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Split-Attraction-Modell

Dissonanz zwischen sexueller und romantischer Anziehung From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Split-Attraction-Modell (SAM) (englisch: Modell separater Anziehungen) ist ein Modell aus der Psychologie, welches zwischen romantischer und sexueller Anziehung unterscheidet und besagt, dass diese beide Formen der Anziehung voneinander unabhängig auftreten können.[1][2][3][4]

Vereinfachtes Schema des aromantischen und asexuellen Spektrums (Beschriftungen auf Englisch)

Das Modell wird oft um andere Typen von Anziehung erweitert, z. B. platonische, sensuelle and ästhetische Anziehung.[5]

Geschichte und Identität

Die erste Erwähnung dieser Form von getrennter Betrachtung der sexuellen und romantischen Anziehung, stammte bereits aus dem Jahr 1879. Karl Heinrich Ulrichs war ein deutscher Schriftsteller, welcher mehrere Bücher über nicht-heterosexuelle Anziehung veröffentlichte. In diesen Büchern stellt Ulrichs mehrere Klassifizierungen vor, die den heutigen LGBTQIA+-Identitäten sehr ähnlich sind. In seinen Werken beschrieb Ulrichs außerdem eben auch den Unterschied zwischen „zartschwärmerischer“ und „sinnlicher“ Liebe.[6] Ulrichs definierte beispielsweise „konjunktive Uranodioninge“ und „disjunktive Uranodioninge“. Als „konjunktive Uranodioninge“ beschrieb Ulrichs Menschen, welche „sowohl die sinnliche, als auch die zartschwärmerische Liebe in doppelter Richtung fühlen [...], männlichen und weiblichen Individuen gegenüber.“ Mit heutiger Terminologie würde man von bisexuellen Menschen sprechen, welche sowohl romantische als auch sexuelle Anziehung mindestens gegenüber Männern und Frauen empfinden. Als „disjunktive Uranodioninge“ hingegen beschrieb er Menschen, welche nur einem Geschlecht gegenüber die „zarte Liebe“ empfinden und einem anderen Geschlecht gegenüber nur die „Sinnliche“.[7]

Ein neueres Beispiel für die Trennung von sexueller und romantischer Anziehung stammt aus dem Jahr 1979 von der Psychologin Dorothy Tennov. In ihrem Buch Love and Limerence: The Experience of Being in Love schreibt Tennov von Limerenz als die Art der Anziehung, welche man unter anderem als Verliebt sein kennt. Sie definiert diesen neuen Begriff der Limerenz, um einen wissenschaftlichen klaren Ausdruck zu haben, anhand dessen man Liebe erforschen kann, da der Term Liebe zu viel Unterschiedliches zugleich bedeuten könne. Im Konzept der Limerenz macht Sexualität nur einen Aspekt aus. In ihrem Werk geht Tennov unter anderem auf limerente als auch nicht-limerente Menschen ein (nicht-limerente Menschen erleben keine Limerenz), vergleichbar im Konzept also mit romantischen und aromantischen Menschen.[8]

Das heutige Konzept des Split-Attraction-Modells wurde ursprünglich in der asexuellen und aromantischen Community entwickelt, um die eigenen Identitäten besser beschreiben zu können. Vermehrt tauchte der Begriff etwa ab 2015 auf, obwohl die Theorie der geteilten Anziehungsarten bereits vor dem Aufkommen des Begriffs aromantisch 2005 online im Umlauf war.[9]

In der praktischen Anwendung des Split-Attraction-Modells bezeichnen sich Menschen mit zwei Begriffen, um sich selbst innerhalb des Modells zu verorten. Beispiele hierfür sind aromantisch-asexuell (umgangssprachlich auch als aro-ace bezeichnet), biromantisch-asexuell (Empfinden von romantischer Anziehung gegenüber mehr als einem Geschlecht, kein Empfinden sexueller Anziehung) oder grauromantisch-homosexuell (wenig romantische Anziehung und sexuelle Anziehung gegenüber Menschen des eigenen Geschlechts).[4]

Das Modell findet meist Anwendung innerhalb der LGBTQIA+-Community, obwohl sich das Konzept der Trennung von erlebter romantischer und sexueller Anziehung für alle Menschen eignet.[4]

Forschung

Das Konzept von getrennt beschreibbarer romantischer und sexueller Orientierung wird noch nicht lange systematisch erforscht.[10] Arbeiten wie die der Psychologin Lisa M. Diamond, die sich in ihrer Forschung mit sexuellen Orientierungen und Identitäten beschäftigt, liefern wissenschaftlichen Erkenntnisse, die das Split-Attraction-Modell stützen: Diamond stellte in einer Studie 2003 fest, dass die romantische Orientierung einer Person davon abweichen kann, zu wem sie sich sexuell hingezogen fühlt.[11] Auch Emily M. Lund berichtete in ihrer Forschungsarbeit 2016, dass bei etwa zehn Prozent die selbst empfundenen sexuellen und romantischen Anziehungen nicht miteinander übereinstimmen, wobei die am häufigsten beschriebene Diskrepanz die der bisexuellen Anziehung parallel zur romantischen Anziehung nur einem Geschlecht gegenüber war.[12]

Im Jahr 2020 stellten Alyssa N. Clark und Corinne Zimmerman weiterhin fest, dass nur 37 % der befragten asexuellen Teilnehmenden ihrer Studie eine Übereinstimmung zwischen ihrer sexuellen und romantischen Orientierung aufweisen, während die allgemeine Diskrepanz zwischen den Arten der Anziehung allgemein bei allen Befragten auftrat.[13]

Siehe auch

Einzelnachweise

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