St. Bartholomäus (Marktredwitz)

Kirchengebäude in Marktredwitz in Bayern From Wikipedia, the free encyclopedia

Die St.-Bartholomäus-Kirche ist die evangelisch-lutherische Stadtkirche von Marktredwitz im oberfränkischen Landkreis Wunsiedel. Sie besteht wohl seit mindestens 1140, mit allen Anbauten in ihrer heutigen Form seit 1922.

St. Bartholomäus

Baugeschichte

Über das Aussehen des ersten Kirchenbaus ist nichts bekannt. Da um 1140 in einer Schenkungsurkunde ein Pfarrer von Redwitz erwähnt wurde, kann man davon ausgehen, dass zu dieser Zeit bereits ein Kirchenbau bestand.[1] Der erste fassbare Kirchenbau datiert auf das Jahr 1384, als das Schloss der Herren von Redwitz in das heutige alte Rathaus und die Schlosskapelle als Kirche umgebaut wurde. Ein markanter Überrest des Baues ist der sogenannte Luginsland, der ehemalige Bergfried, der in das Gebäude eingebunden ist.[2]

Der gotische Chor in seiner heutigen Form besteht seit etwa 1480,[3] das Langhaus seit 1502, diese Jahreszahl ist über dem Hauptportal angebracht. Die Wölbung der Kirche erfolgte im Jahr 1522 im Frührenaissancestil.[2]

Ein Stadtbrand im Jahre 1534 beschädigte den Kirchenbau schwer, der Turm mitsamt den Glocken wurde zerstört, worauf er nur bis zum Glockenboden wiederaufgebaut wurde.[4] 1579[5] und 1607[6] wurden Reparaturen an der Kirche durchgeführt, 1615 wurde der Turm fertiggestellt.[2] 1621 erfolgte eine Reparatur des Daches sowie des Pflasters der Kirche.[7]

Ein weiterer Stadtbrand 1822 zerstörte den Kirchturm, worauf 1825 der jetzige Turm errichtet wurde.[2] Die Glocken wurden 1824 und 1828 von dem Egerer Glockengießer Christoph di Valle gegossen.[8]

1837 und 1883 erfolgten Renovierungen, von 1922 bis 1926[9], 1953[10] und 2010 Restaurierungen[11]. In den Jahren 2001–2003 wurde der Kirchenraum umgestaltet.[3]

Zur Feier des Reformationsjubiläums 2017 wurde zu den bestehenden vier Glocken eine fünfte hinzugefügt.[12] Auf dieser ist das Friedensgebet des ehemaligen Bürgermeisters der Stadt Marktredwitz, Georg Leopold, eingraviert.[13]

Glocken

  • Das Geläut der St. Bartholomäuskirche besteht aus fünf Glocken. Die drei größten Glocken bilden ein historisches Ensemble aus dem Jahr 1824, das die Zeit des Wiederaufbaus nach dem großen Stadtbrand dokumentiert.

Geschichte und Guss vor Ort

Nachdem der Kirchturm beim Stadtbrand am 6. Oktober 1822 zerstört worden war, schmolzen die alten Glocken in der Hitze zu Klumpen. Da das Material für den Transport über die damaligen Holzbrücken in Richtung Eger zu schwer war, erfolgte der Neuguss im Jahr 1824 direkt im Pfarrhof von Marktredwitz. Der Wandergießer Christoph de Valle aus Eger führte den Guss aus. Laut zeitgenössischen Berichten stifteten Redwitzer Bürgerinnen Gold- und Silbermünzen für die Gussmasse, um den Klang der Glocken zu veredeln.

Schicksal im Zweiten Weltkrieg

Am 27. April 1942 mussten die beiden größten Glocken für die Rüstungsproduktion abgegeben werden. Sie wurden nach Hamburg auf den sogenannten „Glockenfriedhof“ transportiert, entgingen jedoch der Einschmelzung. Im Jahr 1947 kehrten sie unversehrt nach Marktredwitz zurück.

Datenübersicht

Nr. Name Schlagton Gussjahr Gießer Gewicht Durchmesser Bild
1 Vaterunser-Glocke des′ 1824 Christoph de Valle 1313 kg 140 cm
Vaterunser-Glocke
2 Stiegglocke (Aussegnung) f′ 1824 Christoph de Valle 628 kg 110 cm
Stiegglocke
3 Gebetsglocke as′ 1824 Christoph de Valle 398 kg 93 cm
Gebetsglocke
4 Tauf- / Dankglocke b′ 1960 Rincker (Sinn) 180 kg 85 cm
Tauf- / Dankglocke
5 Leopold- / Friedensglocke des″ 2017 Grassmayr (Innsbruck) 300 kg 75 cm
Leopold- / Friedensglocke

Inschriften (Auswahl)

Die Inschriften der Glocken von 1824 nehmen direkten Bezug auf das Brandunglück und die Sehnsucht nach Frieden (angelehnt an Schillers Lied von der Glocke):

  • Glocke 1: „Holder Friede, süsse Eintracht weilet, / weilet freundlich über unserer Stadt. / Möge nie der Tag erscheinen, / wo die rauhen Kriegshorden dieses stille Tal durchtoben...“ Zudem sind die Namen der damals verantwortlichen Honoratioren (u. a. Landrichter von Wächter, Pfarrer Schlemmer und Bürgermeister Fickenscher) auf der Glocke verewigt.
  • Glocke 2: „Im Jahre 1822 bin ich mit meinen lieben drei Schwestern durch einen unglücklichen Brand zerflossen. Im Jahre 1824 aber wurden wir in Redwitz von Christof de Valle aus Eger wieder gegossen.“
  • Glocke 4: Trägt die Aufschrift „Danket dem Herrn, denn er ist freundlich“ sowie den Spruch „Bartholomäus heiß ich, für Marktredwitz läut ich“.
  • Glocke 5: Die zum 500-jährigen Reformationsjubiläum gegossene Glocke enthält ein Friedensgebet: „Ach Gott gib Fried, welcher ernährt und steu’r dem Krieg, der all’s verzehrt. Zerbrich die Schwert, Spies, Bogen und Pfeil, gib uns hier Fried, dort ewig’s Heil.“

Elemente der Kirche

Kirchturm

Kirchturm

Der heutige Kirchturm wurde 1825 errichtet, nachdem ein Stadtbrand 1822 seinen Vorgänger zerstört hatte.[2] Er ist im klassizistischen Stil[3] aus grauem Sandstein[14] gebaut und beherbergt auf Höhe der umlaufenden Galerie eine zweigeschossige Türmerstube, die noch bis 1945 durchgehend bewohnt war.[3] 1911 erhielt der Kirchturm eine elektrische Uhr.[2]

An der Außenwand neben der Freitreppe ist eine Höhenmarke aus der NS-Zeit angebracht. Das Hakenkreuz ist entfernt, der Adler jedoch noch gut erkennbar. Die umlaufende, kaum mehr lesbare Schrift lautet „Deutsches Reich Höhenmarke“.

Luginsland

Dieser zweite Turm der Kirche war bis 1384 Bergfried des Schlosses der Herren von Redwitz. Er ist aus Bruchsteinmauerwerk, jedoch seit 1982/1983 verputzt.[15]

Sakristei

Die Sakristei, ein kleiner Bau an der Ostseite des Kirchturmes, wurde im Jahr 1922 errichtet. 1833 wurde eine „unvollendet[e] Sakristei“ erwähnt, eine Abbildung von 1879 zeigt ein Gebäude an der Westseite des Kirchturmes, das als Sakristei gedient haben könnte.[14]

Langhaus

Kircheninneres mit Orgel

Das Langhaus wurde 1502 gebaut und 1522 gewölbt.[3] Es hat eine Länge von 59 römischen Fuß, etwa 17,50 m, und eine Breite von 48 römischen Fuß, etwa 14,23 m, was zwei mögliche Schlüsse zulässt: Entweder war um 1500 noch das römische Fußmaß in der Region verbreitet, oder aber das Gebäude steht auf den Grundmauern einer älteren, wohl hochgotischen Anlage. Für letztere Annahme spricht insbesondere, dass Redwitz schon um 1140 Pfarrei war und spätestens 1384 eine Kirche besaß.[16]

Kanzel

Altarraum mit Kanzel

Die Kanzel ist ein Spätrenaissancewerk von 1613. Sie wurde von Johann Scharff, Richter zu Wiesau, und seiner Frau Maria Salome geb. Steinhauser gestiftet. 1683 wurde sie von der Redwitzer Pfarrgemeinde renoviert und der Laufgang hinzugefügt. Auf diesem sind die vier großen Kirchenväter Ambrosius, Hieronymus, Gregorius und Augustinus sowie Martin Luther dargestellt, die Abbildungen auf der Kanzel zeigen die vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes.[17] Auf dem Schalldeckel der Kanzel steht eine etwa einen Meter hohe Figur des Heiligen Michael.[18]

Sakramentshäuschen

Das etwa 5,30 m hohe gotische Sakramentshäuschen geht auf das Jahr 1490 zurück, diese Jahreszahl ist in den Sockel eingemeißelt. In der Bekrönung sind der Hl. Bartholomäus sowie zwei Engel dargestellt; letztere halten Spruchbänder mit Auszügen aus Thomas von Aquins Hymnus „de corpore Christi“ in den Händen. Sie lauten „ECCE PANIS ANGE[LORUM]“ und „FACTUS CIBUS [VIATORUM]“. Man vermutet, dass ein Egerer Baumeister das Kunstwerk aus gelbem Sandstein geschaffen hat.[19] Es ist das einzige Sakramentshäuschen dieser Art, das sich in der Region erhalten hat.[3]

Taufstein

Der Taufstein ist wohl um 1700 entstanden, da im Jahre 1696 eine Spende über 150 Gulden von Christoph Liebmann für einen Taufstein bei der Kirchengemeinde einging. Seitdem scheint er erhalten geblieben zu sein; 1924 erfolgte eine Renovierung.[20]

Decken- und Wandmalereien im Chor

Deckenmalereien

Im Chor wurden 1953 von Franz Wiedl bei einer Kirchenrestaurierung spätgotische Gewölbemalereien wiederentdeckt und konserviert.[10] Im Jahre 2010 wurden sie von Matthias Krämer wiederhergestellt.[21] Sie stellen die zwölf Apostel dar, außerdem befindet sich unterhalb der Kanzel eine Abbildung der Beweinung Christi.[22]

Ölberg/Leopoldsche Gruft

An der südlichen Ostwand des Langhauses befand sich bis ins 17. Jahrhundert ein in eine Nische eingelassener Ölberg, der 1670 in eine Begräbnisstätte für den am 22. September verstorbenen Redwitzer Pfarrer Stephan Leopold umgewandelt wurde. Laut einer wenigstens bis 1891 angebrachten Blechtafel ist der Ort auch letzte Ruhestätte für Johann Georg Leopold, Inspector zu Redwitz. Der ehemalige Ölberg ist nur noch an spätgotischem Flechtwerk unterhalb des Gitters zu erkennen, das den Zaun des Gartens Gethsemane darstellt.[23]

Literatur

  • Hermann Braun: Regesta Egrana. Auszüge aus Egerer Urkunden zur Geschichte von Schule und Pfarrei in Redwitz. O. Trautner, Marktredwitz 1963.
  • Josef M. Fritz: Die Kunstdenkmäler von Oberfranken. Landkreis Wunsiedel und Stadtkreis Marktredwitz. Druck- und Kommissionsverlag R. Oldenbourg, München 1954.
  • Johannes Kaestner: Allgemeine Pfarrbeschreibung. Pfarrbuch oder Allgemeine Beschreibung des gesamten Kirchenwesens in der evangelischen-lutherischen Pfarrei Marktredwitz, Kgl. Dekanat Wunsiedel. Marktredwitz 1912/1913.
  • Hanna Koob: Marktredwitz. Stadtbild gestern und heute. Eigenverlag Hans Hofmann, Marktredwitz 1993.
  • Josef Maria Ritz, Bernhard Hermann Röttger: Landkreis Wunsiedel und Stadtkreis Marktredwitz (= Die Kunstdenkmäler von Bayern. Oberfranken 1). R. Oldenbourg, München 1954, DNB 457322578, S. 600640.

Einzelnachweise

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