St. Martin (Ottersheim bei Landau)

Kirchengebäude in Ottersheim From Wikipedia, the free encyclopedia

Die denkmalgeschützte Kirche St. Martin in Ottersheim bei Landau ist das Kirchengebäude der gleichnamigen römisch-katholischen Kirchengemeinde. Sie gehört zur Bellheimer Pfarrei Heilige Hildegard von Bingen im Bistum Speyer. Gelegentlich wird sie in Anlehnung an den lateinischen Namen ihres Schutzpatrons Martin von Tours (lat. Martinus) auch als St. Martinus bezeichnet.

Schnelle Fakten Basisdaten, Baugeschichte ...
St. Martin
Basisdaten
Konfession römisch-katholisch
Ort Ottersheim bei Landau, Deutschland
Diözese Bistum Speyer
Patrozinium St. Martin
Baugeschichte
Fertigstellung1618 (Saal)
1680er (Turm)
Baubeschreibung
Bautyp Saalkirche
Koordinaten 49° 11′ 28,5″ N,  13′ 47,5″ O
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Motiv: Innenansichten; z. B. Figuren und Glasmalereien

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BW
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Motiv: Bruder-Konrad-Skulptur und Mariengrotte im Außenbereich

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Lage

Das Kirchengebäude liegt im historischen Kern von Ottersheim an der Germersheimer Straße 1, wo ebendiese in die Lange Straße mündet. Unmittelbar vor der Kirche liegt das historische Rathaus. Das Gebäude wird von einem Kirchhof umgeben.

Geschichte

Bereits vor Errichtung des heutigen Kirchengebäudes waren mehrere Vorgängerbauten in Ottersheim vorhanden. So weist das Güterverzeichnis des Klosters Weißenburg um das Jahr 808 eine Holzkirche in Ottersheim aus. Das Zisterzienserkloster Eußerthal verzeichnet später, dass die Kirche „ziemlich baufällig“ sei und die Bevölkerung nicht mehr fassen könne. Ein Neubau wurde schließlich 1618 durch den Kurfürsten der Pfalz in Heidelberg beschlossen, da dieser als größter Zehntempfänger hierfür verantwortlich war.

Im selben Jahr wurde die heutige Kirche als Gotteshaus der Protestanten errichtet. Seit 1626 ist die Gemeinde wieder katholisch. Zwischen 1685 und 1689 wurde der Saal renoviert und der heutige Kirchturm erbaut. Ihre heutige Form erhielt das Gebäude durch eine Erweiterung nach Westen im Jahr 1789. In diesem Zusammenhang wurde u. a. die nördliche Sakristei und die Rundapsis erbaut. Die südliche Sakristei wurde 1910 errichtet. In diesem Zuge wurde zwischen 1908 und 1912 eine umfangreiche Renovierung des Kirchengebäudes vorgenommen und das Innere von Otto Fußhöller aus Landau neu ausgemalt.

In den Jahren 1971 bis 1983 und 1997 bis 2013 wurde die Kirche in mehreren Phasen restauriert. Teil der Restaurierung war die Rekonstruktion der Innenausmalung des 19. Jahrhunderts und eine Neugestaltung des Chors.

Beschreibung

Bei dem Kirchengebäude handelt es sich um einen nach Westen gerichteten Saalbau. Der Kirchturm im Osten kann mit seinen 44,5 Metern Höhe als nachgotisch klassifiziert werden und stellte vor dem Umbau des Gebäudes einen Chorturm dar. Sein schiefergedeckter Knickhelm trägt einen Erdball mit Wetterhahn. Das Haupteingangsportal der Kirche führt durch den Turm in den Saal. Der Chorraum ist aufwendig ausgemalt, die Ausmalungen werden auf das Ende des 19. Jahrhunderts datiert.

Im Kirchhof steht ein ehemaliges Friedhofskreuz („Chronistichon“), das eine Kreuzigung zeigt. Auf dem Sockel, zu Füßen des Kreuzes, ist eine Adam-und-Eva-Gruppe aufgestellt. Das Kreuz ist mit 1747 bezeichnet. Die Kreuzigungsgruppe sollte ab 2021 für rund 5.000 € im Zuge des Neubaus eines Pfarrheims in einen anderen Teil des Kirchhofs versetzt werden.[1] Außerdem gibt es im Außenbereich eine Skulptur des Konrad von Parzham („Bruder Konrad“) und eine ca. 2 m hohe Lourdes-Grotte aus den frühen 1990er Jahren.[2]

Innenausstattung

Die Ausstattung des 19. Jahrhunderts ist kaum erhalten. Der ehemalige Hochaltar von 1842 und die beiden Seitenaltäre von 1853 wurden 1912 nach Mörlheim gegeben. Auch die damals neu beschafften Altäre sind nicht mehr erhalten. Der heutige Altar besteht aus Stein und ist schlicht gehalten. Dessen freistehende Mensa trägt einen zylindrischen Aufbau. Er stammt, wie der Ambo, aus 1961. Besonders ist das restaurierte Taufbecken, das mit dem Jahr 1629 bezeichnet ist.

Auf einer Wandkonsole über den Kreuzwegstationen steht eine Figur des Kirchenpatrons. Darüber hinaus gibt es eine Figur der Maria mit Kind. 1896 erhielt die Kirche durch eine Stiftung Glasmalereien aus der Speyerer Werkstatt Weißenrieder. Von diesen sind noch die figürlichen Darstellungen, etwa von dem heiligen Nikolaus von Myra, erhalten.

Orgel

Zimnol-Orgel
Spieltisch

Die Vorgängerorgel wurde 1911 von A. Poppe & Sohn mit pneumatischen Trakturen gebaut. Sie verfügte über 18 Register und als Membranladen ausgeführte Windladen.

1966 wurde sie von Paul Zimnol abgebrochen und durch ein neues Instrument ersetzt. Die heute Orgel verfügt über 19 Register auf zwei Manualen und Pedal. Alle Windladen sind als Schleifladen ausgeführt. Ihre Spieltraktur ist mechanisch, die Registertraktur elektrisch. Im Jahr 1984 wurde das Register Spitzgedackt 8′ auf dem Hauptwerk durch ein Salizional 8′ ersetzt. Die Disposition lautet:[3]

I Hauptwerk C–g3
Prinzipal08′
Salizional08′
Oktave04′
Quintade04′
Waldflöte02′
Cornett III–V08′
Mixtur IV113
Horntrompete08′
Tremulant
II Rückpositiv C–g3
Gedackt08′
Holzflöte04′
Quinte223
Prinzipal02′
Terz135
Zimbel III–IV01′
Tremulant
Pedal C–f1
Subbass16′
Prinzipalbass16′
Choralbass04′
Rauschpfeife IV
Fagott16′

Glocken

Erstmals sind 1747 urkundlich Kirchenglocken in Ottersheim belegt. Bis auf eine, sind sie während der Französischen Revolution verloren gegangen. In den Jahren 1816 und 1821 erwarb die politische Gemeinde zwei neue Glocken für die Kirche. Da man mit diesen jedoch nicht zufrieden war, ließ man 1865 ein vollständig neues Geläut aus drei Bronzeglocken im Kirchturm aufhängen. Zwei der drei Glocken wurden schließlich im Ersten Weltkrieg für den Kriegsbedarf eingeschmolzen. Im Jahr 1921 konnte dann das heutige Geläut aus drei Gussstahlglocken beim Bochumer Verein bestellt werden; die Aufhängung konnte 1924 erfolgen.[4]

Galerie

Literatur

Commons: St. Martin (Ottersheim) – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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