Sankt Germanshof

Ortsteil der Gemeinde Bobenthal in der Südwestpfalz From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Weiler St. Germanshof ist ein Ortsteil der Gemeinde Bobenthal im Landkreis Südwestpfalz in Rheinland-Pfalz.[1] Er hat rund 40 Einwohner.

Schnelle Fakten St. Germanshof Ortsgemeinde Bobenthal ...
St. Germanshof
Ortsgemeinde Bobenthal
Koordinaten: 49° 3′ N,  54′ O
Höhe: 175–418 m ü. NHN
Einwohner: 40 (2005)[Ohne Beleg]Vorlage:Infobox Ortsteil einer Gemeinde in Deutschland/Wartung/NoEinwQuelle
Postleitzahl: 76891
Vorwahl: 06394
St. Germanshof (Rheinland-Pfalz)
St. Germanshof (Rheinland-Pfalz)
Lage von St. Germanshof in Rheinland-Pfalz
St. Germanshof: Zollamtsgebäude und Grenzübergang nach Frankreich
St. Germanshof: Zollamtsgebäude und Grenzübergang nach Frankreich
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Geographie

St. Germanshof liegt 175 m. ü. NHN im Südosten der Ortsgemeinde unmittelbar an der Grenze zwischen Deutschland und Frankreich an der Wieslauter und der Straße nach Wissembourg im pfälzischen Teil des Wasgaus, umgeben von bewaldeten Höhenzügen und am Rande des Mundatwaldes. Nördlich des Siedlungsgebiets erstreckt sich der Hohe Kopf, westlich der Probstberg und südlich die Scherhol.

Geschichte

Die abgegangene Burg St. German im Ortsgebiet wurde 1055 von der Abtei Weißenburg erwähnt, nachdem hier bereits seit etwa 150 Jahren eine Kapelle bestand.[2]

Der Besitz ging später an die Herren von Fleckenstein über, die ihn mit anderen Orten 1360 an die Stadt Weißenburg – späterer Name „Wissembourg“ – verkauften. Wenig später verfiel der Ort St. Germanshof, die Kirche bestand jedoch weiterhin. 1525 wird eine Waldfestung genannt. 1577 erwarb Wolfgang von Breiten die Gebäude und Besitzungen, es folgten Besitzerwechsel und Verfall. 1675 bestand jedoch ein Gutshof, den eine Familie Vitztum kaufte. Er gehörte bis 1815 zu dem elsässischen Ort Weiler und somit zur „gefürsteten Propstei Weißenburg“. Im Wiener Kongress wurde St. Germanshof nach der Niederlage Napoléons nach Bobenthal umgemeindet und war fortan als Teil des Kantons Dahn der bayerischen Pfalz zugeordnet; die Familie Vitztum bekam dadurch ihr Eigentum zurück.[3] Nach dem Verkauf durch die Familie Vitztum im Jahr 1859 gab es weitere Besitzerwechsel[4]. In der Zeit um den Ersten Weltkrieg wurde ein Sägewerk eingerichtet. Seit 1911 ist ein Gaststättenbetrieb bekannt. Ab 1918 war der Gutshof im Besitz von Gustav Adt, der ihn bereits nach kurzer Zeit seiner Tochter und seinem Schwiegersohn übereignete.

1925 hatte der Ort 27 Einwohner, die in vier Wohngebäuden lebten. Die Katholiken gehörten zu dem Zeitpunkt Niederschlettenbacher Pfarrei, während die Protestanten nach Rechtenbach eingepfarrt waren.[5]

Im Rahmen einer Bestimmung der internationalen Grenzkommission wurde St. Germanshof am 23. April 1949 wieder an Frankreich abgetreten, stürmische Proteste führten jedoch zu einem Rückzieher und am 9. September desselben Jahres gehörte St. Germanshof wieder zu Bobenthal. Am 6. August 1950 war St. Germanshof europaweit in den Schlagzeilen, als dort 300 europabegeisterte Studenten die französischen und deutschen Zöllner überrumpelten, Schlagbäume zerstörten[6], Zollschilder herunterrissen und durch Schilder mit der Aufschrift „Sie bleiben in Europa“ ersetzten und die damalige europäische Flagge hissten; es handelte sich dabei um die erste Version der Europaflagge von Duncan Sandys.[7][8] Die ehemaligen Zollhäuser überdauerten als Relikte aus dieser Zeit.

Kultur

Europadenkmal

Die Hofanlage St. Germanshof enthält Reste der Burg St. German.

Südlich von Sankt Germanshof befindet sich seit 2007 das Europadenkmal Bobental.[9] Das sind zwölf Stelen rund um ein Feuerrondell. Es erinnert an junge Leute, die am 6. August 1950 als überzeugte Europäer die Schlagbäume der deutsch-französischen Grenze aus den Angeln hoben und aller damals noch nicht überwundenen Feindschaft zwischen Frankreich und Deutschland zum Trotz zu einem europäischen Feuer entzündeten. Bei den Stelen stehen drei Flaggen, die Europaflagge sowie die französische und die deutsche.[10]

Ein Teil des 1983 erschienenen Films Frevel wurde in St. Germanshof gedreht.

Infrastruktur

Durch den Ort verläuft die Landesstraße 478.

St. Germanshof bietet Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten. Der Ort ist zudem Ausgangs- oder Endpunkt vieler Fernwanderwege durch den Pfälzerwald, die vom Pfälzerwald-Verein unterhalten werden. Unter ihnen befindet sich die neunte Etappe des Prädikatswanderwegs Pfälzer Waldpfad, der Saar-Rhein-Weg, der 150 km lange Fernwanderweg nach Niederhausen, der mit einem blauen Kreuz markiert ist, sowie ein mit einem blau-gelben Balken gekennzeichneter Wanderweg, der nach Lauterecken führt.[11] Auf der französischen Seite stellen zahlreiche Wanderwege die Verbindung in die Vogesen her.

An St. Germanshof führt außerdem der Pamina-Radweg Lautertal vorbei, der entlang der Wieslauter von Hinterweidenthal über Dahn und Wissembourg bis nach Neuburg am Rhein verläuft.[12] Die Wieslauter kann ab Hinterweidenthal mit Einer-Kajaks befahren werden.

Der Ort ist über eine Haltestelle der Buslinie 252, die von Wissembourg nach Hauenstein führt, an das Nahverkehrsnetz angebunden.[13] Nächstgelegener Bahnhof ist Wissembourg.

Literatur

  • Christina Norwig: Die erste europäische Generation. Europakonstruktionen in der Europäischen Jugendkampagne 1951–1958. Wallstein Verlag, Göttingen 2016, ISBN 978-3-8353-1846-5; darin Kapitel 4.1: „Nieder mit den Grenzen!“ – Forderungen und Aktionen für ein grenzenloses Europa, S. 183–204 (über den Sturm auf den Grenzposten am 6. August 1950).
  • Matthias Heister: Der Studentensturm auf die Grenzen 1950 - Für ein föderales Europa - Fakten-Probleme-Hintergründe-Konsequenzen. Iduso Verlag, Bonn 2015, ISBN 978-3-9810837-7-4; detaillierter Zeitzeugenbericht mit Auswirkungen bis heute
Commons: St. Germannshof – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten

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