St. Gallus (Böhringen)

Kirchengebäude in Böhringen, Römerstein, Landkreis Reutlingen, Baden-Württemberg From Wikipedia, the free encyclopedia

Die evangelische Pfarrkirche St. Gallus steht in Böhringen, einem Ortsteil der Gemeinde Römerstein im Landkreis Reutlingen in Baden-Württemberg. Die Kirchengemeinde gehört zum Kirchenbezirk Bad Urach-Münsingen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Die Kirche ist als Denkmal beim Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg eingetragen.

Pfarrkirche St. Gallus
Blick zum Chor

Architektur und Ausstattung

Die neugotische, mit Strebepfeilern gestützte Hallenkirche aus Quadermauerwerk wurde 1884–86 nach einem Entwurf von Christian Friedrich von Leins und unter Mitwirkung seines Schülers, Bauinspektor Heinrich Dolmetsch, anstelle eines romanischen Vorgängerbaus in frühgotischer Formensprache errichtet. Sie besteht aus einem Kirchturm im Westen des Langhauses, das ein Mittelschiff und zwei Seitenschiffe mit einer Drei-Seiten-Empore hat, einem Querschiff, alles außen in steinsichtiger Haustein-Bauweise aus regionalem Tuffstein errichtet, und einem eingezogenen, dreiseitig geschlossenen, verputzten Chor im Osten mit nördlicher Sakristei, die beide vom Vorgängerbau stammten. Wenige Tage vor Kriegsende 1945 wurde die Kirche noch schwer beschädigt, bis 1952 jedoch wieder instandgesetzt.

Wandgemälde

Beim Neubau kam der von Heinrich Dolmetsch entworfenen bildhaften Ausstattung, vor allem frontal auf dem Chorbogen, besondere Bedeutung zu. Diese Art fand auch Eingang in weitere von Dolmetsch verantwortete Kirchenbauten, hat sich nach dem Böhringer Übertünchen 1950 aber fast nur noch in einer bauzeitlichen Beschreibung und in einer überlieferten Abbildung erhalten.[1][2] Die in Böhringen neue „sinnbildliche Malerei“ griff einerseits zurück auf den Formen- und Bedeutungsschatz früher christlicher und nichtchristlicher Ikonographie wie beispielsweise den Physiologus, setzte andererseits jedoch auch zahlreiche biblische Schriftstellen, Bildworte und Symbole in eine üppige, aber komplizierte Ornamentik um, deren optische Erscheinung zwar sehr dekorativ und reizvoll, ihre heutige Entschlüsselung aber sehr anspruchsvoll wäre.

Die nach den Weltkriegsschäden notwendige Kirchenrenovierung führte, wie anderswo auch, zusammen mit einem gewandelten Kunstverständnis 1951/52 zum Ersatz der sinnbildlichen Malerei auf der Chorwand durch das ebenfalls großflächige Sgraffito von R. Yelin d. J. mit Christus in der Mandorla und links und rechts den klugen und törichten Jungfrauen.[3]

Orgel

1755 wurde eine erste Orgel in der Galluskirche errichtet., der Erbauer ist unbekannt. 1859 erbaute Christoph Ludwig Goll eine neue Orgel, die auf der Chorempore aufgestellt wurde.

Nach dem Neubau der Kirche erbaute die Orgelbaufirma C. L.Goll & Sohn 1886 eine neue Orgel mit 16 Registern auf zwei Manualen und Pedal auf der Westempore.[4]

Ihre Disposition lautet:[4]

I Hauptwerk C–f3
1. Bourdon 16'
2. Prinzipal 8'
3. Großgedeckt 8'
4. Tibia 8'
5. Gambe 8'
6. Octave 4′
7. Gemshorn 4′
8. Mixtur III-IV 223
II Echowerk C–f3
9. Principal 8′
10. Salicional 8′
11. Gedeckt 8′
12. Fugara 4'
13. Flute d'amour 4'
Pedal C–d1
14. Subbass 16′
15. Violone 16'
16. Oktavbass 8'
  • Koppeln: II/I, I/P, II/P
  • Zimbelstern, Tuttitritt

Literatur

  • Eva-Maria Seng: Der evangelische Kirchenbau im 19. Jahrhundert. Die Eisenacher Bewegung und der Architekt Christian Friedrich von Leins. In: Tübinger Studien zur Archäologie und Kunstgeschichte Band 15. Dissertation von 1992, veröffentlicht Tübingen 1995, S. 500–503, Bilderseite 77f Abb. 224–231
  • Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Baden-Württemberg II, Regierungsbezirke Freiburg und Tübingen. Deutscher Kunstverlag, München 1997, S. 111.

Einzelnachweise

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