St. Johannis (Schönebeck)

Kirchengebäude in Schönebeck (Elbe) From Wikipedia, the free encyclopedia

Die St. Johannis ist eine evangelische Kirche in Bad Salzelmen, Schönebeck (Elbe) im deutschen Bundesland Sachsen-Anhalt. Anfang des 15. Jahrhunderts beschloss man, eine Kirche bauen zu lassen. Am 29. August 1430 erfolgte die Grundsteinlegung auf der Westseite, um sich mit den Türmen eine Zufluchtsstätte im Kriegs- und Katastrophenfall zu schaffen. An der Kirche wurde über ein Jahrhundert lang gebaut.

St.-Johannis-Kirche
Im Hintergrund der Hochaltar von 1665

Architektur

Im Wesentlichen handelt es sich bei der St. Johannis um eine spätgotische Hallenkirche – beide Seitenschiffe haben mit 14,7 Meter (nördlich) und 14,1 Meter (südlich) fast die gleiche Höhe wie das Mittelschiff mit 15 Meter. An den massiven Westbau mit seinen zwei Türmen schließt sich eine weite dreischiffige Halle mit polygonaler Apsis, 17 Stützpfeilern und einem hohen Dach an, dessen Dachkante bei 15 Meter ansetzt. Ein Brand zerstörte 1635 den größten Teil der ursprünglichen Inneneinrichtung, was die Neugestaltung des Kirchenraumes in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts erforderte. Die Kirche besitzt eine reiche Ausstattung im Barockstil. Damit besitzt die St.-Johannis-Kirche eine kultur- und kunsthistorische Einmaligkeit, die sie auch über die Landesgrenzen von Sachsen-Anhalt hinaus bedeutsam macht. Im Chorraum steht ein Hochaltar, der von den Bildhauern Giegaß aus Magdeburg und Wilhelm Schorigus d. J. aus Braunschweig sowie dem Wittenberger Kunstmaler Schröder geschaffen wurde.

Ausstattung

In den einzelnen Stockwerken des rund 12 Meter hohen Hochaltars von 1665 werden wichtige Personen und Ereignisse der Heilsgeschichte dargestellt. Zu den größten Kostbarkeiten gehört die 1676[1] vom Hallenser Bildhauer Maximilian Dreißigmark gestaltete Barockkanzel, die auf einer vergoldeten Palme ruht. Tobias Wilhelmi schuf mit der Chorschranke ein auffallendes Schnitzwerk. Wertvolle Epitaphien erinnern an die einst einflussreichen Familien der Stadt.

Die Kirche besaß in früherer Zeit vier Bronzeglocken im Geläut. Die älteste Kirchenglocke, die vom Turm ihre Stimme erklingen ließ, wurde um 1275 gegossen, als es die so genannte Pfännerkirche noch gar nicht gab. Sie gehörte vormals zur Dorfkirche von Esterhusen. Mit der Baufälligkeit dieses Gotteshauses holte man sie in die neue Kirche.

1635, mitten in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, zerstörte ein Brand weitgehend die ursprüngliche Inneneinrichtung. Erhalten geblieben sind bis heute die beiden kleinen Schüleremporen und das wertvolle Altarkruzifix von 1550. Der Brand griff auch auf das Dach und die Türme über, sodass sogar die Glocken herunterstürzten. Erst 1646 konnte das Satteldach wieder aufgebracht und der Innenraum neu ausgestaltet werden. Die Orgel ist ein Werk von Wilhelm Rühlmann aus dem Jahr 1914 mit 45 Registern auf drei Manualen und Pedal.[2] Sie wurde im Jahr 2002 von W. Sauer Orgelbau Frankfurt (Oder) restauriert.[3]

Die Vorhalle mit Eingang besitzt einen sehr schönen Staffelgiebel in Backsteingotik. Heiligenfiguren und Ornamente bestimmen sein Aussehen. Besonders wertvoll ist über dem Eingangsportal das Kreuzigungsrelief mit seinem großen Symbolgehalt.

Türme

Eine Chronik berichtet, dass die Türme doppelt so hoch werden sollten, höher als die des Magdeburger Doms. Aber der Erzbischof aus Magdeburg soll sein Veto eingelegt haben. Die Türme durften danach höchstens halb so hoch werden wie die der Bischofskathedrale. So blieben sie auch lange unvollendet und erst später (um 1550) setzte man die Renaissancespitzen auf. Die Türme erhielten so eine Höhe von 52 Meter. In den Pyramiden befinden sich zum Teil sehr gut erhaltene Räume der ehemaligen Türmerwohnung, die bis zum Jahre 1901 von einem Turmwächter besetzt war. Dort wurde inzwischen ein kleines Turmmuseum eingerichtet. Im Sommerhalbjahr finden regelmäßig Turmbesteigungen statt, in denen man vom 41 Meter hoch gelegenen Rundgang die Stadt besichtigen kann.

Pfarrer an der St. Johannis

Weitere Informationen Name, Amtszeit ...
NameAmtszeit
Johann Wulschitz1538–?
Johann Meyer?–1561
Mattheus Johannes1562–1570
Lorenz Dunger1670–1571
Lorenz Matthes1571–1573
Johann Wecker1574–1580
Johannes Münchmeyer1580–1606
Erhard Hering1607
Christian Plochius1608–1621
Daniel Schibelius1621–1639
Petrus Wilhelmi1639–1641
Warsenhensch1646–1650
Heinricus Reinesius1643–1671
D. Heinrich Philipp Herrwardt1671–1674
Dr. Christian Seelmann1674–1675
Matthias Lange1675–1679
Jeremias Reichhelm1679–1685
David Büttner1685–1694
Paulus Simonis1694–1712
Joachim Franziskus Lehmgrübner1712–1724
Christian Krause1725–1733
Johann Siegmund Suske1733–1754
Wilhelm Gottlieb Pauli1754–1763
Eusebius Leberecht Güldenberg1763–1793
Heinrich Ludwig Theune1793–1835
Christian Dietrich Heinrich Matthias Koch1836–1862
Friedrich Wilhelm Grünwald1862–1892
Paul Hermann Joh. Manger1893–1896
Gustav Schultze1896–1912
Hugo Julius Waerlich1913–1940
Friedrich Otto Theodor Scholl1940–1955
Kurt Seiler1955–1979
Alfred Beuse1980–1996
Günther Schlegel1996–2005
Matthias Porzelle2005–2012
Jürgen Kohtz2012–2013
Götz Beyer2013–2020
Samuel Golling2021–
Schließen

Vom 1. September 2020 bis zum 30. September 2021 war die Pfarrstelle vakant.

Literatur

  • Joachim Freyer (Hrsg.): Kirchen des Landkreises Schönebeck. Calbe: Grafisches Centrum Cuno, 2004
  • Stadt Schönebeck (Hrsg.): 775 Jahre Schönebeck an der Elbe. Schönebeck: Druckerei Schlüter, 1997
  • Kreismuseum Schönebeck (Hrsg.): Baudenkmale im Kreis Schönebeck. Magdeburg: Druckerei Volksstimme Magdeburg, 1988

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI