St. Pankratius (Emsdetten)

Kirchengebäude in Emsdetten im Kreis Steinfurt (Nordrhein-Westfalen) From Wikipedia, the free encyclopedia

Die römisch-katholische Kirche St. Pankratius in der Innenstadt Emsdettens im Kreis Steinfurt ist die Pfarrkirche der gleichnamigen Emsdettener Pfarrei. Damit gehört sie im Dekanat Steinfurt zum Bistum Münster. Sie steht unter Denkmalschutz und trägt das Patrozinium des heiligen Pankratius.

Blick auf die Kirche

Beschreibung

Blick auf den Kirchturm von der Kirchstraße aus
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Motiv: Innenansicht; gerne auch Ansicht der Orgel

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BW

Bei dem Kirchengebäude handelt es sich um eine neugotische, dreischiffige Hallenkirche. Die Wände werden von Strebepfeilern gestützt, um den Gewölbeschub des Kreuzrippengewölbes aufzufangen. Sowohl das Mittelschiff und die beiden Seitenschiffe haben im Osten halbrund geschlossene Chöre. Der Kirchturm befindet sich im Westen des südlichen Seitenschiffes. Die Kreuztragung Christi wurde 1723 von Johann Wilhelm Gröninger geschaffen.

Geschichte

Vorgängerbauten

Der Bau einer ersten Eigenkirche in Emsdetten kann in das 9. oder 10. Jahrhundert verortet werden.[1][2] Befunden hat sich diese vermutlich im Bereich des heutigen Hofs Deitmar.[3] Die ersten, von Liudger (um 742 – 809) in der Umgebung erbauten Kirchen, bestanden häufig bereits aus Stein. Ob auch die Emsdettener Eigenkirche bereits aus Stein gebaut war oder es sich um eine Holzkirche handelte, ist unklar.[3][1] Um das Jahr 1170 wurde sie nachweisbar durch einen Neubau aus Stein am heutigen Standort ersetzt. Diese Steinkirche verfügte über romanische Rundbögen und wohl über einen kreuzförmigen Grundriss.[4] Der 1903 abgerissene, ebenfalls romanische Kirchturm stammte aus dieser Zeit. Dessen Bau lässt sich auf das 12. oder 13. Jahrhundert datieren.[4][5] Er hat somit um die 700 Jahre bestanden. Im Jahr 1470 wurde wiederum ein neues Langhaus unter Beibehaltung des Kirchturmes erbaut. Dieses bemaß in der Länge vom Chor bis zum Turm etwa 22 Meter und 8 Meter in der Breite.[6] Diese Größe reichte jedoch für die wachsende Anzahl der Gläubigen kaum aus und wird in einer Beschreibung aus dem 18. Jahrhundert mitunter als „erbärmlich“ beschrieben.[1]

Kirchenneubau in den 1840er Jahren

Um dem Mangel an Platz für die Gläubigen Abhilfe zu schaffen, gründete sich 1831 eine Kirchenbaukommission, die jedoch aufgrund mangelnder finanzieller Rahmenbedingungen zunächst kaum Handlungsspielraum hatte. 1839[7] oder 1840[8][9] beschädigten zwei Blitzeinschläge die Kirche so stark, dass sie 1842 geschlossen werden musste. Infolgedessen mussten die Gottesdienste in einer angemieteten Scheune durchgeführt werden. Bei einem Besuch des Preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. in Münster, gelang es dem Amtmann Johann Speckmann, diese Notlage zu schildern. Daraufhin folgte am 23. Oktober 1844 die Baugenehmigung für die neue Kirche. Im gleichen Zuge bewilligte der König ein Gnadengeschenk i.H.v. 9.500 Talern und erlaubte das Sammeln von Spenden in den westlichen Provinzen.[3]

Die heutige Hallenkirche wurde schließlich zwischen 1845 und 1848 nach einem Entwurf von Friedrich August Stüler erbaut. Der Entwurf geht auf eine in Berlin geplante Garnisonskirche zurück, die aber nie verwirklicht wurde.[3] Die Weihung erfolgte am 20. August 1848 durch den Münsteraner Bischof Johann Georg. Das macht sie, nach der Füchtorfer Kirche, zur zweitältesten neugotischen Kirche in Westfalen.[10]

Erweiterung um 1900

Da Emsdetten sich als wachsende Industriegemeinde mit einem weiterhin hohen Bevölkerungswachstum konfrontiert sah, reichte die Größe des Neubaus zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht mehr aus. Um eine Erweiterung nach Westen zu ermöglichen, wurde der Abbruch des historischen Kirchturms in Erwägung gezogen. Diese Überlegungen sorgten in der Bevölkerung für große Kritik. Auch der damalige Deutsche Kaiser Wilhelm II. sprach sich persönlich für die Erhaltung des Kirchturms aus.[11] Die Pläne kamen 1903 dennoch zur Umsetzung. Der heutige Kirchturm wurde 1906[9] nach einem Entwurf des Münsteraner Architekten Hilger Hertel dem Jüngeren erbaut.

Orgel

Die Orgel auf der Empore wurde 1976 von der Orgelbauwerkstatt Führer mit mechanischer Spiel- und elektrischer Registertraktur gebaut. Sie verfügt über 36 Register auf drei Manualen und Pedal. Alle Windladen sind als Schleifladen ausgeführt. Die Disposition lautet:[12][13]

I Rückpositiv C–g3
Metallgedackt08′
Blockflöte04′
Prinzipal02′
Sesquialtera02′
Sifflöte0113
Oktave01′
Scharf III023
Tremulant
II Hauptwerk C–g3
Gedackt16′
Prinzipal08′
Rohrflöte08′
Oktave04′
Holzflöte04′
Nasat0223
Oktave02′
Mixtur VI–VIII02′
Trompete08′
III Schwellwerk C–g3
Holzgedackt08′
Spitzgamba08′
Prinzipal04′
Quintade04′
Gemshorn02′
Oberton II0135 + 117
Mixtur IV0113
Dulcian16′
Oboe08′
Schalmey04′
Tremulant
Pedal C–g3
Prinzipal16′
Subbass16′
Oktave08′
Gedackt08′
Choralbass04′
Waldflöte02′
Mixtur V02′
Posaune16′
Trompete08′

Pfarrei

Im Jahr 2004 wurden die Pfarreien Herz Jesu (Herz-Jesu-Kirche) und St. Joseph (St.-Joseph-Kirche) als Filialen in die Pfarrei St. Pankratius eingegliedert.[14] Die Pfarrei St. Marien (St.-Marien-Kirche) wurde 2012 mit St. Pankratius zusammengeführt, wobei letztere zur gemeinsamen Pfarrkirche wurde. Damit gehörten auch die St.-Servatius-Kirche und die Heilig-Geist-Kirche zur St.-Pankratius-Pfarrei. Zum Zeitpunkt dieser Fusion war sie die größte Pfarrei im Bistum Münster.[15][16] Auch die Kirche St. Konrad in der Emsdettener Bauerschaft Ahlintel gehört zur Pfarrei.

Der Kirchenvorstand stellte bereits im Jahr 2017 einstimmig fest, dass aufgrund erschwerter finanzieller Rahmenbedingungen eine Reduzierung der Kirchen in der Pfarrei unumgänglich sei. Mit Sitzung vom 11. Juni 2024 beschloss er, die Kirchen St. Marien, St. Joseph, Heilig Geist und Herz Jesu bis spätestens zum 30. Juni 2027 zu entwidmen.[17]

Literatur

  • Josef Achterfeld: Rund um den Kirchturm. Geschichte und Geschichten in Emsdetten. Hrsg.: Pfarrgemeinderat St. Pankratius / Heilig Geist. Emsdetten 1977, S. 16–28.
  • Pfarrer Martin Elbers: Chronik der Pfarrgemeinde Emsdetten. Hrsg.: Heimatbund Emsdetten. Emsdetten 2009.
  • Ursula Quednau (Bearb.): Dehio-Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Nordrhein-Westfalen, Band II: Westfalen. Deutscher Kunstverlag, Berlin / München 2016, ISBN 978-3-422-03114-2, S. 307.
  • Willi Colmer: Emsdetten. Ortsgeschichte vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert. Hrsg.: Heimatbund Emsdetten. Emsdetten 2003, S. 25–34, 101, 477–480.
Commons: St. Pankratius (Emsdetten) – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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