St. Norbert (Friedland)
Kirchengebäude in Friedland, einer Gemeinde im Landkreis Göttingen in Niedersachsen
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Die Kirche Sankt Norbert ist die katholische Kirche in Friedland, einer Gemeinde im Landkreis Göttingen in Niedersachsen. Die nach dem heiligen Norbert von Xanten benannte Kirche gehört zur Pfarrei Maria Frieden mit Sitz in Göttingen-Geismar, im Dekanat Göttingen des Bistums Hildesheim. Das Gebäude befindet sich im Grenzdurchgangslager Friedland und hat die Adresse St.-Norbert-Platz 4.

Geschichte
In den 1540er Jahren setzte Herzogin Elisabeth von Brandenburg (1510–1558) im Fürstentum Calenberg die Reformation durch, womit die Bevölkerung und die Kirche von Friedland protestantisch wurden.
Wenige Monate nach Ende des Zweiten Weltkriegs, im September 1945, wurde das Grenzdurchgangslager Friedland eröffnet, in dem in den folgenden Jahren Hunderttausende Heimkehrer aus der Kriegsgefangenschaft ankamen. Zunächst versahen Geistliche der St.-Paulus-Kirche in Göttingen die katholische Seelsorge im Lager. Im November 1945 nahm eine Stelle des Deutschen Caritasverbandes ihre Arbeit in Friedland auf.[1] 1946 war Pater Johannes Leppich als erster katholischer Lagerpfarrer im Lager tätig. In diesem Jahr wurde in einer Nissenhütte eine katholische Lagerkapelle eingerichtet, die bis 1950 bestand. Ab 1947/48 folgte Josef Krahe (1914–2005) als Lagerpfarrer, unter dem es ab 1949 zu Planungen für einen Kirchenneubau kam. Zunächst wurde jedoch 1950 in einer Holzbaracke eine neue Kapelle eingerichtet.
Am 2. September 1954 legte Weihbischof Johannes Bydolek den Grundstein für die Heimkehrergedächtniskirche St. Norbert. Am 18. Dezember 1955 folgte die Konsekration durch Josef Kardinal Frings, den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz und Erzbischof des Erzbistums Köln. Bundeskanzler Konrad Adenauer schenkte der Kirche das Ewige Licht, das noch heute im Altarraum brennt. Bundespräsident Theodor Heuss spendete das Altarkreuz. 1956 bekam die Kirche ihre Glocken. Nach einer Renovierung der Kirche im Jahr 1974 und Umgestaltungen gemäß der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils weihte Bischof Heinrich Maria Janssen am 16. März 1975 einen neuen Altar. Im gleichen Jahr bekam die Kirche ihre Orgel.
Ab 1997 bildeten die beiden Pfarrgemeinden Maria Königin des Friedens in Göttingen und St. Norbert in Friedland eine Seelsorgeeinheit. Am 1. November 2006 wurde die St.-Norbert-Kirche der Pfarrgemeinde Maria Königin des Friedens angeschlossen, die Pfarrgemeinde St. Norbert wurde in diesem Zusammenhang aufgehoben.[2]
Kirche[3] und die Skulptur „Griff in die Freiheit“[4] sind seit 1991 als Kulturdenkmale geschützt.
Architektur und Ausstattung
Die Kirche entstand in den Jahren 1954 bis 1955 nach Plänen des Göttinger Architekten Friedrich Wagener (1921–1995), der auch einen Teil der Innenausstattung entwarf. Es war sein einziger Kirchbau.
Viele Ausstattungsstücke der Kirche nehmen Bezug auf die Nöte der Heimkehrer wie Kriegsleid und Heimkehr. Das Buntglasfenster über dem Eingangsportal zeigt den Propheten Jona, wie er von dem Walfisch an Land gespien wird. Die Fenster in der Südseite sind ein Werk von Ludwig Baur. Die Doppelkrone über dem Altar wurde am 8. Juli 1975 installiert. Den Kreuzweg schuf 1962 die Künstlerin Christa Adrian (1929–2003).
Die Orgel wurde vom Orgelbaubetrieb Gebrüder Stockmann aus Werl erbaut und am 19. April 1975 von Generalvikar Adalbert Sendker (1912–1993)[5] eingeweiht. Es ist ein Schleifladen-Instrument mit zwölf Registern auf zwei Manualwerken und Pedal.
Der 1956 errichtete und seitlich mit der Kirche verbundene Kirchturm wird von einer Aussichtsplattform und einem offenen, stählernen Glockenstuhl mit drei Glocken sowie einem vergoldeten Kreuz bekrönt. Die kleine Glocke ist mittelalterlich und stammt aus Welkersdorf in Niederschlesien. Die große Glocke von 1704 stammt aus dem Frauenburger Dom in Frauenburg (Ostpreußen). Nur die mittlere Glocke wurde 1956 eigens für St. Norbert nach Entwürfen von Pfarrer Josef Krahe von der Glockengießerei Petit & Gebr. Edelbrock in Gescher gegossen.[6]
- Galerie
- Ansicht von Nordosten mit Heimkehrerskulptur von Fritz Theilmann
- Glockenturm
- Blick vom Kirchturm auf Lagerbaracken (1958)
Skulptur „Griff nach der Freiheit“
Eine erste hölzerne Skulptur „Griff nach der Freiheit“ des Bildhauers Fritz Theilmann wurde als Symbol für die Rückkehr der Kriegsgefangenen 1955 im Auftrag des Verbands der Heimkehrer (VdH) in Friedland vor der Norbertkirche aufgestellt. Theilmann war selbst über Friedland aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft heimgekehrt. Die jetzige Skulptur ist eine Nachbildung von 1967 in Beton, abermals vor der Ostfassade platziert.[7] Von der Skulptur gibt es 16 cm hohe Bronzenachbildungen, die vom VdH in hoher Stückzahl vertrieben wurden.[8]
Sonstiges
Eine weitere katholische Einrichtung in Friedland ist die Kindertagesstätte St. Norbert Friedland.
Siehe auch
Literatur
- Kath. Kirchengemeinde Friedland (Hrsg.): 1955–1980. 25 Jahre Sankt Norbert Heimkehrerkirche. Friedland 1980.
- Maria Kapp: Kath. Heimkehrergedächtniskirche St. Norbert Friedland (= Kleine Kunstführer Nr. 2802). Schnell und Steiner, Regensburg 2011, ISBN 978-3-7954-6947-4.
- Maria Kapp: Friedland: Lager, Heimkehrerkirche, Caritas. In: Jahrbuch für Geschichte und Kunst im Bistum Hildesheim. 82./83. Jahrgang 2014/15, Hildesheim 2016, ISBN 978-3-7954-3143-3, S. 242–245.
- Willi Stoffers: Bistum Hildesheim heute. Hildesheim 1987, ISBN 3-87065-418-X, S. 174–175.
Weblinks
- Kirche auf Internetpräsenz der Pfarrei
- Kirche auf strasse-der-moderne.de
- Karin Dzionara: Die Heimkehrergedächtniskirche St. Norbert in Friedland „Ein Haus für die Seele“, auf kiz-online.de (KirchenZeitung. Die Woche im Bistum Hildesheim), 6. Juni 2021, abgerufen am 21. Februar 2022.