St. Martin (Lingenfeld)
Kirchengebäude in Lingenfeld
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Die römisch-katholische Kirche St. Martin in der Ortsgemeinde Lingenfeld steht an der örtlichen Kirchstraße im Kreis Germersheim (Rheinland-Pfalz). Sie gehört zur Germersheimer Pfarrei Seliger Paul Josef Nardini und damit zum Dekanat Germersheim im Bistum Speyer. Gelegentlich wird sie in Anlehnung an den lateinischen Namen ihres Schutzpatrons Martin von Tours (lat. Martinus) auch als St. Martinus bezeichnet. Das Kirchengebäude steht unter Denkmalschutz.
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| Basisdaten | |
|---|---|
| Konfession | römisch-katholisch |
| Ort | Lingenfeld, Deutschland |
| Diözese | Bistum Speyer |
| Patrozinium | St. Martin |
| Baugeschichte | |
| Architekt | August Voit |
| Bauzeit | 1837–1840 |
| Baubeschreibung | |
| Einweihung | 25. Oktober 1840 |
| Baustil | Neoromanik |
| Bautyp | Saalkirche |
| 49° 14′ 56,6″ N, 8° 20′ 27,8″ O | |

Geschichte
Im Jahr 1754 wurde von der politischen Gemeinde ein Kirchenneubau beschlossen, da die bisherige Kirche kaum ausreichend Platz für die Gläubigen bot und infolge mangelnder Unterhaltung während der Französischen Revolution in einem sehr schlechten Zustand war. Nachdem an Pfingsten des Jahres 1836 schließlich der Klöppel der großen Kirchenglocke auf das morsche Holzdach der Kirche stürzte, wurde sie 1837 abgebrochen.
Die Pläne für die neue Kirche wurden auf Bitten des Gemeinderates von August Voit entworfen. Diese Pläne wurden am 18. Oktober 1836 der Regierung in Speyer vorgelegt, sie wurden am 23. Februar 1837 vom bayerischen Innenministerium genehmigt. Die Bauleitung wurde anschließend ebenfalls von Voit übernommen. Bis Ende 1838 wurde der Rohbau fertiggestellt, die Fertigstellung der Innenausstattung erfolgte bis Mitte Juni 1840. Während der Bauphase wurde die Kirche zweimal vom Bayrischen König Ludwig I. besucht. Am 25. Oktober 1840 wurde die Kirche von dem Speyerer Bischof und späterem Kardinal Johannes von Geissel geweiht. Bereits seit dem Mittelalter trugen die Lingenfelder Kirchen das Patrozinium des heiligen Martin, sodass auch diese Kirche unter dessen Schutzherrschaft gestellt wurde.
In den 1930er Jahren mussten Veränderungen an der Statik des Kirchengebäudes vorgenommen werden, da sich das Gewölbe als zu schwer für die Seitenmauern und Pfeiler herausstellte und diese dem Druck nachzugeben begannen. Durch das Einziehen vierer Anker, dreifaches Binden der Pfeiler mit der Außenwand sowie das Verstärken der Dachbinder konnte es statisch gesichert werden.
Im Zweiten Weltkrieg blieb die Kirche größtenteils erhalten, lediglich der Kirchturm wurde leicht beschädigt. Innenrenovierungen erfolgten 1984 und 2007. Im Jahr 2009 wurde eine grundlegende Außenrenovierung vorgenommen. Seit April 2007 wird in der Kirche auch ein neues Geläut verwendet.
Beschreibung
Das Kirchengebäude ist ein nach Westen ausgerichteter Saalbau im neoromanischen Stil. Er verfügt über gruppierte Fenster, eine Rundapsis sowie einen verkleideten Kirchturm.
Der Innenraum wird von einem Rippengewölbe überspannt. Die gewölbte Decke des Chors ist mit einer Ausmalung versehen. Bei einigen Fenstern des Kirchenschiffs handelt es sich um Buntglasfenster. Auch der Chor beherbergt drei buntverglaste Fenster. Neben dem Hochaltar sind zwei Seitenaltäre vorhanden. Der rechte Seitenaltar wurde von dem Speyerer Kunstschreiner Nicolaus Dreher geschaffen, der auch das Gehäuse der ersten Orgel für die Kirche konstruierte. Dessen Altarbild stammt vom Bayerischen Historienmaler Joseph Schlotthauer und zeigt die Mantelspende des St. Martin.[1]
An der Kirche steht eine Mariensäule, die eine Madonna mit Kind zeigt. Sie wurde im 20. Jahrhundert auf Initiative des Geistlichen Marianus-Ernst-Ackermann errichtet, der in russischer Kriegsgefangenschaft ein Gelübde zum Bau der Säule ablegte. Ursprünglich stand sie auf dem Rathausvorplatz.[2] Auch steht ein Weihwasserkessel im Außenbereich, der sogenannte St.-Martinus-Napf. Im Januar 2026 wurde dessen Kupferdeckel von Metalldieben entwendet, was einen Schaden i. H. v. 3.000 Euro verursachte.[3]
- Blick auf die Apsis
- Chor
- Kanzel
- Mariensäule
- St.-Martinus-Napf
Orgel

Die erste Orgel für die neue Kirche wurde im Jahr 1841 von H. Voit & Söhne gebaut. Das Gehäuse wurde von August von Voit als Architekt der Kirche entworfen und von Nicolaus Dreher aus Speyer konstruiert. Im Jahr 1907 wurde sie von Link Orgelbau unter Wiederverwendung des alten Gehäuses ersetzt.
Wolfgang Scherpf baute die heutige Orgel mit mechanischer Spiel- und elektrischer Registertraktur im Jahr 1962. Sie hat 30 Register auf drei Manualen und Pedal. Alle Windladen sind als Schleifladen ausgeführt. Die Disposition lautet:[4]
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Anmerkungen
- horizontal
- Koppeln: II/I, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P
Geläut
Im Jahr 1728 ist die Weihe einer 400 Pfund schweren Kirchenglocke überliefert, die dem Apostel Matthäus sowie den Heiligen Josef von Nazaret und Martin von Tours geweiht war. Am 10. August 1787 wurden zwei weitere und in Heidelberg gegossene Glocken geweiht. Peter Lindemann aus Zweibrücken goss die Glocken 1840 in ein neues Geläut für die neu errichtete Kirche um. Die neuen Glocken kosteten die Pfarrgemeinde 2.764 Gulden und 14 Kreuzer. Im August 1917 mussten die Glocken als „Metallspende des deutschen Volkes“ abgeliefert werden. Die Firma Ulrich aus Kempten ersetzte das Geläut; es wurde 1924 vom Speyerer Bischof Ludwig Sebastian geweiht. Sie erklang auch zu Zwecken der Protestanten und der Kommune, da sie aus Mitteln der politischen Gemeinde beschafft wurde. Am 21. März 1942 wurden die beiden größeren Glocken abermals abgehängt und für den Kriegsbedarf eingeschmolzen.
Am 14. September 1949 weihte der Bischof Joseph Wendel das neue Geläut, welches aus der nicht abgehängten, kleinen Bronzeglocke und drei vom Bochumer Verein gegossenen Gussstahlglocken bestand. Es wurde aus Spenden finanziert; für die kleine Glocken wurde eigens ein Glockenstuhl in der Spitze des Turms angefertigt.
Das heutige Geläut wurde im Jahr 2007 im Zuge einer umfangreichen Kirchenrenovierung aufgehängt. Drei neue Bronzeglocken ersetzen die Gussstahlglocken aus der Nachkriegszeit. Es lautet:[5]
| Nr. | Gussjahr | Gießer, Gussort | Masse (kg, ca.) |
Schlagton |
|---|---|---|---|---|
| 1 | 2005 | Glockengießerei Bachert, Karlsruhe | es1 | |
| 2 | f1 | |||
| 3 | g1 | |||
| 4 | 1924 | Firma Ulrich, Kempten | 381 | h1 |
| Nr. | Name | Masse (kg, ca.) |
Schlagton |
|---|---|---|---|
| 1 | Herz-Jesu-Glocke | 1.990 | e1 |
| 2 | Herz-Mariä-Glocke | 1.245 | g1 |
| 3 | St.-Joseph-Glocke | 860 | a1 |
| 4 | Martinusglocke (Bronzeglocke von 1924) | 381 | h1 |
| Nr. | Name | Masse (kg, ca.) |
Schlagton |
|---|---|---|---|
| 1 | Zu Ehren des Herzen Jesu | 1.513 | e1 |
| 2 | Mutter Gottes | 845 | g1 |
| 3 | Martinus | 381 | h1 |
Literatur
- Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler. Kreis Germersheim. 6. November 2024 (rlp.de [PDF; abgerufen am 13. Januar 2025]).
- Hans Caspary (Bearb.): Dehio-Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Rheinland-Pfalz, Saarland. 2., bearbeitete und erweiterte Auflage. Deutscher Kunstverlag, Berlin / München 1984, ISBN 3-422-00382-7, S. 561.
Weblinks
- St. Martinus Lingenfeld. In: Webauftritt der Pfarrei Germersheim.
- Geläutepräsentation auf YouTube, 17. November 2018.