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Stadtbefestigung Marchegg

Denkmalgeschütztes Objekt in Marchegg From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Stadtbefestigung Marchegg bestand in der Stadtgemeinde Marchegg im Bezirk Gänserndorf in Niederösterreich. Die erhaltenen Stadtmauern stehen unter Denkmalschutz (Listeneintrag).

Stadtbefestigung Marchegg
Wienertor
Wienertor im Jahr 1901
Ungartor

Geschichte

König Ottokar II. Přemysl gründete spätestens 1268[Anm. 1] die Stadt Marchegg mit einem bewehrten Mauerring und einer Stadtburg. Mit einer Länge von 3024 Metern war die Stadtbefestigung sehr groß dimensioniert, im Gebiet des heutigen Niederösterreichs hatte nur Wien eine längere Stadtmauer. Die Größe und qualitätsvollen bauplastischen Elemente an den Torbauten deuten darauf hin, dass Ottokar seiner Gründungsstadt eine hohe Bedeutung zugemessen hat. Die Anlage wurde nicht zur Gänze ausgebaut. Erstmals urkundlich genannt wurde die Stadtbefestigung 1380, als Herzog Albrecht III. die Mauteinkünfte aus der Einfuhr ungarischen Weins für die Ausbesserung der schadhaften Stadtmauer zweckwidmete.

1427 war ein Großbrand beim Einfall der Hussiten. 1529 erfolgten schwere Verwüstungen beim Türkenkrieg, weitere Schäden entstanden im Dreißigjährigen Krieg während des Einfalls der Schweden in Niederösterreich, im Zweiten Türkenkrieg und folgend durch die Kuruzen. Der letzte Türmer des Wiener Tors beendete 1802 seinen Dienst.

Schon im 17. Jahrhundert sollen Steine aus der Stadtmauer abgetragen und für Bauvorhaben verwendet worden sein. Im 19. Jahrhundert wurden abgetragene Steine der Mauer durch die Gemeinde als Baumaterial verkauft und für Uferschutzbauten verwendet. An der 1880 abgetragenen Nordostecke wurde im Kriegsjahr 1866 eine Schießscharte eingebaut, um mit einer dort platzierten Kanone einen allfälligen Brückenschlag über die March durch preußische Truppen zu verhindern.

Teile der Stadtmauer im Norden und Osten wurden 1935 in den Hochwasserschutzdamm einbezogen.

Stadtbefestigung

Die Stadtmauern in der Form eines Viereckes hatte drei Tore, das Wienertor im Westen, das Ungartor im Osten, das Groißenbrunnertor (auch Hainburgertor genannt) im Süden, die Stadtburg stand in der Nordwestecke. Die Stadtmauer hatte eine Stärke von 2,1 bis 2,25 Metern. Für die relativ gut erhaltene Westmauer kann eine Gesamthöhe (inklusive Zinnen) von etwa 9,5 Metern rekonstruiert werden, mit einem Wehrgang auf 6,25 Metern Höhe, einer einen Meter hohen Brüstung und einer angenommenen Zinnenhöhe von etwa 2,3 Metern. Als Baumaterial dienten Kalkstein, Sandstein, Marmor, Granit, Schiefer sowie römische Spolien und Ziegel.[Anm. 2] Der Mauer vorgelagert verlief ein Graben. Die Stadtmauern sind bis auf die nördliche Mauer in reduzierter Form erhalten, ebenso in Resten die Torbauten von Ungartor und (teilweise rekonstruiert) Wienertor. Das Groißenbrunnertor stürzte kurz vor 1900 ein und wurde dann zur Gänze abgetragen. An den beiden noch teilweise bestehenden Torbauten sind Sitznischen und Führungsfugen für Fallgatter erhalten, am Ungartor zusätzlich ein Maßwerkfenster mit einer der ältesten in Österreich bekannten Dreipassrosen.

Literatur

  • Marchegg, Stadtplan, Stadtbefestigung, Pfarrkirche hl. Margaretha in der Stadtmitte, Friedhof in den sogenannten Angergärten in der Nordwestecke der Stadtmauer, Schloss und Schlossvorplatz. In: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Dehio Niederösterreich nördlich der Donau 1990. S. 709–714.
  • Ralf Gröninger: Stadtbefestigung Marchegg. Bauhistorische Untersuchung (Erstfassung). Wien 2019, online auf academia.edu.
Commons: City walls of Marchegg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

  1. Das genaue Gründungsdatum ist nicht gesichert, Ralf Gröninger hält es für denkbar, dass die Gründung bereits kurz nach Ottokars Sieg bei Groißenbrunn 1260 erfolgt ist. Dafür würde auch sprechen, dass die viel weiter vom ottokarischen Kernland gelegenen Orte Leoben und Bruck an der Mur bereits in der ersten Hälfte der 1260er-Jahre als Städte begründet wurden.
  2. Die römischen Quader und Ziegel stammen wahrscheinlich aus den Ruinen des römischen Carnuntum.

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