St. Cosmas und Damian (Marienrode)

Kirchengebäude in Marienrode From Wikipedia, the free encyclopedia

St. Cosmas und Damian ist das evangelisch-lutherische Gotteshaus in Marienrode, einem Stadtteil der Kreisstadt Hildesheim in Niedersachsen. Die nach den frühchristlichen Zwillingsbrüdern Kosmas und Damian benannte Kirche, die teilweise auch als Kapelle bezeichnet wird, gehört zum Kirchenkreis Hildesheim-Sarstedt im Sprengel Hildesheim-Göttingen der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Im Denkmalatlas Niedersachsen ist die Kirche unter der ID-Nr. 37525407 verzeichnet.

St. Cosmas und Damian

Geschichte

1792 ließ Johannes Günther, von 1778 bis zur 1806 erfolgten Säkularisation Abt des Klosters Marienrode, die Kirche als Ersatz für einen um 1788 abgebrochenen Vorgängerbau als Tor- und Wallfahrtskapelle des Klosters Marienrode errichten.

Nach der Säkularisation ließen sich in Neuhof, das um 1260 von den Zisterziensern des Klosters Marienrode als Gehöft gegründet worden war und sich in der Folgezeit zu einem Bauerndorf entwickelt hatte, evangelisch-lutherische Bewohner nieder. 1831 wurde die Kirche samt Inventar auf Betreiben von Carl von Beaulieu-Marconnay, dem Inhaber der Domäne Marienrode, und nach Genehmigung durch Bischof Godehard Joseph Osthaus von den Katholiken der evangelischen Gemeinde übergeben, da die Katholiken seit der Säkularisation des Klosters Marienrode die ehemalige Klosterkirche St. Michael als Pfarrkirche nutzten und die St.-Cosmas-und-Damian-Kirche seitdem nur noch als Wallfahrtskapelle und für Bestattungen diente. Die evangelische Gemeinde ließ den Innenraum der Kirche durch den katholischen Architekt Friedrich Kerstein für lutherische Gottesdienste umgestalten. 1835 bekam die Kirche einen Kanzelaltar, in diesem Jahr wurde auch das Südostportal zugemauert. 1839 bekam die Kirche eine neue Glocke. Zunächst betreute der Geistliche der St.-Nicolai-Kirche in Sibbesse die Kirche in Marienrode, 1872 übernahm das die Hildesheimer St.-Andreas-Gemeinde.

1902 wurde der Dachreiter nach einem Blitzeinschlag erneuert. Von 1933 an war die Hildesheimer Michaelisgemeinde für Marienrode zuständig. Erst im Zuge der Flucht und Vertreibung Deutscher aus Mittel- und Osteuropa infolge des Zweiten Weltkriegs bekam Marienrode 1946 erstmals einen ortsansässigen evangelisch-lutherischen Geistlichen, Pastor Kurt Reblin, der aus den Deutschen Ostgebieten stammte. 1955 errichtete das Landeskirchenamt Hannover in Marienrode eine eigene Pfarrstelle, 1989 bekam die Kirche eine an der Nordseite erbaute Sakristei. 1991 wurden die Kirche unter Denkmalschutz gestellt und in Neuhof ein neuerbautes evangelisches Gemeindezentrum eingeweiht. Am 1. Januar 2022 fusionierte die Kirchengemeinde Marienrode mit der Zwölf-Apostel-Gemeinde in Hildesheim zur Kirchengemeinde Am Pilgerweg.

Lage, Architektur und Ausstattung

Inneres
Blick zur Orgelempore

Die kleine Kirche steht am nordwestlichen Eingang zum Kloster Marienrode.

Die geostete, einschiffige Saalkirche steht auf einem rechteckigen Grundriss mit einem dreiseitigen Chor. Die Kirche ist mit einem Satteldach eingedeckt, das über dem Chor abgewalmt ist. Im Westen erhebt sich ein achtseitiger, verschieferter Dachreiter mit geschwungener, spitzer Haube, Turmkugel und Windrichtungsgeber.

Die fensterlose Westwand aus Sandstein-Quadermauerwerk, deren Giebeldreieck verschiefert ist, weist drei rundbogige Figurennischen auf. Die anderen, früher[1] verputzten Wände sind in schlichterem Bruchsteinmauerwerk ausgeführt, ihre Ecken sind mit Lisenen betont. In den Längsseiten des Kirchenschiffes sind je vier flachbogige Fenster angeordnet, in den Schrägseiten des Chores zwei Rundfenster. Über dem an der Südseite befindlichen Haupteingang steht im rundbogigen Sturz die lateinische Inschrift: „AÑO 1792 TEMPLUM HOC IN HONOREM S. S. MARTYRUM COSMAE ET DAMIANI EX FUNDAMENTIS RESUSCITATUM SURREXIT“ (Im Jahr 1792 wurde dieses Gotteshaus zu Ehren der heiligen Märtyrer Cosmas und Damian aus den Fundamenten von Neuem erhoben). Das Südostportal ist vermauert. Nördlich der Kirche steht seit 1989 die Sakristei, ein eingeschossiger Bau mit Walmdach, die im Westen über einen Verbindungsgang zur Kirche verfügt.

Die Kirche verfügt über zwei Glocken. Die Glocke von 1937 wurde in der Märkischen Glockengießerei Voss in Hennickendorf gegossen, hing in der evangelischen Kirche in Schwente (Kreis Flatow) und kam 1952 nach Marienrode. Der Glockengießer Friedrich Wilhelm Schilling goss 1962 die zweite Glocke als Umguss einer Glocke, die 1920 von der Radlerschen Glockengießerei hergestellt wurde. Eine frühere Glocke von 1778 war bei Übergabe der Kirche an die evangelische Gemeinde bereits gesprungen und wurde 1839 zu einer neuen Glocke umgegossen, musste aber 1917 zu Kriegszwecken abgegeben werden.

Der Innenraum ist von einer Flachdecke mit hoher Voute abgeschlossen. Der Kanzelaltar wurde 1835 vom katholischen Architekten Friedrich Kerstein entworfen und 1948 von Rudolf Curdt umgestaltet. Curdt fügte anstelle der seitlichen Scherwände schmale Seitenflügel mit den Einsetzungsworten des Abendmahls Jesu hinzu. Der fünfseitige Kanzelkorb ist von einer Ädikula aus zwei marmorierten Pilastern umrahmt.

Die Orgel steht auf der geschwungenen Westempore, das Instrument hat elf Register auf einem Manual und Pedal. Sie wurde 1795 von Anton Heinrich Maasberg aus Hildesheim erbaut. 1866 und 1883 nahm Heinrich Schaper aus Hildesheim an der Orgel Umbauten vor. Das Unternehmen Emil Hammer Orgelbau nahm 1943 eine Änderung der Disposition vor, 1969 setzte es die Orgel instand und erneuerte die Spieltraktur.

Die kleine Gemälde unter der Orgelempore ist ein Werk der Malerin Julie von Egloffstein (1792–1869) aus den 1820er Jahren. Das Bild stellt Jesus Christus mit der Dornenkrone dar und wurde nach dem Bild Christus mit der Dornenkrone des italienischen Malers Guido Reni gemalt. Julie von Egloffstein war die Tochter von Henriette von Egloffstein, die in zweiter Ehe mit Carl von Beaulieu-Marconnay, dem Inhaber der Domäne Marienrode, verheiratet war.

Siehe auch

Literatur

  • Dietrich Kunze: Die ev. Kirche St. Cosmas und Damian Marienrode. Kirchengemeinde St. Cosmas und Damian (Hrsg.), Hildesheim 1992.
  • Heinrich Siebern, D. Kayser (Bearbeiter): Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover. II. Regierungsbezirk Hildesheim. 3. Der Kreis Marienburg. Hannover 1910, S. 116 und 125.
  • Benediktinerinnen-Priorat Kloster Marienrode. Verlag Schnell und Steiner, Kunstführer Nr. 1953, 3. Auflage, Regensburg 2016, ISBN 978-3-7954-5673-3, S. 23–24.
Commons: St. Cosmas- und Damian-Kapelle (Marienrode) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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