St. Martin (Kellmünz)

Kirchengebäude in Kellmünz From Wikipedia, the free encyclopedia

St. Martin ist eine katholische Pfarrkirche[1] im mittelschwäbischen Kellmünz an der Iller im bayerischen Landkreis Neu-Ulm. Sie gehört zur Pfarreiengemeinschaft Altenstadt (Iller) und zum Bistum Augsburg.

Kirche St. Martin in Kellmünz

Lage

Die Kirche liegt an der Südostecke des ehemaligen spätrömischen Castrums Caelius Mons auf einer etwa 35 Meter hohen Anhöhe oberhalb des Illertals, ungefähr in der Mitte des Ortes.

Geschichte

Eine Kirche ist in Kellmünz auf dem Platz einer ehemaligen spätrömischen Aula spätestens im 8. Jahrhundert nach Christus entstanden, aus welcher Zeit auch ein alemannisches[2] Terrakottarelief erhalten ist. Im Außenbereich um die geostete Kirche wurden die Fundamente der nach Süden orientierten früheren römischen Aula durch eine farbige Pflasterung sichtbar gemacht.

Der untere Teil des Turms dürfte noch aus dem spätmittelalterlichen Bau stammen, der dem ersten folgte. Eine genaue Datierung konnte bisher noch nicht vorgenommen werden. Die äußere Gliederung des Turms weist allerdings auf die Zeit um 1620.[3] Zur selben Zeit ließen die Freiherren von Rechberg die Kirche völlig neu erbauen. Die Kirche stammt im Wesentlichen aus dieser Zeit und gehört einer Gruppe von Kirchen desselben Bautyps an, die im 17. Jahrhundert im Illergebiet gebaut wurden.

In späterer Zeit wurde die Kirche barock ausgestattet. Diese Ausstattung ging mit der kompletten Innenraumerneuerung im Jahre 1875 verloren, als die Kirche neuromanisch eingerichtet wurde. In den Jahren 1917 und 1918 wurden die Fresken der Kirche von Oswald Völkel neu gemalt. Eine jüngste Außenrestaurierung wurde 2010 vorgenommen.

Ausstattung

Seitenaltäre

Die drei neoromanischen Seitenaltäre sind einheitlich gestaltet, architektonisch streng gegliedert, und die figürlichen Darstellungen sind ganz auf die im Zentrum stehenden Heiligen konzentriert. Die Front der Altarmensen ist jeweils in dekorative Felder gegliedert, teils mit kleinen Säulen; das Zentrum bildet immer ein ornamental verziertes griechisches Kreuz als goldglänzendes Relief auf goldenem Grund. Die Altarretabel, die sich über den Mensen erheben, sind jeweils in eine Predella und (darüber) eine beiderseits von je zwei Säulen eingefasste Hauptzone gegliedert. Das auf den Säulen aufliegende Gebälk trägt einen nach oben abschließenden Rundbogen, dem ein kreisförmiges Feld mit einer zentralen Rosette aufgesetzt ist. Darüber folgt durchbrochen geschnitztes, in Goldfarbe gefasstes Blattrankenwerk, das zuoberst und an den Seiten jeweils in eine Palmette ausläuft.[4] Hinter der oberen Palmette ragt ein schlanker Sockel auf, der ein ebenfalls golden gefasstes Kreuz trägt. Vor der Predella stehen jeweils fünfteilige Altargarnituren: vier Altarleuchter und das Altarkreuz. Das Kreuz bildet also die Mitte der Mensa, die Mitte vor der Predella und die Bekrönung des gesamten Altars.

Der linke Seitenaltar ist dem Kirchenpatron gewidmet. Das Altarblatt zeigt auf einer Wolke stehend den heiligen Martin von Tours in bischöflichem Ornat und mit Segensgestus. Zu seinen Füßen kniet ein Engel und hält den Reitermantel, den der Heilige mit dem Bettler geteilt hatte. Unter der Wolke ist eine Ansicht von Kellmünz dargestellt, der Ortschaft, die sich dem Heiligen als Fürsprecher empfiehlt.

Der rechte Seitenaltar gilt der Verehrung der Gottesmutter Maria. Sie ist im Altarblatt als Himmelskönigin auf einer Wolke thronend dargestellt, die auf dem linken Arm den Jesusknaben trägt und mit der rechten Hand dem unterhalb knienden heiligen Simon Stock das Skapulier spendet. Diese spezielle Darstellung wurde gewählt, da in der Pfarrei eine Skapulierbruderschaft bestand und das Skapulier- und Liebesbundfest besonders gefeiert wurde, jeweils am Montag nach dem Seelensonntag.[5]

An den vorderen Teil des Langhauses schließt sich rechts eine geräumige Seitenkapelle oder ein (verkürztes) Seitenschiff an. Dort stand für den Altar in der Breite mehr Raum zur Verfügung. Daher ist dieser Altar etwas reicher gestaltet. Das Altarkreuz steht nicht nur vor der Predella, sondern (wie die Monstranz mit dem zur sakramentalen Anbetung ausgesetzten Allerheiligsten) in einem Expositorium. Darauf bezogen sind die links und rechts in der Predella dargestellten, anbetend knienden Engel. Oben auf dem Expositorium steht in würdevoller Haltung das Jesuskind, im linken Arm ein großes Kreuz haltend und die rechte Hand im Segensgestus erhoben. Flankiert wird das Jesuskind von zwei Kerzenhalter-Engeln. Direkt hinter dem Jesuskind, im Zentrum der Hauptzone des Retabels steht – hier als geschnitzte Skulptur – sein Nährvater, der heilige Joseph. Im Unterschied zu den beiden Langhaus-Seitenaltären stehen seitlich noch zwei Assistenzfiguren auf Konsolen: die heiligen Ulrich und Afra, Patrone des Bistums Augsburg, zu dem die Pfarrei gehört. Möglicherweise steht die Gestaltung des Josephsaltars mit der herausgehobenen Darstellung des Jesuskinds in Beziehung zu dem Kindheit-Jesu-Verein, der ebenfalls in der Pfarrei bestand.[5]

Deckenfresken

Das östliche Fresko im Langhaus stellt Maria als Patrona Bavariae dar. Maria sitzt mit dem Jesuskind unter einem braunen Baldachin auf einem Thron. Sie ist als Königin dargestellt und hält ein Zepter in der linken Hand. Marias blaues Gewand stellt einen Bezug zu den drei offenen Rundbogenfenstern vor dem blauen Himmel dar. In der Rückenlehne des Thrones sind die Wappen der acht Landesteile des 1918 untergegangenen Königreiches eingearbeitet.

Auf der linken Seite kniet vor dem Thron Papst Benedikt XV., die Hände zum Gebet gefaltet. Auf der rechten Seite kniet Ludwig III. von Bayern, der letzte König des Königreichs Bayern. Ein höfisch gekleideter Page hält den Umhang des Königs. Papst und König haben die Krone und Tiara, Insignien ihrer Macht, auf die Stufen des Throns gelegt. Hinter dem Papst steht Maximilian Ritter von Lingg, der 78. Bischof von Augsburg; er hält den Krummstab in der Hand und hat die Mitra zum Zeichen der Demut vor Maria wie Papst und König abgenommen. Neben dem Bischof steht in schwarzer Soutane der damalige Ortsgeistliche von Kellmünz, Pfarrer Grohe. Des Weiteren sind ein Mönch mit einem Buch in der Hand und eine Nonne abgebildet.

Auf der rechten Seite sind Personen des weltlichen Lebens dargestellt: Ein Bauer mit Ährengarbe, rechts von ihm ein Handwerker mit Hammer. Unmittelbar anschließend folgt ein Soldat in der Uniform des Infanteristen mit der Rautenfahne des Königreiches. Vor dem Thron kniet andächtig mit gefalteten Händen ein Ehepaar in der Kleidung der damaligen Zeit.

Das Fresko bildet die Ständegesellschaft des Königreiches Bayern in schwerer Kriegszeit ab, kurz bevor Bayern 1918 zum Freistaat ausgerufen wurde und zur Republik von Weimar gehörte. Der Bauer, Handwerker, Soldat und die hinter dem König knienden Eheleute waren alle Einwohner von Kellmünz, deren Nachkommen teilweise noch heute in der Ortschaft ansässig sind.

Orgel

Die Orgel in St. Martin

Die Orgel der Martins-Kirche befindet sich im oberen Geschoss der zweistöckigen Empore.

Literatur

Einzelnachweise

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