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Staatsanwaltschaft Hannover

Strafverfolgungsbehörde in Deutschland From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Staatsanwaltschaft Hannover ist eine Strafverfolgungs- und Vollstreckungsbehörde des Bundeslandes Niedersachsen. Die Staatsanwaltschaft hat ihren Sitz in Hannover im Volgersweg 67 und in einer Nebenstelle in der Vahrenwalder Straße 6–8. Sie ist mit etwa 350 Mitarbeitern die größte in Niedersachsen (siehe auch die Liste deutscher Staatsanwaltschaften). Seit Juni 2025 leitet Sebastian Böhrs die Staatsanwaltschaft Hannover.

Gebäude der Staatsanwaltschaft von der Fernroder Straße aus gesehen

Organisation und Zuständigkeit

Die Staatsanwaltschaft Hannover ist für die Ermittlung und Vollstreckung in Strafsachen im Landgerichtsbezirk Hannover zuständig. Dieser umfasst die Amtsgerichte in Hannover, Burgwedel, Hameln, Neustadt am Rübenberge, Springe und Wennigsen.[1]

Neben der Zuständigkeit für allgemeine Straftaten und solche aus dem Wirtschafts- und Umweltstrafrecht hat die Staatsanwaltschaft Hannover eine Sonderzuständigkeit für die

  • Bekämpfung gewaltdarstellender, pornographischer oder sonst jugendgefährdender Schriften,
  • Korruptionsstrafsachen,
  • Bekämpfung des politisch und religiös motivierten Terrorismus.[1]

Zudem hat die Behörde für das Land Niedersachsen die Sonderzuständigkeit für die Verfolgung von NS-Gewaltverbrechen, die zuletzt im August 2014 zu einer Anklage geführt hat (siehe NS-Prozesse).[2][3] Dabei arbeitete die Staatsanwaltschaft eng mit der jüdischen Gemeinde Hannover zusammen, die selbstständig Fälle und Zeugen ermittelte.[4] Im Hauptstaatsarchiv Hannover gibt es ein Findbuch zu den NS-Ermittlungsakten dieser Staatsanwaltschaft.[5]

Übergeordnete Behörde ist die Generalstaatsanwaltschaft Celle.

Personal und Verfahren

Die Staatsanwaltschaft Hannover hat 354 Mitarbeiter (Stand 31. Dezember 2014),[6] darunter

Sie arbeiten in fünf Bereichen („Zentrale Aufgaben“ und vier Hauptabteilungen) und 18 Abteilungen, denen jeweils ein Oberstaatsanwalt vorsteht. Sie bearbeiten Strafsachen in Dezernaten gemeinsam mit Staatsanwälten sowie Ober- und Amtsanwälten. Die Akten führen Mitarbeiter in mehreren Serviceeinheiten.[7]

Die Behörde wird von einem Leitenden Oberstaatsanwalt geführt:

  • mindestens 1949–1963: Wilhelm Landwehr[8]
  • mindestens 1976 bis 1993: Hans-Georg Hinkelmann[9]
  • 1998–2013: Manfred Wendt
  • 2013–2016: Jörg Fröhlich[10]
  • 2016–2020: Henning Meier[11]
  • 2020–2024: Katrin Ballnus[12]
  • 2024–2025: Oberstaatsanwalt Marcus Röske (kommissarisch)
  • seit 2025: Sebastian Böhrs[13]

Im Jahre 2015 wurden bei der Behörde über 103.000 Verfahren gegen bekannte Täter und über 57.000 Verfahren gegen unbekannte Täter durchgeführt.[14] Nach Abschluss eines Verfahrens leiten die Rechtspfleger der Staatsanwaltschaft die Strafvollstreckung ein,[15] über 17.000-mal 2015.[14]

Öffentliche Kritik

Prozess gegen Christian Wulff, Medienvertreter vor dem Landgericht Hannover am letzten Prozesstag
Auf dem Vorplatz des Landgerichts Hannover äußert sich der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff nach seinem Freispruch

Die Staatsanwaltschaft Hannover sieht sich besonderer öffentlicher Kritik ausgesetzt. Mehrere aufsehenerregende Fälle ließen einige Medien daran zweifeln, dass die Behörde objektiv arbeite. Der Oberstaatsanwalt Uwe Görlich unterhielt in den 2000er Jahren Verbindungen ins hannoversche Rotlichtmilieu am Steintor; ihm warf Christine Kröger vor, illegale Prostitution zu decken.[16] Im Justizirrtum um Ralf Witte wurde kritisch über die Ermittlungen der Behörde berichtet, die zum fünfjährigen ungerechtfertigten Freiheitsentzug führten; gegen die verantwortlichen Staatsanwälte wurde ein Verfahren wegen Rechtsbeugung eingeleitet.[17] Der niedersächsische Justizminister Bernd Busemann bat 2009 wegen des Vorgehens der Staatsanwaltschaft Hannover bei Witte um Entschuldigung.[18]

Seit 2012 steht die Staatsanwaltschaft Hannover wegen zweier Ermittlungsverfahren gegen prominente Politiker unter stärkerer öffentlicher Beobachtung, ohne auf diese Sonderrolle vorbereitet zu sein.[19] Bei den Ermittlungen gegen die Politiker Christian Wulff 2012 und Sebastian Edathy 2014 wurde der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, Informationen aus den laufenden Verfahren an die Öffentlichkeit weitergegeben zu haben und im Umgang mit diesen prominenten Beschuldigten weder Maß gehalten noch ausreichende Erfahrung mit dem erhöhten Medieninteresse gehabt zu haben.[20] In dieser Sache ermittelte die Staatsanwaltschaft beim Landgericht Göttingen 2015 auch gegen den vorgesetzten Generalstaatsanwalt am Oberlandesgericht Celle Frank Lüttig wegen des Verdachtes auf Geheimnisverrat, stellte das Verfahren jedoch ein.

Im Herbst 2024 wurde ein Staatsanwalt wegen Verrates von Dienstgeheimnissen an die organisierte Drogenkriminalität verhaftet und am 20. März 2026 unter anderem wegen schwerer Bestechlichkeit zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt. Dass er trotz verdeckter Ermittlungen seit 2022 noch fast zwei Jahre im Amt bleiben konnte, nannte die CDU-Fraktion im Niedersächsischen Landtag „einen der schwersten Justizskandale dieses Landes“. Ende Mai 2026 richtete der Landtag einen Untersuchungsausschuss ein.[21][22]

Baugeschichte

Nachdem der sog. Justizpalast, in dem die Staatsanwaltschaft mit Abteilungen des Amtsgerichts und des Landgerichts untergebracht waren, im Zweiten Weltkrieg zerstört worden war, entstand an dessen Stelle von 1952 bis 1956 zwischen Fernroder Straße und Volgersweg ein Neubau für Landgericht und Staatsanwaltschaft nach Plänen von Otto Hodler in den Formen der Nachkriegsmoderne. In den Jahren 1982–1985 wurde der Gebäudekomplex nach Plänen von Storch & Ehlers erweitert, die Staatsanwaltschaft zog in den Erweiterungsbau. Der siebenstöckige konkave Bauteil im Osten bildet mit den benachbarten Gebäuden von Stadtsparkasse und Amtsgericht einen Platz, auf dem die mehrteilige Stahlplastik Veitstanz von Schang Hutter aufgestellt ist.[23][24][25][26]

Siehe auch

Anmerkungen

    Einzelnachweise

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