Stefan Lippert

deutscher Wirtschafts- und Politikwissenschaftler, Unternehmensberater und Hochschullehrer (1969-2016) From Wikipedia, the free encyclopedia

Leben & Wirken

Stefan Lippert wurde am 4. Mai 1969 in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt geboren, wo er auch aufwuchs und seine Schulausbildung absolvierte. Ab 1988 studierte er an der der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Recht, Philosophie, Geschichte und Theologie und promovierte im Jahr 1995 mit einer Dissertation über Felix Fürst zu Schwarzenberg – Eine politische Biographie zum Doktor der Philosophie. Danach wirkte er als Assistenzprofessor am Historischen Seminar der Universität und promovierte im Jahr 2000 an der Theologischen Fakultät mit einer Arbeit zum Thema Recht und Gerechtigkeit bei Thomas von Aquin – Eine rationale Rekonstruktion im Kontext der Summa Theologiae zum Doktor der Theologie. Bereits zwei Jahre vor seiner zweiten Promotion hatte er im Jahr 1998 erste direkte Berührungspunkte nach Japan.

Mit einem Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) verbrachte er ein Jahr an der Faculty of Political Science and Economics der Waseda-Universität in Tokio, nachdem er sich bereits seit seiner Jugend für die japanische Kultur interessierte. Während dieses Aufenthalts sammelte er Materialien für seine Habilitation zum Thema Geistesgeschichtliche Grundlagen des Neoliberalismus und setzte zugleich seine zuvor begonnenen Studien der japanischen Sprache fort. Die dort gewonnenen Eindrücke, insbesondere die Ästhetik und Dynamik Japans, prägten seine spätere Lebensplanung maßgeblich. Im Anschluss an seine wissenschaftlichen Arbeiten und den Spracherwerb in Japan wechselte Lippert im August 1999 für ein Jahr an die zur Harvard University gehörende Harvard Law School im US-Bundesstaat Massachusetts, um dort zu forschen. Neben Japan hatte er sich bereits seit Längerem auch für das amerikanische Hochschulsystem und sowie die offene intellektuelle Elite interessiert.

Im Jahr 2001 kehrte Lippert wieder nach Deutschland zurück, wo er in den ersten beiden Jahren als Consultant bei McKinsey & Company in Frankfurt am Main beschäftigt war. Danach wechselte er für zwei weitere Jahre zu Krups Consultants & Partners nach Düsseldorf und stieg im Jahr 2005 bei Simon-Kucher & Partners in Bonn ein, mit der Aussicht, als Partner das Japan-Geschäft des Unternehmens in Tokio aufzubauen. Im Zuge der Eröffnung des Japan-Büros kehrte Lippert Anfang 2006 nach Tokio zurück; ein Jahr später wurde er in den Vorstand von Simon-Kucher & Partners berufen. Als Managing Director Japan gehörten zu seinen Klienten internationale und japanische Unternehmen aus der Automobil-, Konsumgüter-, Finanz- und Pharmaindustrie.

2008 begann Lippert seine Tätigkeit am Japan Campus der Temple University, an der er im Jahr 2012 zum ordentlichen Professor ernannt wurde. Dort lehrte er internationale Unternehmensstrategie und Unternehmensführung, wobei ein wesentlicher Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Forschungs-, Lehr- und Beratungstätigkeit auf den sogenannten Hidden Champions lag. Sein Fokus richtete sich dabei vor allem auf den Raum Japan und Ostasien sowie auf weitgehend unbekannte mittelständische Unternehmen, die sich auf dem Weltmarkt eine führende Position erarbeitet haben oder eine solche anstreben. Nebenbei lehrte er als Gastprofessor an verschiedenen Universitäten in Japan, darunter an der Waseda-Universität, der Universität Tsukuba und der Universität für Handel und Wirtschaft Nagoya. Außerdem hatte er Gastprofessuren an der Sungkyunkwan-Universität in Seoul (Südkorea) und der Jinan-Universität in Guangzhou (China).

In seiner Tätigkeit als Consultant beriet Lippert zahlreiche Unternehmen in Japan und im übrigen Asien. Zudem trat er regelmäßig im japanischen Fernsehen auf und fungierte als wichtiger Ansprechpartner für ausländische Industrie- und Handelskammern sowie Wirtschaftsverbände in Japan. Darüber hinaus war er Mitglied im 1884 gegründeten The Tokyo Club, einem angesehenen privaten Gesellschaftsklub.

Neben seiner unternehmerischen und akademischen Tätigkeit nutzte er seine Freizeit für sportliche Aktivitäten: Er ging Skifahren in den Japanischen und Schweizer Alpen, unternahm Motorradtouren (unter anderem durch Südafrika) und war als Taucher vor Okinawa, im Roten Meer sowie in weiteren Weltmeeren unterwegs. Eine weitere Leidenschaft galt dem Wandern und Bergsteigen; bei einem solchen Ausflug kam Lippert auch ums Leben. Am 31. August 2016 starb Lippert im Alter von 47 Jahren nach der Besteigung des Kilimandscharo in der am Südhang des Berges gelegenen Stadt Moshi in Tansania. Sein Leichnam wurde nach Deutschland überführt, kremiert und die Asche in seiner Geburtsstadt Kiel und im Zen-Garten des Taizō-in-Tempels in Kyōto beigesetzt. Die Urnentrauerfeier mit anschließender Beisetzung in Kiel fand am 22. September 2016 statt.[1][2]

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI