Stadtbibliothek Reutlingen

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Die Stadtbibliothek Reutlingen ist eine allgemein zugängliche öffentliche Bücherei in kommunaler Trägerschaft mit zahlreichen Zweigstellen in den Stadtteilen Reutlingens. Sie besteht aus einer Erwachsenenbibliothek, einer Kinder- und Jugendbibliothek, einer Musikbibliothek und einem Studienkabinett. Sie ist von Dienstag bis Freitag von 10 bis 19 Uhr und am Samstag von 10 bis 14 Uhr geöffnet und befindet sich in einem 1985 eingeweihten Neubau. Ihre Geschichte reicht bis in das Jahr 1652 der ehemaligen Freien Reichsstadt Reutlingen zurück.[1]

Stadtbibliothek Reutlingen (Spendhausstraße 2), Neubau 1985

Geschichte

Die wertvollen historischen Bestände der Stadtbibliothek gehen zurück auf die vom damaligen Stadtbürgermeister Matthäus Beger (1588–1661) eingerichtete "Bibliotheksstiftung" zurück. Beger war ein sehr begabter, sich vor allem autodidaktisch fortbildender Privatgelehrter. Er stiftete seine etwa 3000 Bände umfassende Privatbibliothek der Stadt. Eine hierzu gehörende Geldstiftung sollte aus dem Zinsertrag die Fortentwicklung dieser Büchersammlung fördern. Hieraus entstand der Grundstock einer zunächst lange Zeit als Ratsbibliothek geführten Einrichtung, die nach und nach durch weitere wertvolle Bestände, zum Teil aus privaten Stiftungen, erweitert wurde. Hierzu gehören neben Inkunabeln auch 30 von Beger handgeschriebene Bände mit Exzerpten und Übersetzungen, die der gelehrte Bürgermeister angefertigt hatte.

Die Bibliothek war lange Zeit im Rathaus der Stadt untergebracht und befand sich u. a. von 1898 bis 1985 im historischen Spendhaus. Im Jahre 1958 erfolgte die Vereinigung mit einer im späten 19. Jahrhundert auf Initiative des Bürgervereins entstandenen Volksbücherei. 1985 konnte der vom Karlsruher Architekturbüro Prof. Rossmann + Partner errichtete Neubau bezogen werden.

Bestände

Die wertvollen Bibliotheksbestände aus der Entstehungszeit umfassen 118 Inkunabeln[2] sowie eine Reihe von Handschriften. Insgesamt enthält die Bibliothek etwa 10.000 bis 14.000 Bände, die vor 1900 erschienen sind. Die Musikbibliothek stellt mit ihrem großen Bestand an Musiknoten sowie Musik- und Chorliteratur eine wichtige Besonderheit dar. Sie stammt zum größten Teil aus der Sammlung des württembergischen Dirigenten und Chorleiters Hans Grischkat (1903–1977).[3]

Der Gesamtbestand der Stadtbibliothek umfasst rund 150.000 gedruckte Bände sowie zahlreiche elektronische Medieneinheiten (hierfür steht eine eBibliothek zur Verfügung).

Commons: Stadtbibliothek Reutlingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur (Auswahl)

  • Peter Amelung (Bearb.): Inkunabeln der Stadtbücherei Reutlingen. Harwalik, Reutlingen 1976.
  • Gerd Brinkhus: Zum Buchgewerbe in Reutlingen im 15. Jahrhundert. In: Reutlinger Geschichtsblätter, Bd. 58 (2019), S. 9–24 (Volltext).
  • Gerd Brinkhus: Matthäus Beger und "seine" Bibliotheken. "Trium bibliothecarum restaurator author et fundator". In: Reutlinger Geschichtsblätter, Bd. 61 (2022), S. 58–88 (Volltext).
  • Karl Friderich: Katalog der Bibliothek der Stadt Reutlingen. Hutzler, Reutlingen 1903 (Volltext).
  • Gerhard Junger: Die Reutlinger Stadtbibliothek vom Ende des 18. bis zur Mitte des 19. Jhs. In: Reutlinger Geschichtsblätter, Bd. 29 (1990), S. 119–138.
  • Wilhelm Kapff: Bücher-Verzeichniß über die Bibliothek der Stadt Reutlingen. Rupp & Baur, Reutlingen 1850 (Volltext).
  • Hans Kungl: Stationen der Reutlinger Stadtbibliothek. In: Reutlinger Geschichtsblätter, Bd. 29 (1990), S. 119–138.
  • Hans Widmann: Vom Buchwesen der alten Reichsstadt Reutlingen. In: Reutlinger Geschichtsblätter, Bd. 4 (1967), S. 7–42.

Einzelnachweise

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