Splitter (Munition)

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Im militärischen Kontext bezeichnet man als Splitter die Fragmente, die bei der Detonation einer Munition entstehen und mit hoher Geschwindigkeit weggeschleudert werden. Diese Splitter können entweder primäre Splitter – direkt aus der zerbrechenden Hülle der Munition – oder sekundäre Splitter – aus umliegendem Material wie Boden, Gebäuden oder Fahrzeugteilen – sein. Primärsplitter sind meist relativ klein, erreichen aber Anfangsgeschwindigkeiten von mehreren Tausend Metern pro Sekunde und bleiben selbst in größerer Entfernung tödlich. Sekundärsplitter dagegen sind oft größer, bewegen sich mit einigen Hundert Metern pro Sekunde und haben eine geringere Reichweite.[1][2]

Granatsplitter aus dem Zweiten Golfkrieg

Die Funktion von Splittern besteht darin, durch ihre kinetische Energie und scharfen Kanten Ziele zu verletzen oder zu zerstören. In der Regel sind die Splitter – und nicht Detonationswelle oder Hitze – der Hauptwirkmechanismus von Splittermunition. Beim Aufprall können Splitter Gewebe durchschlagen, strukturelle Schäden an Fahrzeugen verursachen und empfindliche Komponenten zerstören. So wird berichtet, dass bei Explosionen von Artilleriegranaten die meisten Verwundungen und Todesfälle auf Splitter zurückzuführen sind. Die Streuung zahlreicher Fragmente erhöht die Trefferwahrscheinlichkeit gegen weiche Ziele im Umkreis der Detonation deutlich.[3]

Wirkung

Splitter wirken primär gegen lebende Ziele, Fahrzeuge, sowie Material und Gerät. Splitter verursachen primär Durchdringungs- und Schrapnellverletzungen aufgrund ihrer enormen kinetischen Energie. Kleine, schnelle Fragmente können tief in den menschlichen Körper eindringen und lebenswichtige Organe oder Blutgefäße schädigen. Größere Fragmente übertragen mehr Energie und können Gliedmaßen schwer verletzen oder abtrennen.[4] Gegen ungeschützte Personen ist die Splitterwirkung meist verheerend: Ein einzelnes Explosivgeschoss (z. B. ein Artilleriegeschoss) wirkt ähnlich einer Schrotladung, die ein großes Gebiet mit Metallsplittern übersät. Für Menschen, die sich im Splitterwirkungskreis aufhalten, besteht ein hohes Risiko schwerer multipler Verletzungen mit Todesfolge.[5] Dabei ist eine Erstversorgung, insbesondere unter Gefechtsbedingungen äußerst schwierig. Opfer müssen in der Regel Intensivmedizinisch versorgt werden. Splitter können in einem Kegel oder radial in alle Richtungen um den Explosionspunkt fliegen, abhängig von Munitionsform und Zündung. Moderne Entwicklungen erlauben es sogar, die Fragmentwolke gezielt zu formen oder zu richten, um die Effektivität gegen bestimmte Ziele zu erhöhen und Kollateralschäden zu verringern.[3][1]

Entwicklung der Splittermunition

Charakteristische Schäden durch Splitter am Aufbau eines Lastwagens im Ukrainekrieg 2015

Der Einsatz von Splitterwirkung als Waffeneffekt hat eine lange Entwicklung durchlaufen. Frühe Explosivgeschosse wie handgeworfene Granaten im 16.–18. Jahrhundert bestanden oft aus gusseisernen Hohlkugeln, die mit Schwarzpulver gefüllt waren. Bei der Explosion zersprang das spröde Gusseisen in zahlreiche scharfe Trümmerstücke, die als Splitter im Umkreis wirkten. Teilweise wurden auch zusätzliche Materialien wie Metallkugeln oder sogar Porzellanscherben in Bomben eingebracht, um die Splitterwirkung zu erhöhen (frühe Vorläufer der Schrapnellladung).[6]

19. Jahrhundert

Einen bedeutenden Fortschritt stellte zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Entwicklung der Schrapnellgranate dar. Im Jahr 1784 erfand Henry Shrapnel ein Artilleriegeschoss, das anstelle einer dicken Wandung zahlreiche Bleikugeln enthielt. Diese Kugeln wurden durch eine kleine Treibladung im Flug nach vorn ausgestoßen, ohne das Geschossgehäuse vollständig zu sprengen. Die Wirkung entsprach einer großkalibrigen Schrotladung: Ein 75 mm-Schrapnellgeschoss enthielt z. B. 270 Bleikugeln (ca. 1,3 cm Durchmesser), ein 155 mm-Geschoss sogar 800 Kugeln. Diese verteilten sich in einem weiten Kegel auf die feindliche Infanterie. Schrapnellmunition erwies sich im 19. Jahrhundert als äußerst wirksam gegen Truppen im offenen Feld. Allerdings zeigte der Stellungskrieg des Ersten Weltkriegs die Grenzen der Schrapnellgeschosse auf – in Schützengräben boten Erddeckungen Schutz vor den flach anfliegenden Kugelbündeln. Zudem war die exakte Zeitzündung für die Luftdetonation schwierig einzustellen (insbesondere bei schlechter Sicht oder Nacht). Deshalb ging man im Ersten Weltkrieg zur Hochexplosiv-Granate mit Splitterwirkung über.[6]

Erster und Zweiter Weltkrieg

Ab 1914 dominierten Sprenggranaten mit Stahlmantel, die beim Aufschlag durch einen Aufschlagzünder oder Näherungszünder zur Detonation gebracht wurden. Der Stahlmantel wurde dabei in zahlreiche unregelmäßige Splitter zerlegt. Splittergranaten waren effektiver im Grabenkrieg, da die Fragmente in alle Richtungen schleuderten und auch in Deckungen eindringen konnten. Gleichzeitig wurde erkannt, dass die Fragmente der Hülle nun Hauptträger der Wirkung waren – anders als beim Schrapnell, wo die Hülle intakt blieb. So stammte die zerstörerische Wirkung von Sprenggranaten fortan aus der kombinierten Explosions- und Splitterwirkung: Die Detonation zertrümmerte Ziele durch die Detonationswelle und schleuderte Splitter, um lebende Ziele zu bekämpfen.

Zwischen 1918 und 1945 wurde die Splittermunition weiter optimiert. Im Zweiten Weltkrieg entwickelten alle Seiten spezielle Splitterbomben und Granaten. Handgranaten wie die britische Mills Bomb (No.5) oder die US-Mk.II “Pineapple”-Granate besaßen geriffelte Außenhüllen, die beim Explodieren in handliche Würfelstücke zerbrechen sollten. Diese vorgeformten Einkerbungen sollten eine möglichst gleichmäßige Splittergröße erzielen – eine frühe Form der kontrollierten Fragmentation. (Anmerkung: Die Riffelung diente teils auch der Griffigkeit; tatsächlich entstehen Splitter teils unabhängig von der Oberflächenstruktur. Dennoch signalisierte das Design den Fokus auf Splitterwirkung.)[7]

Für die Flugabwehrkanonen (Flak) wurden dünnwandige Minen-Granaten eingesetzt, welche eine größere Sprengstofffüllung hatten. Während diese Minenmunition primär Mittels Detonationswellen gegen Flugzeuge wirkte, hatten klassische Flak-Granaten weiterhin Splitterwirkung durch die zerspringende Hülle. Zugleich entstanden im Luftkrieg die ersten Abwurfbehälter und Streubomben. Mit diesen konnten eine Vielzahl kleine Splitterbomben mit einer großen Trefferdichte ins Ziel gebracht werden. Diese sog. Bomblets detonierten beim Aufschlag und setzten in einem großen Gebiet zahlreiche Splitter frei. Im späteren Verlauf des Jahrhunderts wurden auch Bomblets mit kombinierter Wirkung entwickelt, z. B. gegen Panzer (Hohlladung) und als Splitter gegen Weichziele. Daneben wurde für die Infanterie Springminen entwickelt, die primär mit Splittern wirkten.[8][9]

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach 1945 verlagerte sich die Entwicklung hin zu wirkungsvolleren und kontrollierbaren Fragmenten. Im Vietnamkrieg erkannte man, dass vorgeformte Splitter eine berechenbarere Wirkung erzielten. Die US-M26 Defensivhandgranate aus dem Koreakrieg besaß z. B. eine innere Drahtwicklung aus Kerbstahl, die beim Explodieren in gleichmäßige Stücke zerfiel – effektiver als die unkontrollierten Splitter der alten Mk.II. Weiter kam mit der Claymore-Mine (entwickelt 1950er, Einsatz in Vietnam) eine gerichtete Antipersonenmine zum Einsatz: Vor der Sprengladung sind in einer gebogenen Frontplatte rund 700 Stahlkugeln eingebettet, die beim Zünden in einem Winkel von 60° nach vorn geschleudert werden. Dies war ein Vorläufer moderner gerichteter Splitterwolken und zeigte, wie durch Anordnung der Splitter eine gewünschte Wirkung (Wirkungsdistanz 50 m) erzielt werden konnte.[6]

Letzte Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts und Beginn des 21. Jahrhunderts

In den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts und im 21. Jahrhundert lag der Fokus auf kontrollierter Fragmentierung und speziellen Wirkladungen:

  • Flugabwehrraketen und Luft-Luft-Rakete Hier wurden ab den 1960ern Stab- und Ring-Splittergefechtsköpfe entwickelt, die mittels Näherungszündern gezündet werden. Ein Beispiel ist der Continuous-Rod-Gefechtskopf, der nicht in einzelne Splitter zerfällt, sondern zu langen verbundenen Stahlstäben aufbricht, die einen expandierenden Ring bilden und Flugzeuge durchschneiden soll. Andere Lenkflugkörper verwenden vorgefertigte Stahl-Splitter, um auch bei einem knappen Vorbeiflug am Ziel schwere Schäden zu verursachen.[10]
  • Präzisions-Submunition: Um die Wirksamkeit und Treffsicherheit zu erhöhen, wurden Sensorgelenkte Submunitionen entwickelt. Beispielsweise enthält die deutsche 155 mm-Artilleriegranate SMArt 155 zwei Abstands-Submunitionen, die per Radar- und Infrarotsensor Panzer aufspüren und dann mittels projektilbildender Ladung (EFP) gezielt von oben zerstören. Hier steht nicht die Splitterwirkung im Vordergrund, sondern ein präziser metallischer Projektilkern (ein “selbstgeschmiedeter” Splitter) für jeden gefundenen Panzer. Dennoch bleibt auch bei solchen Systemen die Splitterwirkung relevant, z. B. um gegen Weichziele im Umkreis der Treffzone zu wirken. Moderne Gefechtsköpfe können so konzipiert sein, dass sie je nach Bedarf entweder als Hohlladung fokussiert oder als Splitterladung flächig wirken (Multimode-Gefechtsköpfe).[11][12]

Neuzeitliche Gefechtsköpfe

Heute gibt es Bestrebungen, die Fragmentierung gezielt formbar zu machen. Beispielsweise werden programmierbare Airburst-Geschosse eingesetzt, die über dem Ziel detonieren und Splitter in einem definierten Kegel nach unten versprühen (etwa Luftabwehrgeschosse wie Rheinmetalls 35 mm AHEAD, das 152 vorgefertigte Wolframstücke zeitgenau ausstößt). Auf der anderen Seite des Spektrums gibt es Entwicklungen wie die Focused Lethality Munition, welche mit Carbonfaser-Hülle und Wolfram-Mikropulver arbeitet, um eine äußerst heftige, aber räumlich begrenzte Splitterwolke zu erzeugen (Dense Inert Metal Explosive, DIME) – so wird die tödliche Wirkung auf einen kleinen Radius konzentriert, außerhalb dessen die Splitter rasch an Energie verlieren. Solche Technologien zeigen, wie weit sich die ursprünglich grobe Splittermunition hin zu skalierbaren, kontrollierten Wirkungsprofilen entwickelt hat.[13][14]

Arten und Anwendung von Splittern

Grafik, die die abnehmende Splitterdichte mit größer werdendem Abstand zum Explosionspunkt anzeigt.

Moderne Munition nutzt eine Vielzahl von Fragmentierungsprinzipien, die nach Form, Material, Herstellung und Verwendungszweck unterschieden werden können.

Natürliche vs. kontrollierte Fragmentation

Natürliche Splitter entstehen allein durch das Zerbersten der Metallhülle unter Explosionsdruck. Diese Fragmente sind unregelmäßig in Form und Größe – von winzigen Schrapnellstückchen bis zu größeren Bruchstücken. Ihre Verteilung und Flugbahn ist statistisch zufällig; man erhält ein breites Spektrum an Masse und Geschwindigkeit. Der Vorteil ist eine einfache Herstellung (normale Geschosswandung), jedoch können viele Fragmente sehr klein ausfallen und schnell an Energie verlieren, während einige große Stücke unnötig schwer sind. Die Streuwirkung ist zwar großflächig, aber nicht optimal abgestimmt auf das Ziel. Beispielsweise wurde festgestellt, dass bei reiner Naturfragmentation oft nur 30–70 % der Splitter genügend Energie besitzen, um effektiv tödlich zu sein – je nach Entfernung und Zielart.[9]

Kontrollierte Fragmentation

Kontrollierte Fragmentation zielt darauf ab, Größe, Form und Anzahl der Splitter vorab zu bestimmen, um die Wirksamkeit zu optimieren. Hierzu gibt es zwei Hauptansätze:

  1. Gesteuerte Bruchlinien: Die Munition hat Sollbruchstellen – z. B. eingearbeitete Rillen, Kerben oder Gittermuster an der Innenseite der Hülle. Beim Detonieren reißt die Hülle entlang dieser Muster, was gleichmäßigere, vorbestimmte Stücke ergibt. Man spricht auch von vorgespannten oder vorgeschnittenen Splitterhüllen. Viele moderne Handgranaten und Gewehrgranaten nutzen dieses Prinzip. So besitzt etwa die deutsche DM51-Handgranate einen Gussmantel mit vorgeformten Segmenten. Auch Rohrraketen und Artilleriegeschosse können im Sprengkopf innen angeritzte Raster aufweisen (embossed fragmentation). Diese Methode ist kostengünstig und steigert die Zuverlässigkeit der Splitterwirkung beträchtlich. Allerdings stößt sie an Grenzen, wenn die Geschosse hohen mechanischen Belastungen ausgesetzt sind (z. B. Beschleunigung im Kanonenrohr), da vorgespannte Hüllen strukturell schwächer sind.[9]
  2. Vorgefertigte Splitter: Hier werden bereits fertige Metallstücke (Kugeln, Würfel, Zylinder, Stäbchen) in oder auf der Hülle der Munition integriert. Beim Bau des Gefechtskopfes platziert man diese Elemente in einer Matrix (z. B. aus Harz oder dünnem Metall) um den Sprengstoffkern. Bei der Detonation lösen sich diese Präzisions-Splitter und fliegen auseinander. Ihr Vorteil ist, dass Masse, Form und Anzahl der Fragmente genau festgelegt sind. Typische Formen sind kugelförmig (z. B. Stahl- oder Wolframkugeln) oder kubisch (Würfel aus Metall), da sich diese ohne Hohlräume dicht packen lassen. Mit vorgeformten Fragmenten lässt sich auch gezielt die Fragmentdichte anpassen – etwa kann man einen Mix aus schweren und leichten Splittern einsetzen, um sowohl gegen gepanzerte als auch ungepanzerte Ziele zu wirken. Ein Nachteil ist möglicherweise, dass solche Fragmente etwas geringere Anfangsgeschwindigkeit erreichen als natürliche Splitter, da sie sich meist etwas früher von der Hülle lösen und der Explosionsdruck sich schneller verteilt. Dieses Manko wird jedoch durch die höhere Anzahl wirksamer Splitter und ihre definierte Flugbahn ausgeglichen.[9]

Klassifikation verschiedener Splitterarten nach Form, Material, Wirkung und typischem Einsatzbereich

Weitere Informationen Splittertyp, Form & Herstellung ...
Splittertyp Form & Herstellung Material Wirkungsmerkmale Einsatzbeispiele
Natürliche Spliter Unregelmäßige Bruchstücke aus zerberstender Hülle Stahl, Gusseisen Breites Größenspektrum; teils sehr kleine Splitter mit schnell nachlassender Wirkung, teils große Brocken; zufällige Verteilung Ältere Handgranaten und Artilleriegranaten ohne spezielle Splittervorkehrung; allgemeine Sprengbomben (z. B. 2. Weltkrieg)[6]
Vorgeschnittene Splitter Hülle mit Sollbruchrillen oder Segmentierung (innen/außen) Stahl (gehärtet oder Guss) Relativ einheitliche mittelgroße Fragmente; gleichmäßiger Deckungsbereich um die Detonation; zuverlässigere tödliche Reichweite als natürliche Splitter Moderne Defensive Handgranaten (vorgekerbte Innenhülle); Mörsergranaten und Gefechtsköpfe von Raketen mit scoring (Ritzungen)[3]
Vorgeformte Splitter (Kugel) Eingebettete Kugeln (oft in Harz oder dünnem Mantel fixiert) Stahl, Wolfram-Legierung Große Anzahl gleichförmiger Splitter mit aerodynamisch günstiger Form (hohe Reichweite); bei Wolfram wegen hoher Dichte durchschlagsstark Richtminen (z. B. Claymore: Stahlkugeln); Streubomben-Bomblets (oft Stahlkügelchen); spezielle Gefechtsköpfe gegen Luftziele (Wolframkugeln in Fla-Raketen)[9]
Vorgeformte Splitter (Würfel) Eingebettete Würfel oder Zylinder im Splittermantel Stahl, Wolfram, Hartmetall Ebenfalls gleichförmig und gut packbar; Würfel bieten eine hohe Füllrate; hohe Fragmentdichte in Zielnähe, ggf. geeignet gegen leichte Panzerung (Wolframwürfel dringen tiefer ein) Artillerie- und Panzermunition mit Splittermanschette (z. B. israelische M329 APAM mit Wolframwürfeln); Sprengköpfe moderner Lenkflugkörper[1][3]
Stab- oder Pfeil-Splitter Lange, dünne, vorgeformte Projektile (Flechettes) Stahl (teils mit Leitwerk) Sehr gerade Flugbahn durch derartige Form; hoher Durchschlag auf hohe Distanz; decken aber nur schmalen Wirksektor ab; oft als Bundle verschossen Flechette-Geschosse (z. B. Artilleriegeschosse oder Streubomben); historisch auch als Fliegerabwehrladung in Flak verwendet[7]
Hohlladungssplitter Fragmente aus Hohlladungsgefechtskopf (meist Zusatzmantel) Stahl, Kupfer (Liner) Bei reiner Hohlladung generell keine oder nur wenige Splitter (dünne Hülle) – deshalb oft Splitterring oder -mantel zusätzlich angebracht; Kombination aus Panzerdurchschlag durch die Hohlladung und Splitterwirkung gegen Weichziele Panzerabwehr-Sprengköpfe mit Splittermantel (z. B. PG-7VL für RPG-7 mit vorgespanntem Splitterring); Gewehrgranaten und Panzermunition mit Mehrzweckwirkung (HEAT-MP)[9]
Gerichtete Splitterladung Spezielle Anordnung (Schirm-Kegel) von Fragmenten + formende Ladung Stahlkugeln, Vorfragmentierung Fokussierte Fragmente in eine Richtung (vorne, seitlich etc.) statt rundum; viel höhere Trefferdichte auf gewählten Sektor, dafür außerhalb geringer Effekt; minimiert Gefahr für eigene Kräfte Claymore-Mine (Fächer nach vorn); Luftabwehr: z. B. AHEAD-Airburst erzeugt kegelförmige Wolke vor dem Ziel; Splitterkanister für Panzermunition, der bei Luftzündung zur Seite streut (Airburst gegen Infanterie)[15]
Projektilbildende Ladung (EFP) Metalldiskus, der durch die Explosion zu einem kompakten Metallprojektil geformt wird (kein Streufragment, sondern gerichtete Projektil) Kupfer, Stahl, Tantal Bildet ein großes Projektil mit sehr hoher Geschwindigkeit und Dichte – wirkt als panzerbrechenden Munition die aus der Entfernung Panzerung durchschlägt. Kein oder kleiner Splitterradius, da Hauptenergie in das eine Projektil geht. Panzerabwehr-Submunition (z. B. Sensor Fuzed Weapons: BONUS, SMArt); improvisierte Sprengfallen (EFP-IEDs); Spezialgefechtsköpfe für punktförmige Ziele
DIME-Mikrosplitter Fein verteiltes Schwermetallpulver (anstelle weniger großer Fragmente) in Sprengladung mit splitterarmer Hülle (z. B. Faserverbund) Wolfram-Komposit Wolfram-Mikropartikel erzeugen im Nahbereich eine extrem dichte Wolke, die dort verheerend wirkt (ähnlich Schrot, aber viel dichter). Aufgrund geringer Masse verliert jeder Partikel jenseits einiger Meter stark an Geschwindigkeit – begrenzter Wirkungsradius, reduziert Kollateralschäden Neue präzisionsgelenkte Bomben für Einsätze in urbanem Umfeld (z. B. GBU-39/B FLM „Focused Lethality“); angestrebt, um nur das Ziel zu neutralisieren ohne Umgebung zu gefährden
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Die obige Tabelle zeigt die Bandbreite an Splittertypen. Oft werden in der Praxis Kombinationen eingesetzt – z. B. ein vorgeritzter Stahlmantel plus eine Füllung aus Wolframkugeln. Auch beeinflussen Materialwahl und Wärmebehandlung der Hülle die Fragmentbildung (Stahl mit hoher Sprödigkeit erzeugt mehr, kleinere Splitter; zäher Stahl eher wenige große).

Typische Anwendungen in Waffen und Munition

  • Handgranaten: Defensivhandgranaten sind darauf ausgelegt, möglichst viele Splitter in alle Richtungen zu schleudern, um im Umkreis (~5–15 m tödlich) Feinde kampfunfähig zu machen. Sie verwenden meist vorgesegementierte Metallgehäuse oder vorgeformte Wickeldraht-Inlays, um eine definierte Splittergröße zu erzielen. Beispiele: Die US M67 (Stahlkörper, natürliche Fragmente) oder die ehemalige deutsche Splitterhandgranate DM51 (gerillte Gussstahlhülle). Offensivhandgranaten hingegen haben oft leichtere Hüllen (Kunststoff/Pappe), da primär Druckwirkung gewünscht ist – sie erzeugen weniger Splitter.[9]
    US-Handgranate Mk2 (Pineapple)
  • Artilleriegeschosse: Klassische Sprenggeschosse für Haubitzen und Mörser kombinieren Detonationswelle und Splitter. Ihr Stahlmantel ist häufig optimiert für Fragmentierung (Materialwahl, evtl. innere Riefelung). So hat z. B. die 155 mm-Sprenggranate DM111 eine innenangearbeitete Rasterstruktur für gleichmäßige Splitter. Artilleriegeschosse können mit Aufschlagzündern oder Näherungszündern zur Detonation gebracht werden. Letztere steigert die Splitterwirkung gegen Infanterie massiv. Weiter existieren sog. Cargogeschosse, die Dutzende Submunitionen mit eigener Splitterwirkung freisetzen (z. B. 155 mm DPICM-Granaten).
  • Splitterbomben: Dies sind dickwandige sind Fliegerbomben die bei der Detonation bis zu zehntausende kleine und große Splitter freisetzten. Dazu wird im Bombenkörper vielfach zusätzliches Splittermaterial verbaut. Man unterscheidet zwischen Splitterbomben, die schwere, und solchen, die leichte Splitter erzeugen. Schwere Splitter wirken primär gegen Fahrzeuge und Material. Leichte Splitter wirken gegen lebende Ziele. Gegenüber konventionellen Sprengbomben besitzen Splitterbomben einen geringeren Sprengstoffanteil sowie eine geringere Sprengkraft.
  • Sprengbomben: Mehrzweckbomben (z. B. Mk-80-Serie) sind Fliegerbomben, bei denen sich bei der Detonation der Bombenkörper in Splitter zerlegt. Mit einem Verzögerungszünder wirken sie als Panzersprengbomben (verzögerte Zündung, weniger Splitter) und mit einem Aufschlagzünder detonieren sie beim Aufschlag auf der Erdoberfläche (sofortige Detonation, maximale Splitter).[16]
  • Lenkflugkörper und Raketen: Viele Flugabwehrraketen und Luft-Luft-Raketen tragen Splittergefechtsköpfe. Die Luft-Luft-Rakete (z. B. AIM-9 Sidewinder früherer Generation) nutzten umlaufende vorgefertigte Fragmente oder Continuous-Rod-Konstruktionen, um beim Nahexplosion feindliche Flugzeuge zu penetrieren. Moderne Modelle (AIM-9X, IRIS-T) haben gerichtete Splitterladung: der Zünder zündet, wenn die Rakete am Ziel vorbeifliegt, und schleudert Splitter gezielt seitlich in das Flugzeug. Boden-Luft-Raketen (SAM) wie die Patriot PAC-2 haben Gefechtsköpfe mit Wolfram-Splittern, um selbst robuste Gefechtsköpfe von einfliegenden Sprengköpfen zu zerstören. Auch Panzerabwehrlenkwaffen (z. B. TOW, Hellfire) enthalten nach dem Hohlladungsprinzip geformte Fragmente; einige besitzen austauschbare Gefechtsköpfe oder Vorsätze – z. B. ein Splittermantel gegen Infanterie, der bei Bedarf über den Hohlladungs-Gefechtskopf gestülpt werden kann (ähnlich den improvisierten Fragmentation Sleeves im aktuellen Ukraine-Konflikt, die über RPG-7 Hohlladungsgranaten gezogen werden und beim Aufschlag in zusätzliche Splitter zerfallen).[8]
  • Antipersonenminen: Die Wirkung von Antipersonenminen kann auf gerichteten Splittersprengladungen beruhen oder wie bei den Springminen, die ringsum Splitter verteilen.

Völkerrecht

Nachdem im Vietnam-Krieg zunehmend GI durch die Nylonkugeln der eigenen Handgranaten und Claymore-Minen verwundet wurden, forcierte man die Entwicklung der Kernspintomographie. Am 10. Oktober 1980 wurde in Genf das Übereinkommen über das Verbot oder die Beschränkung des Einsatzes bestimmter konventioneller Waffen, die übermäßige Leiden verursachen oder unterschiedslos wirken können unterzeichnet, das am 2. Dezember 1983 in Kraft trat. Das zu diesem Abkommen gehörende Protokoll I verbietet die Benutzung von Waffen, deren Haupteffekt auf Verletzungen durch nicht mit Röntgenstrahlung entdeckbare Splitter beruht.[17]

Literatur

Einzelnachweise

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