St. Kilian (Aschaffenburg)
Kirchengebäude in Aschaffenburg, Unterfranken, Bayern
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St. Kilian ist eine 1952/53 errichtete katholische Pfarrkirche im Aschaffenburger Stadtteil Nilkheim.



Geschichte
Laut ältestem christlichem Zeugnis weihte in der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts der Mainzer Bischof Rigibert die unter dem Priester Adalhuno erbaute und dem Hl. Dionysius von Paris gewidmete Kirche ein.[1][2] Im Markgräflerkrieg 1552 wurden Kapelle und umliegende Anwesen zerstört; 1577 erfolgten die Vereinigung mit der Muttergottespfarrei und der Abbruch der baufälligen Kapelle. Die heutige Kapelle, dem Hl. Kilian und seinen Gefährten geweiht, stammt von 1720. Als Stifterehepaar werden die Erbbeständer (Pächter) des Nilkheimer Hofgutes genannt, Johann Jacob und Maria Martha Morhard, deren Epitaphien in der Kapelle aufbewahrt werden. Der von zwei Säulen flankierte Barockaltar von 1731 stellt auf dem zentralen Gemälde die Heiligen Kilian, Kolonat und Totnan dar.
Kirchenbau
1932 entstanden durch Industrieansiedlungen die ersten Wohnhäuser für Mitarbeiter östlich der Hafenbahnlinie Richtung Aschaffenburg. Nach dem Zweiten Weltkrieg, am 15. September 1946, schuf dann der Würzburger Bischof Matthias Ehrenfried angesichts der anwachsenden Bevölkerung eine Expositurstelle; Expositus wurde der heimatvertriebene Priester des Deutschen Ordens, Pater Otto Maly (OTeut). Dieser fuhr jeweils zur alten Kilianskapelle, um den Einwohnern des neuen Stadtteils das Wort Gottes zu verkünden und mit ihnen die Hl. Messe zu feiern, verunglückte mit seinem Motorrad aber am 30. Mai 1952 kurz vor der Aschaffenburger Mainbrücke tödlich.
Bereits 1950 wurden die ersten Grundstücke zum Bau der neuen Kirche erworben. Die Planung verantwortete das Aschaffenburger Architekturbüro Grimm und Schmitt (später Goldhammer und Schmitt), den ersten Spatenstich machte am 26. Oktober 1952, einem Christkönigsfest, der am 28. Juni eingeführte neue Kuratus Ferdinand Scherpf.[3] Die Grundsteinlegung durch den Generalvikar des Bistums Würzburg, Vinzenz Fuchs, fand am 23. November 1952 statt. Am 25. Oktober 1953 wurde St. Kilian von dem Würzburger Bischof Julius Döpfner geweiht.

Die Kirche
Die 40 m lange und 16 m breite Kirche aus rotem und weißem Sandstein[4] mit abgerücktem, über eine Wandelhalle zugänglichem Glockenturm betritt man durch drei mit Kupferblech überzogene Türen. Über dem Portal befindet sich ein Mosaik mit den Frankenaposteln Kilian, Kolonat und Totnan des Bildhauers Hans König aus Trennfurt. Unter der Empore liegt links die Nische mit den Priestergräbern von Otto Maly und Ferdinand Scherpf, rechts die Werktagskapelle. Der Innenraum mit leicht eingezogenem Chor besitzt eine durchgehende Kassettendecke; über der Sakristei ist ein Sängerraum eingerichtet, der sich mit einem großen Fenster zum Altarraum hin öffnet. Das 8 m hohe und 5 m breite Altarbild, geschaffen aus 65.000 Sinterplättchen[5] und fein wie das Gewebe eines überdimensionalen Gobelins,[6] stellt Christus als guten Hirten dar. Oben rechts ist UT VITAM HABEANT zu lesen, zu deutsch „Ich bin gekommen – damit sie das Leben haben“ (Joh 10,1-10 EU). Auch Altartisch, Taufstein und Priestersitz aus dunklem unterfränkischem Muschelkalk wurden von Hans König hergestellt, zudem der Kreuzweg aus getriebenem Kupferblech mit seinen 60 auf 80 cm messenden Stationen. Der aus vergoldetem Messing gefertigte Tabernakel aus der Werkstatt des Würzburger Goldschmieds Josef Amberg trägt die Aufschrift SANCTA – SANCTIS, zu deutsch „das Heilige den Heiligen“.[7]
Nach Maßgabe des II. Vatikanischen Konzils wurde der Altarraum durch den Aschaffenburger Künstler Hermann Kröckel umgestaltet und mit Triumphkreuz, Tabernakelsäule und einer Bronzefigur des Hl. Kilian aus der Kunstgießerei Grundhöfer versehen.[8] Gleichfalls ein Werk Hermann Kröckels ist die Holzschnitzfigur der Muttergottes mit Kind.
Glocken
Im 28 m hohen Turm läuten vier in der Tonfolge des Te Deums gestimmte Glocken, die von Karl Czudnochowsky in der Erdinger Glockengießerei gegossen und am 5. Juli 1953 durch den Würzburger Domkapitular Johannes Kötzner feierlich geweiht wurden. Glocke 1: „Der Muttergottes“ oder Friedensglocke, e′, 17 Zentner; Glocke 2: „Dem Kostbaren Blute“, g′, 11 Zentner; Glocke 3: „Dem Heiligen Kilian“, a′, 7 Zentner; Glocke 4: „Dem Heiligen Gaspare del Bufalo“, c″, 4 Zentner.[4][9]
Orgel
Auf der Empore steht ein Werk des Plattlinger Orgelbauers Michael Weise von 1955. Das Kegelladen-Instrument verfügt über 26 Register auf zwei Manualen und Pedal und elektropneumatische Trakturen. Die Orgel mit dem von Alois Grimm entworfenen fünfteiligen Freipfeifenprospekt[10] besitzt folgende Disposition:
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- Koppeln: II/I, I/P, II/P
In der Kilianskapelle stand ein historisches Positiv mit folgender Disposition: Gedackt 8′, Flöte 4′, Principal 2′, Quinte 1 1⁄3′, Zimbel I 1⁄2′.[11]
Pfarrer
- (1954–1978) Ferdinand Andreas Scherpf, * 1. Dezember 1919 in Frankfurt am Main, am 21. April 1946 in Kufstein (Österreich) zum Priester geweiht, † 3. Oktober 1978 in Aschaffenburg, von 1952 bis 1954 Kuratus in Nilkheim.
- (1978–1987) Josef Otter, * 31. März 1944 in Haibach, am 29. Juni 1969 zum Priester geweiht, † 12. April 2006 in Aschaffenburg.
- (1987–1991) Gerd Eugen Goldhammer, * 1941 in Aschaffenburg, am 29. Juni 1968 zum Priester geweiht.
- (1991–2004) Richard Mechler, * 1934 in Kirchzell, am 13. März 1960 zum Priester geweiht.
- (seit 2005) Wolfgang Kempf, * 1962 in Aschaffenburg, am 20. Februar 1988 in Münsterschwarzach zum Priester geweiht.
Ein Schwank
Als nach dem ersten Spatenstich die Bauarbeiten begannen, stand für die vier Meter tiefe Baugrube, die für den Bau des Pfarrsaals auszuhebend war, nur ein kleines Baggerchen bereit. Kuratus Scherpf sagte: „Ja, wenn wir nur einen Bagger der amerikanischen Armee hätten.“ Die Antwort eines Bauarbeiters: „Do det isch halt emol froche.“ Der Kuratus ging nach telefonischer Anmeldung in die Kaserne, wo auch das nötige Arbeitsgerät stand, traute sich aber nicht, den Preis zu erfragen. Der Major Salomin lächelte: „Einen Bagger erhalten Sie für Ihre Kirche und der kostet nichts.“ Am nächsten Tag rollte ein schwerer Bagger über die Mainbrücke und die Großostheimer Straße entlang bis zur Baustelle.[12]