St. Marien (Essen-Nordviertel)
Kirchengebäude im Essener Nordviertel (hier damals Segeroth)
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St. Marien war ein römisch-katholisches Kirchengebäude im Essener Nordviertel (hier damals Segeroth). Das erste Gotteshaus aus dem Jahr 1891 wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und 1959 durch einen Neubau ersetzt. Dieser wurde 2008 profaniert und 2017 niedergelegt.

Geschichte
Erster Kirchbau
Die erste St.-Marienkirche wurde 1891 als Filialkirche von St. Gertrud im ehemaligen Essener Arbeiterviertel Segeroth fertiggestellt. Es war ein im neugotischen Stil errichteter Backstein-Kirchbau nach Plänen des Architekten W. Linnemann. Die festliche Grundsteinlegung fand am 13. April 1890 durch Weihbischof Anton Fischer statt. In einem Festzug wurde der von Kränzen umgebene Grundstein auf einer Trage geführt. Anwesend waren unter anderem Oberbürgermeister Erich Zweigert und Mitglieder des Kirchenvorstands und der Gemeindevertretung von St. Gertrud, darunter Pfarrer Peter Beising. Den Bauplatz säumte eine Menschenmenge. In den Grundstein wurde eine in Latein gefasste Urkunde gelegt. Die Kirche wurde der Jungfrau Maria geweiht.[1] Am 16. Juni 1891 ereignete sich auf der Baustelle ein tödlicher Arbeitsunfall, als ein Dachdeckergehilfe mit einer Leiter auf dem Dach wegrutschte und zu Boden fiel.[2] Nachdem am 23. Juli 1891 das sechs Meter hohe Metallkreuz auf dem 68 Meter hohen Kirchturm angebracht worden war, wurde am 26. Juli des Jahres das Richtfest gefeiert.[3][4] Die Kirchweihe erfolgte am 15. November 1891 durch Weihbischof Anton Fischer. Damit übergab er die Kirche ihrer Bestimmung. Im Innern gab es einen Hochaltar und zwei Nebenaltäre, in die der Weihbischof Reliquien der Hl. Gebrüder Ewaldi, der Hl. Ursula und des Hl. Gereon legte.[5]
Im Jahr 1903 wurde die Pfarrei St. Marien unter der Abtrennung von der Gemeinde St. Gertrud gegründet.[6] Im Zweiten Weltkrieg im Jahr 1943 wurde das Kirchenschiff durch Fliegerbomben der Alliierten zerstört und der stehengebliebene Kirchturm beschädigt.
Orgel
Die 12.000 Mark teure Orgel der Firma Sauer in Frankfurt an der Oder spendeten die Erben der Essener Unternehmerfamilie Piekenbrock. Bei dem unten geschilderten Glockenabsturz vom 4. Juni 1899 wurde sie derart schwer beschädigt, dass der Kirchenvorstand von St. Gertrud die Beschaffung einer neuen Orgel beschloss. Diese wurde wieder an die Firma Sauer in Auftrag gegeben. Am 2. Dezember 1899 wurde sie durch den Domkapellmeister Karl Cohen aus Köln abgenommen. Für die Orgel wurde die Orgelbühne erweitert, so dass die Orgel sich nicht mehr im Raum des Turms befand, was auch akustische Vorteile hatte.[7]
Glocken
Im Kirchturm befanden sich drei Glocken. Sie trafen am 5. November 1891 von der Glockengießerei Otto aus Bremen in St. Gertrud ein. Hier wurden sie drei Tage später durch Pfarrer Peter Beising geweiht. Am 9. November des Jahres wurden die Glocken mit den Tönen d, f und g in einem feierlichen Zug von St. Gertrud zur Marienkirche überführt. Am Vorabend der Kirchweihe, am 14. November 1891, wurden sie zur Ankündigung dieser erstmals im Turm von St. Marien geläutet.[8]
- Die große Glocke war 30 Zentner schwer und der Mutter Gottes geweiht. Sie trug den Spruch: Mit ehernem Mund, Thu laut ich kund, Der reinsten Jungfrau, Lob und Preis, Drum Maria ich heiß.
- Die mittlere Glocke war 18,5 Zentner schwer und dem hl. Joseph geweiht. Sie trug den Spruch: Den Namen Joseph trag´ ich, Die frommen Beter ruf´ ich, Von nah und weit, Zu oben den Herr Der Ewigkeit.
- Die kleine Glocke war 13 Zentner schwer und dem hl. Petrus geweiht. Sie trug den Spruch: Petrus´ Namen trag´ ich, Dank dem Pfarrer sag´ ich, Der zu Mariä Ehren, Und um der Seelen Heil zu mehren, In Gertrudispfarre (auf der Freistadt), Dies zweite Gotteshaus erbaut hat.
Am 4. Juni 1899 stürzten zwei Glocken aus dem Glockenstuhl ab, ohne Personenschaden. Grund waren durch Vibrationen beim Läuten gelöste, nicht gesicherte Muttern von Lagerschrauben. Trotz einer Falltiefe von 17 Metern wurden beide Glocken kaum beschädigt, denn eine verklemmte sich im Gebälk und die andere landete, nachdem sie zwei Fußböden und ein Schwemmsteingewölbe durchschlagen hatte, auf dem weichen Gebläse der Orgel. Die Gewölbetrümmer jedoch zerschlugen das Orgelwerk. Der alte, eiserne Glockenstuhl wurde vollständig demontiert, umgebaut und verstärkt. Im Januar des Jahres 1900 waren alle drei Glocken wieder aufgehängt und betriebsbereit. Neue Wälzlager erleichterten nun das Läuten. So konnte die große Glocke nun von einer Person geläutet werden, wo zuvor vier nötig waren.[7]
Nachkriegskirchbau
Die Nachkriegskirche wurde in den Jahren 1957 bis 1959 nach Plänen des Architekten Fritz Schaller erbaut. Dazu erhielt die kleine Stichstraße An St. Marien am 2. Juli 1958 ihren Namen.[6] Der teils erhaltene Stumpf des Westturms der alten Kirche wurde in die neue integriert und erhielt einen neuen Helm. Anstelle des einstigen neugotischen Langhauses entstand eine schlichte und funktionale Saalkirche.
Die Filialkirche, die zuletzt zur Pfarrgemeinde St. Gertrud gehörte, wurde im Jahr 2008 profaniert. Dazu fand der letzte Gottesdienst am 10. Februar 2008 statt.[9] Darauf folgte 2017 der Abriss des Kirchsaals, um auf dem freigewordenen Gelände Wohnungen zu errichten. Der Kirchturm blieb erhalten.[10]
Glocken
Im Jahr 1987 erhielt die Marienkirche vier neue Bronzeglocken aus der Glockengießerei Mabilon in Saarburg.[11]
| Nr. | Name | Durchmesser | Gewicht | Schlagton |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Maria | 1040 mm | 660 kg | g′+3 |
| 2 | Josef | 800 mm | 330 kg | h′+3 |
| 3 | Matthias | 670 mm | 200 kg | d′+4 |
| 4 | Elisabeth | 600 mm | 135 kg | e′+4 |