St. Georg (Weikersheim)
Kirchengebäude in Weikersheim, Deutschland
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Die Stadtkirche St. Georg steht in Weikersheim, einer Stadt im Main-Tauber-Kreis in Baden-Württemberg. Das Bauwerk ist beim Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg als Baudenkmal eingetragen. Die Verbundkirchengemeinde Weikersheim-Neubronn gehörte bis Ende 2024 zum bisherigen Kirchenbezirk Weikersheim und gehört seit 1. Januar 2025 zum Teilgebiet Weikersheim im neuen Kirchenbezirk Hohenlohe der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Geschichte

Weikersheim gehörte vor 1803 zur historischen Landschaft Hohenlohe, die in mehrere Linien aufgeteilt war. Die Georgskirche stand unter dem Kirchenpatronat derer von Hohenlohe-Weikersheim. Die Kirche liegt am Marktplatz mit seinen historischen Bauten und prägt das Gesamtbild der Altstadt. Gegenüber der Stadkirche steht das Schloss, das im 16. Jahrhundert unter Graf Wolfgang II. von der ursprünglichen Wasserburg zum Renaissanceschloß umgebaut wurde. In der ehemaligen hohenlohischen Residenzstadt Weikersheim wurde bis 1556 die Reformation eingeführt. Nach dem Übergang an Württemberg wurde Weikersheim 1807 Sitz eines württembergischen Dekanats.
Ein Pfarrer ist in Weikersheim bereits 1219 erstmals erwähnt. Die Kirche St. Georg unterstand dem Stift Neumünster. Zum Sprengel gehörte auch Honsbronn und Schäftersheim, bis das letztgenannte 1403 eine eigene Pfarrei wurde. Die dreischiffige Hallenkirche mit zunächst kleinem Chor und schmalen Seitenschiffen mit Hochspitzgewölben ohne äußere Strebepfeiler war unter Conrad von Weinsberg und seiner Frau Anna von Hohenlohe-Brauneck in den Jahren 1419 bis 1425 erbaut worden. Nachdem Graf Wolfgang Ernst von Hohenlohe 1586 seine Residenz nach Weikersheim verlegt und damit begonnen hatte, Stadt und Kirche auszubauen, erweiterte er die „erste“ Kirche seiner Herrschaft durch den stattlichen Renaissance-Westturm. 1590 wurde die Kirche gemäß der neuen Kirchenordnung mit dem Einbau der Kanzel und der Emporen den reformatorischen Bedürfnissen angepasst, wobei nichts darauf hindeutet, dass der Fürst von calvinistischen Tendenzen bestimmt war, wie gelegentlich behauptet wird. 1603 erteilt der Graf den Auftrag für die Anfertigung einer steinernen Tumba, eines repräsentativen Hochgrabes (ohne die Absicht einer Bestattung darin), denn bereits 1606 ließ er noch unter dem bisherigen kleinen Chor eine Gruft als Grablege für die Adelsfamilie angelegen.[1] Hierüber ließ dann Graf Georg Friedrich 1616–1618 den großen Hochchor mit den beiden östlichen Chorflankentürmen errichten. Eine umfassende Kirchenrenovierung fand ab dem Jahr 1714 unter Graf Carl Ludwig, dem letzten Herrscher des Hauses Hohenlohe-Weikersheim, statt. Dabei erhielten die Chortürme neue Turmhelme – barocke Hauben. 1722 erhielt der Westturm vier neue Glocken und eine Uhr. 1934/37 wurde die Georgskirche aus Anlass der 1100-Jahr-Feier der Stadt Weikersheim durch Architekt Hans Seytter erneut gründlich renoviert. Damit erhielt die Stadtkirche im Wesentlichen ihr heutiges Aussehen.
Baubeschreibung
Das Langhaus der Hallenkirche besteht aus einem Mittelschiff und zwei Seitenschiffen. Der achteckige Kirchturm wurde 1587–92 in die Fassade im Westen des Mittelschiffs eingestellt. Im Osten des Mittelschiffs wurden 1615/18 der dreiseitig geschlossene, von Strebepfeilern gestützte Hochchor und die Chorflankentürme errichtet. Der Innenraum des Chors ist mit einem Sterngewölbe überspannt. Die beiden Glockentürme öffnen sich im Innenraum als Oratorien. Mächtige Emporeneinbauten prägten die Stadtkirche lange Zeit. Sie sind 1934/37 reduziert worden (Entfernung der oberen Emporen und der oberen Etage des Fürstenstandes).
Ausstattung
„Prinzle“-Skulptur: Das so genannte „Weikersheimer Prinzle“, ein Kinderepitaph aus dem Jahr 1437, ist das älteste Bildwerk der Kirche. Es befindet sich an der Empore links vom Gemeindealtar und zeigt den Enkel der Kirchenstifter, Prinz Heinz (Heinrich) von Sachsen-Lauenburg, der im Alter von sechs Jahren in Weikersheim verstorben war.
Kanzel: Die Renaissance-Holzkanzel mit reichem Diamantquader-Dekor und toskanischer Säulenordnung zwischen den Brüstungstafeln rings um den Kanzelkorb wurde mit ihrer gewundenen Steintreppe am südlichen Mittelpfeiler des Kirchenschiffs eingebaut, genau gegenüber der doppelstöckigen Herrschaftsempore. Damit erhielt die Stadtkirche Weikersheim die in vielen württembergischen und hohenlohischen Kirchen spätestens seit der Reformation übliche Innen-Ausrichtung einer Querkirche.[2]
Altar: Die Altarmensa im Hochchor mit den vollplastisch aus vier Evangelistensymbolen als Trägerfiguren gestalteten Tischfüßen hat 1589/90 Michel Niklas aus Reinsbronn geschaffen, das prächtige Retabel von 1618 ist die Schnitzarbeit von Melchior Jung. Der Maler der Abendmahls- und Auferstehungsbilder im Retabelrahmen ist nicht bekannt. Der Altar im Mittelschiff wird vor den Bänken an den Stufen zum Hochchor als schlichter Gemeindealtar der Austeilung des Abendmahl gedient haben und dienen.
Emporen: Für die gehobene Weikersheimer Bürgerschaft und für den Hofstaat waren die östlichen Doppelemporen bestimmt, dem Hochadelshaus stand ein schmaler zweistöckiger Fürstenstand mittig-nördlich gegenüber der Kanzel zur Verfügung. Weitere Emporen im Westen für die Orgel und separate Westemporen nördlich und südlich unter je einem westlichen Rundfenster boten weiteren Platz. Das „Volk“ saß im Parterre. Caspar Dietrich bemalte 1589 die Tafelbilder der Emporenbrüstungen mit einer Biblia pauperum (Armenbibel).
Taufbecken: Das große Taufbecken wurde erst 1966 aus Lichtel bei Creglingen nach Weikersheim übertragen. Es stammt aus spätromanischer Zeit. Es konnte jedoch nicht geklärt werden, in welcher Kirche es ursprünglich gestanden hatte. Die Bildhauerin und Medailleurin Gertrud Angelika Wetzel schuf 1967 den Taufbeckeneinsatz.
Glasgemälde: Walter Kohler entwarf und fertigte 1934 die Farbverglasung der Chorfenster-Maßwerke (Engel mit Schriftbändern) und über dem Westportal des Bogenfeld-Fensters (Evangelistensymbole). Der Glasermeister Stephan aus Rothenburg ob der Tauber besorgte 1997 die Restaurierung.
Gestühl vor der Kanzel: Ebenfalls im Rahmen der Renovierungsarbeiten 1934/37 schuf Helmuth Uhrig Schnitzarbeit an den Bankwangen des Gestühls beim Schiff-Altar.
Orgel: Die Orgel wurde von Georg Martin Gessinger (1719–1791)[3] gebaut. Das Gehäuse der Orgel im Rokokostil ist eine Stiftung des Hauses Hohenlohe-Neuenstein aus dem Jahr 1766, das Werk heute eine Laukhuff-Orgel.
Literatur
- Erwin Rall: Die Kirchenbauten der Protestanten in Schwaben und Südfranken im 16. und 17. Jahrhundert. Maschinenschriftliche Dissertation. TH Stuttgart, 1922, S. 9, 45 und Bild 21, 22.
- Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Baden-Württemberg I, Regierungsbezirke Stuttgart und Karlsruhe. Deutscher Kunstverlag, München 1993, S. 825.
- Klaus Merten: Die Stadtkirche in Weikersheim. München/Berlin 5. Aufl. 1995.
- Ulrich Bernecker, Regine Burdinski: Unsere Kirchen. Ein Führer zu den Gotteshäusern des evangelischen Kirchenbezirks Weikersheim. (Hrsg.) Evangelisches Dekanat Weikersheim 2003, S. 125 f.
- Anette Pelizaeus, Günter Breitenbacher: Die Stadtkirche St. Georg in Weikersheim. Kleine Schriften des Vereins für württembergische Kirchengeschichte Nr. 26, Stuttgart 2020.