Stations

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Stations ist eine Videoinstallation auf fünf Kanälen von Bill Viola, die in The American Center, in Paris 1994 ihre Premiere hatte. 1996 wurde sie nach ihrer erstmaligen Präsentation in Deutschland 1996 von Heinrich Klotz für das Museum für neue Kunst, jetzt ZKM Karlsruhe, erworben.[1]

Beschreibung

Bill Viola, Stations, 1994
in der Online-Sammlung des ZKM Karlsruhe
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(Bitte Urheberrechte beachten)

Die 5-Kanal-Video/Audio-Installation besteht aus 5 Leinwänden (je 2,82 × 1,78), 5 Granitplatten (2,82 × 1,78 × 0,06 m), 5 Laserdiscs, 5 Videoprojektoren, Abspielgeräten, und Lautsprechern, wobei die genauen Maße vom Installationsraum abhängig sind.[2] In Paaren von zwei und drei von der Decke hängenden Leinwänden stehen Unterwasseraufnahmen des menschlichen Körpers im Fokus. Angestrahlt von einem schräg einfallendem Licht schweben die Körper in Zeitlupentempo in Wasser. Jede Projektion besitzt eine eigene Tonspur, auf der Unterwassergeräusche zu hören sind. Auf dem Kopf projiziert, erscheint die Spiegelung jeder Figur orthogonal richtig auf den jeweils darunterliegenden Granitplatten.[3]

In zunächst unregelmäßigen Intervallen gleiten die Figuren, eine junge Frau, eine schwangere Frau, ein Junge, ein erwachsener und ein alter Mann, aus dem Bildraum und nur um dann wieder in das Wasser einzutauchen. Während sich das Wasser beruhigt gleiten die Figuren hindurch, bis sich der Zyklus wiederholt.[4] Zu einem Zeitpunkt tauchen alle fünf Körper gleichzeitig in das Wasser ein.[5]

Interpretation

Viola behandelt in seinem Werk Fragestellungen des menschlichen Daseins. Zentrale Motive wie Feuer und Wasser oder Tod und Geburt, erzeugen eine existenzielle und universelle Spannung, die seine Werke kennzeichnen.[6] Es gibt zwei Interpretationstendenzen seiner Arbeit, religionsphilosophisch und psychoanalytisch nach C. G. Jung. Violas oft zitierte Nahtoderfahrung im Alter von zehn Jahren könnte auch eine treibende Kraft für die sich wiederholenden Motive sein.[7]

Stations kann im doppelten Sinn verstanden werden, sowohl räumlich als Stationen als auch als zeitliche Stadien, welche die Figuren in unterschiedlichen Altersstufen zeigen. In Verbindung mit der christlichen Ikonographie werden diese auch als Stationen eines Kreuzweges verstanden.[8] Die Granitplatten erinnern an Grabsteine, die Assoziationen von Tod und (Wieder-)Geburt wecken.[9] In den Granitplatten findet sich durch die Spiegelungen auch eine doppelte Struktur wieder. Ihre harte, kalte und beständige Materialität steht im Kontrast zu den veränderlichen, flüssigen und weichen Projektionen.[10]

Die unbekleideten Körper sind frei von gesellschaftlichen Prädispositionen, wobei die Schwangerschaft eindeutig auf ein Rudiment der Naturzeit verweist.[11] Die Bewegung der Zeit in der Arbeit setzt unserem linearen Gesellschaftsmodell eine zirkuläre Denkweise entgegen, die beispielsweise im Kulturbereich Persiens, welcher z. B. Rumi angehört, vorherrscht.[12] Die Abwesenheit der Köpfe aus dem Blickfeld entfernt die ratio aus dem Geschehen.[13]

Eine weitere Inspirationsquelle soll das Gemälde Die Vision des Apostels Petrus des hl. Petrus Nolascus (1692) von Francisco de Zurbarán gewesen sein, in welchem eine kopfüber schwebende Figur verbildlicht wird.[14]

Das Symbol des Wassers

Bill Viola beschreibt das Wasser als Ort des Übergangs und als Barriere zu einer anderen Welt oder gar ins Jenseits. In Stations umgibt das Wasser die Figuren völlig und weist auf ein vorgeburtliches Stadium in der Gebärmutter hin.[15] Das Untertauchen kann als ein Auflösen der körperlichen Daseinsform verstanden werden, das Auftauchen wiederholt den kosmologischen Akt der Formwerdung. Bill Viola beschreibt diese Erfahrung als „Schweben in diesem Zustand des Nichts“.[16]

Das Motiv des Übergangs und des Wassers findet auch in weiteren Werken Bill Violas Anwendung, sowie in the arc of ascent (1992), in welchem der Künstler selbst durch Luft fällt, und in the messenger (1996) aus Wasser auftaucht.[17]

Rezeption

Der dunkle und offene Installationsraum konzentriert die Aufmerksamkeit der Betrachtenden auf das Werk. Die Dunkelheit ist aus projektionstechnischen Gründen nicht zwingend erforderlich und somit eine klare inszenatorische Entscheidung.[18] Betrachter können sich frei im Raum bewegen, da kein bestimmter Standpunkt vorgegeben ist.[19] Eine meditative Versenkung in die Kontemplation soll möglich gemacht werden.[20]

Die Verlangsamung

Die Verlangsamung von Zeit ist charakteristisch für das Werk Violas. Die Zeit ist dem Medium des Videos zwar immanent, doch nutzt Viola sie gezielt um einen selbstreferentiellen Erlebnisraum für die Betrachter zu kreieren.[21] Entgegen alltäglichen Sehgewohnheiten verharren und beobachten wir, und es entsteht ein Resonanzraum für das Wahrgenommene.[22] Das wahrgenommene Bild wird zur Erinnerung im Betrachter.[23]

Ausstellungen

Literatur

  • Stations - Bill Viola: zur Ausstellung Stations - Bill Viola. Katalog anlässlich der Ausstellungen im Württembergischen Kunstverein Stuttgart und in der Lannan Foundation, Los Angeles. Hatje Cantz, Ostfildern-Ruit 1996. ISBN 3-89322-314-2
  • Marion Thielebein: Strategien der Verlangsamung. Bill Violas Videoinstallationen 1983-2007. Fink, Paderborn 2015. ISBN 978-3-77055786-8
  • Marilyn A. Zeitlin: Buried Secrets: Continuities in the work of Bill Viola. Hrsg. Kestner-Gesellschaft Hannover 1995.

Einzelnachweise

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