung durch Elias Magnus Fries als Sphaeria sapinea wird auf das Jahr 1823 datiert.[24][3]

Literatur

  • Ralf Petercord, Ludwig Straßer: Mit der Trockenheit kommt der Pilz: Diplodia-Triebsterben der Koniferen. In: LWF aktuell. Band 112, Nr. 1. Freising 2017, S. 9–11 (bayern.de [PDF]).
  • Michael J. Wingfield et al.: The Pine Pathogen Diplodia sapinea: Expanding Frontiers. In: Current Forestry Reports. Jg. 11, Nr. 2. Berlin 2025, doi:10.1007/s40725-024-00236-2.
Commons: Sphaeropsis sapinea – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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