Stanfieldit

Phosphat Mineral From Wikipedia, the free encyclopedia

Stanfieldit (IMA-Symbol Stf[2]) ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ mit der chemischen Zusammensetzung Ca4Mg5(PO4)6[1] und damit chemisch gesehen ein Calcium-Magnesium-Phosphat.

Schnelle Fakten Allgemeines und Klassifikation, Kristallographische Daten ...
Stanfieldit
Kleines, hell bernsteinfarbenes Stanfieldit-Korn aus dem Estherville-Meteoriten
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer

1966-045[1]

IMA-Symbol

Stf[2]

Chemische Formel
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Phosphate, Arsenate und Vanadate
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VII/A.04
VII/A.05-020[4]

8.AC.70
38.03.05.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol monoklin-prismatisch; 2/m[5]
Raumgruppe C2/c (Nr. 15)Vorlage:Raumgruppe/15[6]
Gitterparameter a = 22,841 Å; b = 9,994 Å; c = 17,088 Å
β = 99,63°[6]
Formeleinheiten Z = 4[6]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 4,5 bis 5[7]
Dichte (g/cm3) gemessen: 3,15(1); berechnet: 3,15[7]
Spaltbarkeit Bitte ergänzen!
Farbe rötlich bis bernsteinfarben, bei Verwitterung blassbläulich; im Durchlicht farblos[7]
Strichfarbe Bitte ergänzen!
Transparenz durchsichtig
Glanz Bitte ergänzen!
Kristalloptik
Brechungsindizes nα = 1,594 bis 1,619[8]
nβ = 1,596 bis 1,622[8]
nγ = 1,604 bis 1,631[8]
Doppelbrechung δ = 0,010 bis 0,012[8]
Optischer Charakter zweiachsig positiv
Achsenwinkel 2V = 50° bis 60° (gemessen), 54° bis 62° (berechnet)[8]
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Stanfieldit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem, konnte bisher jedoch nur in Form von unregelmäßigen Körnern bis etwa einen Millimeter Größe sowie derb in Gesteinsäderchen und in Randzonen von Olivinkörnern gefunden werden.

In reiner Form ist Stanfieldit farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterfehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch durchscheinend weiß sein und durch Fremdbeimengungen eine rötliche bis bernsteinähnliche, bei Verwitterung auch eine blassbläuliche Farbe annehmen.

Etymologie und Geschichte

Entdeckt wurde Stanfieldit erstmals in Mineralproben, die dem Meteoriten Estherville entnommen wurden. Dieser ging am 10. Mai 1879 nahe dem gleichnamigen Ort im Emmet County (Iowa) in den USA nieder. Die Erstanalyse und -beschreibung erfolgte durch Louis H. Fuchs, der das Mineral nach Stanley Field (1875–1964) benannte. Dieser war Vorsitzender des Kuratoriums des Field Museum of Natural History in Chicago (Illinois), in dem auch ein Teil des Estherville-Meteoriten aufbewahrt wird.

Fuchs sandte seine Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen 1966 zur Prüfung an die International Mineralogical Association (interne Eingangsnummer der IMA: 1966-045[1]), die den Stanfieldit als eigenständige Mineralart anerkannte. Die Erstbeschreibung wurde im Folgejahr im Fachmagazin Science publiziert. Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Stanfieldit lautet „Stf“.[2]

Weitere Teile des Estherville-Meteoriten werden im Natural History Museum in London (England), im Muséum national d’histoire naturelle in Paris (Frankreich) und im Naturhistorischen Museum in Wien (Österreich) sowie in den USA an der Harvard University in Cambridge (Massachusetts) und im National Museum of Natural History in Washington, D.C. aufbewahrt.[7]

Bezüglich des als Typmaterial für Stanfieldit definierten Teils ist allerdings nichts Näheres bekannt.[9]

Klassifikation

Bereits in der zuletzt 1977 überarbeiteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Stanfieldit zur Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort zur Abteilung „Wasserfreie Phosphate, Arsenate und Vanadate ohne fremde Anionen“, wo er zusammen mit Brianit die „Stanfieldit-Brianit-Gruppe“ mit der Systemnummer VII/A.04 und dem weiteren Mitglied Panethit bildete.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VII/A.05-020. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Wasserfreie Phosphate [PO4]3−, ohne fremde Anionen“, wo Stanfieldit zusammen mit Brianit, Farringtonit, Ferromerrillit, Gurimit, Panethit, Strontiowhitlockit, Tuit, Whitlockit und Wopmayit sowie dem inzwischen diskreditierten Bobdownsit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VII/A.05 bildet.[4]

Auch die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte[10] 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Stanfieldit in die Abteilung der „Phosphate usw. ohne zusätzliche Anionen; ohne H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit mittelgroßen und großen Kationen“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 8.AC.70 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Stanfieldit die System- und Mineralnummer 38.03.05.01. Dies entspricht ebenfalls der Klasse der „Phosphate, Arsenate, Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserfreie Phosphate etc.“, wo das Mineral als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 38.03.05 innerhalb der Unterabteilung „Wasserfreie Phosphate etc., (A+B2+)3(XO4)2“ zu finden ist.

Kristallstruktur

Stanfieldit kristallisiert in der monoklinen Raumgruppe C2/c (Raumgruppen-Nr. 15)Vorlage:Raumgruppe/15 mit den Gitterparametern a = 22,841 Å; b = 9,994 Å; c = 17,088 Å und β = 99,63° sowie vier Formeleinheiten pro Elementarzelle.[6]

Bildung und Fundorte

Stanfieldit bildet sich als seltener Bestandteil in Meteoriten. Als Begleitminerale treten unter anderem Farringtonit, Olivin, Troilit und Whitlockit auf.[7]

Für das extrem seltene Mineral sind bisher weniger als 20 Fundstätten dokumentiert, wobei darunter überwiegend Meteoritenfunde sind.[11] Außer seiner Typlokalität, dem Estherville-Meteoriten, sind dies noch die ebenfalls in den USA gefundenen Meteoriten Newport (Arkansas), Eagle Station und Mount Vernon (Kentucky) sowie Albin (Wyoming).

Des Weiteren wurde Stanfieldit in folgenden Meteoriten beziehungsweise Meteoritenkratern entdeckt: Brahin (Belarus), Imilac-Meteoritenkrater (Chile), Dong Ujimqin Qi (Innere Mongolei, China), Zaisho (Japan), Santa Rosalía (Mexiko), Finmarken (Norwegen), Springwater (Kanada), Chaunskij und Omolon (Russland) sowie außer im Estherville- noch im Newport-, Eagle Station-, Mount Vernon- und Albin-Meteoriten.[12]

Zu den wenigen irdischen Fundstellen gehört die Aravait-Typlokalität im Hatrurim-Becken beziehungsweise der Hatrurim-Formation im regionalen Verwaltungsgebiet Tamar (auch Mo'atza Ezorit Tamar) im Südbezirk von Israel. Diese gilt als erster irdischer Fundort von Stanfieldit und Keplerit.[13]

Weitere bekannte irdische Vorkommen sind der auch als Chiemsee-Pseudokrater (englisch Chiemsee pseudocrater) bekannte Chiemgau-Einschlag in Oberbayern (Deutschland), die prähistorische Schlackefundstätte am Goldbichl bei Igls in Tirol (Österreich) und die Deynekoit-Typlokalität, ein kleiner Phosphorit-Prospektionssteinbruch im Daba-Siwaqa-Komplex innerhalb der Region Hashem des jordanischen Gouvernements Amman.[12]

Siehe auch

Literatur

  • Louis H. Fuchs: Stanfieldite: A New Phosphate Mineral from Stony-Iron Meteorites. In: Science. Band 158, Nr. 3803, 1967, S. 910–911, doi:10.1126/science.158.3803.910 (englisch).
  • Michael Fleischer: New Mineral Names. In: American Mineralogist. Band 53, Nr. 3–4, 1968, S. 507–511 (englisch, minsocam.org [PDF; 346 kB; abgerufen am 17. Dezember 2025]).
  • B. Dickens, W. E. Brown: The crystal structure of Ca7Mg9(Ca,Mg)2(PO4)12. In: Tschermaks Mineralogische und Petrographische Mitteilungen. Band 16, 1971, S. 79–104, doi:10.1007/BF01099079 (englisch).
  • Sergey Britvin, M. G. Krzhizhanovskaya, Vladimir Bocharov, Edita V. Obolonskaya: Crystal Chemistry of Stanfieldite, Ca7M2Mg9(PO4)12 (M = Ca, Mg, Fe2+), a Structural Base of Ca3Mg3(PO4)4 Phosphors. In: Crystals. Band 10, Nr. 6, 2020, S. 464, doi:10.3390/cryst10060464 (englisch, Download verfügbar bei researchgate.net [abgerufen am 17. Dezember 2025]).
Commons: Stanfieldite – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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