St. Peter und Paul (Świebodzice)
Kirchengebäude in der Woiwodschaft Niederschlesien, Polen
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Die römisch-katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul (polnisch Kościół Świętych Apostołów Piotra i Pawła) in Świebodzice (deutsch Freiburg in Schlesien) wurde 1776–1779 als evangelische Pfarrkirche errichtet. Seit 12. Mai 1966 ist sie geschütztes Kulturdenkmal. Die Kirche gehört zum Dekanat Świebodzice im Bistum Swidnica. Kirchenpatrone sind die hll. Apostel Petrus und Paulus mit Patronatsfest am 29. Juni.


Geschichte


Mit Einzug der Reformation nahmen die Freiburger zwischen 1524 und 1528 das evangelische Glaubensbekenntnis an. Die Protestanten bildeten seitdem die Bevölkerungsmehrheit. Erster evangelischer Pfarrer war 1536 Peter Scharffenberg. Nachdem der evangelischen Gemeinde am 23. Dezember 1653 die Pfarrkirche St. Nikolai und die Hospitalkirche St. Johannes durch kaiserliche Abgeordnete mit Hilfe von 50 Musketieren und zehn Reitern[1] entzogen wurde, hielten sich die Gläubigen zur Friedenskirche Schweidnitz, deren Pfarrsprengel ursprünglich das gesamte Fürstentum Schweidnitz umfasste. Zur Errichtung steuerte Freiburg 45 Taler bei.[2] Überlegungen der Freiburger, die Kirchenruine St. Anna in Polsnitz für den evangelischen Gottesdienst zu nutzen, scheiterten. Demnach steht die St. Annakapelle im Verzeichnis der schlesischen Kirchen, welche „den Evangelischen zur Nutzung nicht gegönnt wurde und lieber ohne Gemeinde, Ruine werden und bleiben muss“.[3]
Die preußische Eroberung Schlesiens ermöglichte am 2. November 1741 die Neugründung evangelischen Gemeinde. Damals lebten in Freiburg 1.359 evangelische und 42 katholische Einwohner. In den zum Kirchspiel gehörenden Dörfern waren es 1.200 evangelische und 25 katholische Einwohner. Als erster Pastor berief der Patronatsherr Graf Hochberg am 10. Dezember 1731 Gottfried Kleiner aus Seifersdorf im Kreis Liegnitz. Kollator war demnach die Standesherrschaft Fürstenstein.[4] Die erste Predigt musste wegen dem großen Andrang im Freien auf dem Freiburger Markt abgehalten werden. Als Bethaus diente das für 600 Mark erworbenen alte Rathaus, auf dem Ring, das am 26. Juli 1774 abbrannte. Dem großen Stadtbrand fielen auch die zwei übrigen Kirchen von Freiburg, sowie 433 Gebäude im Zentrum und Vorstadt zum Opfer. 1774 bezog die evangelische Gemeinde eine hölzerne Notkirche als Interimskirche.[5]
Von 1776 bis 1779[6] erfolgte der Bau des heutigen Gotteshauses im Stil des Klassizismus, nach einem Entwurf des Baudirektors Christian Friedrich Schulze. Die Grundsteinlegung fand am 26. Juli 1776 statt. Ausführender Maurermeister war Johann Friedrich Schoßer aus Tuschenwalde.[7] In Schlesien bis dahin nicht besonders verbreitet, galt sie mit ihrer schlichten Ausstattung, wie die evangelische Hofkirche Breslau, „ohne Bilder“ mit heute nicht mehr vorhandenen Kanzelaltar, als Vorreiter.[8] Der Altar war ein Werk des Bildhauers Johann Leonhard Rutt aus Bunzlau. Die Einweihung fand am 26. Juli 1778 statt.[9] 1781 wurden drei Glocken auf den Turm installiert. 1786 kam eine neue Orgel hinzu. Benjamin Engler war der erste Organist.[10] Eine 1807 umgegossene große Glocke wog 16 Zentner. Die Kirche gehörte im 19. Jahrhundert zum Kirchenkreis Schweidnitz-Reichenbach, mit Superintendent Pastor Primas Haacke in Schweidnitz. Die evangelische Parochie umfasste Freiburg, Polsnitz und Zirlau. Gastgemeinden waren Ober-Kunzendorf, Nieder-Kunzendorf, Fröhlichsdorf und Zeisberg. Ein konfessionsgebundener Kirchhof befanden sich der Obervorstadt sowie Simultan-Kirchhöfe in Polsnitz und Nieder-Kunzendorf.[11] Nach der Flucht und Vertreibung der deutschen Bevölkerung übernahm 1952 die römisch-katholischen Kirche das leerstehende Gotteshaus. Sie widmete es den hll. Aposteln Peter und Paul. Dabei wurde der Innenraum an den katholischen Ritus angepasst. Die evangelischen Kirchenbücher sind seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges verschollen.[12]
Beschreibung
Der Grundriss bildet ein durch zwei Säulenreihen geteiltes Rechteck,[13] mit einem 1898[14] vom Architekten Werdelmann[15] ergänzten Glockenturm an der Westseite des Mittelschiffes. Die Decke wird von den Säulen der Emporen getragen. Die Außenwände sind durch Fensterreihen mit elliptischen Bögen unterteilt.[16] Die heutige Ausstattung beinhaltet einen spätbarocken Altar und eine klassizistische Kanzel. Die Orgel stammt von dem Orgelbauunternehmen Schlag & Söhne. Das Taufbecken besteht aus Freiburger Alabastermarmor.[17]
Evangelische Pfarrerliste
- Peter Scharffenberg, 1536
- Jakob Scholtze, 1560
- N.N. Hoffmann, 1565
- Thomas Schellenbach, 1579–1609
- Esajas Schelbach, 1610–1630
- Jonas Sitsch, 1630–1633
- Jakob Nerger, 1634–1638
- Johannes Huber, 1638–1649
- Johann Laurentius, 1649–1653
- Gottfried Kleiner, 1742–1767
- Johann Gottlieb Elter, 1767–1791
- Georg Gotthelf Zeuscher, 1791–1806
- Georg Friedrich Grosser, 1806–1813
- Ernst Gottlieb Koppe, 1813–1828
- Carl Gottfried Hoffmann, 1829–1849
- Gustav Adolf Martin Marschner, 1850–1889
- Carl Hermann Weiß, 1889–1895
- Johannes Repke, 1895–1907
- Carl Wilhelm Georg Baumgart, 1907–1931
- Fritz Paul Alfred Herzog, 1931–1945[18]