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St. Rasso (Untergammenried)

Kirchengebäude in Bad Wörishofen From Wikipedia, the free encyclopedia

St. Rasso ist eine römisch-katholische Wallfahrtskirche im oberschwäbischen Untergammenried, einem Ortsteil von Bad Wörishofen. Die mitten im Weiler liegende Kirche ist eine Filialkirche der Pfarreiengemeinschaft Bad Wörishofen im Dekanat Mindelheim des Bistums Augsburg. Dass die Kirche dem heiligen Rasso gewidmet ist, macht sie zu etwas besonders Seltenem. Die Altäre, vor allem der qualitätvolle doppelgeschossige Hochaltar, sind ebenso beeindruckend wie die Rokoko-Architekturmalerei des Langhauses.

St. Rasso in Untergammenried

Geschichte

Eine Kapelle wurde von den Gebrüdern Georg und Sebastian Zillober (auch Zihlober genannt), zwei alten unverheirateten Bauern des Weilers Untergammenried und Georg Huber, ebenfalls Bauer, im Jahre 1714 erbaut. Den beiden Brüdern soll im Traum ein Bild des heiligen Rasso erschienen sein, dem sie das Patrozinium der Kapelle anvertrauten. Aus Grafrath, einem alten Rasso-Wallfahrtsort in Oberbayern, erhielten sie ein Bild des Heiligen, das in den Altar eingefügt wurde. Im Jahre 1716 erhielt die Kapelle die licentia celebrandi, Weihbischof Johann Jakob von Mayr konsekrierte sie am 13. September 1723. Bereits damals befanden sich viele Votivtafeln an den Wänden. Wegen des großen Zuspruches der Wallfahrt in Untergammenried wurde die Kapelle größer neu erbaut. Die Pläne unterstützten vor allem der Wörishofener Amtspfleger Johann Joseph Hechenrieder, Pfarrer Franz Joseph Anton Schönagl aus Wörishofen und die Priorin des Augsburger Katharinenklosters, Freifrau von Bodmann. Die Priorin erwirkte beim Bischof in Augsburg die Erlaubnis für den Neubau und schenkte der Gemeinde eine Rasso-Reliquie, die sie vom Propst von Diessen aus Grafrath erhalten hatte. Die drei Bauern, die bereits die erste Kapelle errichtet hatten, trugen wiederum einen Teil der Kosten des Neubaus. Ulrich Huber stellte den Bauplatz, seinen Garten, zur Verfügung. Der Grundstein der Wallfahrtskirche wurde am 13. Juni 1746 von zwei Ratsherren aus dem nahen Mindelheim gelegt. Sie überbrachten auch eine Spende der Mindelheimer Bürgerschaft. Am 19. Juni 1747 wurde das erste Rasso-Fest in der Kirche gefeiert. Der Weihbischof Franz Xaver Adelmann von Adelmannsfelden konsekrierte die Kirche am 13. Oktober 1756. Infolge der Säkularisation in Bayern war die Kirche von 1807 bis 1814 gesperrt und die Wallfahrt verboten. In diesen sieben Jahren war das Gnadenbild des hl. Rasso in der Pfarrkirche St. Justina in Wörishofen untergebracht. 1855 erfolgte eine umfangreiche Renovierung. Hierbei wurde die Farbgebung, vor allem die der Ausstattungsgegenstände, verfälscht. Eine Außenrenovierung fand 1970 statt. Bei der Innenrenovierung 1975/76 wurde die ursprüngliche Farbfassung der Ausstattung wiederhergestellt.[1]

Baubeschreibung

Doppelempore mit Treppenturm und Schrankorgel

Der Chor ist eingezogen, etwas niedriger als das rechteckige Langhaus und besitzt einen halbrunden Schluss. Der für eine Wallfahrtskirche typische zweigeschossige Hochaltar in der Mitte des Chores teilt den Chorraum in zwei Hälften. Hinter seinem Sockelgeschoss liegt die Sakristei. Im Chorscheitel befindet sich eine Stichbogentür als Außeneingang zur Sakristei und südlich davon ein querrechteckiges Fenster. Der Chorboden ist um eine Stufe erhöht. Je zwei rundbogige Fenster in der Nord- und Südwand erhellen den Chor.

Das Langhaus mit Flachdecke ist als einschiffiger Saal gestaltet und trägt ein Satteldach. In die abgerundeten Ostecken sind die beiden Seitenaltäre schräg eingestellt. Die Westseite der Kirche ist schmucklos und ohne Portal. Der einzige Eingang ist an der Nordseite der Kirche, nachdem der gegenüberliegende bei der letzten Renovierung zugemauert worden war. Der Turm der Kirche ist von innen her mittig an die Westwand angelehnt, hat eine querovale Form und beinhaltet den Treppenaufgang zur Doppelempore, die wegen des Turmes in der Mitte weit vorschwingt. In die Ostseite des Einbaues tritt man durch eine Rechtecktür. An der Westseite beleuchten auf etwa einem Drittel der Höhe und im Giebel kleine Rundbogenfenster den Emporenaufgang. Außerhalb des Langhauses bekommt der Turm oben eine eckige Form, einen mit Blech gedeckten Spitzhelm und sieht von außen wie ein Dachreiter aus. Das Zifferblatt der Turmuhr ist nach Westen ausgerichtet. Je drei rundbogige Fenster sind in die Nord- und Südwand eingefügt, wobei das mittlere jeweils nur etwa halb so groß ist wie die beiden anderen. Zusätzliches Licht gelangt durch zwei kleine querovale Öffnungen in der Westwand in Höhe der oberen Empore.[2]

Ausstattung

Der Stuck im Chor der Kirche wurde um 1747 geschaffen. Ein leicht querovales Gemäldefeld an der Chordecke besitzt einen Profilrahmen und ringsum lockeres Rocailledekor mit Bandelwerk und Blumenketten. Den Fuß und den Scheitel der Laibung des Chorbogenschlusses schmücken Rocaillen, die sich an den Kapitellen der Chorbogenpilaster fortsetzen. Im Langhaus hingegen werden die reichhaltigen Rokoko-Stuckkartuschen nur durch Malerei imitiert. Die Wandgliederung im Langhaus bilden gemalte Pilaster. Die Spiegeldecke befindet sich über einem gemalten Gesims.

Chor

Hochaltar

Der Hoch- und Choraltar der Kirche

Der Doppelhochaltar und die Seitenaltäre der Kirche stammen aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Sie bestehen aus in ockergelben, braunen, grauen und olivgrünen Tönen gefasstem Holz. Leicht konkav gekrümmt erstreckt sich der Hochaltar von der Nord- bis zur Südwand. Durch das Sockelgeschoss, das weder mit Bildern noch mit Säulen geschmückt ist, führen zwei Türen in die dahinter liegende Sakristei. Der Altarstipes vor dem Untergeschoss trägt einen Tabernakel, der von zwei Reliquienpyramiden flankiert wird, und auf dem eine Rokokostatuette des auferstandenen Christus in einer Strahlenglorie zu sehen ist.

Das Obergeschoss ist durch Säulen mit Kompositkapitellen strukturiert. Zwischen ihnen sind die weiß-golden gefassten Statuen der vier lateinischen Kirchenväter aufgestellt: Augustinus von Hippo, Gregor der Große, Hieronymus und Ambrosius von Mailand. In die Mitte wurde der alte Gnadenaltar aus der ersten Rassokapelle von 1714 eingefügt. Die Säulenädikula enthält aber nicht mehr das Gemälde des heiligen Rasso von 1714 aus Grafrath, sondern eines aus dem 19. Jahrhundert, flankiert von den Heiligen Willibrord und Bonifatius. Im Auszug des Gnadenaltares wird von Engeln eine Kopie des Marienbildes „Salus populi Romani“ gezeigt. Eine Heilig-Geist-Gloriole bekrönt den Altar.[3]

Fresken

Die Fresken der Kirche schuf Joseph Hartmann im Jahre 1747. An der Chordecke ist der heilige Rasso in weißen Gewändern in der Glorie als Fürbitter der notleidenden Menschen dargestellt. An der Chorschlusswand sind beiderseits des Obergeschosses des Hochaltars unter einer gemalten Draperie zwei Fresken mit 1747 und JOSEPH HART-/MANN/PINXIT bezeichnet. Das linke zeigt den heiligen Rasso als Augustiner-Chorherrn im Gebet. Über diesem schleudert sein Schutzengel einen Blitz gegen den Teufel. Das rechte Bild zeigt Rasso als Feldherrn zu Pferde in der Schlacht gegen die Ungarn.

Langhaus

Die drei Altäre

Seitenaltäre

Die Seitenaltäre enthalten anstelle eines Altarbildes Statuen. Der linke Altar zeigt Christus an der Geißelsäule, ähnlich dem gegeißelten Heiland in der Wieskirche, flankiert von den Heiligen Florian und Georg. Im Auszug erscheint Maria Magdalena als Büßerin.

Im Zentrum des südlichen Seitenaltares steht die Figur des Johannes von Nepomuk, begleitet von den Heiligen Katharina von Alexandrien und Dominikus. Im Auszug ist in ovalem Rahmen Dionysius Areopagita dargestellt.[4]

Fresken

Auf dem großen geschweiften Mittelfeld an der Langhausdecke begehrt der heilige Rasso vom Bayernherzog Heinrich seine Entlassung aus dem Kriegsdienst. Der Grund hierfür war der Bau des Klosters Grafrath, in das sich Rasso zurückziehen wollte. Ein Engel mit einem Bauplan weist darauf hin.

In den Kartuschen, die sich in den vier Himmelsrichtungen an das Hauptbild anschließen, sind mit den vier Elementen Nöte dargestellt, in denen der heilige Rasso helfen soll. Das östliche Bild stellt mit Schnittern auf dem Weg zum Kornfeld den Bezug zur Erde her. Die Inschrift lautet: Die Liebe Frücht der Erden,/Durch dich Erhalten Werden. Das südliche Fresko, die Hilfe gegen Feuer darstellend, zeigt eine weinende Familie vor einem brennenden Haus, in das der Blitz eingeschlagen hat mit der Inschrift: Vor Donner, Hagel, schaur und Blitzen/Wird, die Vertruen, Rasso Schitzen. Ein Schiff in Seenot auf dem westlichen Bild deutet Rassos Hilfe gegen die Bedrohungen des Wassers an mit der Inschrift: Rasso Hilft gar nie zu spoth/in Todsgefahr und Wassers-Noth. Die nördliche Kartusche symbolisiert die Gefahren aus der Luft. Ein Mann hält sich im Sturm an einem Baumstamm fest, ein zweiter bittet den heiligen Rasso um Hilfe. Zu diesem Fresko gehört die Inschrift: Bey Saus und braus, der Stürm, Winden,/Durch Rasso Kanst du Hilff finden. An der Westwand, über der Orgel, hat Hartmann eine Halbfigur des hl. Rasso gemalt.[5]

Statuen

In einer mit Rocaillen geschmückten Nische der nördlichen Langhauswand steht die weiß-gold gefasste Holzstatue des Apostels Judas Thaddäus. Ihm gegenüber an der südlichen Wand ist die ebenso gefasste Statue des heiligen Joachim in eine Nische eingefügt. Beide Statuen stammen aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. In einer wesentlich kleineren Nische links daneben ist eine farbig gefasste Pietà aus der Zeit um 1520 untergebracht, die allerdings 1741 teilweise überarbeitet wurde. In der Nähe des linken Seitenaltars steht auf einem Podest eine um 1460/70 geschaffene, farbig gefasste Maria mit Kind.[6]

Orgel

Auf der oberen Empore der Westwand befindet sich eine Schrankorgel, die um 1720 entstanden ist und deren Orgelwerk 1976/77 von Orgelbau Sandtner erneuert wurde.

Glocke

Die etwa ein Zentner schwere Glocke aus der ersten Kapelle wurde in den Neubau der Kirche übernommen.

Literatur

  • Lothar Altmann: Kath. Wallfahrtskirche St. Rasso Gammenried (= Kunstführer Nr. 1245). Schnell & Steiner, München und Zürich 1986.
  • Heinrich Habel: Landkreis Mindelheim. Hrsg.: Torsten Gebhard, Anton Ress (= Bayerische Kunstdenkmale. Band 31). Deutscher Kunstverlag, München 1971, S. 495–497.
Commons: St. Rasso – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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