Wikiwand AI

St. Katharina (Schwäbisch Hall)

Kirchengebäude in Schwäbisch Hall From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Evangelische Stadtpfarrkirche St. Katharina ist ein Sakralbau in der Langen Straße 38 in Schwäbisch Hall im Landkreis Schwäbisch Hall von Baden-Württemberg, der sich links des Kochers befindet. Die Kirchengemeinde gehörte bis Ende 2024 zum Kirchenbezirk Schwäbisch Hall und gehört seit 1. Januar 2025 zum neuen Kirchenbezirk Schwäbisch Hall-Gaildorf der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Bis 1404 war die Katharinenkirche Filiale von Westheim, bis 1526 stand sie unter dem Patronat des Klosters Murrhardt. 1405 wurde sie selbständige Pfarrkirche und kam mit der Reformation 1526 in den Besitz der Stadt Hall.

St. Katharina, Kirchturm.

Geschichte

Schon um 900 stand am Standort der heutigen Kirche ein flachgedeckter, einschiffiger Saalbau mit drei Apsiden.[1] Die neue Kirche wurde um 1240 von den Freiherren von Westheim gestiftet. Die Ostwand des alten Baus wurde abgerissen, ein Querschiff mit querrechteckigem Vierungsturm und halbrunder Apsis im Stil der Spätromanik errichtet. 1343 wurde die Apsis abgerissen und ein gotischer Chor gebaut. Gleichzeitig erhielt das Langhaus ein steileres Dach und große gotische Fenster. Um 1450 entstand der niederländische Hochaltar. Nach der Reformation wurden 1597 Emporen im Chor und Schiff eingebaut. 1570 wurde der Kirchturm mit Fachwerk erhöht, 1727 in massivem Stein mit zwei achteckigen Stockwerken mit Haubendach ausgebaut. 1859 wurden die mittelalterlichen Kunstdenkmäler in der Kirche unter dem Stadtpfarrer Heinrich Merz wiederhergestellt.

St. Katharina kurz vor 1896
Zustand nach Abschluss des Umbaus (1899)

1896 bis 1898 ließ der Stuttgarter Architekt Heinrich Dolmetsch das Langhaus abbrechen und durch ein wesentlich größeres neugotisches Kirchenschiff ersetzen, zwei Sakristeien anbauen sowie im Sinne neuer Funktionalität einen Konfirmandensaal angliedern. Die beiden unteren, noch aus dem 13. Jahrhundert stammenden Turmgeschosse über der Vierung wurden belassen, die beiden darüber liegenden, 1727 aufgesetzten Stockwerke wurden neu errichtet und dabei mit einem Umgang versehen und mit einem spitzen Turmhelm anstelle des barocken Haubendachs erhöht.[2] Der gotische Chor blieb unangetastet. Die Kirchhofmauern wurden eingerissen.

1961 wurde der Innenraum durch Dr. Eduard Krüger vollständig umgestaltet und mit einem hölzernen Tonnengewölbe versehen.[3.1] Dabei wurde in der Untersicht durch die Tieferlegung der flachen Seitenschiff-Decken vor die oberen Fensterpartien die Raumhelligkeit vermindert und mit der hölzernen Tonnendecke des Mittelschiffs leider das interessant aufgesprengte Gebälk der Decken- und Dachkonstruktion und deren bestens erhaltene Schmiedeeisen- und Farbgestaltung jeglicher Wahrnehmung vom Kirchenraum aus entzogen.

Ausstattung

Wandgemälde (1450)

Ein Wandgemälde aus der Zeit um 1450 hat sich an der nördlichen Ostwand des Langhauses (Chorbogenwand) erhalten – eine erzählende Darstellung aus dem Leidensweg Christi: Christus sitzt vor der Annagelung auf dem Kreuz und stützt sein Kinn in die linke Hand. Ein Henkersknecht macht sich am Kreuz zu schaffen. Zahlreiche Gaffer stehen herum. Das Gemälde wurde 1961 aufgedeckt und restauriert.[4] Andere Wandgemälde waren einer Restaurierung des Langhauses im Jahre 1844 zum Opfer gefallen, als die Chorbogenwand unbeschadet der alten Wandgemälde verputzt wurde. Das Gemälde konnte der Aktion entgehen, weil es bereits 1688 übertüncht worden war. Es wurde 1854 durch Pfarrer Heinrich Merz wiederentdeckt, der es durch den Maler Eberlein aus Stuttgart (Nürnberg) restaurieren ließ.[3.2]

Glas- und Tafelmalerei

Chorfenster

Spätgotische Scheiben: Zehn Glasbilder wurden 1900 im südlichen Chorfenster zusammengestellt.[5] Die zehn mittelalterlichen Glasmalereien aus der Zeit um 1340–50 bilden zwei stilistische Gruppen, die ursprünglich zu zwei verschiedenen Fenstern gehörten.

Die erste Gruppe umfasst acht Figuren, die auf blauem, in Rankenmustern damasziertem Grund in gelb getönten hochgotischen Arkaden stehen und seitlich von blauroten Bändern mit Lilienmustern eingefasst sind. Es handelt sich um sechs Figuren von Tugenden, die siegreich das Laster niedertreten, je durch ein Spruchband mit Namen bezeichnet, sowie die Hl. Dorothea und Margareta.

Die zweite Gruppe umfasst zwei Bilder: Die Hl. Katharina vor den Gelehrten von Alexandria und das Fegefeuer, beide in Medaillons auf gewürfeltem Grund.

Neugotische Verglasung: Der Stuttgarter Kirchenmaler Theodor Bauerle (1865–1914) entwarf in (neu)gotischem Malstil die 1898 eingebaute Farbverglasung der drei östlichen Chorfenster mit dem segnenden Christus in der Mitte und je zwei Evangelisten links und rechts. Auch ergänzte er im oberen Teil des Südfenster, im Couronnement, das Maßwerk durch Ornamente und schuf für die Westfenster-Rosette den „David“.

Tafelgemälde

Für die Stiftungen von vier großen Tafelgemälden arbeiteten die beiden Kunstmaler Theodor Bauerle und sein Vater Karl Wilhelm Bauerle zusammen: an zweien der Reformatorengemälde (Martin Luther, Philipp Melanchthon, Johannes Brenz und Michael Gräter (* um 1495, † 1562), Pfarrer an St. Katharina) malten sie gemeinsam.

Altäre

Im Chor der Kirche befindet sich der ursprüngliche Altar, ein Importstück aus den Niederlanden. Der Schrein und die Skulpturen entstanden um 1449 in Löwen in der Werkstatt des Willem Ards, die Gemälde der Flügel vor 1450–51 in Löwen.[6]

Im Sakralbau waren ursprünglich drei Altäre aus dem 14. Jahrhundert vorhanden, so der Marienaltar, der Erhardsaltar und der Johannisaltar, schließlich ein Annenaltar, vermutlich aus dem 15. Jahrhundert, die nicht erhalten sind.[7]

Ölbergszene (1470)

Ölbergszene

Die Ölbergszene befand sich einst an der Südwand der Sakristei, draußen vor der Kirche. 1843 sollte diese restlos entfernt werden, der Mesner konnte jedoch zuvor die Figuren – Johannes, Jakobus und Petrus sowie Jesus – in Sicherheit bringen. Sie wurden nach einer Restaurierung in der Kirche aufgestellt. 1898 wurden die Figuren durch den Maler Haffner gereinigt, die Farben wurden verbessert. Gottfried Schmidt malte „Jerusalem“ auf den Hintergrund. 1906 wurden der Himmel und die Kriegsknechte erneut durch Schmidt bemalt.[3.3]

Heiliges Grab (1470)

Mittelpunkt der Szene bildet der Leichnam Christi auf einer Tumba aus Stein, flankiert von den Grabwächtern bestehend aus den Figuren von Joseph und Nikodemus. An der Vorderwand der Tumba befinden sich zwei Kriegerfiguren. Im Hintergrund vier Figuren, Johannes, Maria, Maria Magdalena und eine dritte weibliche Figur.[3.4]

Kanzeln (1694/1695 u. 1898)

Die Kirche hatte ursprünglich eine alte Barockkanzel von 1694/1695, die 1898 durch die neugotische „Dolmetsch-Kanzel“ ersetzt wurde. Diese wurde von Georg Rößler aus Untermünkheim und Georg Lehnert von Gelbingen nach dem Entwurf von Dolmetsch geschaffen. 1961 wurde die neogotische Kanzel wieder durch die alte Barockkanzel, die zwischenzeitlich ausgelagert worden war, eingetauscht.[3.5]

Wandtabernakel (1420)

Statuette der hl. Katharina und Wandtabernakel.

Das mittelalterliche Wandtabernakel ist 252 cm hoch und 100 cm breit und ist stilistisch mit dem Wandtabernakel in St. Urban verwandt. Im Wimperg wird vollplastisch ein Engel dargestellt, der das Schweißtuch Veronikas hält.[3.6]

Taufstein (1450) und Taufdeckel (1694)

Der Taufstein ist dreizehneckig. Die Seiten sind als gotische Fenster mit Kielbogen und Kreuzblume ausgearbeitet. 1688 wurden Brustbilder von Jesus und den zwölf Jüngern aufgemalt.[3.7]

Literatur

  • Johannes Merz: Die Katharinenkirche in Schwäbisch Hall. In: Christliches Kunstblatt […], 40. Jg., Nr. 8/1898, S. 113–117.
  • Eugen Gradmann: Die Kunst- und Altertums-Denkmale der Stadt und des Oberamtes Schwäbisch-Hall. Paul Neff Verlag, Esslingen a. N. 1907, OCLC 31518382, S. 40–50 (Textarchiv – Internet Archive).
  • Eduard Krüger: Schwäbisch Hall. Ein Gang durch Geschichte und Kunst. 3. Auflage, neu bearbeitet von Fritz Arens und Gerd Wunder. Eppinger-Verlag, Schwäbisch Hall, 1982, S. 106–109.
  • Wolfgang Deutsch: Der Hochaltar der Haller Katharinenkirche. Geschichte und Herkunft. In: Württembergisch-Franken. Jahrbuch. Bd. 69, 1985, ISSN 0084-3067, S. 127–220.
  • Dagmar Zimdars u. a.: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Baden-Württemberg. Band 1: Die Regierungsbezirke Stuttgart und Karlsruhe. Deutscher Kunstverlag, München u. a. 1993, ISBN 3-422-03024-7, S. 684–685.
  • Von der Idylle zur Stadtkirche: 100 Jahre Dolmetschbau St. Katharina in Schwäbisch Hall. Festschrift anläßlich des 100. Jahrestages der Einweihung der durch den Baurat Dolmetsch umgebauten Katharinenkirche. (Hrsg.) Evangelische Kirchengemeinde St. Katharina; Schwäbisch Hall 1998.
  • Ulrich Gräf: Kirchen des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts in Württembergisch-Franken. In: Peter Schiffer (Hg.): Die Kirche im Dorf. Beiträge einer Arbeitstagung [...] und des Historischen Vereins für Württembergisch Franken; Sigmaringen 1998, S. 109–144 [Nr. 44].
  • Wolfgang Deutsch u. a.: Die Michaelskirche in Schwäbisch Hall. Ein Begleiter durch die mittelalterlichen Kirchen St. Michael, Urbanskirche und St. Katharina. 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Fink, Lindenberg 2004, ISBN 3-89870-075-5.
  • Hans Werner Hönes: Katharinenkirche Schwäbisch Hall. Epitaphe, Grabmale, Tafelgemälde, Gedenk- und Stiftertafeln. In: Württembergisch-Franken. Jahrbuch. Bd. 90/91, 2006/2007, S. 227–278.
  • Ellen Pietrus: Heinrich Dolmetsch. Die Kirchenrestaurierungen des württembergischen Baumeisters. Dissertation Universität Hannover 2003, veröffentlicht vom Regierungspräsidium Stuttgart, Landesamt für Denkmalpflege. In: Forschungen und Berichte der Bau- und Denkmalpflege in Baden-Württemberg, Band 13, Stuttgart 2008, S. 319–327.

Einzelnachweise

Related Articles