Im Zuge der seinerzeit einsetzenden Wanderbewegung wurde bei einem Treffen in Ludwigshafen am Rhein am 14. Oktober 1902 die Gründung eines Wandervereins besprochen, der den Namen „Touristenclub Pfalz“ tragen sollte. Am 27. November des Jahres wurde daraufhin der „Pfälzerwald-Verein“ mit seiner ersten Ortsgruppe in Ludwigshafen gegründet; der Name kam auf Vorschlag von Heinrich Kohl zustande.[2] Eines der Gründungsmitglieder des auf Initiative des Ludwigshafener Bahnbeamten Otto Link ins Leben gerufenen Pfälzerwald-Vereins war der pfälzische Kunstmaler Heinrich Strieffler.[3] Vor allem der Autor und Geistliche Fritz Claus, der ebenfalls Mitglied wurde, setzte sich intensiv dafür ein, die Mittelgebirgslandschaft, die bis dahin hauptsächlich als nördlicher Teil der Vogesen wahrgenommen worden war, fortan als „Pfälzerwald“ zu bezeichnen.[4] Erstmals dokumentiert wurde dieser Begriff 1843 auf einer Tagung im Forsthaus Johanniskreuz.[5] Der erste Vorsitzende wurde der Fabrikant Anton Fasig. Dieser Teil der Mittelgebirgslandschaft wurde durch den Verein seither infrastrukturell maßgeblich erschlossen.
Am 4. Februar 1903 legte Otto Volker den Entwurf für das erste gültige Vereinsabzeichen – Eichenblatt und Traubenkombination – vor.[2] Am 15. März des Jahres wurde die als „Wochenzeitschrift für Touristen-, Radfahrer- und Fremdenverkehr in der Pfalz und Umgebung“ als „Organ des pfälzischen Verschönerungsvereins, des Gräfensteiner und Zweibrücker Verschönerungsvereins sowie vieler Lokalvereine“ seit 1900 bestehende Zeitschrift „Der Pfälzerwald“ offiziell Organ des Pfälzerwald-Vereins. Am 1. November erstellte Justizrat Grill die erste Vereinssatzung, die in wesentlichen Teilen seither gültig ist: Zudem folgte die Aufteilung der Vereinsstruktur in Hauptvorstand und Ortsgruppen. Nachdem sich im folgenden Jahr weitere Ortsgruppen gebildet hatten, wurde im November 1903 der Dachverband gegründet. Zum Vorsitzenden des Dachverbandes wurde im Januar 1904 Regierungsdirektor Karl Albrecht von Ritter gewählt.
Am 26. September 1904 wurde mit der neun Meter hohen Stabenbergwarte das erste Bauwerk des Vereins eingeweiht. Ein Jahr später vermaß Kommerzienrat Kohl mit Jobs Blum zur Schaffung einer Wanderkarte im Maßstab von 1:50.000 – „Kohl’sche Karte“ genannt – die Wanderwege, Wanderziele und Stützpunkte im Pfälzerwald. Außerdem erstellte die Ortsgruppe Frankenthal auf dem Rahnfels die erste Blockhütte. 1907 kam eine weitere beim Lambertskreuz hinzu. Am 26. April 1908 folgte auf der Kalmit mit der „Ludwigshafener Hütte“ die Einweihung der ersten bewirtschafteten Hütte.
Weitere Entwicklung
Der 1909 eingeweihte Luitpoldturm auf dem WeißenbergRitterstein am Kohlplatz in der Nähe von Edenkoben
Am 26. Mai 1909 wurde auf dem Weißenberg beim Hermersbergerhof in Anwesenheit von Prinzregent Luitpold der 35 Meter hohe Luitpoldturm eingeweiht und 1910 das Hellerplatzhaus als erste Hütte mit Übernachtungsmöglichkeiten. 1914 kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs eröffnete der Pfälzerwald-Verein im Gasthaus „Zum Schiff“ in Neustadt die erste Jugendherberge der Pfalz mit 20 Betten.
Auf Anregung von Daniel Häberle brachte der Verein von 1910 bis 1914 mehr als 200 Steinmarken an Plätzen von geschichtlicher oder naturkundlicher Bedeutung an. Dazu wurden an eigens dafür aufgestellten Sandsteinblöcken sowie teilweise Felswänden, Gebäuden und Mauern Texte eingraviert. Da Karl Albrecht von Ritter dieses Projekt maßgeblich vorantrieb, erhielten die Steine auf Beschluss der Mitgliederversammlung im Januar 1912 die offizielle Bezeichnung „Rittersteine“.[6][7]
Zwischen 1935 und 1945 gab es keine Aktivitäten. 1957 wurde beim Forsthaus Taubensuhl das erste Jugendheim des Vereins eröffnet. Zehn Jahre später entstand in Zusammenarbeit mit dem Landesvermessungsamt (LVermGeo) in Kartenwerk 1:50.000 des gesamten Vereinsgebietes, ebenso begann die Herausgabe von Wanderkarten im Format 1:25.000.
Von 1980 bis 2009 war der Pfälzerwald-Verein an der Unterhaltung des Westpfalz-Wanderwegs beteiligt.[8] Am 3. Juni 1993 beschloss der Hauptvorstand, keine neue Markierungsbefugnis mehr zu erteilen, weil es zu viele Wanderweg-Markierungen gebe. Am 5. Juli 1994 entschied der Vorstand, keine weiteren Rittersteine auszuweisen. 1998 folgte beim Deutschen Patent- und Markenamt die Eintragung der durchgehenden PWV-Markierungslinien als „Marke“.
21. Jahrhundert
Von November 2002 bis April 2003 feierte der Verein sein hundertjähriges Jubiläum.[9] Am 11. April 2003 beteiligten sich 120 Ortsgruppen des Pfälzerwald-Vereins am Hermersbergerhof bei der Pflanzung eines PWV-Hains. Am 25. März 2006 reduzierte das LVermGeo auf Wunsch des PWV seine Wanderkarten für die Pfalz im Sinne der Nutzfreundlichkeit von fast 20 auf acht Blätter. Zehn Jahre später musste wegen Auflagen des Rechnungshofes die Schaffung von weiteren Wanderkarten eingestellt werden. In der Folgezeit engagierte sich der Verein gegen die Errichtung von Windkraftanlagen im Pfälzerwald.[10]
Der bislang letzte Ritterstein wurde 2022 im erwähnten Hain aufgestellt.[11]
Die Hauptgeschäftsstelle des Pfälzerwald-Vereins befindet sich in Neustadt an der Weinstraße; Hauptvorsitzender ist seit 2018 Martin Brandl und stellvertretende Hauptvorsitzende seit 2024 Ute Wilking. Hauptgeschäftsführer ist seit Juli 2025 Valentin Heyl, er übernahm die Geschäftsführung von Florian Bilic.[12] Neben dem Hauptvorstand ist er in neun Bezirke untergliedert.[13] Zudem unterhält er eine Stiftung, die Projekte des Naturschutzes und der Denkmalpflege unterstützt, und ist Sitz des entsprechenden Landesverbandes Rheinland-Pfalz. Das Mitteilungsorgan des Vereins ist seit 1902 die Vierteljahresschrift Pfälzerwald. Seine Jugendgruppen sind der Deutschen Wanderjugend angeschlossen.
Pfälzerwald-Verein (Hrsg.):100 Jahre Pfälzerwald-Verein e.V. Neustadt an der Weinstraße 2002, ISBN 3-00-010517-4.
Walter Eitelmann, Ernst Kimmel:Rittersteine im Pfälzerwald – Gedenksteine und Innschriften. Eine steinerne Geschichtsbeschreibung. Hrsg.: Pfälzerwald-Verein e.V. Ortsgruppe Neustadt. 5., leicht überarb. Aufl. mit Wandervorschlägen. Neustadt 2005, ISBN 3-00-003544-3.
Klaus Fröhlich:Der Burgenwanderweg des Pfälzerwald-Vereins, Teil I und II. Hrsg.: Pfälzerwald-Verein e.V.
Klaus Fröhlich:Natur und Kultur an den Wanderwegen des Pfälzerwald-Vereines. Hrsg.: Pfälzerwald-Verein e.V. Neustadt an der Weinstrasse. ISBN 3-926775-47-5.
Pfälzerwald-Verein Otterberg:Rittersteine.ArchiviertvomOriginal(nicht mehr online verfügbar)am27.Dezember 2014;abgerufen am 1.März 2011.Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.pwv-otterberg.de
Archivierte Kopie (Mementodes Originals vom 3. Februar 2016 im Internet Archive)Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.pwv-kirkel.de
Archivierte Kopie (Mementodes Originals vom 4. April 2016 im Internet Archive)Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.pwv-otterberg.de
Archivierte Kopie (Mementodes Originals vom 2. Oktober 2016 im Internet Archive)Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.wald-rlp.de