St. Anna (Haltern am See)
Kirchen- und Kapellengebäude St. Anna sowie Kreuzweg in Haltern am See
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St. Anna, gewidmet der heiligen Anna/Anna selbdritt, ist eine Wallfahrtskapelle und -kirche in Haltern am See auf dem 74,5 m hohen Sankt Annaberg, einem Südausläufer der Hohen Mark. Sie gehört zur Pfarrei St. Sixtus Haltern am See im Kreisdekanat Recklinghausen des Bistums Münster.

Geschichte
In römischer Zeit bestand auf dem Annaberg das erste der römischen Militärlager in und um Haltern.[1]
Die Kapelle auf dem Annaberg wurde 1378 als St. Anna selbdritt erwähnt. Der Annaberg, vormals Königsberg,[2] ist seit 1556 ein Wallfahrtsort. In diesem Jahr brach auf dem Annaberg eine Quelle auf, der heilsame Wirkungen zugeschrieben wurden.[2] 1653 wurde unter der Leitung des Pfarrers Boeker aus den Spenden der Pilger zum Annenbrunnen mit dem „heiligen Wasser“ das erste Bethaus errichtet. Der wachsende „tholoep“ (niederdeutsch: Zulauf, Zustrom) der Pilger, wie es in der Pfarrchronik heißt,[3] beeindruckte Christoph Bernhard von Galen, Fürstbischof von Münster, der 1665 bei einem Besuch auf dem Annaberg die Wallfahrt erlebt hatte. Er bewog den Provinzial der Jesuiten, Mitbrüder als Seelsorger der Pilger zum Annaberg zu entsenden. Die Patres blieben dort auch nach der Aufhebung des Jesuitenordens, bis der letzte Jesuit in Haltern 1788 starb. Danach übernahmen die Pfarrer von St. Sixtus Haltern die Pilgerseelsorge.[4]
Die Doppelkirche St. Anna
Alte Wallfahrtskapelle St. Anna
1674 ließ Pfarrer Johannes Nottebohm die heutige schlichte Kapelle als Saalkirche erbauen, mit einem Kreuzgrat- und Stichkappengewölbe und mit einem eingezogenen Chorraum mit Fünfachtelschluss.[5] Den Bau finanzierte Bischof Christoph Bernhard von Galen.[6] Vermutlich 1691, auf dieses Jahr lässt jedenfalls eine dortige Inschrift schließen, wurde an den ersten Chor ein zweiter, niedrigerer Chor angebaut, ebenfalls mit Fünfachtelschluss. Ein Dachreiter mit einer Zwiebelhaube erhebt sich im Westen der Kapelle.[5]
Das Ziel der Pilger ist das Gnadenbild einer Anna selbdritt, das am Ende des 15. Jahrhunderts von einem unbekannten niederrheinischem Meister geschnitzt worden war. Es stand ursprünglich in der Kapelle auf dem (heutigen) Tannenberg in der Hohen Mark bei Lippramsdorf, der deshalb damals „Annaberg“ hieß.[7] Infolge des „Umzugs“ der Anna-selbdritt-Statue bekamen ihr alter wie ihr neuer Standort neue Namen: Aus dem „Annaberg“ wurde der Tannenberg, aus dem bisherigen Königsberg wurde der neue „Annaberg“.
Zur Ausstattung der Kapelle gehört ein Kirchenfenster mit dem Motiv des brennenden Dornbuschs.

Neue Wallfahrtskirche St. Anna
Von 1967 bis 1969 wurde an die alte Kapelle ein weit größeres, modernes Kirchengebäude mit 1300 Sitzplätzen angebaut.[5] Deren Orgel wurde 2026 durch die größere Klais-Orgel aus der 2025 abgebrochenen Kirche St. Laurentius in Haltern ersetzt.[8]
Bei gutem Wetter wird die Heilige Messe sowohl in der Kirche als auch außerhalb vor der Kirche gefeiert.
Ein Ausschuss des Rates der Stadt Haltern entschied, dass die Kirche in die Denkmalliste eingetragen wird, nach dem der Landschaftsverband Westfalen-Lippe sie für denkmalwert erklärt hatte.[9]
Wallfahrtsanlage
Weiterhin existiert aus dem 17. Jahrhundert ein Kreuzweg mit teils erhaltenen Bildstöcken und mit modernen Sandsteinreliefs von Joseph Krautwald sowie eine Mariengrotte aus Halterner Sandsteinen. Letztere ist in eine Aushöhlung des Berges gebaut.
Schlesierwallfahrt

Seit 1945 finden auf dem Halterner Annaberg die Annaberg-Wallfahrten der Schlesier statt, die an den schlesischen St. Annaberg erinnern und die Wallfahrten dorthin fortführen.[10] In der Nachkriegszeit kamen jährlich rund 10.000 Schlesier zum Annaberg bei Haltern.[11]
1981 wurde beim Kreuzweg durch die Landsmannschaft der Oberschlesier eine Gedenksäule errichtet.[12] Gestaltet wurde sie von dem in Beuthen geborenen Künstler und Franziskanerpater Laurentius Ulrich Englisch.[13] Auf der Bronzestele, die eine Anna-selbdritt-Gruppe trägt, sind Orte und Personen aus der deutschsprachigen christlichen Geschichte Schlesiens abgebildet.[14]
Einrichtungen auf dem Annaberg
Auf dem Annaberg gibt es – außer den Wallfahrtsstätten – ein Pilgercafé, Gästehäuser, das Könzgenhaus (eine Heimvolkshochschule der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB), benannt nach Gottfried Könzgen), eine stationäre Einrichtung für Altenpflege (St.-Anna-Altenheim) und die Jugendbildungsstätte Gilwell St. Ludger der Deutschen Pfadfinder*innenschaft Sankt Georg.
Literatur
in der Reihenfolge des Erscheinens
- Hans-Günther Schneider: Wallfahrtskirche Annaberg (in der Reihe Kleine Kunstführer, Heft 1340). Verlag Schnell & Steiner, Regensburg, 3. Aufl. 1998, ISBN 3-7954-5047-0.
- Bruno Pottebaum: Wallfahrtskirche Annaberg bei Haltern und Halterner Kreuz. In: Egon Mielenbrink (Hrsg.): Die Wallfahrtsorte im Bistum Münster. Verlag Butzon & Bercker, Kevelaer 2005, ISBN 3-7666-0614-X, S. 74–81.
- Hans-Günther Schneider: Andachtsbildchen und Wallfahrtsfähnchen vom Annaberg bei Haltern. In: Halterner Jahrbuch, Jg. 2020, S. 37–41.
Weblinks
- Annabergkirche und -kapelle auf der Website der Pfarrei