St. Ägidius (Breslau)
Kirchengebäude in Polen
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Die Ägidiuskirche in Breslau (polnisch Kościół św. Idziego) ist das älteste erhaltene Gebäude der Stadt. Das römisch-katholische Gotteshaus stammt aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts und ist nach dem heiligen Ägidius benannt. Es gehört heute zur Parafia św. Jana Chrzciciela (dt. Pfarrei St. Johannes der Täufer). Die Ägidiuskirche befindet sich auf der Breslauer Dominsel am Plac Katedralny, in direkter Nachbarschaft zum Breslauer Dom.

Geschichte
Die Ägidiuskirche stammt vermutlich aus den zwanziger Jahren des 13. Jahrhunderts, damit vor der Schlacht bei Liegnitz (1241), als Schlesien und Breslau noch größtenteils polnischsprachig waren. Die einschiffige Kirche besteht aus einem quadratischen Presbyterium sowie aus einer aus drei Seiten des Sechsecks gebildeten Apsis. Im Jahr 1329 wurde durch Bischof Nanker ein drittes Kanonikat an der Kirche errichtet. Um 1500 etwa befanden sich vier Altäre in der Kirche, davon drei im Kirchenschiff und im Chor und der vierte in der Sakristei. Im 16. Jahrhundert entstand neben der Kirche ein Haus für zwölf Kleriker, die hier zusammen wohnten. Ein Torbogen, das Klösseltor (poln. Brama Kluskowa oder Kluszczana) verband beide Bauten. In den nächsten Jahrhunderten erfolgten im Innenbereich mehrere kleine Veränderungen. Dabei wurden je nach Epoche Ornamente ausgetauscht und neu angebracht.
Franziskanerniederlassung
In den 1880er-Jahren hatte der Breslauer Fürstbischof Georg von Kopp den Provinzial der Sächsischen Franziskanerprovinz (Saxonia), Gregor Janknecht, gebeten, Patres zur Aushilfe in der Seelsorge nach Breslau zu schicken, zunächst als Beichtväter am Breslauer Dom. Am 24. Mai 1888 begannen die ersten Franziskaner mit dieser Aufgabe. Am 30. Oktober 1889 überließ ihnen das Domkapitel das Haus Domplatz 18 zum Wohnen und die benachbarte Ägidiuskirche für ihre Gottesdienste. 1911 ging das so entstandene Kloster von der Saxonia an die neugegründete Schlesische Franziskanerprovinz (Silesia) über.[1][2]
Anfangs waren zwei Beichtväter im Dom tätig, ab 1917 drei, einer von ihnen musste die polnische Sprache beherrschen. Ein Pater begann täglich um fünf Uhr morgens mit dem Beichtdienst, später am Vormittag waren es zwei. Vor und an Sonn- und Festtagen boten sie von 16 bis 22 Uhr Beichtgelegenheit. St. Ägidius wurde ein bedeutendes Beichtkloster auch für Kleriker einschließlich des Fürstbischofs. Arme und Studenten erhielten an der Klosterpforte eine Mahlzeit, in den freien Klosterzellen wohnten meist Franziskaner, die an der Universität Breslau studierten. Die Breslauer Franziskaner betreuten neben dem Beichtdienst auch die örtliche Gruppe des Dritten Ordens, die sich bis 1939 mit 2080 Mitgliedern zur größten Gruppe in Ostdeutschland entwickelte. Ab 1918 entstand beim Kloster zudem die franziskanische Jugendbewegung, die sich schnell über Breslau hinaus in Deutschland entwickelte.
Die Drittordensgruppe initiierte unter Leitung von Pater Norbert Bombis ab 1924 vom Kloster aus eine umfangreiche Familienhilfe. Zwei hauptamtliche und mehr als 120 ehrenamtliche Helfer unterstützten arme Familien, halfen bei Erkrankung der Mutter aus und kümmerten sich um alleinstehende und hilflose Ältere.
Nach leichten Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg erfolgten Renovierungsarbeiten an der Kirche, wobei viele Ornamente des Barocks entfernt wurden, um der Kirche das romanische Aussehen wiederzugeben. Der polnische Diözesanadministrator erklärte, dass Beichtdienst durch westlich orientierte Franziskaner am polnischen Dom nicht angebracht sei. Dies bedeutete das Ende für die Niederlassung der Franziskaner.[1]
Fotos
- Das Klösseltor
- Blick ins Innere
- Blick vom Breslauer Dom
- Grundriss
- Eingangsportal