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St. Peter (Wil SG)

Kirchengebäude in Wil im Kanton St. Gallen, Schweiz From Wikipedia, the free encyclopedia

Die römisch-katholische Kirche St. Peter in Wil im Schweizer Kanton St. Gallen war in ihrer ursprünglichen Form der früheste Sakralbau der Stadt und steht (als Kulturgut von regionaler/kantonaler Bedeutung) auf der Liste der Kulturgüter in Wil SG. Sie ist dem Apostel Petrus als Namenspatron gewidmet und Teil des Seelsorgebereiches Wil der Katholischen Pfarr- und Kirchgemeinde Wil. Seit 2026 ist Marjan Paloka Pfarradministrator und Mitglied der Co-Leitung des Seelsorgeteams.[1]

Schnelle Fakten Basisdaten, Baugeschichte ...
Kirche St. Peter
Basisdaten
Konfession römisch-katholisch
Ort Wil, Schweiz
Diözese Bistum St. Gallen
Patrozinium Hl. Peter
Baugeschichte
Bauherr August Hardegger
Fertigstellung1887
Baubeschreibung
Baustil Neugotik
Koordinaten 721036 / 258163
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Vorlage:Infobox Kirchengebäude/Wartung/Funktion und Titel fehlt

Geschichte

Innenraum, 2026

Archäologische Untersuchungen der Kantonsarchäologin Irmgard Grüninger im Rahmen der Kirchenrenovation 1995–1996 belegten, dass um das Jahr 1000 der Bau eines kleinen Gotteshauses erfolgte. St. Peter als erste Pfarrkirche ausserhalb der Wiler Stadtmauer wurde erstmals um 1209 urkundlich erwähnt. Um 1489 wurde sie im spätgotischen Stil umgebaut. 1505 führte man eine wöchentliche Freitags-Prozession von St. Nikolaus nach St. Peter ein, die 1840 aufgegeben wurde.

1885–1887 erfolgte unter der Leitung des Architekten August Hardegger eine durchgreifende Umgestaltung, bei der das für die Pfarrei zu klein gewordene einschiffige Langhaus (26 Meter Länge, 10 Meter Breite) komplett abgebrochen[2] und durch ein neues dreischiffiges Langhaus im neugotischen Stil ersetzt wurde; der spätgotische Kirchturm und Chorraum sowie die Liebfrauen-Kapelle blieben erhalten. 1931 wurde der Kirchturm unter Leitung des St. Galler Architekten Johannes Scheier auf dem Fundament des bisherigen Turms in Beton-Bauweise neu gebaut und erhielt vier neue Glocken, die (zusammen mit der erhaltenen Glocke von 1862) am 18. Oktober 1931 geweiht wurden.[3] 1932 schuf Werner Hilber (Wil) das Priestergräber-Relief; 1933 wurde eine neue Sakristei an der Südostseite der Kirche gebaut.

Blick zur Empore mit Orgel, 2026

Im Rahmen der Gesamtrenovation 1959–1960 wurde die Kirche unter Leitung der Architekten Oskar Müller (St. Gallen) und Hans Frank (Wil) modernisiert und umgebaut: Das Gebäude wurde um ein Joch nach Westen erweitert, erhielt eine neue Westfassade und eine neue Empore in Beton-Bauweise mit seitlichen Treppenaufgängen und in dunklem Schmiedeeisen ausgeführte Treppengeländer und Gittertüren. Urban Blank schuf eine hölzerne Kanzel mit Treppe an der vordersten linken Säule, Karl Peterli gestaltete einen Kreuzweg, der bei der Umgestaltung des Innenraumes 1995–1996 entfernt wurde. 1981 erhielt die Turmuhr neue Zifferblätter und Zeiger.

Detail des Chorraums, 2026

1995–1996 erfolgte eine weitere Restauration und Neugestaltung des Kirchenraumes, bei der die Kanzel von 1960 entfernt sowie eine neue Warmluftheizung im vorderen Bereich und eine Luftumwälzung über dem Eingangsbereich unter der Empore installiert wurde. Das Glockengeläut von 1931 wurde 1995 mit zwei neuen Glocken auf insgesamt sieben Glocken erweitert. Eine weitere Innensanierung des Kirchenraumes wurde 2019 durchgeführt, zeitgleich mit der Intonation der kürzlich zuvor erfolgten Revision, Ausreinigung und technischen Erweiterung der Metzler-Orgel auf der Empore.[4]

In der Wiler Bevölkerung hatte die Kirche St. Peter eine besondere Bedeutung, da sie sich in unmittelbarer Nähe des früheren katholischen Friedhofes befand, der 1965 aufgelöst wurde.[5]

Baubeschreibung und Ausstattung

Die Kirche ist ein Satteldachgebäude mit Querhaus unter Kreuzfirst. Spitzbogige Fenster gliedern die Aussenmauern; an der Nord- und Südfassade befinden sich wuchtige Strebepfeiler. Am nordöstlichen Ende des Kirchenschiffes steht der auf das Mittelalter zurückgehende Kirchturm mit einem schlanken Helm. An der Nordseite des Kirchturms gibt es eine Kreuzigungsgruppe von Johannes Wirthensohn (1749–1818) aus dem Jahre 1792. Der spätgotische, dreiseitig geschlossene Chor hat Spitzbogenfenster. Die zehn Kirchenfenster in den Seitenschiffen aus dem Jahre 1960 stammen von Walter Burger (St. Gallen); die beiden grossen Fenster im Querschiff und die West-Rosette über der Empore schuf Hans Stocker (Basel) ebenfalls 1960.

Im Chorraum ist eine gotische Retabel aufgestellt, die um 1480 entstand, 1952 in München-Obermenzing gekauft, restauriert und über dem neuen Altar von 1960 aufgerichtet wurde. Südlich an den Chor angebaut ist die Sakristei. An deren Südseite befindet sich eine Reliefplastik mit der Schlüsselübergabe an Petrus von Josef Büsser aus dem Jahre 1933. Entlang der Nordseite der Kirche schuf Hans Thomann 1996 einen aus 14 Stelen bestehenden Kreuzweg.[6]

Orgeln

Metzler-Orgel (1960)

Metzler-Orgel (1960)
Spielschrank, 2026
Metzler-Truhenorgel (1999)

Die Orgel wurde 1960 von Metzler Orgelbau AG (Dietikon) gebaut. Sie hat 37 Register (Schleifladen mit mechanischer Spiel- und elektropneumatischer Registertraktur) auf drei Manualen und Pedal, mit etwa 2'600 Pfeifen. Bei diesem Neubau fand Pfeifenwerk aus dem Vorgängerinstrument von Friedrich Goll von 1888 Verwendung. In der ersten Hälfte der 1970er Jahre und 1996 führte die Erbauerfirma Orgelrevisionen durch. 2019 erfolgte eine Ausreinigung und Revision durch Mathis Orgelbau AG (Luchsingen), bei der eine elektronische Setzeranlage eingebaut wurde. Die Disposition:[7][8]

I Hauptwerk C–g3
Gedecktpommer16′[9]
Principal08′[10]
Flauto08′[9]
Dulcian08′[11][9]
Octav04′
Rohrflöte04′
Nazard2 2⁄3′[12]
Octav02′
Mixtur IV–VI1 1⁄3′
Trompete08′[13]
II Schwellwerk C–g3
Suavial08′
Rohrgedackt08′
Spitzgamba08′
Prinzipal04′
Querflöte04′
Unda maris04′[14]
Koppelflöte02′
Terz1 3⁄5′[15]
Quinte1 1⁄3′
Mixtur V–VI01′
Fagott16′
Trompete08′
Clairon04′
Tremulant
III Positiv C–g3
Bleigedackt08′
Portunalflöte04′
Schwiegel02′
Zink III1 3⁄5′[16]
Scharf III1⁄2′
Krummhorn08′[17]
Pedal C–f1
Praestant16′[18][9]
Subbass16′[9]
Octavbass08′[9]
Koppelflöte08′[9]
Octav04′
Hintersatz IV2 2⁄3′
Posaune16′
Fagott08′[9]

Truhenorgel (1999)

Gotische Retabel (aus Obermenzing), ca. 1480

Die Truhenorgel mit vier Registern (insgesamt 200 Pfeifen) wurde 1999 von Metzler Orgelbau AG (1999) gebaut und ist im Chorraum hinter dem historischen Retabel aufgestellt. Die Disposition:[19][20]

Manual CD–d3[21]
Gedackt8′[22]
Gedacktflöte4′
Principal2′
Quinte1 1⁄3′[23]

Goll-Orgel (1888–1959)

1888 hatte Friedrich Goll (Luzern) eine Orgel mit 18 Registern (Kegelladen, mechanische Spiel- und Registertraktur) auf zwei Manualen und Pedal (Opus 65) gebaut. Die Disposition:[24]

I. Manual C–f3
Bourdon16′
Principal08′
Bourdon08′
Flauto dolce08′
Gamba08′
Octav04′
Flauto amabile04′
Mixtur02 2⁄3′
Trompete08′
II. Manual C–f3[25]
Gemshorn8′
Lieblich Gedeckt8′
Salicional8′
Aeoline8′
Gemshorn4′
Pedal C–d1
Violon16′
Subbass16′
Octavbass08′
Bombarde16′
  • Koppeln: II/I, I/P, II/P
  • Spielhilfen: Schwelltritt für II. Manual, feste Kombinationen

Liebfrauenkapelle

Liebfrauenkapelle, 2026
Liebfrauenkapelle, Westwand, 2026

An der Südseite der Kirche befindet sich die Liebfrauenkapelle aus dem Jahre 1498, die an das damals bestehende Beinhaus östlich angebaut wurde. 1870 wurde die Kapelle restauriert und neu ausgemalt. Das Beinhaus wurde 1896 abgebrochen. Die Liebfrauenkapelle mit Satteldach ist mit einer gotischen Freskendecke ausgestattet und hat einen östlichen Chorbereich mit Dreiachtelabschluss. Bei der Restauration 1959–1960 wurde der Dachreiter erneuert.[26] Eine weitere Restauration fand 1995–1996 statt.

Kreuzweg-Stelen, 1996

Bis zum 19. Jahrhundert war die Liebfrauenkapelle ein beliebtes Ziel von Wallfahrten und Bittprozessionen. Heute wird sie vorwiegend für Andachten, Gruppen- und Familien-Gottesdienste genutzt.[27]

Glocken

Im Turm hängen sieben Glocken:

Weitere Informationen Glocke, Schlagton ...
GlockeSchlagtonGewichtGiesserGussjahrInschriftBild
1b03'640 kgCarl Metz Glockengiesserei, Karlsruhe1995Hier ist meine Ruhe für alle Zeiten; hier will ich wohnen, denn diese Stätte habe ich mir erwählt. Psalm 132Hl. Gallus und Otmar
2c12'480 kgFritz Hamm, Staad bei Rorschach1931Regi Regum[28]Christkönig
3es11'453 kgFritz Hamm, Staad bei Rorschach1931MD Anno Jubilaei Ephesini – Deiparae[29]Mutter Gottes mit Kind in der Krippe
4f1978 kgFritz Hamm, Staad bei Rorschach1931S. Joseph Patrone Morientium O.P.N. – Signifer St. Michael Rep. Raesentat eas sanctam in lucem[30]Michael mit Schwert und Keule
5g1737 kgGebrüder Rüetschi, Aarau1862Tu es Petrus et super Hans petram aedificabo ecclesiale meam. – Tu es vas electionis Sancte Paule praedicator veritatis in universo mundo[31]Hl. Petrus und Paulus
6as1588 kgFritz Hamm, Staad bei Rorschach1931Angelis suis mandavit de te ut custodiant te in omnibus viis tuis[32]
7b1470 kgCarl Metz Glockengiesserei, Karlsruhe1995Hl. Bruder Klaus mit Gattin Dorothee, bittet für uns.
Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir, was mich hindert zu Dir.
Mein Herr und mein Gott, gib alles mir, was mich führet zu Dir.
Mein Herr und mein Gott, nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen Dir.
Hl. Bruder Klaus mit Gattin Dorothe
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Katholisches Pfarreizentrum Wil

«St. Peter Park» mit Priesterhaus und Pfarreizentrum, 2025

Zwischen der Lerchenfeldstrasse und dem Gelände des früheren Friedhofes nördlich der Kirche St. Peter wurde 1968–1970 der «St. Peter Park» geschaffen und (unter Leitung des Zürcher Architekten Alois Müggler) das katholische Pfarreizentrum mit Priesterhaus erbaut. 2008–2009 erfolgten ein umfassender Umbau, Sanierung, Erweiterung und Modernisierung des Gebäudekomplexes. Seitdem befinden sich im Pfarreizentrum ein grosser erweiterbarer Saal, Konferenz- und Gruppenräume, Administration mit Seelsorge und das Restaurant «Peter Kafi» mit Innen- und Aussenbereich.[33][34]

Literatur

  • Neugestaltung der St. Peter-Kirche Wil. Beiträge von Martin Pfiffner, Christian Heimgartner, Hans Stocker und Wilhelm Geyer. Sonderbeilage Wiler Zeitung Nr. 151 vom 17. Dezember 1960.
  • Katholische Pfarrgemeinde Wil (Hrsg.): Festschrift zur Einweihung der Kirche St. Peter, 30. Juni 1996. Wil 1996.

Einzelnachweise

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