Stadtwerke Flensburg

Versorgung von Flensburg mit Elektrizität, Fernwärme, Trinkwasser, Erdgas für Industrie, Glasfaser From Wikipedia, the free encyclopedia

Schnelle Fakten
Stadtwerke Flensburg GmbH
Logo
Rechtsform GmbH
Gründung 1854
Sitz Flensburg, Deutschland
Leitung Geschäftsführung:
Julian Wollscheidt (Vorsitzender)[1],
Karsten Müller-Janßen[1]
Vorsitzender des Aufsichtsrats:
Jörg Blumenberg[1]
Mitarbeiterzahl 797[2]
Umsatz 838 Mio. €[2]
Branche Energieversorgung
Website www.stadtwerke-flensburg.de
Stand: 2025
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Die Stadtwerke Flensburg GmbH ist ein kommunales Energieversorgungsunternehmen mit Sitz in Flensburg. Alleinige Gesellschafterin ist die Stadt Flensburg.[3]

Das Unternehmen versorgt Privat-, Gewerbe- und Industriekunden mit Strom, Erdgas, Fernwärme und Trinkwasser. Darüber hinaus betreibt es Telekommunikationsnetze und ist in weiteren Geschäftsfeldern wie Elektromobilität, Hafenwirtschaft und erneuerbaren Energien tätig.[4]

Bekannt ist das Unternehmen insbesondere für sein Fernwärmesystem, das seit den 1970er Jahren auf Kraft-Wärme-Kopplung basiert und einen Großteil der Flensburger Haushalte mit Wärme versorgt. Seit den 2020er Jahren wird das Versorgungssystem im Rahmen eines Transformationsplans schrittweise auf erneuerbare Wärmequellen umgestellt.[5]

Geschichte

Gas-, Wasser- und Elektrizitätsversorgung

Die Geschichte der Stadtwerke Flensburg beginnt Mitte des 19. Jahrhunderts mit der kommunalen Gasversorgung. Im Jahr 1854 nahm das erste Gaswerk den Betrieb auf. Es diente zunächst der Versorgung der Straßenbeleuchtung sowie von Gewerbebetrieben und privaten Haushalten mit Stadtgas.[6]

1881 folgte die Inbetriebnahme des ersten Wasserwerks, wodurch eine zentrale Trinkwasserversorgung aufgebaut wurde. Mit dem Elektrizitätswerk in der Karlstraße begann 1894 die öffentliche Stromversorgung Flensburgs.[7]

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die Versorgungsanlagen kontinuierlich erweitert. 1902 entstand der Wasserturm am Mühlenberg als Bestandteil der Wasserversorgung. 1910 wurde ein neues Gaswerk am Batterieweg errichtet, ehe 1913 das Kraftwerk am Ostufer der Flensburger Förde den Betrieb aufnahm.[8]

Aufbau der Fernwärme

Ende der 1960er Jahre begann der Aufbau eines zentralen Fernwärmenetzes. 1969 wurden die ersten Heizzentralen in Betrieb genommen. Bereits 1970 konzentrierte sich die Wärmeerzeugung auf das Heizkraftwerk Flensburg. Ein Jahr später erfolgte die vollständige Umstellung auf Kraft-Wärme-Kopplung (KWK), bei der Strom und Wärme gleichzeitig erzeugt werden.[9]

In den folgenden Jahrzehnten wurde das Fernwärmenetz kontinuierlich erweitert und entwickelte sich zum wichtigsten Wärmesystem der Stadt. Heute versorgt es einen Großteil der Flensburger Haushalte sowie zahlreiche öffentliche Einrichtungen und Unternehmen mit Wärme.[10]

Liberalisierung und Ausbau der Geschäftsfelder

Mit der Liberalisierung des deutschen Energiemarktes Ende der 1990er Jahre erweiterten die Stadtwerke Flensburg ihre Geschäftstätigkeit über das eigene Netzgebiet hinaus. Neben der regionalen Versorgung entwickelte sich das Unternehmen zu einem bundesweiten Anbieter von Strom- und Erdgasprodukten.[11]

Parallel dazu entstanden neue Geschäftsfelder. Dazu zählen unter anderem Telekommunikationsdienstleistungen, der Ausbau von Glasfasernetzen, Dienstleistungen im Bereich Elektromobilität sowie verschiedene Beteiligungen an Infrastruktur- und Energieprojekten.[12]

Wärmewende

Seit Beginn der 2020er Jahre verfolgt das Unternehmen das Ziel, die Fernwärmeversorgung schrittweise klimaneutral auszurichten. Der veröffentlichte Transformationsplan sieht vor, fossile Energieträger sukzessive durch erneuerbare Wärmequellen und neue Speichertechnologien zu ersetzen. Geplant beziehungsweise umgesetzt werden unter anderem Meerwasser-Großwärmepumpen, Power-to-Heat-Anlagen, Großwärmespeicher und weitere Technologien zur Dekarbonisierung der Wärmeversorgung.[13]

Unternehmen

Die Stadtwerke Flensburg GmbH ist ein kommunales Energieversorgungsunternehmen in der Rechtsform einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Alleinige Gesellschafterin ist die Stadt Flensburg. Die strategische Ausrichtung des Unternehmens wird durch die Gesellschafterversammlung, den Aufsichtsrat und die Geschäftsführung bestimmt.[14]

Zu den Aufgaben des Unternehmens gehören die Erzeugung und der Vertrieb von Strom und Wärme, die Versorgung mit Erdgas und Trinkwasser, der Betrieb von Energie- und Telekommunikationsnetzen sowie energienahe Dienstleistungen. Darüber hinaus engagiert sich das Unternehmen in den Bereichen Elektromobilität, Hafenwirtschaft und erneuerbare Energien.[15]

Im Geschäftsjahr 2025 beschäftigte das Unternehmen – einschließlich Auszubildender – rund 800 Mitarbeitende. Der Jahresumsatz lag bei rund 838 Millionen Euro.[16]

Organisation

Die Geschäftsführung besteht seit Juni 2026 aus dem Vorsitzenden und kaufmännischen Geschäftsführer Julian Wollscheidt sowie dem technischen Geschäftsführer Karsten Müller-Janssen .[17]

Die Kontrolle der Geschäftsführung obliegt dem paritätisch besetzten Aufsichtsrat. Als kommunales Unternehmen unterliegt die Gesellschaft darüber hinaus der Kontrolle ihrer Gesellschafterin, der Stadt Flensburg.[18]

Tochtergesellschaften und Beteiligungen

Zum Unternehmensverbund gehören mehrere hundertprozentige Tochtergesellschaften. Dazu zählen unter anderem:

  • Aktiv Bus Flensburg GmbH
  • Flensburger Hafen GmbH
  • Flensburger Flughafenbetriebsgesellschaft mbH
  • Flensburger Ladeinfrastrukturgesellschaft mbH (FLIG)

Darüber hinaus bestehen Beteiligungen an Unternehmen der Energiewirtschaft, darunter an der Trianel Windkraftwerk Borkum GmbH & Co. KG.[19]

Geschäftsfelder

Strom- und Wärmeerzeugung

Die Erzeugung elektrischer Energie und Fernwärme bildet das Kerngeschäft der Stadtwerke Flensburg. Die Energie wird überwiegend im Heizkraftwerk Flensburg erzeugt. Grundlage ist seit 1971 die Kraft-Wärme-Kopplung, bei der Strom und Wärme gleichzeitig produziert werden.[20]

Im Rahmen der Wärmewende wird das Erzeugungssystem schrittweise auf CO₂-arme Technologien umgestellt. Dazu gehören Meerwasser-Großwärmepumpen, Power-to-Heat-Anlagen, Großwärmespeicher sowie wasserstofffähige Gaskraftwerke.[21]

Energievertrieb

Die Stadtwerke Flensburg beliefern Privat-, Gewerbe- und Industriekunden mit Strom und Erdgas. Neben dem traditionellen Versorgungsgebiet werden Energietarife bundesweit angeboten. Der Vertrieb erfolgt sowohl direkt als auch über Kooperations- und Vertriebspartner.[22]

Netze

Zum Unternehmen gehören Strom-, Gas-, Wasser-, Fernwärme- und Telekommunikationsnetze. Sie bilden die technische Grundlage für die Versorgung der Stadt Flensburg und angrenzender Regionen. Der Netzbetrieb umfasst Planung, Bau, Instandhaltung und Modernisierung der Infrastruktur.[23]

Telekommunikation

Neben der klassischen Energieversorgung betreiben die Stadtwerke Flensburg Glasfaser- und Telekommunikationsnetze. Das Angebot umfasst Breitbandanschlüsse sowie Kommunikationsdienstleistungen für Privat- und Geschäftskunden.[24]

Energiedienstleistungen

Ergänzend zur Energieversorgung bietet das Unternehmen Dienstleistungen in den Bereichen Energieeffizienz, Elektromobilität und technische Infrastrukturen an. Ziel ist die Unterstützung von Privatkunden, Unternehmen und Kommunen bei der Umsetzung energiebezogener Projekte.[25]

Energieerzeugung

Die Energieerzeugung der Stadtwerke Flensburg konzentriert sich auf das Heizkraftwerk Flensburg im Stadtteil Sandberg. Es bildet das zentrale Erzeugungszentrum für Strom und Fernwärme und versorgt über das angeschlossene Fernwärmenetz einen Großteil der Gebäude im Stadtgebiet.[26]

Seit 1971 basiert die Energieerzeugung überwiegend auf dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Dabei wird die bei der Stromerzeugung entstehende Abwärme nicht ungenutzt an die Umgebung abgegeben, sondern in das Fernwärmenetz eingespeist. Durch die gekoppelte Erzeugung wird ein höherer Brennstoffnutzungsgrad erreicht als bei einer getrennten Strom- und Wärmeerzeugung.[27]

Fernwärmenetz

Das Fernwärmenetz zählt zu den größten kommunalen Wärmenetzen Deutschlands. Es wurde Ende der 1960er Jahre aufgebaut und in den folgenden Jahrzehnten kontinuierlich erweitert. Die Wärme wird über ein weit verzweigtes Rohrleitungssystem zu Wohngebäuden, öffentlichen Einrichtungen sowie Gewerbe- und Industriebetrieben transportiert.[28]

Im Zuge der Wärmewende wird das Netz schrittweise modernisiert. Ziel ist es, künftig mit niedrigeren Vorlauftemperaturen zu arbeiten, wodurch erneuerbare Wärmequellen effizienter eingebunden werden können. Parallel werden Leitungsabschnitte erneuert, Rohrdimensionen vergrößert und Pumpstationen angepasst.[29]

Wärmespeicher

Zur Entkopplung von Strom- und Wärmeerzeugung betreiben die Stadtwerke Flensburg Großwärmespeicher. Sie ermöglichen es, überschüssige Wärme zwischenzuspeichern und zeitversetzt in das Fernwärmenetz einzuspeisen. Dadurch kann die Energieerzeugung flexibler an den Wärmebedarf und die Situation auf den Strommärkten angepasst werden.[30]

Bereits Mitte der 1980er Jahre wurde ein Großwärmespeicher mit einem Fassungsvermögen von rund 29 Millionen Litern errichtet. Im Rahmen des Transformationsplans ist der Bau weiterer Speicher vorgesehen.[31]

Power-to-Heat

Ein Bestandteil der Erzeugungsstrategie ist der Einsatz von Power-to-Heat . Dabei wird elektrische Energie – insbesondere bei hoher Einspeisung erneuerbarer Energien – mithilfe von Elektrodenheizkesseln in Wärme umgewandelt und in das Fernwärmenetz eingespeist oder zwischengespeichert.[32]

Der erste Elektrodenheizkessel wurde 2013 in Betrieb genommen. Die Technologie trägt dazu bei, Strom aus erneuerbaren Energien flexibel in das Wärmesystem zu integrieren und Netzschwankungen auszugleichen.[33]

Transformationsplan

Die Stadtwerke Flensburg verfolgen das Ziel, die Fernwärmeerzeugung bis 2035 klimaneutral zu gestalten. Grundlage hierfür ist ein mehrstufiger Transformationsplan, der den schrittweisen Ersatz fossiler Wärmeerzeugung durch erneuerbare Energieträger vorsieht.[34]

Zu den vorgesehenen Maßnahmen gehören der Bau mehrerer Großwärmepumpen, die Nutzung von Meerwasser aus der Flensburger Förde als Wärmequelle, der Ausbau von Power-to-Heat-Anlagen, zusätzliche Wärmespeicher, Solarthermieanlagen sowie wasserstofffähige Gaskraftwerke. Gleichzeitig wird das Fernwärmenetz an niedrigere Betriebstemperaturen angepasst.[35]

Meerwasser-Großwärmepumpe

Ein zentrales Projekt des Transformationsplans ist der Bau einer Großwärmepumpe am Heizkraftwerk Flensburg. Die Anlage nutzt Wasser aus der Flensburger Förde als Wärmequelle. Mit einer thermischen Leistung von 60 Megawatt soll sie nach ihrer geplanten Inbetriebnahme im Jahr 2027 rund 35 Prozent des jährlichen Fernwärmebedarfs decken.[36]

Nach Angaben des Unternehmens belaufen sich die Investitionen für die erste Großwärmepumpe auf rund 70 Millionen Euro. Das Projekt gilt als einer der zentralen Bausteine der Dekarbonisierung der Flensburger Wärmeversorgung.[37]

Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit bildet nach Unternehmensangaben eine strategische Leitlinie der Stadtwerke Flensburg. Sie umfasst ökologische, ökonomische und soziale Aspekte der Unternehmensentwicklung und ist Bestandteil der Unternehmensstrategie 2026–2030. Zentrale Ziele sind die Sicherstellung einer wirtschaftlichen Energieversorgung, die Dekarbonisierung der Fernwärme bis 2035 sowie Investitionen in eine zukunftsfähige Infrastruktur.[38][39]

Das Unternehmen verfügt über integrierte Managementsysteme in den Bereichen Qualitäts-, Umwelt-, Energie- sowie Arbeits- und Gesundheitsschutzmanagement. Diese orientieren sich an internationalen Normen und werden regelmäßig extern zertifiziert.[40]

Regionales Engagement

Als kommunales Unternehmen engagieren sich die Stadtwerke Flensburg in den Bereichen Sport, Kultur, Bildung und Soziales. Darüber hinaus unterstützen sie regionale Veranstaltungen und Vereine sowie Projekte zur Förderung des Umwelt- und Klimaschutzes.[41]

Die Stadtwerke sind Mitglied im Klimapakt Flensburg, der das Ziel verfolgt, die Stadt bis zum Jahr 2035 klimaneutral zu entwickeln. Das Unternehmen beteiligt sich im Rahmen dieses Bündnisses unter anderem durch Maßnahmen zur Dekarbonisierung der Fernwärmeversorgung.[42]

Telekommunikation

Neben der Energieversorgung betreiben die Stadtwerke Flensburg ein Glasfasernetz in Flensburg sowie in angrenzenden Gemeinden wie Harrislee und Glücksburg. Das Unternehmen bietet Internet-, Telefonie- und Datendienstleistungen für Privat- und Geschäftskunden an.[43]

Nach Unternehmensangaben werden ausschließlich glasfaserbasierte Anschlüsse bis in Gebäude beziehungsweise Wohnungen (FTTH) angeboten. Der Ausbau erfolgt schrittweise in Kooperation mit Kommunen und Grundstückseigentümern.[44]

Auszeichnungen und Zertifizierungen

Die Stadtwerke Flensburg verfügen über mehrere Zertifizierungen für ihre Managementsysteme, darunter nach DIN EN ISO 50001 (Energiemanagement), DIN EN ISO 14001 (Umweltmanagement), DIN EN ISO 9001 (Qualitätsmanagement) sowie DIN ISO 45001 (Arbeits- und Gesundheitsschutz).[45]

Für den Ausbau ihres Glasfasernetzes wurde das Unternehmen vom Bundesverband Breitbandkommunikation (BREKO) mit dem Zertifikat „ECHTE Glasfaser“ ausgezeichnet. Darüber hinaus erhielt das Unternehmen in verschiedenen bundesweiten Vergleichsstudien Auszeichnungen für Kundenservice, faire Tarifgestaltung und Nachhaltigkeit.[46]

Literatur

  • Stadtwerke Flensburg GmbH (Hrsg.): Geschäftsbericht 2025, Flensburg 2026
  • Stadtwerke Flensburg GmbH (Hrsg.): Transformationsplan Fernwärme 2035, Flensburg
  • Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Veröffentlichungen zur Wirtschafts- und Industriegeschichte Flensburgs
  • Arbeitsgemeinschaft für Wärme und Heizkraftwirtschaft (AGFW): Fachveröffentlichungen zur Fernwärme und Kraft-Wärme-Kopplung
  • Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (Hrsg.): Veröffentlichungen zur Energiewende und kommunalen Wärmeplanung
Commons: Stadtwerke Flensburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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